Bulembu-in-Swasiland

Warum nicht mal mit dem Rucksack durch Swasiland?

Mehr als vier Jahre ist es mittlerweile her, als ich mich während meiner sechs Monate in Südafrika für einen Kurztrip auf den Weg nach Swasiland begab. Grund genug, um es euch heute etwas näher vorzustellen.

Swasiland ist die letzte absolute Monarchie und ein Land, das irgendwie niemand auf dem Schirm hat, was vielleicht daran liegt, dass Swasiland von Südafrika umgeben ist und auf Grund der Größe von Fiji eher unscheinbar ist. Regiert wird das 1 Millionen fassende Königreich mit der Hauptstadt Mbabane seit 1986 von König Mswati III., der mehr als umstritten ist und sich nicht nur mit einer Frau zufrieden gibt, was im südlichen Afrika allerdings keine Seltenheit ist.

Der erste Eindruck von Swasiland

Dass Swasiland eine Menge Abenteuer bereit hält, wird bereits bei der Anreise über Nelspruit deutlich. So waren bei meinem Besuch im Jahr 2010 die Straßen bis zum Grenzübergang zwar einwandfrei, danach bereuten mein damaliger Reisegefährte Thomas und ich jedoch sehr schnell, dass wir das Land mit einem kleinen Toyota Yaris durchqueren wollten. So mutierten die Straßenverhältnisse von asphaltierten Rennstrecken zu Lehm, Staub und Steinen, weshalb wir für die 20 Kilometer in den nächstgrößeren Ort Piggs Peak eine gute Stunden brauchten.

Bei der Fahrt nach Piggs Peak wurde mir schnell klar, dass die Haupteinnahmequelle in der Holzwirtschaft liegt, schließlich wechselte die Landschaft von Wäldern, die an das Alpenvorland oder gar an Kanada erinnerten, zu abgerodeten, kahlen Flächen. Swasiland ist eben ein Land der Kontraste – mal schön, mal hässlich, wobei die Schönheit glücklicherweise überwiegt und das Königreich zu einer sehenswerten Destination macht.

Wildlife, Wochenmarkt und die Geisterstadt Bulembu

Eine der Hautpattraktionen des Landes ist das private Naturschutzreservat Mlilwane Wildlife Sanctuary in der Nähe von Lobamba. Zwar gibt es hier keine gefährlichen Raubtiere wie im nicht allzu weit entfernten Krüger Nationalpark in Südafrika. Dafür gibt es aber umso mehr Antilopen, Zebras, Flusspferde und Warzenschweine, die man zu Fuß und mit dem Fahrrad begutachten kann.

Wer im südlichen Afrika ist, der kommt um einen Besuch eines Wochenmarktes nicht herum. Der bekannteste in Swasiland ist der Manzini Craft Market, der jeden Donnerstag geöffnet hat und zu einer absoluten Touristenattraktion geworden ist. Daher kann es auch mal sein, dass es hier ziemlich laut, hektisch und auf Grund des Bodens auch dreckig zugehen kann. Wer von euch auf traditionelle Kunst, gewebte Körbe oder Lederprodukte steht, ist hier genau richtig.

Was mich damals nach dem Grenzübergang ganz besonders fasziniert hat, war die „Geisterstadt“ Bulembu, die 10 Kilometer von Piggs Peak entfernt liegt. Zwischen 1939 und 2001 gab es in Bulembu eine Asbest-Miene, die 1991 Pleite ging, sodass fast alle 10.000 Einwohner nach und nach die Stadt verließen, um neue Arbeit zu finden, bis lediglich 50 Menschen in Bulembu übrig blieben. Durch die hohe AIDS-Rate waren die Kinder oftmals elternlos, was den Kanadier Volker Wagner dazu bewegte, die Stadt zu kaufen und die verbliebenen Bewohner zu unterstützen.

Die Probleme des Landes

Wie gerade erwähnt ist AIDS das größte Problem des winzigen Landes. So ist in Swasiland jeder vierte Erwachsene infiziert, weshalb das winzige Land die weltweit höchste HIV- und AIDS-Rate hat. Auch wenn sich die Situation im südlichen Afrika in den vergangenen Jahren gebessert hat, fehlt oftmals noch die nötige Aufklärung und hilfreiche Medikamente für die Infizierten.

