Taghazout-Marokko

Taghazout in Marokko: Weit mehr als ein Hotspot für Surfer

Zwei Jahre nach meinem ersten Aufenthalt in Taghazout war es an der Zeit, dem ehemaligen Fischerdörfchen in Marokko, das mir schon damals extrem gut gefallen hat, einen weiteren Besuch abzustatten. Was sich seit meinem ersten Besuch geändert hat, wo es das beste Essen gibt und was du dir an der Atlantikküste keinesfalls entgehen lassen solltest, verrate ich dir in diesem Beitrag.

Insgesamt vier Wochen machte ich es mir in dem von Surfern, herumstreunenden Katzen und verstrickten Gassen geprägten Ort im Süden Marokkos bequem. Wirkliche Sehenswürdigkeiten gibt es leider nicht. Doch die Gemeinde, die seit den 1990er-Jahren zunehmend von Surfern und Strandurlaubern heimgesucht wird, hat ihren ganz eigenen Charme.

Der touristische Aufschwung von Taghazout

Vom Flair des Küstenortes haben längst auch andere Reisende mitbekommen, sodass der Hype um Taghazout größer denn je ist. Zwar ist das Dorf noch immer beschaulich, aber die Veränderungen in den vergangenen beiden Jahren zeigen deutlich, wo der Weg hingehen wird – zum Mainstream-Tourismus.

1. Die neue Umgehungsstraße

Im November 2015, bei meinem letzten Besuch in Taghazout, führte die Straße nach Aourir noch idyllisch am Meer entlang. Mittlerweile ist diese Geschichte, denn einige hundert Meter weiter im Inland gibt es eine brandneue Umgehungsstraße, die fast schon einer Autobahn ähnelt.

2. Weitere Hotel- und Bungalowkomplexe

Nicht nur das Asphaltmonster ist eine der gravierenden Veränderungen der letzten beiden Jahre, sondern auch die prunkvollen Bungalow- und Hotelanlagen inklusive Golfplatz Richtung Tamraght. Sie sehen zwar nett und einladend aus, haben aber nichts mehr mit dem ursprünglichen Flair zu tun.

3. Jetskis im Wasser und Quads am Strand

Touristische Hochburgen erkennst du oftmals daran, dass sich am Strand Quads und im Wasser Jetskis tummeln. Genau das ist mittlerweile am einst recht ruhigen Panorama Beach der Fall. So mussten ein paar Surfer und ich uns zum Beispiel das Line-Up mit einem Jetski-Fahrer teilen, der sichtlich Spaß in den Wellen hatte, aber auch eine große Gefahr für uns darstellte.

Von der negativen Entwicklung hat der Ort Taghazout selbst bisher zum Glück recht wenig abbekommen. Das Zentrum war während meines Aufenthaltes exakt so, wie es auch schon zwei Jahre zuvor der Fall war. Was für ein Glück.

Was du in Taghazout unternehmen solltest

Der Surf-Hotspot an der Atlantikküste hat mehr zu bieten als es seine überschaubare Größe anfangs vermuten lässt. Partybiester kommen hier nicht unbedingt auf ihre Kosten. Wenn du aber Lust hast, dich sportlich zu verausgaben, ein Schlemmermäulchen bist oder einfach nur Zeit am oder im Meer verbringen willst, dann bist du hier genau richtig.

Meine fünf Lieblingsspots zum Essen

Tajine, Couscous, ein marokkanischer Salat oder zwischendurch eine leckere Pizza oder ein Burger – in Taghazout gibt es eine Menge an kulinarischen Leckerbissen. Die Auswahl an Restaurants ist groß. Zwar habe ich nicht alle besucht, allerdings hatten sich schnell fünf von ihnen als meine Lieblinge herauskristallisiert:

1. Tagine-Restaurant an der Moschee

Zwischen der Moschee und dem Marktplatz befindet sich an einer Ecke ein kleines Restaurant, in dem traditionelle marokkanische Gerichte zubereitet werden. Egal, ob Tajine oder Couscous, ein Essen kostet zwischen zwei und drei Euro. Noch günstiger ist nur die leckere Suppe für umgerechnet 0,50 Euro.

Tipp: Vor dem Nachmittag zum Essen gehen, da der ein oder andere beim Verzehr zu später Stunde schon mal mit Magenkrämpfen zu kämpfen hatte.

