Von Pflach auf den Säuling – Tipps für eine unvergessliche Bergwanderung

Der Säuling ist der Hausberg von Füssen und so markant, dass er wahrscheinlich auch dir schon öfters aufgefallen ist, wenn du von Norden kommend die A7 Richtung Österreich gefahren bist. Wie aus dem Nichts türmt sich die freistehende Felspyramide auf und sticht sofort ins Auge: Mächtig und einzigartig in seiner Form.

Viele Male bin ich am Säuling vorbeigefahren, ohne ihn auch nur einmal aus nächster Nähe bewundert zu haben. Die Lust ihn zu besteigen vergrößerte sich mit jedem weiteren Anblick. Vor knapp drei Jahren war es dann endlich an der Zeit, den eindrucksvollen Berg in den Ammergauer Alpen zu besteigen. Ein weiteres Mal wollte ich ihn einfach nicht links liegen lassen.

Hintergrundinfos zum Säuling in den Ammergauer Alpen

Laut deutscher Messung ist der Säuling 2.047 Meter hoch. Die Österreicher haben sogar noch einen Meter draufgepackt, sodass sie seine Höhe offiziell auf 2.048 Meter festgelegt haben. Ähnlich wie die Höhenangaben ist unklar, zu welchem Land der Berg eigentlich gehört. Der Säuling befindet sich schließlich direkt auf der deutsch-österreichischen Grenze.

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Bester Ausblick auf dem Wanderweg zum Säulinghaus

Daher hat der Säuling seinen Namen

Seinen Namen hat der Säuling aufgrund der säulenförmigen Felsen auf der Südseite erhalten. Für die Kelten war er einst “Der Berg, der durch die Wolken bricht”. Dafür verwendeten sie ein Wort, das dem heutigen “Säuling” stark ähnelt.

Diese Information habe ich nach meiner Besteigung einer Dokumentation des Bayerischen Rundfunks entnommen. Leider wurde diese kürzlich entfernt und ist nicht mehr abrufbar.

Auf den Spuren von Ludwig II.

Der Märchenkönig Ludwig II. soll erstmals im zarten Alter von zwölf Jahren auf dem Säuling gewesen sein. Vielleicht kam ihm damals in luftiger Höhe die Idee, das Schloss Neuschwanstein zu errichten. Es befindet sich am Fuße des Berges auf deutscher Seite. Vom Sattel unterhalb des Gipfels hast du einen perfekten Blick auf das Märchenschloss.

Willst du Ludwig II. nachahmen, hast du zwei Möglichkeiten für die Wanderung auf den Säuling: Du kannst entweder von der deutschen Seite in Schwangau starten oder von der kleinen Gemeinde Pflach in Österreich.

Von Pflach auf den Säuling – die Tour im Überblick

Ich entschied mich für die kürzere der beiden Varianten und startete meine Wanderung in Pflach. Vom Parkplatz des Säulinghauses führt sie über das Säulinghaus zum Gipfel.

In der folgenden Karte kannst du dir einen ersten Überblick zur Wanderung auf den Säuling verschaffen:

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Die Wanderung auf den Säuling ist nichts für Unerfahrene

Bevor du deine Wanderschuhe schnürst, möchte ich dich darauf hinweisen, dass die Wanderung zum Säuling keine Einsteigertour ist. Du solltest ebenso schwindelfrei wie trittsicher sein und über eine gute Kondition verfügen.

Die Wanderwege sind teilweise sehr steil und felsig. Außerdem führen sie über Geröll, sodass Rutschgefahr besteht. Unsichere Stellen sind mit Seilen gesichert, die dir zusätzlichen Halt beim Auf- und Abstieg geben.

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Südhang des Säulings
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Gipfel des Säulings im Blick

Insgesamt ist die Route von Pflach zum Säuling 4,11 Kilometer lang, wobei du 1.154 Höhenmeter für den Aufstieg bewältigen musst. Daten, die ich meiner Multisport-Uhr entnommen habe.

