Skifahren in Sölden: Darum ist das Skigebiet im Ötztal (nahezu) unschlagbar

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Sölden gilt als eines der Top-Skigebiete in Österreich. Nicht nur wegen der unzähligen Pistenkilometer und der Schneesicherheit, sondern auch wegen einer pulsierenden Partymeile. Vor kurzem war ich zum fünften Mal vor Ort, denn auch mich hat das Ski-Eldorado längst in seinen Bann gezogen. Warum Sölden auch für dich eine Reise wert ist und welche Punkte mir trotz all der Euphorie übel aufstoßen, verrate ich dir in diesem Beitrag.

Mit drei guten Freunden war ich im zarten Alter von 18 Jahren erstmals in Sölden zum Skifahren beziehungsweise damals noch zum Snowboarden. Im Fokus standen das Feiern, der pulvrige Tiefschnee und die nie enden wollenden Pisten. Der damalige Trip hatte mich so sehr fasziniert, dass ich in den Jahren darauf noch zwei weitere Male zum Boarden und Skifahren in Sölden vorbeischaute. Aber auch im Sommer buchte ich mich für einige Tage in Sölden ein, um wandern zu gehen und mich auf den Gletscher-Trailrun im benachbarten Obergurgl vorzubereiten.

Sölden begleitet mich nun schon eine ganze Weile, aber warum eigentlich? Was ist an dem Wintersportort, der im Sommer zur Bike Republic mutiert, so besonders?

Das sind die Vorteile von Sölden im Winter

Es gibt eine ganze Reihe positiver Aspekte, die mir spontan zu Sölden einfallen. Nach einem wieder einmal gelungenen Skitag vor ein paar Tagen nahm ich mir etwas Zeit, um eben diese Vorteile von Sölden im Winter in meinem Notizbuch festzuhalten. Um dir einen besseren Überblick zu geben, habe ich sie in fünf Kategorien unterteilt, die dir deutlich machen sollen, warum die beliebte Ski-Destination mehr als nur eine Option für einen Winterurlaub ist.

Großflächiges Skigebiet

Sölden ist nicht nur ein Skigebiet, sondern – genau genommen – gleich vier. Neben den Abfahrten am Giggijoch und dem Gaislachkogel, gibt es die beiden Gletscherskigebiete am Rettenbach- sowie am am Tiefenbachferner. Insgesamt warten 143,4 Pistenkilometer auf dich, die sich auf die folgenden Schwierigkeitsgrade aufteilen:

  • 69,5 Kilometer blaue Pisten
  • 44,7 Kilometer rote Pisten
  • 27,3 Kilometer schwarze Pisten
  • 1,9 Kilometer Skiroute

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Dank der riesigen Auswahl an Pisten in Sölden gibt es am Lift kaum Wartezeiten, sodass du ordentlich Pistenkilometer sammeln kannst. Die längste Abfahrt ist 15 Kilometer lang. Sie beginnt am Rettenbachgletscher und führt bis zur Talstation des Gaislachkogels. Aber Vorsicht: Brennende Oberschenkel sind hier garantiert.

Auf den meist breiten Pisten kannst du es aber auch ruhig angehen lassen. Insbesondere das Giggijoch eignet sich für Anfänger, da auf den breiten und nicht allzu steilen Pisten viele Fehler verziehen werden und du dich wohl kaum in einem Fangzaun wiederfinden wirst. Bist du eher der Typ Adrenalinjunkie, dann darfst du dich in Sölden natürlich auch auf perfekt präparierte Funslopes, einen Snowpark mit riesigen Kickern und unzähligen Rails sowie eine Speed-Strecke freuen. Auch beim Riesenslalom kannst du dich duellieren.

Bei genügend Neuschnee gibt es zudem einige Tiefschneeareale, die direkt neben der Piste sind. Zum Powdern animieren will ich dich jedoch nicht, da das Verlassen der Pisten auch immer mit einem gewissen Risiko verbunden ist. Du solltest daher auf alle Fälle über bestimmte Fähigkeiten auf dem Snowboard oder auf Ski verfügen und dich nicht überschätzen.

