Die Vor- und Nachteile als Digitaler Nomade und warum ich nach 4 Jahren sesshaft werde

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Nach fast vier Jahren als Digitaler Nomade ist es an der Zeit, endlich wieder sesshaft zu werden. Was meine Beweggründe sind, warum das Leben als Digitaler Nomade ein absoluter Traum ist und warum der Lifestyle manchmal einfach nur nervt, verrate ich dir in diesem Rundumschlag zum digitalen Nomadentum. Und natürlich erfährst du auch, wie es bei mir persönlich weitergeht.

Es ist ein Blogbeitrag, bei dem ich lange Zeit nicht wusste, ob ich ihn überhaupt veröffentlichen – geschweige denn – schreiben sollte, denn er schließt ein fast vierjähriges Kapitel ab. Ich werde sesshaft – zumindest teilweise. So werde ich mich künftig nicht mehr als reiner Digitaler Nomade sehen, auch wenn ich weiterhin viel unterwegs sein werde und mir die Freiheit nehme, von überall aus zu arbeiten.

Immer wieder Chiang Mai: Der Kreis schließt sich

Es ist irgendwie absurd, denn gerade sitze ich in Chiang Mai. Der Ort, an dem ich vor 13 Jahren mit dem Backpacker-Virus infiziert wurde und auch der Ort, wo vor vier Jahren mein Leben als Digitaler Nomade begann: Ein abenteuerlicher Lifestyle ohne Wohnung und lediglich mit einem Handgepäcks-Rucksack bewaffnet, mit dem großen Ziel, mein eigenes Business aufzubauen. Dass daraus tatsächlich fast vier Jahre werden würden, hätte ich damals nicht gedacht.

Doch der Kreis scheint sich zu schließen. Trotz des Luxus ortsunabhängig von überall auf der Welt aus zu arbeiten und vollkommen selbstbestimmt zu leben, sehne ich mich seit längerem nach einem eigenen Reich. Mir fehlt ein Wohnzimmer, ein fester Arbeitsplatz, Gammelsonntage vor dem Fernseher und regelmäßiger Sport mit Freunden oder Kaffeekränzchen über Allerweltsthemen mit der Familie.

Ein ganz normales Leben, dass ich so die letzten vier Jahre nicht allzu oft hatte. Stattdessen standen Traumstrände, hohe Berge und die größten Metropolen der Welt auf dem Programm – dazwischen Surfen, fordernde Bergtouren, nie enden wollende Partys und unfassbar viel Arbeit.

Insgesamt bereiste ich 27 verschiedene Länder – inklusive Deutschland. Dabei versuchte ich, mindestens drei bis vier Wochen an einem Ort zu bleiben, um die Landschaft, Kultur und die Menschen näher kennenzulernen und trotzdem fleißig Projekte abzuarbeiten. Länger als drei Monate war ich jedoch nie an einem Ort. Zu groß war meine Abenteuerlust.

Vielleicht fragst du dich, warum ich all das aufgebe. Keine Sorge, das werde ich nicht – zumindest nicht komplett. Natürlich werde ich weiterreisen, nur eben nicht mehr in dem Umfang wie bisher. Auch werde ich erstmals wieder eine Homebase, also mein ganz eigenes Reich haben, das ich nach eigenen Wünschen einrichten werde.

Ein Digitaler Nomade ist eine selbstbestimmte Person, die ohne festen Wohnsitz um die Welt reist und mit Hilfe digitaler Technologien an Projekten arbeitet, die fortwährende Einnahmen für einen ortsunabhängigen Lifestyle generieren.

Auf Grund meines Verlangens endlich anzukommen, war es die logische Konsequenz, seit langer Zeit wieder einen Mietvertrag in meiner kleinen Heimatstadt Bad Brückenau zu unterschreiben. Ein echter Vertrag, also eine dieser Verbindlichkeiten, vor denen ich mich in den vergangenen Jahren so sehr gescheut habe. Zugegeben hat sich die Unterzeichnung ziemlich bedrückend angefühlt, aber irgendwie auch ziemlich gut. Das Ankommen wurde besiegelt.

Auf meine Beweggründe werde ich später im Detail zu sprechen kommen. Vorab möchte ich jedoch auf die Vorteile und Nachteile des Lebens als Digitaler Nomade eingehen. Als Digitaler Nomade ist nicht alles Gold, was glänzt, auch wenn es nach außen oftmals so aussieht. Es gibt einige Punkte, die dir bewusst sein sollten, sofern du vorhast, selbst Digitaler Nomade zu werden.

Die Vorteile als Digitaler Nomade

Digitaler Nomade zu sein ist ein wahrer Traum oder um es etwas Diplomatischer auszudrücken: der Lifestyle hat gewiss seine Vorzüge. Bei mir überwogen die Vorteile gegenüber den negativen Aspekten. Andernfalls wäre ich wohl kaum in den vergangenen Jahren mit Handgepäck um die Welt gereist und hätte mein eigentlich ziemlich cooles „normales“ Leben damals aufgegeben.

Einige der Vorteile, die das digitale Nomadentum mit sich bringt, nehme ich im Folgenden etwas genauer unter die Lupe:

Unfassbare Erlebnisse in den verschiedenen Ländern

Mit 25 oder 30 Urlaubstagen pro Jahr ist es unmöglich, eine solche Vielfalt an Ländern und Kulturen kennenzulernen, wie ich es als Digitaler Nomade erlebt habe. So lernte ich mit Estland nicht nur das digitalste Lande der Welt kennen, surfte die Wellen von Sri Lanka und Bali oder schnorchelte mit Walhaien in Mexiko. Ich hatte auch genügend Zeit, um den Triglav in Slowenien zu besteigen, einen Roadtrip zum Nordkap zu machen und gemeinsam mit drei guten Freunden den vielleicht schönsten Sonnenuntergang im kroatischen Zadar zu genießen.

Momente, die mir keiner mehr nehmen wird, zumal dies nur eine kleine Auswahl an unfassbar schönen Erlebnissen war. Wirklich verarbeitet habe ich die einzelnen Touren allerdings bis heute nicht. Die meisten Fotoalben liegen noch immer im Online-Speicher und wurden nach dem Hochladen nicht mehr angerührt.

Kennenlernen verrückter, ausgefuchster und fleißiger Personen

Überaus spannend sind die verschiedenen Persönlichkeiten, die du als Digitaler Nomade unterwegs kennenlernst. Dabei geht es nicht ausschließlich um die Einheimischen, die ihre Eigenheiten haben und mit deren Kultur es nicht immer ganz einfach ist, zurecht zu kommen. Es sind auch die anderen Digitalen Nomaden, die auf verschiedene Weise ihren Lebensunterhalt bestreiten.