2. L´Auberge

Ebenfalls traditionell geht es im L´Auberge am Fischmarkt zur Sache, wo du dich auf leckere marokkanische Essensvariationen freuen darfst. Auf westliche Mahlzeiten musst du ebenfalls nicht verzichten.

Vorzuheben ist hier das Ambiente unmittelbar am Meer. Dafür musst du jedoch ein bisschen tiefer in die Tasche greifen. Fünf bis neun Euro sind hier vollkommen normal.

3. Le Spot

Das Le Spot ist das größte Restaurant unter meinen Empfehlungen. Es liegt sehr zentral und befindet sich im ersten Stock auf einer Terrasse. Hier bekommst du vom Fisch, einer leckeren Pasta oder Pizza bis hin zu marokkanischen Leckerbissen nahezu alles.

Mir haben vor allem das libanesische Brot (große Portion) und die Dorade sehr gut geschmeckt. Ein „Spot“, in dem du kulinarisch nichts falsch machen kannst und der preislich sehr fair ist.

4. Pizza Hot

Wenn´s schnell gehen muss und mal etwas anderes außer dem lokalen Essen auf den Tisch kommen soll, dann bist du bei Pizza Hot direkt am Marktplatz richtig. Für drei bis 4 Euro bekommst du eine frisch zubereitete und ziemlich leckere Pizza, die du entweder vor Ort isst oder zum Mitnehmen bestellst.

5. Sunset Burger

Vor allem nach einer Surf-Session ist Sunset Burger die ideale Adresse, um sich mit richtig guten Burgern zu versorgen. Mein Lieblingsburger ist hier ganz klar der Indie Burger, der in der normalen Größe mit Pommes Frites auch nach einer anstrengenden Runde im Meer absolut ausreicht.

Neben Burgern gibt es hier sehr gute Shakes, Smoothies und Eis. Außerdem heißt es, dass die Kühltruhen mit dem Eis im Sunset Burger nachts nicht ausgeschaltet werden. In Taghazout ist das scheinbar nicht immer der Fall.

Party & Nightlife in Taghazout

Natürlich kannst du dir auch in Taghazout die Nächte um die Ohren schlagen. Vor allem die Surfschulen veranstalten regelmäßig Partys. Doch wirklich zu Taghazout passen diese nicht, denn der Ort lebt von seiner Ruhe.

Nichtsdestotrotz tut es schon mal gut bei einem längeren Aufenthalt die Sau rauszulassen und gerade hier kommt die Paradis Plage-Party ins Spiel. Sie findet jeden Dienstag im gleichnamigen Resort statt, wo sich sonst nur etwas finanzkräftigere Reisende aufhalten.

Das Paradis Plage Resort liegt ungefähr sieben Kilometer im Norden Taghazouts. Ein Taxi dorthin kostet dich zehn Euro pro Fahrt. Teile dem Taxifahrer unbedingt mit, dass er dich wieder zu einer bestimmten Uhrzeit abholen soll, da du sonst ein Problem hast.

Auf der Party gibt es, was in Marokko eher untypisch ist, Alkohol. Zwischen vier und fünf Euro musst du beispielsweise für ein Bier hinblättern. Nebenbei genießt du coole Surf-Filme auf einer großen Leinwand, rockst die Tanzfläche oder chillst einfach nur am Lagerfeuer direkt am Strand.

Bei einem längeren Aufenthalt in Taghazout ist die Party eine gelungene Abwechslung, um mal wieder unter Leute zu kommen und mit einem Bier in der Hand zu feiern. Ansonsten gibt es aber auch jede Menge Veranstaltungen (ohne Alkohol) direkt in Taghazout.

Surfen als absolutes Muss

Taghazout zählt zu einem der beliebtesten Surfspots Afrikas. Manch ist sogar so euphorisch, dass er die Atlantikküste nördlich von Agadir gar zu den besten Revieren der Welt zählt.

Fakt ist, dass es in und um Taghazout einige geniale Spots gibt. Dabei kommen weder die Anfänger noch die absoluten Profis zu kurz. Direkt vor Ort findest du Panorama Point und Hash Point, die sich perfekt für Beginner und auch Fortgeschrittene eignen.

Dies trifft auch auf Devils Rock bei Tamraght zu, wo du in wenigen Minuten mit dem Bus oder Taxi hingefahren bist. Anspruchsvoller geht es dagegen bei den Spots Anchor Point und Boilers zur Sache. Ins Line-Up solltest du nur dann, wenn du auf dem Surfboard bereits eine richtig gute Figur machst.

