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Darum hat mich Ella im Hochland Sri Lankas verzaubert

Wenn aus zwei geplanten Übernachtungen vier werden und die Traumstrände am Meer in den Hintergrund rücken, dann muss ein ganz besonderer Ort Schuld daran sein: Ella. Die Stadt im Hochland Sri Lankas hat mich so sehr gefesselt, dass ich hier gar nicht mehr weg wollte. Was an Ella im Landesinneren so besonders ist und warum es fatal ist, die Kleinstadt nur als Zwischenstopp zu nutzen, verrate ich dir in diesem Blogbeitrag.

Nach drei bezaubernden Tagen in Tangalle an der Südküste Sri Lankas, einer Safari im Udawalawe-Nationalpark und einem kurzen Abstecher zum Buduruvagala-Tempel stand die auf 1.000 Höhenmetern gelegene Kleinstadt Ella auf dem Programm. Bereits bei der Taxifahrt auf der A23, die inklusive Zwischenstopps 9.000 Rupien kostete, zeichnete sich auf Grund der traumhaften Berglandschaft ab, dass Ella großes Potenzial haben würde.

Ella bedeutet übersetzt Wasserfall und ist mittlerweile ein großer Anziehungspunkt für Backpacker, Individualreisende, Aussteiger und Naturfreaks. Das Leben spielt sich primär entlang der Hauptstraße ab, wo dich viele Cafés, Restaurants und kleine Shops erwarten. Ella ist zudem der ideale Ausgangspunkt für Spaziergänge und Wanderungen.

Die Highlights von Ella im Hochland Sri Lankas

Der Ella Rock und der Little Adam´s Peak zählen neben den Teeplantagen zu den prominentesten und imposantesten Sehenswürdigkeiten, da sie sich zum Tal hin wie zwei natürliche Stadttore auftürmen. Beide stelle ich dir im Folgenden etwas genauer vor. Beginnen möchte ich jedoch mit einem anderen Highlight.

Rundweg zur Nine Arch Bridge

Die Berglandschaft um Ella ist grandios. Besonders verzaubert haben mich aber nicht die hohen Gipfel, sondern vor allem die Nine Arch Bridge. Sie liegt zwischen Ella und Demodara und verspricht pure Eisenbahnromantik.

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Die Nine Arch Bridge wurde während der Kolonialzeit der Briten errichtet, hat eine Länge von knapp einhundert Metern, ist gut 24 Meter hoch und verspricht ein traumhaft schönes Panorama. Soviel zu den Eckdaten.

Die Mauern der Brücke, die als Absperrung dienen, werden oft dazu missbraucht, um DAS perfekte Urlaubsfoto zu schießen. Das Stehen oder Sitzen auf der abschüssigen Brückenmauer ist nicht ganz ungefährlich, was für viele – vor allem junge Reisende – aber kaum eine Rolle spielt.

Zur Demodara Bridge, wie die Brücke auch genannt wird, kannst du dich entweder mit dem TukTuk fahren lassen, einen Teil mit dem Taxi bewältigen oder zu Fuß marschieren. Ich rate dir zur letztgenannten Option. Zu Fuß die Bahnschienen entlang zu laufen ist ein Erlebnis für sich.

Daher kann ich dir den folgenden Rundweg zur Nine Arch Bridge absolut empfehlen:

1. Starte am Bahnhof in Ella und laufe auf den Gleisen entlang Richtung Badulla. Das Laufen auf den Gleisen ist eigentlich untersagt, wird aber geduldet und sowohl von den Einheimischen als auch den Touristen en masse praktiziert. Laute Musik solltest du nicht unbedingt hören, da du sonst Probleme bekommst, wenn der Zug anrollt.

2. Laufe ungefähr drei Kilometer auf dem kleinen Pfad direkt neben den Schienen und genieße die wunderschöne Landschaft bis du an einen Tunnel gelangst. Hier wird das Menschenaufkommen größer. Sobald du durch den Tunnel gehst, erblickst du die beeindruckende Nine Arch Bridge.

3. Im Asanka Café auf einer Anhöhe auf der anderen Brückenseite hast du den perfekten Blick auf die Brücke.

4. Nachdem du die Nine Arch Bridte genau inspiziert und dein Postkartenmotiv geschossen hast, geht es weiter. Laufe den Schienen in Richtung Badulla entlang bis es nach einigen hundert Metern auf der rechten Seite auf einem kleinen asphaltierten Weg schräg rechts steil nach oben geht.

5. Einige hundert Meter weiter bergauf triffst du auf ein Bergdorf. Auf dessen Gipfel befindet sich das 98 Acres Café mit einer großen Terrasse, die mit Sitzmöglichkeiten zum Entspannen einlädt. Hier solltest du unbedingt eine längere Pause einlegen, da du von hier aus den perfekten Blick auf das Ella-Tal und den wenige hundert Meter vor dir liegenden Little Adam´s Peak hast.