Digital sind sie alle unterwegs, obwohl sich ihr Arbeitsumfang und das Tätigkeitsfeld doch stark unterscheidet. Ich traf Entwickler, Blockchain-Experten, Life Coaches, Freelancer, Reisende auf dem Selbstfindungstrip oder auch Personen, die ziemlich viel Asche mit dem Anlegen von Kryptowährung gemacht haben. Während ein Teil Digitaler Nomaden – gefühlt – Tag und Nacht buckelte, öffnete ein anderer einmal täglich den Laptop, um nachzusehen, ob die Projekte weiterhin nach Belieben laufen und das Konto fleißig füllen.

Viele Digitalen Nomaden waren sehr inspirierend für mich, auch wenn sie mit meinem Berufsfeld im digitalen Sportmarketing recht wenig am Hut hatten. Abschauen konnte ich mir dennoch so einiges und vielleicht habe auch ich die ein oder andere relevante Information weitergegeben. Bei Digitalen Nomaden zählt schließlich das Miteinander und nicht das Gegeneinander.

Ortsunabhängigkeit und Selbstbestimmung als großer Luxus

In unserer Arbeitswelt gibt es zwei Probleme: Erstens müssen die meisten Arbeitnehmer zu festen Zeiten ins Büro und ihren Arbeitstag absitzen. Zweitens ist der Arbeitsplatz jeden Tag derselbe. Für mich zwei absolute Produktivitäts- und Kreativitätskiller. Daher waren sowohl die Ortsunabhängigkeit als auch die Selbstbestimmung die beiden wichtigsten Faktoren, um dem damaligen Hamsterrad zu entfliehen und mein eigenes Ding durchzuziehen.

Mittlerweile arbeite ich wann ich will und von wo ich will. Ist der Kopf einmal voll, lege ich entweder eine längere Pause ein oder wechsele den Schreibtisch. In Chiang Mai wechsele ich beispielsweise vier- bis sechsmal täglich meinen Arbeitsplatz. Das macht nicht nur den Kopf frei, sondern sorgt für neue Energie und kreative Impulse.

Wann ich arbeite ist letztendlich vollkommen egal. Wichtig ist, dass ich arbeite und mir meine Arbeitszeit so einteile, dass ich besonders produktiv bin. Ein sehr großer Luxus, von dem ich jeden Tag aufs Neue zehre.

Gleichgesinnte treffen und neue Freunde finden

Digitale Nomaden sind ein kleiner, überschaubarer Haufen. Meistens siedeln sie sich in bestimmten, digitalen Ballungszentren an, wie zum Beispiel Chiang Mai, Tallinn oder Medellín. Auf Grund guter Netzwerke, beispielsweise Facebook-Gruppen, ist es recht einfach Gleichgesinnte kennenzulernen und sich mit diesen über Projekte und Alltagsprobleme auszutauschen. Die Community ist einfach top.

Drei solcher Digitaler Nomaden, die ich über das Internet oder Coliving Spaces kennengelernt habe, kann ich mittlerweile durchaus zu meinem Freundeskreis zählen. Darüber bin ich auch recht dankbar, denn ab und an treffen wir uns an verschiedenen Orten auf der Welt. Ein großer Vorteil, Gleichgesinnte als Kumpel zu haben, schließlich fällt dadurch das oberflächliche Reise-Geplänkel weg und ich muss niemandem erklären, was es mit meinem Lifestyle auf sich hat.

Dein eigener Boss sein

Als Digitaler Nomade bist du in der Regel eine One-Man-Show. Das heißt, du fängst bei null an und baust dein eigenes Unternehmen als Selbstständiger auf. Ganz egal, ob du ein eigenes Produkt schaffst oder du als Freelancer Aufträge neuer Kunden entgegennimmst. Die Verantwortung, wie du deinen Arbeitsalltag gestaltest, welche Kundenaufträge du annimmst oder auf welche Projekte du deinen Fokus setzt, liegt alleine bei dir.

Keine Absprachen, keine lästigen Anweisungen vom Chef und kein ständiges auf die Uhr schauen, wann denn endlich Pause ist. Als Digitaler Nomade hast du alles selbst in der Hand. Ein weiterer großer Luxus, für den jedoch eine ordentliche Portion Selbstdisziplin und Eigenmotivation angebracht ist.

Ich will nicht ausschließen, dass ich irgendwann wieder zurück in ein Angestelltenverhältnis gehe, aber zum aktuellen Zeitpunkt ist die Selbstständigkeit ein großer Segen. Bisher habe ich nicht einen Tag bereut, mich selbstständig gemacht zu haben und mein eigener Chef zu sein, auch wenn das Panikmonster regelmäßig für große Zweifel und Existenzängste sorgt – aber das macht das Ganze doch nur noch spannender.

Von wegen Dresscode: Flip-Flops statt Anzug

Schon damals nach dem Studium spielte das Arbeitsoutfit eine bedeutende Rolle für mich bei der Wahl des Arbeitgebers. Daher entschied ich mich für eine Agentur in Offenburg, in der alles sehr locker zuging. Jeans, T-Shirt und Sneakers anstatt Hemd, Schlips und feinen Lackschuhen, wie es beispielsweise viele Bankangestellte tragen müssen. Sorry, dass ich diesen Berufszweig als Beispiel nehme, aber ein bisschen leid tun mir die Angestellten in ihrem Outfit schon.

Als Digitaler Nomade ist es vollkommen egal, was du trägst. Ob du beim Skypen mit einer Boxershorts vor dem Bildschirm sitzt, du den Alltag in Flip-Flops durch die Gegend läufst oder du gemütlich in Jogginghose und Hoodie vor dem Rechner sitzt, stört niemanden. Ein großes Plus, denn ein bequemes, zwangloses Outfit zum Arbeiten muss einfach sein, um sich wohl zu fühlen und noch mehr Spaß bei der Arbeit zu haben.

Minimalismus statt Konsumgeilheit

Etwas, das ich beim Reisen mit Handgepäck und der Aufgabe meiner Wohnung vor dem digitalen Nomadentum gelernt habe, ist der Verzicht auf unnötige Konsumgüter. Letztendlich brauchst du als Digitaler Nomade nichts anderes als ein paar Klamotten, einen Laptop, den Reisepass und eine Kreditkarte. Ziemlich wenig, was allerdings vollkommen ausreicht.

Ich habe den Minimalismus mittlerweile durchaus zu schätzen gelernt, komme mit sehr wenig aus und hinterfrage mich vor dem Kauf, ob ich das jeweilige Produkt tatsächlich benötige. Darüber freut sich nicht nur mein Geldbeutel – weniger Eigentum in Form von materiellen Gegenständen macht mich irgendwie auch glücklicher.

Geo-Arbitrage: Mehr verdienen bei weniger Lebenshaltungskosten

Als Digitaler Nomade suchst du dir die Orte aus, von denen aus du deiner Arbeit nachgehst. Bei mir zum Start in die Selbstständigkeit ein wichtiger Punkt, denn ich habe damals mein Business von Südostasien aus gestartet. Der Grund: Die fehlende staatliche Förderung bei der Gründung sowie niedrigere Lebenshaltungskosten.

