Warum Wandern alleine gar nicht so übel ist: Vorteile, Nachteile und Tipps

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Das Wandern alleine genießt nicht gerade den besten Ruf, aber warum ist das eigentlich so? Aus meiner Sicht völlig unberechtigt, schließlich bringt das Solo-Wandern einige Vorteile mit sich. Und genau diese möchte ich dir in diesem Blogbeitrag etwas näher vorstellen. Natürlich dürfen auch ein paar Tipps nicht fehlen, die du als “einsamer” Wanderer sowohl vor als auch während deiner Tour unbedingt befolgen solltest.

Wanderungen waren für mich für eine lange Zeit mit unterhaltsamen Stunden in kleinen Gruppen, geselligen Hüttenabenden und lange im Vorhinein geplanten Touren verbunden. Alleine zu wandern kam mir lange nicht in den Sinn. Doch irgendwann, als ich einmal wieder Lust auf eine Wander- beziehungsweise Trekkingtour hatte, kam die Frage auf: “Wer geht mit mir wandern?”

Als sich niemand fand, hatte ich zwei Möglichkeiten: Entweder selbstständig loszuziehen oder mit dem Allerwertesten zu Hause zu bleiben und – buchstäblich – in die Röhre zu schauen?

Natürlich machte ich mich damals alleine auf den Weg. Ich genieße es auch heute noch in trauter Einsamkeit neue Gipfel zu besteigen, Seenlandschaften zu begutachten oder traumhafte Pfade entlang zu wandern. Für mich ist Solo-Wandern der pure Genuss und ein wichtiger Ausgleich zum gewöhnlichen Alltag.

Der Drang nach draußen ist bei mir ebenso groß wie der Ruf nach Bewegung, zumal ich doch recht viel Zeit vor dem flackernden Bildschirm meines Laptops verbringe. Dass das ständige Sitzen vor dem Computer Gift für den Körper ist, muss ich dir wohl kaum sagen. Für den Kopf ist Bewegung im Freien ebenfalls unerlässlich. Ganz egal, ob beim Wandern, deinen Laufrunden oder unterwegs auf dem Mountainbike.

Wanderungen nur mit mir unternehme ich auch deshalb immer wieder gerne, um wichtige Entscheidungen zu treffen, mir Ideen für neue Projekte zu überlegen oder um einfach mal zu entspannen. Versteh mich nicht falsch – ich bin sehr gerne unter Menschen und mir macht es unheimlich großen Spaß mit anderen zu reisen, mehrtägige Hüttentouren mit ihnen zu absolvieren und mich mit Freunden auszutauschen. Aber manchmal gibt es nichts Schöneres als Schritt für Schritt ohne jegliche Kommunikation durch die Gegend zu streifen.

Solo-Wandern – das sind die Vorteile

Habe ich dich mit meinen Beweggründen für das Solo-Wandern überzeugt? Wahrscheinlich noch nicht. Kein Wunder, denn jeder hat seine individuellen Absichten aufzubrechen oder es sein zu lassen. Ein paar Vorteile, die das Wandern alleine mit sich bringt, möchte ich dir aber gerne noch aufzeigen:

Meditative Wirkung

Wandern alleine hat durch die monotone Fortbewegung, die fehlende Ablenkung durch Gesprächspartner und die Natur eine meditative Wirkung. Du hast genügend Zeit, deine Gedanken zu ordnen und vom Alltag abzuschalten. Es dauert gewiss eine Weile bis du tatsächlich runterfährst und einen klaren Kopf bekommst, aber es wird garantiert funktionieren.

Individuell unterwegs

Du entscheidest nicht nur die Route, die du gehen willst, sondern auch das Tempo, wo und wann du Pausen einlegst und ob es sich lohnt, deine Tour spontan zu ändern. Zudem musst du auf niemanden warten oder dich von ambitionierten Wanderern hetzen lassen. Auch Kompromisse musst du keine eingehen, wodurch unnötige Streitigkeiten vermieden werden.

Natur bewusster genießen

Beim Wandern alleine gibt es nur dich und die Natur. Du erlebst deine Umgebung intensiver und nimmst bestimmte Geräusche sowie Gerüche war. Außerdem genießt du die Landschaft vollkommen anders, als wenn du in einer Gruppe wandern oder du dich in ein Gespräch mit einem Gefährten verlieren würdest. Die Natur ist schön und das wird dir meist erst bewusst, wenn du sie durchstreifst ohne abgelenkt zu werden.

Über sich hinauswachsen

Jetzt ist es nicht so, dass Wandern zu den Extremsportarten zählt, die deinen Adrenalinspiegel nach oben pushen. Aber auch beim Wandern gibt es Momente, in denen du über dich hinauswächst oder du Ängste überwinden musst. Zum Beispiel, wenn du alleine durch den Wald streifst, einen Gipfel besteigst, Tiere deinen Weg kreuzen – oder das Alleinsein selbst. Nicht jeder weiß etwas mit sich anzufangen, was bei manch einem eine ordentliche Portion Überwindung kostet.

Wandern alleine hat nicht nur positive Seiten

Es wäre Quatsch zu behaupten, dass Solo-Wandern nur positive Seiten hat und besser als das Wandern zu zweit oder in der Gruppe ist. Wandern alleine hat auch einige negative Aspekte, weshalb ich nicht nur gute Erfahrungen gemacht habe und die ein oder andere Wanderung als recht öde empfunden habe.

