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Sri Lankas Süden: Von Hikkaduwa bis zu den Traumstränden von Tangalle

Sri Lanka ist lediglich so groß wie Bayern und versprüht weltweit über eine stetig wachsende Anziehungskraft. So auch bei mir, weshalb ich mich für zwei Wochen in das Land, dessen Silhouette einer Träne gleicht, aufmachte, um die vielen Facetten kennenzulernen. Die wunderbaren Strände von Hikkaduwa bis Tangalle im Südwesten durften da natürlich nicht zu kurz kommen. 

Eine rosige Vergangenheit hat Sri Lanka gewiss nicht vorzuweisen. So herrschten bis 2009 nicht nur grässliche Bürgerkriege, die von tamilischen Separatisten geführt wurden. Am 26. Dezember 2004 fiel das Land zudem dem furchtbaren Tsunami zum Opfer, wo mehr als 35.000 Sri Lanker ihr Leben lassen mussten.

Die negativen Ereignisse des Landes, das bis 1972 noch Ceylon hieß, sollen in diesem Beitrag allerdings nur eine Randnotiz sein, denn die Insel ist längst am Aufblühen und lockt viele Touristen aus aller Welt an. Vor allem die Traumstrände zum Surfen und Entspannen im Südwesten und Süden haben einen großen Anteil am Aufschwung.

Die Küste von Hikkaduwa nach Tangalle

Nachdem ich spätabends in Colombo gelandet war, machte ich mich am darauffolgenden Tag frühmorgens umgehend mit dem Zug für schlappe 160 Rupien auf in Richtung Hikkaduwa. Dort wartete ein befreundeter Digitaler Nomade, den ich vergangenes Jahr in Marokko kennenlernte und mit dem ich eben diesen zweiwöchigen Trip durch Sri Lanka geplant hatte.

Falls du dich fragst, warum die Wahl ausgerechnet auf den Süden beziehungsweise Südwesten fiel, dann lässt sich das ziemlich einfach beantworten: Sri Lanka wird von den Monsunen geprägt, weshalb einige Regionen nur zu bestimmten Zeiten bereisbar sind.

Während von Mai bis September der Yala Monsun im Südwesten sein Unwesen treibt, lädt die Ostseite bei bestem Wetter zum Baden und Surfen ein. Von Dezember bis März ist es genau andersrum, denn in diesem Zeitraum erfreut sich der Westen an besten Bedingungen zum Plantschen und vor allem zum Surfen.

Die vermeintliche Partyhochburg Hikkaduwa

Hikkaduwa war in den 70er-Jahren ein kleines Fischerdorf und gilt heute für viele als das Party-Mekka von Sri Lanka, was ich doch etwas überzogen finde. Zwar ist der Küstenort die (vielleicht) beste Adresse auf der Insel, um abends die Sau rauszulassen, im Vergleich zu anderen Destinationen wie Thailand oder Bali aber doch eher verhalten.

Hikkaduwa

Wo abends die größte Fete ist, signalisiert dir übrigens ein Feuerwerk, das täglich vor der jeweiligen Strandbar gezündet wird. Falls du dennoch keine passende Location finden solltest, dann stellt dich die urige und etwas durchgeknallte Drunken Monkey Bar garantiert zufrieden.

Der ideale Ort zum Surfen

Weitaus bekannter ist Hikkaduwa für seine sehr guten Bedingungen zum Surfen. An der langen Strandpromenade gibt es Wellen für jeden Schwierigkeitsgrad. Egal, ob du Anfänger bist und du deine ersten Erfahrungen in den kleinen Wellen sammelst oder du gemeinsam mit den Pros im Line-Up nach den besten Wellen Ausschau hältst – du wirst sicherlich fündig.

Überschätzen solltest du deine Fähigkeiten nicht, denn in Hikkaduwa gibt es fast ausschließlich Reef Breaks. Das bedeutet, dass du dich mit dem felsigen Untergrund anfreunden musst, der wiederum – positiv betrachtet – mitverantwortlich für die genialen Wellen ist.

Lediglich einen kleinen Beachbreak-Bereich gibt es. Doch dieser ist meist vollgestopft mit Surfschulen, deren Lehrer nicht unbedingt Luftsprünge machen, wenn sie auf einzelne Surf-Anfänger treffen. Zu Beginn deiner Surf-Karriere ist es sowieso besser, dich einer solchen Gruppe anzuschließen, wo es gar nicht erst zu Konflikten kommt.

Lecker Essen gehen in Hikkaduwa

Vor meiner Rucksacktour hatte ich gelesen, dass es in Sri Lanka das schärfste Essen Asiens geben würde. Bestätigen kann ich dies nicht, was auch daran liegt, dass ich den Monat zuvor in Chiang Mai in Thailand verbrachte und bereits abgehärtet war.