Diese Vorgehensweise ist auch unter dem Namen Geo-Arbitrage bekannt. Das bedeutet im Klartext: Du gehst in ein Land mit geringen Lebenshaltungskosten, verdienst aber mehr, da sich deine Kunden in einem Land befinden, in dem du höhere Stundensätze abrechnen kannst. Vor allem zu Beginn deiner Selbstständigkeit kann dir dies großen Druck nehmen, da du weniger verdienen musst.

Hinzu kommt die Krankenversicherung, die beim Start in die Selbstständigkeit gewiss den größten Kostenfaktor ausmacht. Verweilst du längere Zeit im Ausland, kannst du diese (im Fall der freiwillig-gesetzlichen Versicherung) pausieren. So kam ich während meiner ersten drei Monate in Südostasien zum Beispiel wunderbar mit 600 bis 800 Euro pro Monat aus. Hätte ich von Deutschland aus gegründet, wäre der Start weitaus holpriger verlaufen.

Kundengewinnung und neue Projekte von unterwegs

Auf meinen Reisen habe ich sehr viel Zeit in Coworking Spaces und Cafés verbracht, wo ich automatisch mit anderen Personen aus dem digitalen Marketing in Kontakt kam. Durch den Austausch entstanden regelmäßig neue, spannende Projektideen. Aus Gesprächspartnern beim Kaffeeklatsch wurden teilweise sogar Kunden, da ich mit meinem Wissen das fehlende Puzzleteil ihrer Marketingstrategie war.

Einige Projekte und Kunden kamen und gingen, für einige bin ich auch heute noch tätig. Sie wissen die Produktivität, Kreativität und Flexibilität sehr zu schätzen, da sie selbst als Digitale Nomaden unterwegs und aus dem gleichen Holz geschnitzt sind. In die Welt zu reisen bedeutet für dich also nicht gleich, auf neue Kunden verzichten zu müssen.

Lästige Wartezeiten sind Geschichte

Über gestresste Menschen, die sich über verspätete Züge, Flüge oder sonstige Wartezeiten beschweren, kann ich nur schmunzeln. Da ich meinen Laptop stets bei mir habe, ist es mir möglich von überall aus zu arbeiten. Warten bedeutet also nicht ständig auf die Uhr zu schauen und die Zeit abzusitzen, sondern produktiv zu sein und die Zeit sinnvoll zu nutzen.

In den vergangenen Jahren habe ich Bahnhöfe, Boote, Botschaften und diverse Stadtparks in Windeseile in ein Büro umgewandelt. Warten gibt es bei mir daher nicht mehr, sodass ich beispielsweise bei Zugverspätungen nur noch sehr selten gestresst bin. Im schlimmsten Fall arbeite ich einfach meine Task-Liste ab.

Problemlose Organisation mit hilfreichen Tools

Ein Großteil meiner täglichen Arbeit dreht sich um Projekte im digitalen Sportmarketing. Als Dienstleister ist der Kontakt zu meinen Kunden daher nicht ganz unwichtig. Auf Grund der fortschreitenden Digitalisierung stellt meine lokale Abwesenheit jedoch keinerlei Probleme dar. Es gibt schließlich gute Tools, mit denen ich mich während meiner Reisen organisieren kann.

Ich nutze beispielsweise Slack zum Austausch von Nachrichten und Dateien, Skype zum Telefonieren sowie für Video-Konferenzen und Evernote zum Teilen von Dokumenten. Im Notfall kommt auch mal WhatsApp zum Einsatz und auf die gute, alte E-Mail kann ich sowieso nicht verzichten.

In der Welt unterwegs zu sein, heißt also nicht, völlig abgeschnitten zu sein. Ganz im Gegenteil: Bisher gab es diesbezüglich noch keine Kundenbeschwerden. Eigentlich bin ich sogar weitaus besser erreichbar als damals zu Agenturzeiten, wo ich täglich um 17 Uhr den Stift fallen gelassen habe und mich voll und ganz dem Feierabend widmete.

Fortschreitende Selbstoptimierung

Der Start als Digitaler Nomade bedeutete für mich auch, mich mehr mit mir selbst zu beschäftigen. Kein Weg führte daran vorbei. Du verbringst schließlich eine Menge Zeit mit dir selbst, bist oft alleine und machst dir automatisch Gedanken.

Das Alleinsein war zu Beginn nicht einfach, aber ich habe mich mittlerweile sehr gut selbst kennengelernt. Das mag für dich etwas seltsam klingen, aber wirklich Zeit für sich zu haben – und davon wirst du eine Menge haben – ist ein großes Geschenk. Du arbeitest negative Erfahrungen auf, hinterfragst bestimmte Verhaltensmuster und setzt dich mit dir selbst auseinander.

Im Prinzip hat mich das Reisen unbewusst zu einem Selbstoptimierer gemacht. Ich weiß nun, wie ich in bestimmten Situationen ticke, wann ich arbeitstechnisch runterfahren muss, wo ich die beste Leistung bringe, welche Menschen mir gut tun und welche mir einfach nur kostbare Energie rauben.

Selbst das anfangs von mir belächelte Meditieren ist Teil meines Alltags geworden und hilft mir konzentrierter, achtsamer und fokussierter zu sein. Als Digitaler Nomade bin ich zudem weitaus ausgeglichener und entspannter geworden. Probleme sind Herausforderungen und aus einer Mücke mache ich schon lange keinen Elefanten mehr. Das folgende Zitat ist daher längst zu meinem Credo geworden:

„You can´t stop the waves, but you can learn how to surf.“

Eine große Dankbarkeit hat sich ebenfalls bei mir eingeschlichen. Ich habe verstanden, dass es mir mit all den Vorteilen, die wir als Deutsche haben, unfassbar gut geht. Dazu zählt beispielsweise das soziale Netz, das keinen verhungern lässt, ein Reisepass, der uns im Vergleich zu den meisten anderen Ländern nahezu überall hinreisen lässt und eine Infrastruktur, die ihresgleichen sucht. Den meisten von uns geht es einfach saugut – nur viele wissen das nicht (zu schätzen).

Ständige Weiterentwicklung in verschiedenen Bereichen

Hast du schon mal von der Investition in das Humankapital gehört? Vereinfacht ausgedrückt bedeutet dies nichts anderes, als dich weiterzubilden – und genau das habe ich seit meinem Start als Digitaler Nomade gemacht – ständig und auch unbewusst. So wurde ich nicht nur mit Themen wie der Altersvorsorge, Versicherungen und dem Steuerrecht konfrontiert, sondern bildete mich in den Bereichen interkulturelle Kompetenz, Sprachen und meinem Steckenpferd, dem digitalen Marketing, weiter.

„Man lernt nie aus“ trifft auf Digitaler Nomade ganz gut zu. Das was ich in den vergangenen vier Jahren gelernt habe, hätte ich in meinem „normalen“ Angestelltenleben nicht annähernd gelernt. Die Finanzwelt mit dem Investieren in ETFs, Aktien oder P2P-Kredite gehört ebenso dazu wie die Blockchain-Technologie, Virtual Reality und innovative Online-Marketing-Strategien.

