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Paradise Valley: Das Paradies in Marokkos Süden

Im Süden Marokkos an den Ausläufern des Atlas liegt ein Ort, der seinem Namen alle Ehre macht: das Paradise Valley. Warum aber ist das von steilen Felswänden und Palmen umgebene Tal mit seinen Pools so beeindruckend und was gibt es dort zu entdecken? 

Das Paradise Valley ist ein prädestinierter Platz für Aussteiger und Hippies. Doch die zunehmenden Touristenströme sorgen dafür, dass das wunderschöne Tal an seiner Ursprünglichkeit verliert. Jimi Hendrix, der laut einer Legende der Namensgeber ist und hier in den 60er-Jahren verweilt haben soll, würde sich beim Gedanken an diese Entwicklung glatt im Grab umdrehen.

Doch keine Sorge, das Asif Tamrhakht, das übersetzt wasserführender Fluss bedeutet, ist noch immer ein absolutes Schmuckstück fernab von den aus dem Boden schießenden Hotelanlagen am Atlantik. Von einem Geheimtipp zu reden wäre auf Grund der angesiedelten Restaurants und Verkaufsstände aber übertrieben.

Das Paradise Valley kurz vorgestellt

Inmitten einer kargen Berglandschaft, vorbei an Oliven- und Arganbäumen, befindet sich jeweils 35 Kilometer von Agadir und Taghzout entfernt, ein von weitem unscheinbares Tal. Zumindest solange bis der Fluss Tamrhakht auftaucht, entlang dessen Palmen aus dem Boden sprießen und das Paradise Valley als eine Fata Morgana erscheinen lassen.

Ein surreal wirkendes Tal, das durch den Tamrhakht zum Leben erweckt wurde und mit seinen paradiesischen Wasserbecken zum Baden und Entspannen einlädt. Oder einfach nur zum Bestaunen, denn die kleinen Tümpel und die – je nach Jahreszeit aufkommenden – Wasserfälle sind ein wahrer Hingucker und gewiss das Highlight im Paradise Valley.

Kein Wunder, dass es als eines der schönsten Täler im Süden Marokkos gilt.

Ideal für Ruhesuchende und Adrenalinjunkies

Der frühere Hippie-Ort klingt gewiss nach einer ruhigen Oase für Ruhesuchende. Das ist er auch, allerdings gibt es dort einiges zu entdecken, wobei der Adrenalinrausch nicht zu kurz kommt.

Daher habe ich hier einen kurzen Überblick, was dich im Paradise Valley erwartet und mir ganz besonders positiv in Erinnerung geblieben ist:

1. Ein natürlicher Fischspa

Vom Parkplatz aus musst du ein paar Minuten laufen bis du an das erste Becken mit klarem Wasser gelangst. Dort triffst du nicht nur auf eine – gefühlt – vereinsamte Wasserschildkröte, sondern auf jede Menge Fische, die ganz heiß darauf sind die Hornhaut deiner geschundenen Füße abzuknabbern.

2. Restaurants mit Abkühlung

Ebenfalls für die Füße, zumindest im metaphorischen Sinne, sind die kleinen Restaurant, die du vereinzelt entlang des Tals vorfindest. Das liegt daran, dass du beim Genießen deines frisch gepressten Orangensaftes oder einer leckeren Tajine mit den Füßen stets im Wasser bist. Die bunten Stühle und Tische befinden sich nämlich direkt im knietiefen Wasser.

3. Cliff-Jumping von bis zu 20 Metern Höhe

Laden die ersten Pools entlang des Paradise Valleys zum Relaxen ein, so gelangst du nach einer Weile zu einem Tümpel, der von hohen Felswänden eingekesselt ist. Hier sind die Adrenalinjunkies unter sich, die von fünf bis (geschätzten) zwanzig Metern ins kühle Nass springen.

Mein Tipp: Frage vorher nach, ob das Wasser tief genug ist und von wo aus du am besten reinspringen solltest. In der Regel ist der „Tümpel der Waghalsigen“ aber sowieso schon ziemlich gut besucht.

4. Wandern fernab des Mainstreams

Durch das Tal führt ein Wanderweg entlang der einzelnen Pools. Läufst du den kleinen Pfad immer weiter, reduziert sich zwar die Anzahl der Wasserbecken, aber du wirst nach ungefähr vier Kilometern auf ein Bergdorf stoßen. Auf dem Weg dorthin genießt du eine recht schöne Aussicht, die jedoch nicht mit dem Anblick des Paradise Valleys selbst vergleichbar ist.

