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Darum solltest du Surfen lernen – ein Plädoyer für einen fesselnden Sport

Braun gebrannt, durchtrainiert und die pure Lebensfreude. Drei Eigenschaften, die in unseren Vorstellungen dem Idealbild eines Surfers entsprechen. Doch was macht die Faszination Wellenreiten eigentlich aus? Hier ein Erklärungsversuch eines Teilzeit-Surfers, der längst mit dem Surf-Virus infiziert ist und dich zum Surfen lernen überreden möchte.

2010 war es, als ich mir mit einem Kumpel am North Beach in Durban erstmals ein Surfboard ausgeliehen hatte und meine ersten Geh-, oder besser gesagt, Stehversuche machte. Seitdem verschlägt es mich immer wieder auf die Wellen, sodass ich mit Südafrika, Mosambik, Fuerteventura, Brasilien, Bali, Thailand und Marokko einige exotische Surfspots vorzuweisen habe. Leider klingen diese weitaus besser, als es meine Fähigkeiten auf dem Surfbrett sind, denn hier gibt es weiterhin eine Menge Luft nach oben.

Seit zwei Wochen befinde ich mich zum zweiten Mal im marokkanischen Taghazout. Ein kleines Surferparadies in der Nähe von Agadir. Klar, dass ich auch hier jeden Tag versuche – sofern es die Wellen zulassen – ins Wasser zu gehen. Stets gut gelaunt laufe ich dann von meiner Unterkunft barfuß und in Neoprenanzug gekleidet mit dem Board unter dem Arm zum Meer, in der Hoffnung die ein oder andere gute Welle zu erwischen.

Warum aber ist das Surfen so ansteckend, wieso ist der Surfer-Lifestyle beliebter denn je und warum solltest auch du Surfen lernen? Ich habe die freie Zeit auf Grund des aktuell kaum vorhandenen Wellengangs genutzt, um dieser Frage etwas genauer auf den Grund zu gehen.

Surfen lernen: (M)ein Erklärungsversuch zur Faszination Wellenreiten

Wenn du ans Surfen denkst, dann hast du sicherlich Sommer, Sonne und Strand im Kopf, oder? So zumindest ergeht es mir, wenn ich in Gedanken schwelge.

Zwar gibt es auch tolle Surfspots in kälteren Regionen, wie zum Beispiel Irland oder Norwegen, aber tatsächlich wird Wellenreiten primär mit blauem Himmel, endlosen Sandstränden und Sonnenschein assimiliert.

Außerdem verbinde ich mit dem Surfen, wie du vielleicht auch, einen ziemlich lockeren Lifestyle, der mit den Begriffen easy going, hang loose und chillen einhergeht und einen Hauch von Nichtstun verspricht.

Bei Dämmerung am Strand rumhängen, Lieder von Jack Johnson auf der Akustik-Gitarre anhören und in gebräunte Gesichter blicken. Das ist es doch, wovon wir träumen, oder?

Nicht ganz, denn was mich ganz besonders am Surfen beeindruckt, ist diese Ruhe und Stille während ich beim Warten auf eine Welle im offenen Meer sitze. Daher gibt es kaum eine Sportart, bei der ich besser vom Alltag abschalten kann als auf dem Surfbrett im Meer schaukelnd.

Trotz all der Warterei, die teilweise sehr lange dauern kann, bin ich stets auf die nächste Welle fokussiert und bereit, diese mit aller Kraft anzupaddeln. Für andere Gedanken ist in diesem Moment kein Platz, sodass das Surfen fast schon eine meditative Wirkung aufzeigt.

Und eben diese Spanne zwischen Nichtstun und absoluter Höchstleistung ist es, die ebenso begeisternd wie herausfordernd ist, denn vom einen auf den anderen Moment musst du dich bereithalten, dein Board ausrichten, paddeln bis sich auch der letzte Muskel zwischen Mittelfinger und Schulterblatt bemerkbar macht und den Take-Off sauber überstehen. Von 0 auf 100 in wenigen Sekunden.