Selbst drei E-Books habe ich mittlerweile veröffentlicht. Ich habe viel ausprobiert, dabei viele Fehler gemacht, aber noch mehr daraus gelernt. Es macht unheimlichen Spaß in immer wieder neue Projekte einzutauchen und mich in gewissen Bereichen weiterzubilden, in die das Schulsystem oder ein Studium wohl niemals vordringen wird – zumindest nicht in dieser Geschwindigkeit und Intention.

Die Nachteile als Digitaler Nomade

Es ist schwer Nachteile zu finden, wenn man gerade in Chiang Mai im Café bei 30 Grad Außentemperatur sitzt, dem wilden Treiben zuschaut und das Gefühl hat, dass in diesem Moment mal wieder alles perfekt ist. Momente, von denen es in den vergangenen Jahren sehr viele gab und die von großer Dankbarkeit zeugen.

Aber ich will keiner sein, der dir Honig ums Maul schmiert. Es wäre auch eine Lüge zu behaupten,  dass es nichts Besseres gibt als Digitaler Nomade zu sein. Es gibt auch eine ganze Menge Nachteile, die der Lifestyle mit sich bringt.

Einige davon habe ich nachfolgend für dich aufgelistet, um deine Euphorie etwas zu bremsen und das Leben als Digitaler Nomade etwas kritischer zu betrachten als es in der Blase dargestellt wird.

Ein gehypter Lifestyle mit viel zu hohen Erwartungen

Arbeiten vom Strand und mit wenig Einsatz durch clevere Strategien möglichst schnell ziemlich viel Geld verdienen – zwei Aussagen, bei denen sich mir die Haare zu Berge stellen. Erstens gibt es kaum Digitale Nomaden, die vom Strand aus arbeiten, da sich durch die Sonneneinstrahlung der Bildschirm spiegelt, du schwitzen wirst wie ein Schwein und der Sand nicht gerade angenehm für deine Technik ist. Zweitens bedarf es auch beim schnellen Geld einer Menge Vorarbeit.

Anmerkung: Das Titelbild von mir am Pool ist natürlich gestellt. Ich könnte so nie arbeiten, da von Ergonomie keine Spur ist, ich mir in kürzester Zeit den Rücken verbrennen würde und die nächste Arschbombe eines Urlaubers mein MacBook außer Gefecht setzen würde.

Im Allgemeinen wird mir der Lifestyle eines Digitalen Nomaden zu sehr verherrlicht. Es herrscht ein wahrer Hype darum, sein eigenes Business aufzuziehen, ortsunabhängig zu arbeiten und vollkommen selbstbestimmt zu leben. Manchmal klingt das ein bisschen wie bei einer Sekte.

Leider gibt es auch viele Digitale Nomaden, die Interessierten teure Kurse zum Aufbau eines Online-Business verkaufen, das eine Menge Geld abwirft. In der Regel allerdings nur für den Produzenten des Kurses, denn sobald funktionierende Ideen verfilmt werden, ist deren Halbwertszeit auch schon wieder vorbei. Aber: Es gibt auch eine Menge richtig guter Kurse und Quellen, weshalb ich gewiss nicht alle an den Pranger stellen möchte.

Auch, ob du einen besonders gesunden Lifestyle hast, bleibt dir überlassen. Du musst nicht jeden Morgen Yoga machen, Öl ziehen und eine halbe Stunde meditieren, um ein Digitaler Nomade zu sein. Auch bist du nicht „der Durchschnitt der fünf Personen mit denen du dich umgibst“ (sorry, aber ein grässliches Zitat) und du brauchst auch keine festen Routinen. Mach dein Ding.

Selbstbestimmt leben bedeutet das zu tun, worauf DU Bock hast. Ich habe mir beispielsweise nie Routinen angewöhnt, außer morgens nach dem Aufstehen auf Toilette zu gehen und mir die Zähne zu putzen – oder zählt das etwa schon als Morgenroutine?

Auf jeden Fall wollte ich mit diesen Beispielen nur zum Ausdruck bringen, dass mir dieser ganze Lifestyle doch etwas zu sehr gehypt wird. Er ist genial, keine Frage, aber auch nicht für jeden gemacht. Manch Angestellter in gewöhnlicher Umgebung ist sicherlich weitaus glücklicher als ein jungfräulicher Digitaler Nomade, der sich von den Vorzügen hat blenden lassen.

Den Begriff „Digitaler Nomade“ finde ich sowieso ziemlich ausgelutscht. Er lässt sich gut vermarkten, aber eine klare Definition dafür gibt es einfach nicht – irgendwas mit Reisen, Internet und Freiheit halt.

Vor gut einem Jahr diskutierte ich im marokkanischen Taghazout mit ein paar Mitbewohnern über ein cooleres Wording für Digitale Nomaden. Das Ergebnis: „Tech Gypsies“. Liest sich doch gar nicht so schlecht, oder? Wirkliche Durchschlagskraft hatte aber auch dieser nicht.

Das Büro immer dabei – schwer abzuschalten

Die ersten drei Monate als Digitaler Nomade verbrachte ich 2016 in Chiang Mai und auf Bali. Wunderschöne Orte, die es verdient haben, ausgiebig durchforstet zu werden. Doch immer, wenn ich mich auf den Roller setzte oder es mir am Strand bequem machen wollte, erschien das Teufelchen auf meiner Schulter und flüsterte mir ein, ich könne die Zeit doch auch sinnvoller nutzen – zum Arbeiten zum Beispiel.

Anfangs hatte ich große Probleme richtig abzuschalten und mit „abschalten“ meine ich, den Computer auszumachen und ihn zur Seite zu legen. Der Laptop ist immer mit dabei, weshalb er bereits bei einer kurzen Smoothie-Pause am balinesischen Reisfeld zum Arbeiten verleitet. Das schlechte Gewissen ist dann meist so groß, dass du in die Tasten haust und vergisst, die traumhafte Landschaft wahrzunehmen. Du musst schließlich etwas für dein Business unternehmen, da dein cooler Lifestyle sonst schon bald passé ist.

Als Digitaler Nomade hast du dein Büro immer dabei, was zu einem Problem werden kann. Daher habe ich mir zwei Regeln auferlegt, die sich sehr positiv auf meinen Arbeitsalltag ausgewirkt haben:

  1. Ein bildschirmfreier Tag pro Woche, an dem der Laptop nicht aufgeklappt wird.
  2. Eine gewisse Stundenzahl pro Woche, die ich pro Woche abarbeite. Wann ich dies tue, spielt keine Rolle.

Mit diesen zwei Regeln komme ich immer noch sehr gut klar. Manchmal gibt es sogar bildschirmfreie Tage, an denen ich mich langweile. Und genau das sind die Momente, in denen die besten Ideen zum Vorschein kommen.