Ist das nicht der Fall, findest du in Taghazout zahlreiche Surfschulen, in denen du auch Surfbretter für ungefähr acht Euro leihen kannst. Ein Surfkurs kostet dich inklusive Ausrüstung pro Tag 40 Euro und für einen halben Tag 25 Euro.

Mein Plädoyer, warum du dich unbedingt einmal aufs Brett wagen solltest, findest du übrigens unter dem folgenden Link: Darum solltest du Surfen lernen.

Weitere sportliche Highlights

Neben dem Surfen, das zurecht die meisten Touristen nach Taghazout lockt, gibt es einige weitere Sportarten, bei denen du dich auspowern kannst. Zum Beispiel kannst du sieben Kilometer am Strand entlang nach Aourir laufen.

Oder du begibst dich ins Beach Gym am Hash Point, wo ein paar Fitnessgeräte installiert sind, mit denen du deinen Körper stählst. Nicht die neuesten Modelle, aber für die ein oder andere Übung durchaus empfehlenswert.

Auch Yoga wird in Taghazout gleich mehrfach angeboten. Ich habe es zwar nicht gemacht, aber meine damaligen Mitbewohner des SunDesk Coliving Spaces sind regelmäßig in das Surf- und Yogahaus Dfrost gegangen. Eine Stunde kostet hier ungefähr zehn Euro.

Tagestrips zu weiteren Hotspots in der Nähe

Da Taghazout überschaubar ist und es auch mal Tage mit nicht so guten Wellen gibt, lohnt es sich, die Umgebung unsicher zu machen und Marokko noch besser durch diverse Tagestrips kennenzulernen. Die folgenden fünf Trips kann ich dir getrost empfehlen:

Der Wochenmarkt in Aourir

Neben dem einzigen Bankautomaten in der näheren Umgebung hat das knapp zehn Kilometer südlich von Taghazout gelegene Aourir nicht unbedingt viel zu bieten. Den einmal pro Woche stattfinden Markt solltest du dir aber keineswegs entgehen lassen.

Jeden Mittwoch findest du dort reichlich Obst, Gemüse, Gewürze und sonstige Alltagsgegenstände. Der ideale Ort, um sich mit gesundem Essen einzudecken und die marokkanische Kultur näher kennen zu lernen.

Nach dem Markt ist der Avocado-Smoothie im La Maison De La Patisserie fast schon Kult. Extrem lecker und ein absoluter Geheimtipp. Dazu noch eine Kalorienbombe in Form eines Brownies oder Cookies und alles ist gut.

Entspannen und Genießen im Paradise Valley

Seinem Namen alle Ehre macht das Paradise Valley, das sich jeweils 35 Kilometer von Agadir und Taghazout entfernt befindet. Einst ließ sich hier sogar Jimi Hendrix nieder, schließlich sorgt das von steilen Felswänden und Palmen umgebene Tal für die pure Erholung.

Erfrischung bekommst du in den natürlichen Pools, die sich durch das Paradise Valley ziehen. Wenn du auf der Suche nach Action bist, dann findest du dein Glück bei den 20 Meter hohen Klippen, von denen du ins kühle Nass springen kannst.  

Blogbeitrag über das Paradise Valley lesen

Die Altstadt von Essaouira

Ungefähr drei Stunden dauert die Fahrt von Taghazout nach Essaouira. Eine Hafenstadt mit 85.000 Einwohnern, deren im 18. Jahrhundert angelegte Medina längst zum UNESCO-Weltkulturerbe gehört.

Zwar ist die Stadt auf Grund ihrer riesigen Strandpromenade mittlerweile ein beliebter Ort für einen Badeurlaub, allerdings bildet die Altstadt mit ihren beiden Stadttoren weiterhin das Herzstück. Dort erwartet dich ein riesiger Markt, viele Menschen und urige Cafés und Restaurants.

Ziemlich gut hat mir auch der Hafen gefallen. Am dazugehörigen Fischmarkt gibt es sämtliche Fischvariationen. Festes Schuhwerk ist hier besonders wichtig, denn in Flip-Flops durch den Fischkadaver zu laufen ist nicht unbedingt angenehm.