Pures Entertainment

Entertainment wird in Sölden großgeschrieben. Der langgezogene Ort in Tirol ist kein verschlafenes Nest – hier ist immer etwas los. Vor allem Feierbiester kommen voll auf ihre Kosten, was an der Dichte der Aprés Ski-Bars und den anderweitigen Lokalitäten liegt. Meine Highlights sind die LIVE-Bar für ein gemütliches Bier mit Live-Musik, das Marco´s für ein Kaltgetränk direkt nach dem Skifahren oder das Almrausch im berüchtigten Bermuda-Dreieck, in dem das Feiern sowieso kein Ende nimmt.

Doch auch kulturell hat Sölden einiges zu bieten, vor allem, wenn du James Bond-Fan bist. Hier wurden schließlich einige Szenen von Spectre gedreht, bei dem Daniel Craig unter anderem auf der Gletscherstraße einer wilden Verfolgungsjagd ausgesetzt ist und die beeindruckende Landschaft an sich vorbeiziehen lässt. Einige der im Film zu sehenden Autos gibt es an der Talstation des Gaislachkogels oder auch auf dem Gipfel zu bestaunen. Auf 3.000 Meter Höhe kannst du zudem das 007 ELEMENTS bewundern, wo es eine Ausstellung zu James Bond mit dem Fokus auf Spectre gibt.

Willst du lieber selbst den Berg hinunter rasen als dir Filmszenen vor dem flackernden Bildschirm anzuschauen, wirst du auf der 7,2 Kilometer langen Rodelstrecke großen Spaß haben. Ich war dort zwar nie unterwegs, habe bei diversen Liftfahrten aber mit den Augen und Ohren wahrgenommen, dass ein Ritt ins Tal unheimlich viel Spaß machen muss. Einmal pro Woche findet zudem das Nachtrodeln statt.

Aufgrund der einwandfreien Wintersportbedingungen ist Sölden sowohl im Winter als auch im Sommer der ideale Trainingsort für Ski-Profis. Daher kommt es nicht selten vor, dass du den Stars des Rennzirkus oder dem Nachwuchs beim Training zuschauen kannst. Es lohnt sich ein paar Minuten Halt zu machen und sich von der Dynamik, Kraft und Geschwindigkeit der Profis begeistern zu lassen – pures Entertainment eben.

Anfahrt und Infrastruktur

Von der A7 aus Deutschland kommend ist Sölden recht gut erreichbar. Einfach über den Fernpass drüber, nach Imst links weg und hinein ins Ötztal. Zudem benötigst du über diese Strecke keine Vignette, sofern du nicht aus Versehen doch auf eine Schnellstraße oder Autobahn ausweichst.

Auch mit den öffentlichen Verkehrsmitteln gelangst du relativ stressfrei nach Sölden. Von Hamburg fährt beispielsweise ein ICE bis nach Ötztal-Bahnhof. Von dort geht es mit einem der regelmäßig fahrenden Busse weiter bis nach Sölden. Einmal umsteigen bei 900 Kilometern Anfahrt hält sich vom Aufwand her gewiss in Grenzen.

Im Ort selbst punktet Sölden durch ein gutes Netz an Skibussen. Reist du mit dem eigenen PKW an, zum Beispiel als Tagesbesucher, gibt es genügend Stellplätze in den beiden Parkhäusern an der jeweiligen Talstation. Die Infrastruktur könnte kaum besser sein, zumal du außerhalb der Saison mit dem Auto bis an die Gletscher fahren kannst. Hier solltest du jedoch stets ein paar Schneeketten im Kofferraum verstauen, um für den Ernstfall gewappnet zu sein.

Der Ortskern und das Ötztal

In vielen Skigebieten gibt es eine beschauliche Anzahl an Supermärkten, Sportgeschäften, Restaurants und Freizeiteinrichtungen. In Sölden wirst du alles vorfinden, was du brauchst. Einkaufsmöglichkeiten verteilen sich entlang der Dorfstraße ebenso wie Gasthäuser, um deinen Hunger zu stillen.

Außerdem verfügt Sölden über die Freizeit Arena, einem öffentlich zugänglichen Schwimmbad mit Sauna, das im Zentrum der Gemeinde liegt. Für den Notfall gibt es sogar eine Sportklinik, auf die du hoffentlich nie zurückgreifen musst. Wie mir in einem Gespräch beim Aprés Ski zu Ohren gekommen ist, soll die Erstversorgung durch das kompetente Personal sehr gut sein. In diesem Sinne: Ski heil!