Selbstständigkeit = eine Menge Arbeit

Sommer, Sonne, Strand – ungefähr so sehen die Instagram-Profile von Digitalen Nomaden aus. Dass dahinter aber auch eine Menge Arbeit steckt, kommt in den mit Filtern verschönerten Fotos nur selten zum Vorschein. Fakt ist: Um Digitaler Nomade zu werden, musst du dir viele Tage und Nächte den Arsch aufreißen.

Damals bei meinem zweimonatigen Aufenthalt auf Bali befand ich mich zwar im Paradies, jedoch hatte ich kaum die Möglichkeit, es zu genießen. Ständig saß ich vor dem Laptop, machte mir Druck, weil es nicht so gut voranging und gönnte mir keinerlei Auszeit – ausgenommen beim Surfen. Während andere Spaß hatten, fühlte ich mich wie ein armseliges Würstchen, das versuchte, Ideen ins Rollen zu bringen und Einnahmen zu generieren.

Auch zuvor in Chiang Mai gab es nicht selten Tage, wo ich morgens um zehn Uhr den Laptop aufmachte und ihn erst nachts um drei Uhr wieder schloss. Um dir den Lifestyle des Digitalen Nomaden zu gönnen, gehört einfach eine Menge Arbeit dazu.

Bei mir war und ist die wöchentliche Stundenzahl weitaus höher als damals als Angestellter. Ein Punkt, den du in Kauf nehmen musst, aber ganz ehrlich: Mir macht meine Arbeit auch unheimlich viel Spaß.

Ortsunabhängig ja, aber nicht überall

Wie ich bereits erwähnt habe, ist das ortsunabhängige Arbeiten neben der freien Zeiteinteilung der größte Luxus. Das Problem ist nur, dass du stets eine gute Internetverbindung benötigst. In den meisten Fällen ist diese gegeben. Willst du jedoch wirkliche Abenteuer in den Bergen erleben oder auf einsamen Inseln verweilen, wird dir durch die fehlenden Voraussetzungen zum Arbeiten ein Strich durch die Rechnung gemacht.

Ich war 2016 zum Beispiel mit zwei guten Freunden auf den paradiesischen Perhentian Islands in Malaysia. Da das Internet jedoch nur selten funktionierte und ich einen wichtigen Skype-Call hatte, musste ich das Paradies früher als gewollt verlassen. Ziemlich nervig, aber das zeigte mir auch, dass meine Freiheit als Digitaler Nomade begrenzt ist. Nicht jeder Ort bietet sich zum Arbeiten an, weshalb ich meine Zelte oft in gewöhnlichen Städten aufschlagen musste, anstatt abgeschiedene Orte mit großem Abenteuerfaktor zu erforschen.

Skepsis potenzieller Kunden und Bekannter

Beim Blick auf den Rucksackträger und die dazugehörigen Social Media-Kanäle hat es natürlich den Anschein, als sei ich in den schönsten Ländern unterwegs, wandere durch die Berge, entdecke Städte oder nehme an verschiedenen Sportveranstaltungen teil. Ok, das stimmt natürlich auch, aber einen Großteil der Zeit verbringe ich nun mal mit ganz normaler Arbeit.

Als Digitaler Nomade habe ich oft den Ruf als „ewiger Backpacker“, „Weltenbummler“ oder sogar mal „Lebenskünstler“ genossen. Das Problem ist, das sich dieses Bild nicht nur bei Bekannten festsetzt, die mir vor Touren regelmäßig „Einen schönen Urlaub“ wünschen. Auch potenzielle Neukunden haben eine gewisse Skepsis, wenn sie ihr Geld beim Online Marketing in einen Dienstleister investieren sollen, der durchgängig am Reisen ist – so zumindest meine Wahrnehmung in den vergangenen Jahren.

Das Problem hierbei ist, dass das Konzept des Digitalen Nomadens in unserer Gesellschaft längst noch keinen Anklang gefunden hat. Wir stehen neuen Dingen halt doch oftmals sehr skeptisch gegenüber. Mit der „German Angst“ gibt es hier sogar einen Begriff für unser Zögern und unsere chronische Skepsis gegenüber Innovationen. Schade eigentlich.

Das Leben in einer Small-Talk-Gesellschaft

Zu Beginn einer jeden Reise bin ich aufgedreht und mein Entdeckungsdrang kennt keine Grenzen. Es macht mir Spaß mich mit anderen Reisenden auszutauschen und deren Geschichten zu hören. Zumindest am Anfang, denn nach ein paar Tagen werden einem immer wieder die gleichen Fragen gestellt: Wo kommst du her? Was machst du? Was ist dein nächstes Ziel? Wie verdienst du dein Geld?

In den letzten vier Jahren habe ich diese Fragen unzählige Male gestellt bekommen – oft natürlich auch selber gestellt. Für gewöhnlich antworte ich gerne darauf, ziehe mich aber, wenn ich weiß, dass der Small-Talk kein Ende nimmt, bewusst zurück.

Jeder Reisende und Digitale Nomade hat seine eigene Geschichte zu erzählen, aber irgendwie ähneln sie sich doch alle. Du steckst in einer Blase fest. Aus flüchtigen Bekanntschaften entwickeln sich nur sehr selten echte Freundschaften. Oberflächlichkeit beherrscht den Alltag, weshalb ich die Digitale-Nomaden-Community auch gerne als Small-Talk-Community beschreibe, denn allzu oft geht es nicht über belanglose Konversationen hinaus.

Fehlende Arbeitskollegen

Ein Punkt, den ich unterschätzt hatte, sind die fehlenden Arbeitskollegen. Nicht, dass ich sie vermisse, aber oft ist das Arbeiten von Cafés oder dem Apartment aus doch recht einsam. Niemand ist da, mit dem du dich mal eben austauschen oder einen Witz reißen kannst. Es gibt sehr oft nur dich alleine und das kann echt anstrengend werden.

Daher arbeite ich sehr gerne von Coworking Spaces aus, wo Tag für Tag die gleichen Leute aufschlagen, zu denen ich dann in der Regel auch eine intensivere (Arbeits-) Beziehung aufbaue. Hier sind wir zwar wieder bei der Small-Talk-Community, aber es ist schon von Vorteil, ein paar „Kollegen“ um sich zu haben. Immer alleine in die Mittagspause oder den Feierabend genießen wäre ja auch irgendwie langweilig.

Der Wert des Reisens geht verloren

Es klingt hart, wenn ich schreibe, dass das Reisen auf Dauer an Wert verliert. Eigentlich ist es doch genau das Reisen, das mich immer so sehr begeistert hat. Aber ich muss zugegeben, durchgehend auf Reisen zu sein, stumpft ab.

Das Fliegen, das ich früher so sehr genossen habe und das für mich jedes Mal ein tolles Erlebnis war, fühlt sich mittlerweile – leicht überspitzt – wie Bus fahren an: Einsteigen, losfliegen/losfahren, ankommen – immer das gleiche.