Ein weiteres Problem des Binnenstaates ist die Monarchie um König Mswati III., der seinen Bürgern kein Mitspracherecht gibt und von seinen Vorgängern das Verbot von Parteien aus dem Jahr 1973 stur beibehalten hat. Was der König beschließt wird umgesetzt, weshalb selbst kleinste Vergehen mit Gefängnisstrafen geahndet werden.

Aus wirtschaftlicher Sicht gibt es leider ebenfalls nichts Positives zu berichten, schließlich bewegt sich Swasiland seit Jahren nahe am wirtschaftlichen Ruin, was auch damit zu tun hat, dass wichtige Wirtschaftsnationen, wie zum Beispiel die USA, den Handel in den vergangenen Jahren stark zurückgefahren haben.

Wie kommt man nach Swasiland?

Trotz all der Probleme von Swasiland ist der kleine Fleck innerhalb Südafrikas absolut sehenswert, vor allem für Rucksacktouristen. Mit dem Matsapha Airport gibt es zwar nur einen internationalen Flughafen, allerdings solltet ihr das Land sowieso lieber mit dem Bus oder Auto bereisen. Erstens seid ihr dadurch viel flexibler und zweitens könnt ihr auf der Anreise tolle Landschafen, wie zum Beispiel die von Mpumalanga, bewundern.

Mit SiyeSwatini Trans gibt es einen Busservice, der regelmäßig zwischen dem Oliver Tambo Airport in Johannesburg und Mbabane verkehrt. Da Johannesburg für viele Backpacker der Ausgangspunkt für einen Trip nach Swasiland ist, macht es Sinn sich dort ein Auto zu mieten, wenn ihr nicht alleine unterwegs seid. Denn wirklich günstig sind die Autovermietungen leider nicht. Wichtig ist auch, dass ein Grenzübergang mit dem Auto erlaubt ist, sonst kann es beim Schadensfall schnell teuer werden.

Sofern ihr auf eigene Faust mit dem Pkw nach Swasiland fahrt solltet ihr euch im Vorhinein bewusst sein, dass in Swasiland Linksverkehr ist, es auf den Straßen jede Menge Pottholes, also Schlaglöcher gibt, und immer mal wieder Fußgänger und Tiere die Straße kreuzen. Positiv ist, dass das ganze Land mit dem Auto bereist werden kann. Beim Befahren von Nebenstraßen ist ein Auto mit Allradantrieb zu empfehlen, vor allem bei nasser Fahrbahn.

Einreisebestimmungen und Impfungen

Ist man an der Grenze angekommen, dann läuft hier eigentlich alles sehr reibungslos, schließlich bekommt man als deutscher Staatsangehöriger direkt an der Grenze automatisch eine Aufenthaltserlaubnis für vierzehn Tage. Da das Königreich nicht allzu groß ist, reichen zwei Wochen für einen Besuch oftmals aus.

Wer vorhat länger zu bleiben, sollte sich vor dem Besuch des Königreichs um ein Visum kümmern. Das Visum ist bis zu drei Monate gültig. Zur Beantragung reicht ein Reisepass völlig aus, der allerdings mindestens sechs Monate gültig sein sollte. Wer eine Rucksacktour mit dem Nachwuchs plant, der benötigt für seine Kids lediglich einen Kinderausweis. Alle Infos zum Visum gibt es unter www.swasiland.de.

Was man sonst noch wissen sollte

Da die offizielle Amtssprache Englisch ist, sind Behördengänge oder Grenzübergänge sehr gut zu bewältigen. Wer tiefer in die Materie eintauchen will und Pluspunkte bei den Einheimischen sammeln möchte, der sollte ein paar Brocken der zweiten Landessprache, nämlich Siswati, auf dem Kasten haben. In Siswati kann man dann auch wunderbar das traditionelle Essen Swasilands bestellen, welches entweder aus einer Fleischsuppe oder verschiedenen Maisgerichten besteht.

Dazu sollte man sich unbedingt das selbst gebraute Bier von den Marktdamen bestellen. Nicht ganz mit dem deutschen zu vergleichen, aber ein absolutes Muss bei einer Tour mit dem Rucksack durch Swasiland. Und während ich diese letzten Wörter schreibe, bekomme ich auf einmal richtig Lust, Swasiland wieder einmal einen Besuch abzustatten. Das nächste Mal vielleicht für etwas länger, denn trotz aller Probleme des Landes sind die Einwohner überaus gastfreundlich und gut gelaunt sowieso.

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2 Gedanken zu „Warum nicht mal mit dem Rucksack durch Swasiland?“

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