Einige der Nachteile, auf die du vorbereitet sein solltest, habe ich dir im Folgenden kurz zusammengefasst:

  • Bei Verletzungen bist du auf dich alleine gestellt.
  • Du hast keinen Gesprächspartner, was weniger schöne Routen, ziemlich trist und zäh wirken lässt.
  • Dein Proviant sowie deine Wanderutensilien müssen perfekt abgestimmt sein, damit es dir an nichts fehlt.
  • Es zieht einen niemand mit, wenn du mal nicht mehr kannst oder die Lust nachlässt.
  • Die Angst vor wilden Tieren, seltsamen Wanderer oder bei schlechtem Wetter ist größer.

Tipps zum Wandern alleine

Abschrecken solltest du dich von den Nachteilen keinesfalls, denn die Vorteile überwiegen bei weitem. Doch bevor du deine Wanderschuhe schnürst, möchte ich dir im nächsten Abschnitt noch ein paar Tipps mit auf den Weg geben, die du sowohl vor deiner Wanderung als auch währenddessen beachten solltest.

Vorbereitung

  1. Informiere dich vor dem Aufbruch über die Wegbeschaffenheit, den Wetterbericht und mögliche Gefahren.
  2. Lege dir die richtige Ausrüstung zurecht und packe deinen Rucksack gewissenhaft.
  3. Kläre mindestens eine Kontaktperson über deine geplante Rucksacktour auf: Wann gehst du wandern? Was ist dein Ziel? Wie lange und mit wem bist du unterwegs?
  4. Nimm dein Smartphone mit, um im Ernstfall einen Notruf abzusetzen. Alternativ empfehle ich dir eine kleine Pfeife, um dich im Notfall bemerkbar zu machen.
  5. Gehe deine geplante Route vorab auf einer Wanderkarte und/oder App durch und zeichne sie dir ein.
  6. Packe genügend Getränke und Essen ein, um während der Wanderung konzentriert und bei Kräften zu bleiben.
  7. Meide Orte, die mit dem Overtourism zu kämpfen haben und aus allen Nähten platzen.

Während der Tour

  1. Laufe nicht einfach blind drauf los, sondern nach Plan oder folge ausgeschilderten Wegen.
  2. Nutze ausschließlich offizielle Wanderwege, um Gefahren zu vermeiden und die Natur sowie die Tierwelt zu schützen.
  3. Überschätze deine Fähigkeiten nicht und gehe nicht an deine Grenzen.
  4. Mache zwischendurch kleine Pausen, um deinen Körper mit Flüssigkeit zu versorgen und den Kalorienhaushalt aufzufüllen.
  5. Sauge die Natur auf, lass die Social-Media-Kanäle aus und verzichte auf das Knipsen ultimativer Action-Fotos.
  6. Falls du Spuren wilder Tiere, zum Beispiel von Bären in Slowenien entdeckst, beginne zu singen, mit dir selbst zu sprechen oder in eine Trillerpfeife zu pusten. In der Regel haben Tiere kein Interesse an dir und verziehen sich bei Geräuschen.
  7. Schicke deiner Kontaktperson eine Nachricht, sobald du am Ziel angekommen bist.
  8. Hab Spaß und genieße es, alleine unterwegs zu sein.

Probiere es doch einfach mal aus

Es ist Quatsch, Solo-Wanderer zu bemitleiden, weil sie selbstständig durch die Alpen, Mittelgebirge oder Seenlandschaften ziehen. Meist kommt diese Einstellung von denjenigen, die selbst noch nicht alleine losgezogen sind oder mit dem Wandern recht wenig am Hut haben. Vielleicht zählst du dich auch dazu. Falls ja, habe ich eine Frage an dich: Was hindert dich daran es einmal zu versuchen?

Ich muss gestehen, dass es gelegentlich kaum etwas Schöneres gibt, als alleine auf einem Berg zu stehen, die himmlische Stille zu genießen und mir den Wind um die Nase wehen zu lassen. Ab und an ertappe ich mich sogar dabei, wie ich ein Lied anstimme und vor mich hinsinge.

Aber natürlich ist das Wandern alleine auch nur dann von Vorteil, wenn es aus freien Stücken geschieht. Von Hans Krailslaimer stammt ein passendes Zitat dazu:

Allein sein zu müssen ist das Schwerste, allein sein zu können das Schönste.

Die Entscheidung liegt “alleine” bei dir. Und mal ehrlich: Alleine bist du sowieso recht selten, da in der Regel andere Wanderer unterwegs sind, mit denen du weitaus schneller in Kontakt kommst als wenn du in einer Gruppe deine Kilometer abspulst. Mein Tipp: Probiere es doch einfach mal aus und plane eine individuelle Tour, so wie du sie schon immer machen wolltest. Entweder gefällt es dir oder eben nicht.

Als kleine Motivationsspritze lege ich dir vier Filme ans Herz, die das Solo-Wandern aus verschiedenen Blickwinkeln durchleuchten und sicherlich auch bei dir für Aufbruchsstimmung sorgen werden:

  • Dein Weg mit Martin Sheen
  • Into the Wild mit Emile Hirsch
  • Ich bin dann mal weg mit Hape Kerkeling
  • Der große Trip – Wild mit Reese Witherspoon

Natürlich interessiert mich abschließend noch, wie du zum Thema “Wandern alleine” stehst. Bist du gerne solo unterwegs? Welche Erfahrungen hast du bisher gemacht? Gibt es Tipps, die du mit meinen Lesern teilen willst? Hinterlasse gerne einen Kommentar. Ich freue mich auf den Austausch mit dir.

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