Auch Highlights wie TukTuk fahren in Thailand, die verschiedenen Farbtöne der Meere genießen, den Kopf über chaotische Verkehrsverhältnisse schütteln oder beeindruckende Skylines bewundern, werden weiterhin mit einem glücklichen Grinsen zur Kenntnis genommen. Das Feuer und die schiere Begeisterung dieser kleinen Momente, die ich früher als Backpacker oder zu Beginn als Digitaler Nomade so genoss, sind jedoch etwas verloren gegangen.

Ich gebe es ungerne zu und wollte diesen Nachteil nicht nennen, aber durch das viele Reisen und den Luxus von überall aus arbeiten zu dürfen, habe ich verlernt, einige Kleinigkeiten zu schätzen. Vielleicht bin ich auch einfach ein bisschen reisemüde geworden. Ein Punkt, der sich definitiv wieder ändern muss und sich auch ändern wird.

Nicht sehr förderlich für den Aufbau von Beziehungen

Ich will nicht alle über einen Kamm scheren, aber ein bisschen Egoismus und eine klare Linie (auch: wenig Kompromissbereitschaft) sind nicht gerade seltene, charakteristische Eigenschaften Digitaler Nomaden. Auch bei mir haben sich diese Eigenschaften mehr ausgeprägt als mir lieb ist.

Daher ist es kaum verwunderlich, dass auch das Thema Beziehungen und langfristige Partnerschaften zu kurz kommt. Das eigene Business muss schließlich gerockt und bestimmte Reiseziele besucht werden. Sich mit jemandem Tag für Tag abzustimmen ist da nicht unbedingt förderlich. Hinzu kommt, dass jeder Digitale Nomade ein eigenes, ganz besonderes Lebensmodell hat, das nicht immer mit der/m Liebsten/m übereinstimmt.

Es gibt natürlich Paare, die sich unterwegs gesucht und gefunden haben. Auch sind einige Bekannte als Paar weitergezogen. Die Mehrheit der Digitalen Nomaden, die ich kennengelernt habe, genießt jedoch das Singledasein. Dass dies jedoch nicht das Ziel eines jeden ist und Partnerschaften durchaus erwünscht sind, zeigt beispielsweise die Plattform Nomad Soulmates, die Singlebörse für Digitale Nomaden.

Eine gute Sache, wie ich finde, auch wenn ich bisher bewusst alleine losgezogen bin. Die Gefahr war mir doch zu groß, dass mir jemand bei meinen Plänen reinredet.

Alleine sein bis hin zur Einsamkeit

Alleinreisen finde ich großartig und ich bin der Meinung, dass jeder, der gerne reist, unbedingt mal eine Reise mit sich (und damit auch zu sich) antreten sollte. Als Digitaler Nomade kann es manchmal aber auch ziemlich nervig sein, denn bezogen auf das folgende Zitat kann es auch an den schönsten Orten der Welt ziemlich hässlich sein:

„It´s not about the places you go. It´s about the people you go with.“

Was bringt dir die schönste Insel, wenn es dort recht einsam ist? Als Digitaler Nomade gibt es Momente wie diesen. Dann bist du nicht nur einen Tag auf dich alleine gestellt, sondern auch mal zwei Wochen. Zeiträume, in denen du nur wenig Kontakt mit anderen Menschen hast und du dich zunehmend hinter deinem Bildschirm versteckst. Nur um dir nicht eingestehen zu müssen, dass du gerade ziemlich einsam bist.

Ich komme alleine sehr gut zurecht und genieße es oft auch, völlig auf mich alleine gestellt zu sein. Wirklich einsam war ich aber zum Glück noch nie, da ich mich sehr gut beschäftigen kann oder mich unters Volk mische. Aber manchmal ist es auch hart, keine Bezugsperson vor Ort zu haben und alles mit sich selbst ausmachen zu müssen.

Kein geregeltes Einkommen

Als Digitaler Nomade solltest du gut haushalten können. Anders als im Angestelltenverhältnis sind die Einnahmen meist unregelmäßig und nicht gegen Ende oder Anfang des Monats auf deinem Konto. Manchmal läufst du Rechnungen trotz bestimmter Zahlungsfrist wochen- und monatelang hinterher. Das kann ziemlich lästig sein.

Bei einer ausreichenden Auftragslage oder gut laufenden Projekten, die zum Beispiel passives Einkommen abwerfen, sind unbezahlte Rechnungen kein allzu großes Problem. Sieht es aber mal nicht so gut aus und fallen dann auch noch Rechnungen an, die du bezahlen musst, baut sich unnötiger Druck auf, der für schlaflose Nächte bis hin zu Existenzängsten führt.

Fehlende Ergonomie beim Arbeiten

Bei der Auswahl nach einem geeigneten Ort zum Arbeiten spielt eine gute Internetverbindung eine wichtige Rolle. Diese ist in der Regel gegeben, allerdings sind ergonomische Arbeitsplätze doch sehr oft Mangelware. Mal ist der Stuhl zu tief oder der Tisch zu hoch. Mal passt die Lehne nicht oder der gesamte Arbeitsplatz ist unstabil und wackelt.

Außerhalb von Coworking Spaces sind die ergonomischen Bedingungen oftmals nicht zufriedenstellend. Auch das Warten an Flughäfen und Bahnhöfen mit dem Laptop auf dem Schoß ist auf Dauer sehr unangenehm.

Abhilfe schafft zwar mein Notebook-Ständer, den ich stets in meinem Gepäck habe und der durch die Erhöhung des Arbeitsgeräts für einen aufrechten Rücken sorgt – langfristig gesehen ist allerdings auch er nicht die beste Lösung. Ergonomische Arbeitsplätze zu finden hat ein bisschen was von einem Glücksspiel.

FOMO – Fear of Missing Out

Bei neuen Zielen ist der Entdeckungsdrang besonders groß. Die Arbeit darf jedoch nicht zu kurz kommen und muss erledigen werden. Durch diesen Zwiespalt kann sich Stress entwickeln, denn während du E-Mails beantwortest, Facebook Anzeigen pflegst oder Content für deine Kunden produzierst, könntest du ja eigentlich auch die nähere Umgebung entdecken, dich unters Volk mischen oder mal wieder richtig feiern gehen.

Für die Angst etwas zu verpassen, gibt es mittlerweile sogar einen Begriff: Fear of Missing Out, kurz FOMO. Sei dir also im Vorhinein im Klaren, dass du trotz all der Freiheit auf viele Sachen verzichten musst. Wie heißt es doch so schön: Erst die Arbeit, dann das Vergnügen.

Die Beweggründe meiner Sesshaftigkeit

Die Euphorie Digitaler Nomade zu werden, wollte ich dir mit den obigen Nachteilen keinesfalls nehmen. Das war nicht meine Absicht. Mein Ziel war es lediglich, dich auf den Boden der Tatsachen zurückzuholen. Nicht, dass du dich von der schönen Social Media-Welt blenden lässt, wo nie jemand mit seinen Projekten scheitert, mal zwei Wochen mit Verdauungsproblemen kämpft oder der Ausschlag am ganzen Körper hat, weil die Bettwanzen im Apartment Nacht für Nacht zuschlagen. Ich wiederhole mich, aber: Es ist nicht alles Gold, was glänzt.