Lecker ist es dennoch, auch wenn es bei Weitem nicht so vielfältig wie die thailändische Küche ist. Besonders empfehlen kann ich dir zum Abendessen das Restaurant The Garlic und für den kleinen Hunger zwischendurch den No Name Rotty Shop. Beide befinden sich direkt an der Hauptstraße.

Ein wahrer Geheimtipp ist ein kleines, familiengeführtes Restaurant zwischen der Unterkunft Mountain Wave und der Hauptstraße. Das Besondere: es gibt lediglich ein Gericht, das unter anderem aus Reis, Curry und Hoppers besteht.

Unterkunftstipp: Das Why Not Guest House (bei Booking.com buchen) liegt in unmittelbarer Nähe zum Ein-Menü-Restaurant und befindet sich direkt am Strand. Mit seiner Terrasse lädt es zum Träumen ein, was mittlerweile leider auch andere Reisende wissen, die sich die Unterkunft gerne für längere Zeit unter den Nagel reißen.

Ein Land im Schatten des Tsunamis

Eine sehr traurige Geschichte ist Sri Lanka, wie bereits erwähnt, mit dem Tsunami am 26. Dezember 2004 widerfahren. Einige Gedenkstätten am Rande Hikkaduwas erinnern an die grässlichen Ausmaße der Naturkatastrophe.

Peraliya Buddha Statue

Auch, wenn deine Urlaubsstimmung getrübt wird, zeugt es von Respekt, diesen einen Besuch abzustatten. Das Memorial Tsunami Museum, die Peraliya Buddha Statue, welche die Höhe der 20 Meter hohen Welle widerspiegelt, und ein weiteres Denkmal liegen eng beieinander. Eine Rundtour mit dem Tuk Tuk kostet dich ungefähr 800 Rupien.

Gut überlegen solltest du dir. ob du dir die im Museum von einem Vorhang abgedeckten Fotos anschauen möchtest. Bilder, die das gesamte Ausmaß der Katastrophe wiedergeben, während die Bedienstete des Museums weitere Erzählungen zum Unglück von vor 14 Jahren auspackt. Aber auch das ist ein Teil der Geschichte, die noch heute ein ganzes Land prägt.

Kultur pur in Galle

Von Hikkaduwa ging es mit dem Tuk Tuk für 3.500 Rupien weiter in den Süden nach Weligama. Nicht aber ohne einen Zwischenstopp im 20 Kilometer südlich gelegenen Galle einzulegen. Die 100.000 Einwohner große Küstenstadt ist vor allem für ihr Fort und die Altstadt mit ihren kleinen Gassen, in denen sich vereinzelte Geschäfte mit urigen Cafés abwechseln, bekannt.

Die Altstadt und das Fort, welche als größte erhaltene europäische Festung in Südasien gilt, gehören zum Weltkulturerbe. Mit den pompösen Ausmaßen von Valletta auf Malta ist sie nicht vergleichbar, einen Besuch ist sie aber allemal wert.

Nachdem du vom Parkplatz aus einige wenige Verkäufer passiert hast, bietet sich dir ein toller Blick über das Meer auf der einen und das International Stadium auf der anderen Seite.

Die gesamte Anlage, deren Mauern aus Korallen und Granitsteinen erbaut wurde, erstreckt sich über drei Kilometer. Sofern du etwas Zeit mitbringst, lohnt es sich, das Fort entlang zu laufen und im Anschluss einen Bummel durch die Altstadt zu machen. Den Verkehr solltest du meiden, denn dieser ist, wie so oft in Sri Lanka, gekennzeichnet durch Chaos und Autoabgase.

Weligama: Surf-Eldorado und Kulturschock in einem

Die Gegend rund um Weligama war einst bekannt für ihre Stelzenfischer, die gemeinsam mit dem Farbspiel des Meeres für das perfekte Panorama sorgten. Mittlerweile gibt es davon nur noch sehr wenige, da die Fischer entweder mit dem Boot aufs offene Meer fahren oder direkt vom Ufer aus angeln.

Die Schattenseiten von Weligama

Von Strandromantik gibt es in Weligama leider nur sehr wenig, woran neben den zahlreichen Krähen, die sich in teilweise verdreckten Strandausläufern pudelwohl fühlen, auch das Marriott-Hotel einen großen Anteil hat. Der riesige und vollkommen deplatzierte Hotelkomplex wirkt ein bisschen wie ein Fremdkörper am langen Sandstrand, obgleich es sich dort mit Sicherheit gut aushalten lässt.