Nicht nur Sölden hat eine Menge Vorzüge, auch im näheren Umkreis gibt es einiges für dich zu entdecken. Mit einem Skipass, der über mehrere Tage gilt, kannst du beispielsweise auch andere Skigebiete im Ötztal nutzen. Zum Beispiel lohnt sich eine Fahrt mit dem Skibus nach Obergurgl. Zwei meiner Familienmitglieder verbringen hier seit vielen Jahren regelmäßig ihren Skiurlaub. Punkte sammelt der letzte Ort im Ötztal vor allem durch seine beeindruckende Landschaft.

Neben reinen Abfahrten gibt es auch eine Reihe guter Loipen rund um Sölden. Auch hier punkten Obergurgl und Gurgl mit wunderschönen Strecken zum Langlaufen. Dort bin ich zwar nur vorbeigefahren und habe bereut meine Langlaufski nicht ausgepackt zu haben, dafür genoss ich meine Runden in Zwieselstein sowie in Vent. Auf deine Trainingskilometer musst du daher nicht verzichten. Zudem ist Langlaufen eine gelungene Abwechslung zum Trubel auf und abseits der Pisten in Sölden.

Zwei Gletscher in einem Skigebiet

Mit dem Tiefenbachgletscher und dem Rettenbachgletscher darfst du dich in Sölden auf zwei tolle Gletscherskigebiete freuen. Am Rettenbachferner kannst du nicht nur die wuchtigen Eismassen bestaunen, sondern auf der Schwarzen Schneid wie die Ski-Profis ins Tal sausen. Die schwarze Piste ist Teil des Skiweltcups, der jährlich im Ötztal stattfindet.

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Am Tiefenbachkogel, den du über einen Skitunnel erreichst, geht es etwas gemächlicher zu. Breite Autobahnen und weniger steile Gefälle sorgen für puren Carving-Genuss. Ein besonderes Highlight ist die Big 3-Aussichtsplattform, von der du die 3.768 Meter hohe Wildspitze sowie das Pitztal aus nächster Nähe betrachten kannst. Ein ehrfürchtiges Panorama, das sich dir hier oben eröffnet. Schwindelfrei solltest du beim Betreten des Stegs sein, denn von hier blickst du einige hundert Meter in die Tiefe.

Die Pistenverhältnisse an beiden Gletschern sind meist sehr gut. An besonders kalten Tagen kommt es schon mal vor, dass dir der Wind bitterkalt um die Ohren bläst und die Pisten vereist sind. Alles in allem ist das Gletscherskigebiet jedoch ein großer Gewinn für das Skigewinn Sölden.

Die Nachteile von Sölden

Sölden in diesem Beitrag in den Himmel zu loben, wäre nicht richtig. Das Skigebiet im Ötztal bringt durchaus auch einige Nachteile mit sich. Ich mag es zum Beispiel mit Freunden eine Hütte zu mieten, selbst zu kochen und ein eigenes Reich zu haben. In Sölden gibt es keine solcher urigen Unterkünfte. Apartments sind genügend vorhanden, doch preislich kaum mit anderen Skigebieten zu vergleichen. Daher musst du deinen Geldbeutel etwas weiter öffnen, insbesondere, wenn dir ein Schlafplatz in Liftnähe wichtig ist.

Dass Sölden Schauplatz von James Bond geworden ist, finde ich stark. Das Thema aber so sehr auszuschlachten und – gefühlt – sämtliche Reklametafeln und Bildschirme im gesamten Ötztal damit zu schmücken, missfällt mir. Gleiches trifft auf den luxuriös wirkenden Glaskasten am Gaislachkogel zu. Sieht zwar schön aus, passt aber einfach nicht ins Tiroler Landschaftsbild. Eine Ausnahme gibt es allerdings: Die Männertoiletten mit den großflächigen Fenstern etwas unterhalb des 007 Elements sind ein Erlebnis für sich.