Da ich recht sportlich unterwegs war, erreichte ich den Gipfel nach 1:38 Stunden. Laut der Beschilderung im Tal solltest du dir drei Stunden für den Aufstieg einplanen.

Parkplatz Säulinghaus als Ausgangspunkt

Startpunkt der Tour, die auf dem gleichen Weg wieder zurückführt, ist der Säulinghaus-Parkplatz in Pflach (siehe Google Maps). An Feiertagen und am Wochenende kann es hier voll werden, weshalb du deine Wanderung auf den Säuling nicht zu spät starten solltest.

Vom Parkplatz marschierst du die ersten hundert Meter auf einer asphaltierten Straße, die parallel zum Lettenbach entlang führt. Anschließend wechselst du auf einen schmalen Pfad. Er leitet dich durch einen Wald, der mehrmals von einem Forstweg gekreuzt wird.

Tipp für Mountainbiker und Gravelbiker: Mit dem Rad kannst du dir den ersten Abschnitt zu Fuß sparen und bis zum Ende des Forstweges pedalieren.

Kurze Stärkung am Säulinghaus mit anschließendem Endspurt

Nach einiger Zeit taucht die imposante Südwand des Säulings auf. Von da an wird der Weg steiler und felsiger. Hast du die kleinen Serpentinen hinter dir gelassen, wartet das Säulinghaus auf dich. Der ideale Ort für eine Stärkung, sofern du deine Säuling-Tour gemächlich angehen willst.

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Von Pflach aus führt kein Weg am Säulinghaus vorbei

Vom Säulinghaus geht es über Schrofen und teilweise mit Seilen gesicherten Abschnitten weiter zur Gamswiese. In diesem Bereich ist deine Trittsicherheit gefragt. Achte darauf, dass du keine Steinlawinen lostrittst. Diese wiederum könnten böse Folgen für andere Wanderer haben.

Auf der Gamswiese bietet sich dir die Gelegenheit durchzuatmen, bevor du dich auf zum letzten Anstieg auf den Säuling machst. Auf dem kleinen Plateau gibt es genügend Platz, damit sich Wanderer nicht in die Quere kommen.

Kurz vor dem Gipfel des Säulings wird es nochmals etwas steiler, sodass du gegebenenfalls deine Hände einsetzen musst. Oben am Gipfelkreuz angekommen, heißt es dann aber erstmal: Rucksack ablegen und die Aussicht genießen.

Alternativroute auf den Säuling von Schwangau aus

➥ Start: Parkplatz Königgschlösser in Schwangau
➥ Strecke gesamt: 14 Kilometer
➥ Anstieg: 1.189 Höhenmeter
➥ Dauer: 7,5 Stunden

Die Höhepunkte der Säuling-Besteigung

Die komplette Wanderung zum Säuling und zurück zum Parkplatz in Pflach dauert ungefähr fünf Stunden. Obwohl es sich bei meiner vorgestellten Tour nicht um einen Rundweg handelt, gibt es überraschend viele Highlights, die auf dem Hin- und Rückweg für Abwechslung sorgen. 

Säulinghaus zum Einkehren

Anderthalb bis zwei Stunden nach deinem Start in Pflach erreichst du das 1925 erbaute Säulinghaus. Es liegt auf 1.720 Metern Höhe und ist in der Sommersaison täglich von 9:30 bis 18 Uhr geöffnet. 

Das Säulinghaus, das noch heute im Originalzustand ist, erreichst du ausschließlich zu Fuß. Daher musst du dir den Ausblick von der sonnenverwöhnten Terrasse auf die Lechtaler und Allgäuer Alpen erarbeiten. Auto- und Bustouristen wirst du an der Berghütte nicht antreffen, sondern ausschließlich Wanderer und Kletterer.

Die Ursprünglichkeit der Hütte zeigt sich dadurch, dass der Strom über eine kleine Solaranlage gewonnen wird und die Toiletten und der Waschraum vom Regenwasser versorgt werden. Nutze das Wasser daher nicht als Trinkwasser.