Auch das Zentrum von Weligama ist äußerst gewöhnungsbedürftig. Viele Menschen tummeln sich entlang der Straßen, Gerüche unterschiedlichster Art machen sich breit, die stehenden Abgase vergiften die Atemwege und die riesigen Busse schießen unkoordiniert durch die Straßen. Wirklich lange habe ich es dort nicht ausgehalten, aber die Erfahrung war es definitiv wert.

Surfen, Surfen und nochmals Surfen

Bisher ist mein geschilderter Eindruck von Weligama alles andere als positiv ausgefallen. Ordentlich Punkte sammelt die ungefähr 75.000 Einwohner große Stadt am Indischen Ozean jedoch mit ihrem langgezogenen Strand und den sehr guten Wellen zum Surfen.

Vor allem als Anfänger kannst du dich nach einem Sturz vom Surfbrett ohne große Sorgen durchwaschen lassen, schließlich besteht die gesamte Bucht aus einem sandigen Untergrund. Keine Schnittwunden, keine harten Stöße oder Probleme beim Rauslaufen – Weligama ist einer der wenigen Surfspots in Sri Lanka mit einem reinen Beach Break.

Die Wellen sind gut genug für Fortgeschrittene, sodass Weligama während meiner zwei Wochen in Sri Lanka zu meinem Lieblings-Surfspot mutierte. Leider wissen auch andere von den guten Bedingungen, sodass das Line-Up „brechend“ voll ist. Der lange Strandabschnitt sorgt glücklicherweise dafür, dass sich die große Anzahl an Surfern relativ gut verteilt.

Ach ja, ein Surfboard kostet hier, wie auch in Hikkaduwa, gerade einmal 250 Rupien. Beim Ausleihen solltest du allerdings darauf achten, dass das Brett in Ordnung ist, da es einige Bretter an den Verleihstationen gibt, die bereits Bruchstellen aufzeigen.

Gäbe es den Strand, die Promenade und die sehr guten Wellen zum Surfen nicht, wäre Weligama keinen Besuch wert. Wer nicht surft, wird hier auch nicht wirklich glücklich. Wenn du aber Surfen lernen oder deine Fähigkeiten verbessern willst, wirst du hier eine grandiose Zeit haben.

Ausgehtipp: Unbedingt ausprobieren solltest du den Foodtruck, der sich abends an der Promenade der By Pass Road platziert. Im Familienbetrieb, wo Groß und Klein mithelfen, gibt´s nicht nur gutes Essen für den kleinen Preis, sondern auch günstiges Lion-Bier.

Mirissa, das Schmuckstück Sri Lankas

Die Wellen von Weligama haben mich so sehr in Beschlag genommen, dass es nur für einen kurzen Abstecher ins fünf Kilometer entfernte Mirissa reichte. Schade eigentlich, denn die beiden malerischen Buchten der Siedlung hätten weitaus mehr Aufmerksamkeit verdient gehabt.

Im Gegensatz zum benachbarten Weligama ist Mirissa aufgeräumter und überall im Ort doch sehr stark auf Touristen ausgerichtet. Das wird auch am sauberen Strand deutlich, wo sich viele Urlauber die Sonne auf den Bauch scheinen lassen.

Überfüllt wirkt die kleine Siedlung keineswegs, was auch daran liegen mag, dass sich Mirissa auf zwei Buchten verteilt. Während die eine Seite voll und ganz im Besitz der rumliegenden Sonnenanbeter ist, kämpfen sich in der anderen Bucht (Reef Break) die Surfer durch die Wellen.

Ein Fels trennt die beiden Buchten und dient sowohl als gefragtes Fotomotiv als auch als Aussichtsplattform. Um ihn zu besteigen, solltest du dir festes Schuhwerk anziehen. Nicht, weil der Anstieg zu steil ist, sondern, weil der Untergrund relativ schmal ist und die Bambuskonstruktion nicht gerade den sichersten Eindruck erweckt.

Entlang der Strände gibt es zudem viele kleine Restaurants, in denen du die Küche Sri Lankas genießen kannst. Auch, um passende Unterkünfte musst du dir keine Sorgen machen, da es in Mirissa eine breite Auswahl an Angeboten für jeden Geldbeutel gibt.

Paradiesische Ausmaße in Tangalle

Ungefähr 60 Kilometer östlich von Mirissa befindet sich Tangalle. Ein Ort, der vor allem bei Individualreisenden beliebt ist und von dem große Touristenscharen bisher absehen. Eigentlich seltsam, hat der Ort, der übersetzt „hervorstehender Felsen“ bedeutet, doch eine ganze Menge zu bieten.