Was das Thema Nachhaltigkeit betrifft, stellen sich bei mir alle Nackenhaare. Die einzelnen Teil-Skigebiete mit ihren nie enden wollenden Pisten, der Zubringer zum Gletschergebiet oder der eben erwähnte Glaskasten auf dem Gipfel des Gaislachkogels zeigen deutlich, warum Skitourismus nicht nachhaltig sein kann. Am enormen Eingriff in die Natur bin ich als Skifahrer nicht ganz unschuldig, schließlich habe ich großen Gefallen an den abwechslungsreichen und breiten Pisten, wo einst noch Bäume standen und Tiere ihre Ruhe genossen.

Manchmal habe ich den Eindruck, dass es in Sölden von allem etwas zu viel gibt. Vielleicht hätten die Verantwortlichen des Dorfes irgendwann die Bremse ziehen sollen, um ein wenig Beschaulichkeit zu behalten. Entlang der Dorfstraße mit ihren teils verruchten Bars ist von dieser Gemütlichkeit keine Spur. Diese findest du lediglich auf den Anhöhen Söldens oder in Hochsölden.

Sölden ist und bleibt (trotz allem) großartig

Mit den negativen Beispielen wollte ich dich nicht runterziehen oder dir gar die Lust auf deinen Sölden-Urlaub verderben. Mir ist es nur wichtig nicht nur Jubelschreibe in dir hervorzurufen, sondern auch für ein bisschen mehr Bewusstsein für den Skitourismus im Allgemeinen zu sorgen.

Sölden ist eines meiner Lieblingsskigebiete. Ich werde gerne auch ein sechstes, siebtes und achtes Mal zurückkommen und mich ganz besonders freuen, wenn alles beim Alten geblieben ist. Noch mehr Entertainment und Pisten braucht es ganz sicher nicht mehr.

Willst du grenzenlosen Skigenuss erleben? Hast du keine Lust auf Warteschlangen an den Liften oder möchtest du abends auch mal das ein oder andere Kaltgetränk in geselliger Runde zu dir nehmen? Dann bist du in Sölden genau richtig. Und keine Sorge, es wird dir ebenso gelingen einen entspannten Skiurlaub zu verbringen, auch wenn Sölden nicht gerade als erholsamer Luftkurort bekannt ist.

Sölden ist vielseitig und jeder Typ Skifahrer wird hier sein Glück finden. Ich bin der beste Beweis dafür, denn bisher war ich mit ganz unterschiedlichen Motiven und Mitreisenden zu Gast, hatte stets ein fettes Grinsen im Gesicht und habe beim Passieren des Ortsschilds auch diesmal wieder „Bis zum nächsten Mal!“ vor mich hingemurmelt.

3 KommentareHinterlasse einen Kommentar

  • Schöner Beitrag! Ich war noch nie in Sölden. Inwieweit unterscheidet es sich denn von den anderen beiden Mega-Skigebieten St. Anton und Ischgl? Ich finde es tatsächlich schade, dass Skigebiete immer größer werden und man praktisch keine Abfahrt zweimal macht. Früher mochte ich es, wenn man die Piste gut kennt und immer weiß, wo man am liebsten seine Bögen schwingt. Heute traut man sich kaum, immer die selbe Abfahrt zu nehmen aus Angst, etwas zu verpassen. Und preislich schlagen die großen Skigebiete natürlich auch ganz schön zu Buche.

    • Hi Corinna,

      freut mich, dass dir der Beitrag gefällt. Genau in den beiden von dir aufgezählten Skigebieten stand ich selbst noch nicht auf Ski. Durch Ischgl bin ich vergangene Woche noch durchgefahren und muss gestehen, dass hier recht viel zusammengepresst ist und es den Anschein hat, dass es ein noch größeres Party/Aprés Ski-Mekka als Sölden ist. St. Anton ist dagegen etwas ruhiger. Hier war ich kürzlich zum Langlaufen.

      Beide Skigebiete sollen jedoch – nach Hörensagen – absolut stark sein. Und ja, der Begriff FOMO passt hier sicherlich ganz gut rein, denn wer will schon die gleiche Piste mehrmals am Tag fahren? Ich finde aber auch, dass es kleinere recht sympathische Skigebiete gibt. So zum Beispiel Nauders, Achenkirch oder Großarl.

      Viele Grüße, Daniel

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