Irgendwo zwischen Passion und Depression

Es ist dieser ständige Wechsel zwischen herber Enttäuschung und puren Glücksgefühlen, der seinen Reiz beim Surfen hat. Es gibt kaum eine deprimierendere Sportart, zumindest von denen, die ich selbst ausprobiert habe, als Wellenreiten. Jeder noch so kleine Fehler wird bitter bestraft, sodass du eine Welle anpaddelst und diese …

1. gar nicht erst bekommst und wieder von vorne anfangen musst oder

2. du dermaßen von ihr durchgespült wirst, dass du nicht mehr weißt, wo oben und unten ist.

Auf der anderen Seite schießen die Glücksgefühle nur so aus dir heraus, wenn du auf dem Board stehst und Richtung Ufer oder parallel davon gleitest. Genau das ist es, dieses Gefühl, das jede Mühe und Anstrengung wert ist und dir zeigt, warum Surfen lernen eine der vielleicht besten Entscheidungen ist, die du jemals treffen wirst.

Das perfekte Workout gibt´s gratis dazu

Manch einer ist dem Surfsport verbunden, um sich während des Urlaubs fit zu halten. Absolut nachvollziehbar, da Surfen das perfekte Workout für unterwegs ist. Zugegeben ist so ein Tag auf dem Meer sowie das ständige Anpaddeln und Gleichgewicht halten unheimlich anstrengend.

Bereits nach wenigen Tagen wirst du feststellen, wie sich dein Körper an die Sportart anpasst und sich Muskelgruppen bemerkbar machen, die dir bisher alles andere als bekannt gewesen sind. Doch ist das der wahre Grund, warum so viele Leute vom Wellenreiten begeistert sind? Nur wegen des Workouts? Ich glaube nicht.

Hier des Rätsels Lösung: Das mit Abstand beste Gefühl – das kann ich dir jetzt schon versprechen – wird es sein, wenn du das erste Mal auf einer Welle stehst und von ihr getragen wirst. Ganz egal, wie lange. Dieses Gefühl ist einfach unschlagbar und definitiv der Moment, indem auch du mit dem Surf-Virus infiziert werden wirst.

Probiere es doch einfach mal aus

Das Surfen ist eine große Herausforderung und nicht an wenigen Tagen erlernbar. Geduld, Hartnäckigkeit und Ausdauer zahlen sich ebenso aus, wie ein guter Surfkurs zu Beginn.

Mit Brett ausleihen und auf eigene Faust üben ist es leider nicht getan, denn um ein guter Surfer zu werden, solltest du auch in der Theorie einiges auf dem Kasten haben. Beschäftige dich zusätzlich mit Themen wie Wellenkunde, Strömungen und der richtigen Boardwahl.

Um das Erlernte zu festigen rate ich dir – sofern möglich – mehrere Wochen an einem coolen Surfspot Halt zu machen und jeden Tag aufs Brett zu steigen. Auch, wenn es mal keine Wellen gibt, verbesserst du bei einer Einheit stets deine Ausdauer beim Paddeln und deine Balance auf dem Surfboard.

Bei großen Wellen darfst du dich an ordentlichen Waschgängen erfreuen, die dich auf den Boden der Tatsachen zurückholen. Immer, wenn ich denke, jetzt habe ich den Dreh raus, schüttelt mich die nächste Welle so sehr durch, dass innerhalb kürzester Zeit mein aufgestautes Selbstvertrauen und meine Selbstsicherheit dahin sind. Aber auch das ist Surfen, ein schmaler Grat zwischen Glücksgefühlen und deprimierenden Momenten.

Hast du mal darüber nachgedacht Surfen lernen zu wollen? Warum hast du es dann noch nicht versucht? Vielleicht packt es dich genauso wie mich, sodass wir uns irgendwo mal im Line-Up treffen. Und keine Sorge, mich findest du auch noch immer bei den einfacheren Spots, denn bis ich zu den Großen aufsteige ist es noch ein langer Weg.

Anmerkung: Sehr gut für erste Trockenübungen eignet sich die folgende Lektüre, die mir als hilfreiches Nachschlagewerk dient und die ich dir getrost weiterempfehlen kann.

WAVE CULTURE - Faszination Surfen: Das Handbuch der Wellenreiter
  • Stefan Strauss, Ralf Götze
  • Herausgeber: WAVE CULTURE Media
  • Auflage Nr. 6 (01.10.2016)
  • Taschenbuch: 192 Seiten

Fotocredit: Robin Ahne (Fuerteventura 2012) 

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