Zudem liegt Tangalle an der Grenze zur Trocken- und Monsunzone, was eine geringe Jahresniederschlagsmenge zur Folge hat. Daher kannst du die traumhaften und einsamen Strände, die sich über mehrere Kilometer ziehen, fast das ganze Jahr über für dich in Anspruch nehmen.

Obwohl ich ein riesiger Fan von Tangalle bin und es mir hier extrem gut gefallen hat, gibt es einen Wermutstropfen für alle Wasserratten: es gibt keine Wellen zum Surfen und die Unterströmungen sind so gefährlich, dass du insbesondere an den verlassenen Strandabschnitten auf keinen Fall ins Wasser gehen solltest.

Faustformel für Tangalle: Je einsamer die Strände, desto gefährlicher sind die Strömungen.

Das Highlight von Tangalle ist also ganz klar der Strand. Zwar kannst du für 100 Rupien Eintritt den Hafen begutachten oder im Zentrum den Obst- und Gemüsemarkt oder den Uhrenturm bewundern. Wirklich von den Socken wird es dich dabei aber nicht hauen.

Abends bietet sich ein Spaziergang über die Parallelstraße zum Strand an. Fast schon ungewöhnlich für Sri Lanka ist diese (fast) frei von Verkehr. Außerdem gibt es hier viele entspannte Ausgehmöglichkeiten und leckere Restaurants mit frischem Fisch.

Tangalle verfügt auch über eine Lagune. Diese wird ihrem vielversprechenden Namen jedoch nicht wirklich gerecht, da sie lediglich ein Meerausläufer ist und von den Einheimischen schon mal als Mülltonne verwendet wird. Ansonsten ist die Stadt im Süden Sri Lankas aber einen Besuch wert – ja, fast schon ein Muss.

Rekawa gefällt nicht nur Schildkröten

Auch, wenn es den Anschein hat, du könntest zu Fuß den Strand nach Rekawa laufen, würde ich es dir nicht empfehlen. Zwischendurch genießt du zwar die pure Einsamkeit entlang der kilometerlangen Küste, triffst aber äußerst selten auf andere Menschen, geschweige denn Orte zum Einkehren.

Rekawa-Sri-Lanka

Die angenehmere Option ist daher das Tuk Tuk, das dich von Tangalle aus circa 800 Rupien kostet. Viel zu bestaunen gibt es im kleinen Fischerdorf, das sich flächenmäßig etwas zieht, auch gar nicht, wäre da nicht der Strand mit seinen Meeresschildkröten.

Davon gibt es in und um Rekawa eine ganze Menge, da sie die einsamen Strände als ungestörte Laichplätze auserkoren haben. Gesehen habe ich in freier Wildbahn zwar keine der riesigen Schildkröten, jedoch haben mir die immer wieder vorkommenden Spuren im Sand doch sehr imponiert.

Die Schildkrötenaufzuchtstation in Rekawa, in der du dich näher mit dem Laichen und den zurückgelegten Entfernungen der Meeressäuger beschäftigen kannst, bietet abends um 20:30 Uhr einen Turtle Watch an. Mit einem Guide geht es dann gemeinsam zu den Laichplätzen.

Einfach ein Traum, der Süden von Sri Lanka

Mit den – gefühlt – ohne Rücksicht auf Verluste rasenden Bussen und dem fehlenden Bewusstsein für die Umwelt hatte ich anfangs meine Probleme in Sri Lanka. Doch die Insel hat es mir angetan, da die positiven Aspekte bei Weitem überwiegen.

Die Wellen zum Surfen, die wunderschönen Strände und das entspannte Leben am Strand haben einen bleibenden Eindruck hinterlassen. Der Süden Sri Lankas ist einfach ein Traum und die Tatsache, dass Sri Lanka touristisch nicht so explosiv wachsend, wie zum Beispiel Bali oder die thailändischen Inseln ist, zeigt mir, dass ich nicht zum letzten Mal auf der „Träne des Indischen Ozeans“ war.

Zudem kenne ich bisher nur die südliche und südwestliche Küste Sri Lankas. Laut Hörensagen soll die Ostküste mit Arugam Bay auch sehr sehens- und surfenswert sein. Ein Comeback ist daher Pflicht.

Hast du dir bereits einen Überblick über die Ostseite der Insel verschafft? Dann würde ich mich freuen, wenn du mir in den Kommentaren verrätst, was dir daran besonders gut und was dir eher weniger gut gefallen hat.

Stefan Loose Reiseführer Sri Lanka
  • Martin H. Petrich, Volker Klinkmüller
  • Herausgeber: LOOSE
  • Auflage Nr. 4 (13.01.2016)
  • Taschenbuch: 596 Seiten

2 Gedanken zu „Sri Lankas Süden: Von Hikkaduwa bis zu den Traumstränden von Tangalle“

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