Für mich sind es jedoch nicht ausschließlich die Nachteile, die mich zur Sesshaftigkeit bewegen, sondern einige andere – teilweise ganz banale – Gründe. Diese möchte ich dir kurz schildern, damit du verstehst, warum ein kleiner Schritt zurück manchmal doch ein ganz großer Schritt nach vorne ist.

Die Heimatverbundenheit

Die Verbundenheit zu meiner Heimat ist sehr groß. Nicht nur wegen meines Freundeskreises, der sich seit fast drei Jahrzehnten kaum verändert hat, sowie die Nähe zu meiner Familie, sondern auch, weil ich geschätzt habe, wie schön es bei mir zu Hause doch eigentlich ist.

Endlich ankommen

Es wird Zeit anzukommen. Ich möchte nicht mehr ausschließlich aus dem Rucksack leben und Woche für Woche das gleiche anziehen. Auch habe ich keine Lust in Betten zu schlafen, in denen bereits zahlreiche Unbekannte ihr Unwesen getrieben haben.

Ich sehne mich nach meinem eigenen Reich mit meinem eigenen Bett, einem ergonomischen Arbeitsplatz, einem Sofa mit meinem Abdruck vom Liegen und nach einer eigenen Küche, wo ich endlich auch mal wieder selbst an meinen eingestaubten Kochkünsten feilen kann.

Mehr Gammelsonntage

Was ich in den vergangenen Jahren vermisst habe, waren Gammelsonntage, wie ich sie früher immer mal wieder hatte. Das bedeutet: alles stehen und liegen zu lassen und einen Film nach dem anderen zu schauen. Zwischendurch eine Pizza in den Ofen schieben und wieder ab aufs Sofa. Ich nenne solche Tage auch gerne „Jogginghosentage“ – und genau von diesen hatte ich zuletzt viel zu wenige.

Wieder Gastgeber sein

In den vergangenen vier Jahren war ich stets Gast. Ganz egal, ob auf Partys, bei Geburtstagen oder bei lustigen Fußballabenden. Obwohl niemand von mir erwartet, dass ich mich revanchiere, ist es an der Zeit, dies zu tun und wieder selbst einzuladen und nicht immer nur Gast zu sein. Frage mich nicht, wann ich zum letzten Mal meinen Geburtstag gefeiert habe, wo Freunde und Familie zu Besuch kamen. Ich weiß es schlichtweg nicht.

Basis für Beziehung

Ob ich mich nach meiner Sesshaftigkeit gleich in eine Beziehung stürze, will und werde ich nicht weiter erörtern. Das lässt sich in der Regel ja auch nicht allzu gut planen. Klar ist aber, dass die Bedingungen für eine gelungene Partnerschaft mit einer eigenen Wohnung und einem festen Standort besser als zuvor sind. Was dann passiert, kann ich sowieso nicht beeinflussen. Ich bin jedenfalls gespannt und in Zukunft vielleicht auch wieder etwas kompromissbereiter, was gewisse Dinge angeht.

Ambitionierte sportliche Ziele

Als Rucksackträger-Leser weißt du, welch große Rolle der Sport bei mir spielt. Für dieses Jahr habe ich mir wieder ambitionierte Ziele gesetzt. Zum Beispiel habe ich mir vorgenommen, tiefer in den Triathlon einzusteigen und langsam die Distanzen zu steigern. Auch das Trailrunning soll nicht zu kurz kommen und mit einer weiteren Teilnahme beim Megamarsch im Herbst, steht auch schon ein weiteres Highlight fest.

Zu Hause in der Bayerischen Rhön habe ich die idealen Bedingungen fürs Training. Zudem muss ich mir kein Rennrad leihen oder nach einem geeigneten Schwimmbad Ausschau halten beziehungsweise eine Laufstrecke suchen. Ich weiß längst, wo ich alles finde. Die Energie geeignete Plätze zu suchen kann ich daher voll und ganz für das Training einsetzen.

Ein routinierter Alltag

Ich bin kein Fan von Morgen- oder Abendroutinen und werde mir wohl auch keine aneignen. Ein bisschen mehr Alltagsroutine würde mir aber durchaus gut tun, zum Beispiel morgens zum Bäcker zu gehen, nachmittags zum Sport und abends ein Buch auf in der eigenen Hängematte verschlingen.

Alles in allem ein bisschen geregeltere Abläufe, die bisher so aussahen, dass ich in den Tag hineingelebt habe, erstmals um 14 Uhr etwas gegessen habe oder die halbe Nacht vor dem Laptop verbrachte. Mein Tagesablauf war zwar diszipliniert, aber auch recht chaotisch. Das geht besser.

Intensivere Reisen

Ich möchte das Reisen wieder mehr schätzen, indem ich nicht mehr durchgehend unterwegs bin. Meine Touren werden künftig dosierter, aber dafür umso intensiver sein. Statt neun Monate im Jahr auf Achse zu sein, will ich nun eben „nur“ noch drei Monate die Welt entdecken.

Im Idealfall bleibt der Laptop zu Hause, was mir als Digitaler Nomade leider nur einmal während eines viertägigen Skiurlaubs gelang. Der Anfang ist gemacht, denn in gut zwei Monaten geht es nach Nepal – und zwar ohne Laptop. Ich bin mir sicher, dass ich die bevorstehende Trekking-Tour sehr genießen werde. Schon jetzt spüre ich das Prickeln und die aufkommende Begeisterung. Es geht steil bergauf.

Agenturmodell anstreben

Mein Einzelunternehmen läuft unter dem Namen plusonelike und besteht neben mir aus einigen Freelancern, mit denen ich zusammen arbeite. Durch meine Sesshaftigkeit und mein eigenes Büro möchte ich noch einen Schritt weitergehen und beruflich wachsen. Wie das in der Praxis aussehen wird, steht noch nicht fest, aber das Fundament dafür ist gelegt und vielleicht entsteht irgendwann eine kleine Agentur daraus.

Die Identifikation zum Digitale Nomaden-Hype fehlt

Es ist einfach herrlich zu beobachten, welche Vorteile die Digitalisierung mit sich bringt. Ich bin auch dankbar dafür, dass ich von überall aus arbeiten kann und richtig viel Spaß dabei habe. Den Hype um Digitale Nomaden und den Lebensstil als Allheilmittel für dein Leben zu sehen, finde ich aber falsch.

Wer in München nicht richtig glücklich ist, der wird es auch nicht auf Bali sein. Und die Passion zum Beruf zu machen ist auch doof, wenn dank der ganzen Arbeit im gewünschten Bereich irgendwann die Leidenschaft zu kurz kommt, oder? Mit manchen Denkweisen will ich mich einfach nicht so recht anfreunden, denn sie führen angehende Digitale Nomaden auf die falsche Fährte.