Eine Materialseilbahn ist für den Transport von Lebensmitteln und Getränken sowie zur Beseitigung des Mülls zuständig. Willst du dem Inhaber einen Gefallen tun, nimmst du deinen Abfall wieder mit ins Tal.

Im Säulinghaus gibt es die Möglichkeit zu übernachten. Alle Informationen dazu findest du unter saeulinghaus.at.

Die bezaubernde Gamswiese

Zwischen dem Säulinghaus und der Säulingspitze befindet sich ein mit einem grünen Teppich überzogener Sattel – die sogenannte Gamswiese. Ein Ort, der wie gemalt ist und mich sehr fasziniert hat.

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Die Gamswiese unterhalb des Säulings mit dem Allgäu im Hintergrund

Auch das frühere Kronprinzenpaar Maximilian und Marie war angetan von der Gamswiese. Daher brachen sie regelmäßig mit ihren Kindern Otto und Ludwig auf, um von der Gamswiese die atemberaubende Aussicht zu genießen.

Von der Gamswiese schweift dein Blick über den Forggensee und die Schlösser Neuschwanstein und Hohenschwangau. Gehst du den kleinen Hügel auf der anderen Seite des Säulings hinauf, erspähst du den Alpsee.

Traumblicke vom Säulinggipfel

Dass der Gipfel des Säulings einer der Höhepunkte ist, wird für dich keine große Überraschung sein. Er ist nicht nur das Ziel deiner Bergtour, sondern auch der Ort, an dem sich dir ein grandioses 360-Grad-Panorama eröffnet.

Vom Gipfelkreuz erkennst du

  • die Schlösser Neuschwanstein und Hohenschwangau,
  • den Forggensee,
  • das Tannheimer Tal sowie
  • das Wettersteingebirge mit der Zugspitze.

Bei guter Sicht schaust du sogar bis zum Ammersee und dem Starnberger See. Ich bilde mir sogar ein, in weiter Ferne die schneebedeckte Wildspitze, Österreichs zweithöchsten Berg, entdeckt zu haben. 

Beeindruckend fand ich auf dem Gipfel des Säulings den Kontrast zwischen dem deutschen Flachland mit seinen Seen und den mächtigen Bergmassiven der Alpen. Selten habe ich zuvor auf einem Berg gestanden, der landschaftlich so viel Abwechslung bietet. 

Der Nebengipfel Steinmann

Nur einen Steinwurf von der Säulingspitze entfernt, befindet sich ein kleiner Nebengipfel, der Steinmann. Er liegt etwas höher als der Säuling und ist mit einem weitaus kleineren Gipfelkreuz ausgestattet.

Der große Vorteil des Steinmanns: Auf dem Felsen war ich bei meinem Besuch ganz alleine. Den Anblick auf den Säuling konnte ich somit in aller Ruhe genießen.

Der Aufstieg zum Nebengipfel ist jedoch nicht ganz einfach. Du musst wenige Meter über einen schmalen Grat laufen, bei dem ein falscher Schritt zum freien Fall führen kann. Kurz vor dem Gipfel geht es steil bergauf.

Das Erklimmen des Steinmanns dauert zwar nur wenige Minuten, allerdings solltest du hierfür trittsicher und vor allem schwindelfrei sein. Fühlst du dich unsicher, verbleibe mit all den anderen Wanderern auf dem Säuling. Die Aussicht ist nahezu die gleiche.

6 Tipps für deine Wanderung auf den Säuling

Damit du bestens für deine Wanderung von Pflach auf den Säuling vorbereitet bist, habe ich noch ein paar Tipps für dich. Diese solltest du beachten, schließlich gehört die imposante Felspyramide nicht unbedingt zu den Einsteiger-Routen.

1. Greife auf gute Wanderschuhe zurück

Gute Wander- bzw. Bergschuhe sind ein absolutes Muss. Ebenso wie eine gewisse Trittsicherheit. Fehlt dir beides, bringst du dich in unnötige Gefahr.