Auch ein Paradies hat seine Schattenseiten

Um es vorwegzunehmen: meine Erwartungen an das Paradise Valley wurden übertroffen. Doch leider hat das Tal auch seine Schattenseiten, an denen die Gier des Menschen, aus allem einen Anziehungspunkt für Touristen machen zu wollen, nicht ganz unschuldig ist.

So hält sich das Verantwortungsbewusstsein der Menschen für die Idylle hinsichtlich der Sauberkeit doch stark in Grenzen. Nicht nur Touristen lassen ihren Müll liegen, sondern auch die Einheimischen, was dieses schöne Fleckchen Erde teilweise zu einem Schandfleck der Menschen mutieren lässt.

Wie bereits erwähnt, ist das Paradise Valley längst kein Geheimtipp mehr. Selbst vom 250 Kilometer entfernten Marrakesch werden Tagestrips angeboten. Besonders voll wird es meist am Wochenende, da die Oase nicht nur bei den Touristen äußerst beliebt ist.

Der Ansturm der Besucher hat zur Folge, dass sich entlang des Flusses und der Wasserbecken vermehrt Restaurants und Verkaufsstände ansiedeln. Das Angebot ist teilweise größer als die Nachfrage, weshalb die sonst so netten Marokkaner durchaus aufdringlich werden können, um ihre Produkte an den Mann zu bringen.

Meine Tipps für deinen Besuch im Paradise Valley

Es war mir ein Anliegen, dir die Schattenseiten des Paradise Valleys in Marokko aufzuzeigen. Die Schönheit des beeindruckenden Tals wollte ich dadurch jedoch nicht schmälern, weshalb du dort unbedingt vorbeischauen solltest.

Ein paar Tipps möchte ich dir aber vorab mit auf den Weg geben:

1. Laut eines Marokkaners, der seit Jahrzehnten als Parkeinweiser oberhalb des Tals fungiert und stets eine Deutsche Mark bei sich trägt, um ins Gespräch zu kommen, ist der Februar der schönste Monat für einen Besuch. Denn dann verfügt das Paradise Valley über die höchsten Wasserstände, was zugleich eine grünere Landschaft bedeutet.

2. Zwar habe ich nicht im Paradise Valley übernachtet, allerdings waren mehrere meiner Mitbewohner begeistert von einem Aufenthalt über Nacht. Klarer Sternenhimmel und die pure Ruhe garantiert.

3. Da es mittags auf Grund der Tagestrips, die von größeren Städten organisiert werden, sehr voll werden kann, solltest du früh morgens aufbrechen, um die Oase (fast) für dich alleine genießen zu können.

4. Überall werden Touren ins Paradise Valley angeboten. Davon rate ich dir ab, da diese sehr teuer sind. Mit dem Taxi, einem Mietwagen oder per Anhalter kommst du ohne Probleme ins Tal und wieder zurück.

5. Am Parkplatz, dem Eintrittstor zum Paradise Valley, bieten sich dir mehrere Guides für eine Tour an. Diese brauchst du nicht, da es lediglich einen Weg gibt, der dich nach zehn Minuten Fußmarsch zum ersten Tümpel bringt.

6. Festes Schuhwerk schadet ebenso wenig wie ein ordentlicher Wasservorrat, denn im windstillen Tal kann es ziemlich heiß werden.

7. Viele Marokkaner lassen sich bereits am ersten oder zweiten Pool nieder. Dementsprechend viel ist dort auch los, weshalb du lieber ein paar Meter weiterlaufen solltest.

Ein letzter Tipp zum Abschluss ist es, nicht allzu lange mit deinem Besuch im Paradise Valley zu warten, da sich das Paradies in den vergangenen Jahren scheinbar sehr verändert hat. Und damit meine ich nicht zum Positiven.

Hierzu kann ich dir einen Artikel von Uta van Steen empfehlen, in dem sie näher auf die Entwicklungen eines ziemlich schönen Fleckchen Erde eingeht, das einst auch Jimi Hendrix verzaubert hat.

Stefan Loose Reiseführer Marokko
  • Muriel Brunswig - Ibrahim
  • Herausgeber: DUMONT REISEVERLAG
  • Auflage Nr. 1 (03.08.2017)
  • Taschenbuch: 628 Seiten

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