Ach ja, falls du ein Bier unter Einheimischen genießen willst, dann ist die etwas versteckte Bar namens The Hole der perfekte Ort dafür. Frauen sind hier die Ausnahme, aber die Marokkaner sind trotzdem immer offen für einen Besuch und ein nettes Pläuschchen, auch wenn manche von ihnen nicht unbedingt mit dem Alkoholkonsum zurechtkommen.

Surfen in Imsouane

Auf dem Weg zurück von Essaouira machte ich mit ein paar Mitbewohnern des SunDesks in Imsouane Halt, um eine Runde zu surfen. Wir wollten uns schließlich von der längsten Welle Marokkos überzeugen, was auch wunderbar klappte. Imsouane gilt nicht umsonst als das Surf-Mekka Marokkos.

Die Welle bricht so langsam, dass sie nicht nur ideal für Anfänger, sondern auch für Longboarder ist. Sollten mal keine Wellen kommen, dann reicht es aus, einfach nur auf dem Wasser zu sitzen und die hohen Felswände zu genießen, die einen umgeben. Einer der schönsten Surfspots, an dem ich bisher war.

Leider ist hier auch einiges los. Gibt es zum Beispiel keine guten Wellen in und um Taghazout, dann fahren viele Surfschulen ins 60 Kilometer nördlich gelegene Imsouane. Zum Glück ist die Welle lang genug, dass dort jeder einen Platz findet.

Auch für Nicht-Surfer lohnt sich ein Besuch in Imsouane, um entweder das tolle Panorama zu bewundern oder einfach nur kurz einen Kaffee zu trinken. Noch weiter nördlich gibt es zudem einige Dünen, in denen du dir die Beine vertreten kannst.

Orientalisches Flair in Marrakesch

Eine eintägige Tagestour nach Marrakesch ist anstrengend, aber durchaus machbar. Nimm dir etwas zu lesen mit. Sieben bis acht Stunden im Auto oder im Bus hin und zurück musst du definitiv einplanen.

Die „Rote Stadt“ vereint orientalisches Flair mit Tradition und Moderne. Marrakesch ist eine der vier Königsstädte, deren Highlights unter anderem die Medina, der riesige Markt Djemma el Fna und die Koutoubia-Moschee sind.

Langweilig wird dir hier garantiert nicht, weshalb Marrakesch ein absolutes Muss bei einem Besuch in Marokko ist. Eventuell sogar als Startpunkt deiner Reise, da es sehr gute und günstige Flugverbindungen nach Marrakesch gibt.

Blogbeitrag über Marrakesch lesen

Auf geht´s nach Taghazout

Dass ich bereits zweimal in Taghazout war, macht deutlich, wie gut mir das ehemalige Fischerdorf gefällt. Ein drittes Mal wird es sicherlich geben, da es für mich der ideale Ort zum Arbeiten, Entspannen und Entdecken ist.

Außerdem habe ich mir als Ziel gesetzt mit dem Atlas-Gebirge, den Safran-Feldern im Inland und der Sahara weitere Destinationen Marokkos zu erkunden. Bisher hat dazu leider die Zeit gefehlt.

Ein großer Vorteil an Marokko ist, dass du innerhalb von dreieinhalb bis fünf Stunden mit dem Flieger in Nordafrika bist. Von Agadir oder Marrakesch aus gelangst du im Anschluss dank der Busgesellschaft CTM relativ schnell nach Taghazout. Schau´ doch einfach mal in Taghazout vorbei.

Oder warst du selbst schon mal vor Ort? Dann verrate mir gerne, was dich an Taghazout ganz besonders fasziniert hat und was vielleicht eher weniger.

3 Gedanken zu „Taghazout in Marokko: Weit mehr als ein Hotspot für Surfer“

    1. Hi Annika,

      im Juni/Juli war ich selbst noch nicht in Marokko zum Surfen. Letztendlich kannst du in und um Taghazout aber das komplette Jahr surfen, obwohl du von Oktober bis März die besten Bedingungen hast. Kleine, schöne Longboard-Wellen solltest du aber auf alle Fälle haben. Im schlimmsten Fall gibt´s ja noch die SUP-Boards. 😉

      Hier mal ein Link, der dir sicherlich weiterhilft, was die Bedingungen betrifft: https://de.magicseaweed.com/spot-seasonal-overview.php?spotId=131

      Viele Grüße, Daniel.

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