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Winterausklang bei Kaiserwetter am Gletscher in Sölden

In Deutschland ist der Frühling längst hereingebrochen und die Temperaturen sind fast schon sommerlich. Doch mein Wintersportherz sorgte dafür, unbedingt noch ein paar Tage auf der Piste zu verbringen, weshalb ich vergangene Woche doch nochmal die Pisten unsicher machen musste. Ziel war das Skigebiet in Sölden.

Elf Jahre sind vergangen als ich meinen ersten eigens organisierten Skiurlaub zusammen mit drei guten Freunden absolvierte. Mit einem Ford Fiesta und einem Opel Corsa ging es damals im zarten Alter von 19 Jahren ins Ötztal zum Snowboarden. Angepeilt wurde Sölden, dessen Vielfalt an Pisten mich vor mehr als einem Jahrzehnt schier aus den Socken haute.

Seitdem fährt meine alte Clique, bestehend aus Freunden aus meinem kleinen Heimatstädtchen Bad Brückenau, jährlich in den Skiurlaub, obwohl mittlerweile nahezu jeder einzelne seine Zelte woanders aufgeschlagen hat. Da in diesem Jahr aber niemand so recht konnte, beschlossen Sebastian, mit dem ich im vergangenen Jahr auch schon durch die Rucksacktour durch Brasilien machte, zu Zweit aufzubrechen, schließlich müssen alte Traditionen aufrechterhalten werden.

Urlaub im Appartment anstatt Hüttengaudi

Anders als sonst buchten wir für die drei Skitage ein Appartment, schließlich hätte der Bezug einer Hütte wenig Sinn gemacht und in einem Hotel unterzukommen, ist bei einem Winterurlaub für mich sowieso tabu. Nicht nur, weil ich gerne individuell reise und mich nur ungern an feste (Essens-) Zeiten halte, sondern auch, weil es sich eingebrannt hat, dass nach einem Tag auf der Piste zusammen gekocht wird.

Natürlich ist Sölden hinsichtlich Unterkünften auch in der Nebensaison nicht gerade ein Schnäppchenparadies. Doch mit einem Zimmer im Appartment Fiegl, das mit einer Küche, einem für uns ausreichend großen Badezimmer und einer kleinen Terrasse ausgestattet war, konnte ich mich sehr gut anfreunden. Und für eine relativ spontane Buchung waren die gut 40 Euro pro Nacht und pro Person ganz gut angelegt.

Kleiner Tipp: Da airbnb in Wintersportdestinationen noch nicht wirklich angekommen ist, lohnt es sich, einen Blick auf Metasuchmaschinen wie Trivago oder Kayak zu werfen, die jeweils den günstigsten Preis einer Unterkunft ausliefern. Noch billiger kommst du davon, wenn du den Vermieter der Unterkunft direkt anschreibst, da dieser dann keine Provision an Vermittler abgeben muss und folglich auch den Übernachtungspreis reduziert.

Schneegarantie, zwei Gletscher und zahlreiche Pisten

Bei einem Skiurlaub nach Ostern fällt die Wahl auf ein passendes Skigebiet in der Regel nicht allzu schwer, da viele Destinationen ihre Wintersaison nach den Feiertagen abschließen. Da Sölden über zwei Gletscher verfügt und mit dem Gaislachkogl, Tiefenbachkogl, und der Schwarzen Schneide drei Dreitausender vorweisen kann, gilt das Skigebiet als absolut schneesicher.

Auch wenn die „Gondelei“ bis zum nähesten Gletscher, nämlich dem Rettenbachgletscher, einige Zeit dauert, lohnt es sich, die dortigen Pisten zu nutzen. Denn bei hohen Temperaturen, wie es auch in der vergangenen Woche der Fall war, wird der Schnee doch sehr sulzig und wässrig. Sowohl am besagten Rettenbach- oder dem auf der anderen Seite liegenden Tiefenbachgletscher sind die schneeverhältnisse dafür umso besser.

Was mir an den fast 150 Pistenkilometern besonders gefällt, ist, dass es nur wenige Ziehwege gibt und die Pisten sehr breit sind, was nahezu perfekt für Anfänger ist. Und genau aus diesem Grund entschloss ich mich dazu, an einem der drei Skitage vom Snowboard auf Ski zu wechseln. Nach 17 Jahren Abstinenz auf zwei Brettern gar nicht so leicht, doch ähnlich wie das Fahrradfahren scheint man auch das Skifahren nicht wirklich zu verlernen.

Das Kaiserwetter, über das sich Sebastian und ich während unseres Aufenthaltes in Sölden freuen durften, sorgte allerdings auch dafür, dass sowohl die Talabfahrt vom Giggijoch als auch die vom Gaislachkogl abscheulich waren. Wenn du also Mitte April zum Boarden oder Skifahren gehen willst, dann musst du eben Abstriche machen.

Ballermann der Alpen in Katerstimmung

Zusammen mit Ischgl gilt das mehr als 4.000 Einwohner fassende Dorf im Ötztal als Partyhochburg Österreichs. Das wird einem bereits bewusst, sobald man die Dorfstraße entlang fährt und eine Après-Ski-Bar nach der anderen zu sehen bekommt. Im Vergleich zu meinem letzten Besuch im Jahr 2004 hatte sich touristisch und partytechnisch also nochmal einiges getan.

Da die Hauptsaison mittlerweile beendet ist und die Bedienungen in den Bars sichtlich müde und ausgelaugt wirkten, war abends auch nicht mehr allzu viel im Dorfkern Söldens los. Zwar waren unsere Besuche in den Aprés-Ski-Kneipen Marco´s, Zum Kuckuck, der Schirm Bar und dem Hauptanziehungspunkt für alle Feierbiester, dem Fire & Ice, durchaus amüsant, doch irgendwie schien die Luft raus zu sein.

Ordentlich aufgetischt wird in Sölden dennoch stets bis zum bitteren Ende, weshalb freitags und samstags alle Techno-Fans zum Electric Mountain Festival ans Giggijoch geladen wurden, wo sich einige Raver oberkörperfrei zu lauten Bässen und schrillen Klängen vermeintlich bekannter DJs bewegten. Nicht ganz meine Musik, aber einige Skihasen und Pistenrowdies hatten durchaus ihren Gefallen am Event.

Erneutes Comeback nicht ausgeschlossen

Der Winterausklang in Sölden war, um es kurz zu machen, großartig. Nicht nur, weil es von der Abwechslung her das für mich noch immer beste Skigebiet ist, in dem ich bisher war. Auch das perfekte Wetter, die guten Schneeverhältnisse und das traumhafte Bergpanorama taten einfach mal wieder gut.

Doof nur, dass ich durch den Aufenthalt in Sölden nochmal so richtig Lust bekommen habe, die Pisten unsicher zu machen. Aber bis es wieder soweit ist, muss ich mich noch etwas gedulden. Gut, dass bis zum Winter-Opening 2015/16 noch einige andere Rucksacktouren auf dem Programm stehen, die mir die Wartezeit verkürzen. Und wer weiß, vielleicht zieht es mich in einem der nächsten Winter tatsächlich wieder einmal nach Sölden – warum denn auch nicht.

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6 Gedanken zu „Winterausklang bei Kaiserwetter am Gletscher in Sölden“

  1. Pingback: Ein paar Gedanken zur Spontaneität beim Reisen

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