Spätestens nach der Südwand wirst du mit Joggingschuhen an deine Grenzen stoßen. Hinzu kommt, dass es vereinzelt große, flache Steine gibt, die sehr rutschig sein können.

Wanderschuh-Empfehlung: Ich trage bei Bergtouren den Hanwag Tatra II, der mir den notwendigen Halt gibt und sich bei langen Touren angenehm anfühlt.

2. Gib acht auf andere Wanderer

Bewege dich verantwortlich im Gelände und passe auf, dass du keine unnötigen Steinlawinen lostrittst. Dir wird das Geröll zwar nichts ausmachen, für andere Wanderer können kleine, herabrollende Steine jedoch schwerwiegende Folgen haben.

3. Setze Trekkingstöcke sinnvoll ein

Verwendest du für den Aufstieg Trekkingstöcke, solltest du diese ab dem Säulinghaus wegpacken, um dich voll und ganz auf die Sicherungsseile und steilere Passagen zu konzentrieren. Ein geübter Handgriff ist dann oftmals wertvoller, als dich mit den Stöcken auf den rutschigen Felsen abzustoßen.

Bei mir kommen die Trekkingstöcke Leki Sherpa XTG zum Einsatz, die sich leicht am Rucksack verstauen lassen.

4. Der frühe Vogel fängt den Wurm

Beginne deine Tour früh am Morgen. Da der Einstieg der Wandertour sowohl von Pflach als auch von Schwangau gut erreichbar ist und viele Nachahmer den Blick auf die Schlösser genießen wollen, kann es mittags recht voll auf dem Gipfel des Säulings werden. Erste Anzeichen von Overtourism sind deutlich zu erkennen.

5. Schätze deine Fähigkeiten realistisch ein

Überschätze dich nicht und werde beim Aufstieg nicht übermütig. Plane bei geringer Kondition genügend Pausen ein, zum Beispiel am Säulinghaus und auf der Gamswiese. Die Erinnerungskreuze und Gedenksteine, die du passieren wirst, sollten dir Warnung genug sein.

6. Schlage dein Basecamp in Pflach auf

Pflach ist eine kleine Tiroler Gemeinde, die der ideale Ausgangspunkt für spannende Wanderungen ist. Nicht nur, weil eine Etappe des Lechwegs durch den Ort führt, sondern auch wegen des Hüttenmühlsees mit seinem Vogelerlebnispfad.

Zudem sind beliebte Ausflugsziele, zum Beispiel die Hängebrücke highline179, die Burgenwelt Ehrenberg, der malerische Plansee und die Gemeinde Reutte nur einen Steinwurf entfernt. Es lohnt sich daher ein paar Tage in Pflach zu bleiben und weitere Attraktionen in der Umgebung zu erleben.

Bist du noch auf der Suche nach einem Nachtlager. Dann habe ich hier drei besonders gut bewertete Unterkünfte für dich:

Der Säuling ist weit mehr als nur ein kurzer Zwischenstopp

Nach der Besteigung des Säulings verbrachte ich noch einige Tage in Tirol, genauer gesagt in Nauders. Als ich mich wenige Tage später wieder Richtung Heimat aufmachte, passierte ich erneut den Säuling.

Noch lange verfolgte er mich beim Blick in den Rückspiegel. Diesmal allerdings mit dem Unterschied, dass er mir ein fettes Grinsen ins Gesicht zauberte und mit der Gewissheit, den 2.047 Meter hohen Felsriesen endlich bestiegen zu haben.

Sicher wird auch dir der Säuling auffallen, wenn du das nächste Mal die A7 Richtung Österreich fährst. Mein Tipp: Schaue dir den Säuling bei einer Wandertour aus nächster Nähe an und genieße die traumhafte Aussicht vom Gipfel.

Oder warst du bereits auf dem Säuling? Wo war der Start deiner Route und was hat dich an der Wanderung ganz besonders begeistert? Ich freue mich auf einen Kommentar und den Austausch mit dir.

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