6. Unmittelbar neben dem 98 Acres Café, das meist recht gut besucht ist, befindet sich die Newburgh Green Tea Factory. Der Eintritt zur Teeplantage kostet dich 300 Rupien. Das Geld kannst du dir aber sparen, da du beim Rundweg sowieso mehrere Teeplantagen passierst.

7. Nach deiner Pause geht es auf der Hauptstraße zurück nach Ella. Der Rückweg ist bis auf ein paar urigen Cafés nicht wirklich sehenswert. Dafür bist du nach 2,5 Kilometern, für die du ungefähr eine halbe Stunde benötigst, wieder zurück in Ella.

Ravana Falls für Fußfaule

Die Ravana Falls zu verpassen ist nahezu unmöglich, da sie sich direkt an der A23 Richtung Wellawaya befinden. Hier tummeln sich große Menschenmengen, Taxis und fliegende Verkäufer, um den 100 Meter hohen Wasserfall aus nächster Nähe zu bewundern oder daraus ein Geschäft zu machen.

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Ein faszinierendes Naturschauspiel, das viele Touristen nutzen, um sich in den unten anstauenden Wassermassen abzukühlen. Scheinbar keine gute Idee, denn laut eines Warnschildes ist das Baden nicht nur verboten, sondern lebensgefährlich. Insgesamt 36 Personen sollen am Wasserfall bereits ums Leben gekommen sein, weil sie entweder im Pool oder an den steilen Felswänden unachtsam waren.

Also schaue dir die Ravana Falls lieber von der Hauptstraße aus an oder vom Ella Rock, von dem aus du auf den riesigen Wasserfall herabblickst. Dabei wirst du garantiert nicht von fliegenden Verkäufern, Schreihälsen, ins Wasser hüpfenden Backpackern oder hupenden Taxis belästigt.

Stadttor Nummer eins, der Little Adam´s Peak

Ich muss gestehen, dass ich nicht auf den Little Adam´s Peak gewandert bin, mir aber durchaus ein Urteil über den beeindruckenden Ausblick mit dem Ella-Tal im Süden bilden kann, da sich das bereits erwähnte 98 Acres Café in unmittelbarer Nähe und fast auf gleicher Höhe befindet.

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Mit dem weitaus prominenteren Adam´s Peak, der sich 125 Kilometer entfernt befindet, hat der 1.300 Meter hohe Little Adam´s Peak außer dem Namen nichts am Hut. Anders als sein „großer Bruder“ hast du die kleine Version in Ella an einem halben Tag erfolgreich hinter dich gebracht, während der berühmte Adam´s Peak für viele eine ziemliche Tortur darstellt.

Stadttor Nummer zwei, der Ella Rock

Dank meiner Unterkunft, dem Hotel Sun Breeze (bei Booking.com buchen), hatte ich jeden Tag einen wunderbaren Blick auf den Ella Rock. Dieser ist nochmals einige Meter höher als der Little Adam´s Peak und thront mit seinen steilen Felswänden über der Stadt.

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Um auf den Ella Rock zu steigen, musst du für einige Meter die Bahnschienen Richtung Kandy entlang laufen. Verschiedene Hinweisschilder führen dich anschließend über die Little Ravana Falls in luftige Höhen.

Bedingt durch aufkommenden Regen kam ich leider nicht über die Bahnschienen hinaus, weshalb ich mir den Ella Rock aus der Zwergenperspektive anschauen musste. Anderen Reisenden nach zu urteilen scheint der Aufstieg sehr anspruchsvoll zu sein. Gutes Schuhwerk ist hier also bitter nötig.

Der Blick vom Ella Rock muss großartig sein. Nicht nur, um das Tal vor Ella zu begutachten, sondern auch den Little Adam´s Peak, hinter dem sich der 2.000 Meter hohe Namunukula wie ein schwarzer Schatten auftürmt.

Immer diese Teeplantagen

Ella und seine Umgebung sind bekannt für die flächendeckenden Teeplantagen, die mich landschaftlich stark an die Cameron Highlands in Malaysia erinnert haben. Egal, von wo aus du eine Wanderung startest, du wirst garantiert bei einer der Teeplantagen landen.

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Die vielleicht besten Blicke auf den Teeanbau bekommst du, indem du die Bahnschienen entweder in Richtung Badulla oder in Richtung Kandy entlang pilgerst. Beide Strecken bin ich jeweils mehr als drei Kilometer gelaufen und war begeistert von der atemberaubenden Natur, die eine unheimliche Ruhe ausstrahlt. Zumindest solange bis der nächste Zug auf sich aufmerksam macht.

Feiern und Weggehen in „Klein-Hikkaduwa“

Ella wird unter Reisenden hämisch „Klein-Hikkaduwa“ genannt, da an der Hauptstraße in den vergangenen Jahren eine wahre Partymeile entstanden ist. Sitzt du mittags noch in ruhigen Cafés und Restaurants, so mutieren einige davon am späten Abend zu Kneipen und einer Art Clubs, in denen du ordentlich abrocken kannst.

Zum Vorglühen bietet sich das Café Chill an, das mit einem Café nicht wirklich viel zu tun hat. Der aus Bambus bestehende Komplex über zwei Stockwerke ist vielmehr Café, Restaurant, Kneipe und Club in einem. Ein Ort, der alles bietet, was du dir für einen „Feier“-Abend in Ella wünschst.

Direkt gegenüber befindet sich das Udayanga Guest House. Es wirkt sehr unscheinbar, mutierte während meines Aufenthaltes allerdings zu einem kleinen Club mit lauten Bässen. Um Mitternacht werden hier in der Regel die Pforten geschlossen.

Mit dem One Love hat eine Lokalität durchgehend, also 24 Stunden, geöffnet. Ein extrem gechillter Ort, an dem sämtliche Feierbiester Ellas zum Abrunden eines erfolgreichen Tages zusammen kommen und sich ihre Erlebnisse erzählen.

Einziges Problem: Das One Love ist dank seines Wohnzimmer-Feelings so komfortabel, dass hier eine hohe Einschlafgefahr besteht, weshalb du rechtzeitig die Segel streichen solltest.

Trotz der guten Alternativen abends wegzugehen, gibt es zwei Wermutstropfen. Nummer eins ist, dass in der Nacht die Hunde in Ella das Zepter übernehmen und teilweise sehr aggressiv werden, sofern du in ihr Hohheitsgebiet eindringst. Abhilfe schafft hier ein Stein, den du keineswegs werfen solltest, der aber bereits beim Hochheben seine Wirkung zeigt.

Der zweite negative Aspekt an Ella sind die lauten Bässe, die durch die idyllische Berglandschaft schallen und ziemlich nervtötend sein können, sofern du dich ausnahmsweise mal nicht unter das Partyvolk mischst.

Noch ein paar Tipps für Ella zum Abschluss

Dass ich meinen Aufenthalt mit meinem Reisepartner, einem befreundeten Digitalen Nomaden, ohne Widerworte verdoppelte, macht deutlich, dass ich nicht der einzige war, der Ella gar nicht mehr verlassen wollte. Damit auch du dich in Ella pudelwohl fühlen wirst, habe ich abschließend noch ein paar Geheimtipps für dich:

1. Tipp: In Ella spielt sich der Großteil an der Hauptstraße ab. Dementsprechend laut geht es dort zur Sache, ganz egal, ob Baustellen tagsüber oder laute Musik am Abend. Suche dir daher eine Unterkunft, die etwas abseits vom Zentrum liegt, wie zum Beispiel das erwähnte Hotel Sun Breeze, das auf einer kleinen Anhöhe hinter dem Café Chill liegt und ich guten Gewissens weiterempfehle.

2. Tipp: Das Restaurant raha an einer Kreuzung im unteren Teil Ellas bietet lokale Kost zum kleinen Preis. Da das Essen hier sehr scharf ist, solltest du dir zweimal überlegen, ob du tatsächlich das Wort „spicy“ in den Mund nimmst. Außerdem ist in den Säften und Lassies sehr viel Zucker. Bestelle dir daher lieber die kalorienarme Variante.

3. Tipp: Tagestrips zu den Horton Plains und Nuwara Eliya sind von Ella aus problemlos möglich. Allerdings musst du dafür vor fünf Uhr aufstehen. Eine Fahrt zu den Horton Plains mit dem World´s End als Highlight kostet mit dem Taxi hin und zurück 10.000 Rupien,

4. Tipp: Tauche in die Café-Szene von Ella ein und lass dich einfach treiben. An der Hauptstraße findest du mit dem Rainbow Café, dem Ice Cube, dem Dream Café und natürlich dem Chill Café einige starke Möglichkeiten, um auch verregnete Tage in schöner Atmosphäre auszusitzen.

5. Tipp: Das beste und schönste Fortbewegungsmittel, um Ella zu verlassen, ist der Zug. Um ein Ticket zu ergattern, solltest du dich mindestens zwei Tage vor der Abfahrt um den Kauf kümmern, da diese recht schnell ausgebucht sind und du dir die Bahnfahrt durch das Hinterland Sri Lankas keineswegs entgehen lassen solltest.

Ella ist mehr als nur eine Zwischenstation wert, weshalb du dir genügend Zeit für das Hochland nehmen solltest. Ich wünsche dir jedenfalls viel Spaß in diesem magischen Ort und freue mich über einen Kommentar von dir, wie es dir im Herzen Sri Lankas gefallen hat. Ich jedenfalls komme gerne wieder.

Stefan Loose Reiseführer Sri Lanka
  • Martin H. Petrich, Volker Klinkmüller
  • Herausgeber: LOOSE
  • Auflage Nr. 4 (13.01.2016)

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