Tipps für angehende Digitale Nomaden

Die letzten vier Jahre als Digitaler Nomade waren neben meinem Sportmanagement-Studium die vielleicht besten meines Lebens – keine Frage. Es hat seinen Reiz, morgens vor der Arbeit zum Surfen zu gehen, in der Mittagspause die thailändischen Garküchen abzuklappern oder die Sonne zwischen beeindruckenden Skylines untergehen zu sehen.

Mit einer Menge Einsatz und ein wenig Glück, steht deinem Leben als Digitaler Nomade nichts entgegen. Ein paar wichtige Tipps möchte ich dir, willst du den gleichen Schritt wie ich damals gehen, dennoch mit auf den Weg geben:

  1. Mache eine Workation anstatt gleich deinen Job zu kündigen und in die Vollen zu gehen. Ich war 2015 zum Beispiel während meines Urlaubs für zwei Wochen in einem Coliving Space in Marokko (Anmerkung: SunDesk in Taghazout) und habe von dort an eigenen Projekten gearbeitet. Dadurch wurde mir schnell klar, dass ich unbedingt Digitaler Nomade werden will. Bei meinem damaligen Gefährten war genau das Gegenteil der Fall, sodass er auch heute noch glücklicher Angestellter mit festem Standort ist.
  2. Hast du dich dazu entschieden Digitaler Nomade zu werden, dann erzähle deinen Freunden und der Familie davon. Du wirst viele fragende Blicke ernten. Dadurch, dass du von deinem Vorhaben erzählst, gibt es kein Zurück mehr für dich. Kurz vor meinem Absprung in die Selbstständigkeit wollte ich die Segel fast streichen, aber da ich jedem von meinem ungewöhnlichen Lebensmodell vorschwärmte, gab es kein Zurück mehr. Zum Glück.
  3. Spare dir ein Anfangsbudget an, um dir den Druck zu nehmen, gleich Einnahmen generieren und jeden Auftrag annehmen zu müssen. Ich bin damals mit 5.000 Euro ins digitale Nomadentum gestartet. Somit hatte ich circa sechs Monate Zeit, um mir mein eigenes Business aufzubauen. Hätte es nicht geklappt, wäre das Geld zwar futsch gewesen und ich hätte mich neu bewerben müssen, aber das sind zwei Faktoren, die durchaus verkraftbar gewesen wären.
  4. Eliminiere frühzeitig deine Fixkosten, sodass du zum Start ins digitale Nomadentum möglichst wenige bis gar keine laufenden Kosten hast. Die Festnetz- und Internetkosten sowie den Fitnessstudio-Vertrag mit auf Reisen zu nehmen wäre ziemlich ärgerlich – und kostspielig noch dazu.
  5. Lass dich nicht von inhaltslosen Online-Kursen euphorisieren. Nur, weil ein anderer mit einer bestimmten Methode viel Geld verdient hat, wird es bei dir nicht auch der Fall sein. Sei realistisch und überlege dir, was du gut kannst, wobei du Spaß hast, ob du ein Problem mit deinem Angebot löst und ob eine gewisse Nachfrage besteht.
  6. Reise langsam, sobald du als Digitaler Nomade unterwegs bist. Ich habe mich meist für mehr als drei Wochen an einem Ort eingenistet. Es dauert eine Weile mit den örtlichen Gegebenheiten klarzukommen und die passenden Arbeitsplätze zu finden. Dafür kann eine Menge Zeit draufgehen. Merke dir einfach folgende Faustformel: Je länger der Zeitraum deines Aufenthaltes, desto geringer ist der Stressfaktor.
  7. Du bist kein Backpacker (mehr), weshalb du dich von Hostels, wo die Ablenkung zu groß ist, fernhalten solltest. Zwar sind sie günstiger und du knüpfst schnell Kontakte, aber glaube mir, es zahlt sich aus, mehr für ein eigenes Apartment mit einem Schreibtisch zu investieren.
  8. Bleiben wir beim Thema „auszahlen“. Da früher oder später das Finanzamt bei dir anklopfen wird, solltest du lernen, mit deinen Einnahmen zu wirtschaften. Ich habe beispielsweise verschiedene Geldtöpfe. Sobald ich Einnahmen erziele, teile ich diese umgehend auf die Töpfe, wie zum Beispiel Altersvorsorge, Alltagskonto, Steuern, usw., auf. Ziemlich spießig, aber hilfreich.
  9. Auch, wenn deine Motivation anfangs riesig ist, solltest du dir genügend Pausen gönnen und lernen abzuschalten. Ein Beispiel dazu aus dem Sport: Nicht beim Training wächst der Muskel, sondern in der Regenerationsphase. Vielleicht lässt sich der gleiche Prozess auf das Gehirn projizieren. Eine gewagte These, aber mein bildschirmfreier Tag ist jedenfalls eine große Bereicherung und sorgt für neue Idee und mehr Motivation.
  10. Reiß´ dir den Arsch auf! Sorry für die plumpe Ausdrucksweise, aber du musst zu Beginn einfach unfassbar viel Zeit in dein Business und dich investieren. Verzichte auf Partys und stecke bei reizvollen Ausflügen zurück. Langfristig wird es sich lohnen und du wirst noch genügend Zeit zum Feiern haben – dann garantiert auch ohne schlechtes Gewissen.

Wenn du erfahren willst, wie ich damals als Digitaler Nomade gestartet bin und mit welchen Herausforderungen ich zu kämpfen hatte, dann lege ich dir die Podcast-Episode vom Finanzrocker mit mir ans Herz. Dort gebe ich einige weitere Tipps für angehende Digitale Nomaden und berichte aus meinem Alltagsleben.

Kein Digitaler Nomade mehr, aber mein multilokales Leben geht weiter

An der Länge dieses Blogbeitrags wird deutlich, wie sehr mich das Thema „Digitale Nomaden“ beschäftigt. Da ich eingestehen muss, dass das Reisen längst zur Sucht geworden ist, wird es auch künftig zahlreiche Rucksacktouren geben. Nur eben dosierter und der Laptop soll dann nicht mehr ganz so sehr im Fokus stehen wie bisher. Das Erlebnis selbst soll der Grund einer jeden Reise werden.

Orte wie Chiang Mai oder Taghazout, die ich in den vergangenen vier Jahren regelmäßig für mehrere Wochen besucht habe, werde ich auch weiterhin auf dem Zettel haben. Meiner Definition nach bin ich künftig allerdings kein Digitaler Nomade mehr. Ich verfüge schließlich schon in wenigen Tagen wieder über einen festen Wohnsitz.

Es ist an der Zeit, die Nachteile eines Digitalen Nomaden aus der Welt zu schaffen, damit mein neuer Lifestyle auf das nächste Level gehoben wird. Dies gelingt mir eben nur mit einem eigenen Zuhause. Endlich ankommen mit der Option weiterhin flexibel zu sein. Dieses Modell eines multilokalen Lebens klingt doch eigentlich gar nicht so schlecht, oder?

Ich hoffe jedenfalls, dass ich dir mit diesem Beitrag einen guten Überblick geben konnte, was es mit dem digitalen Nomadentum auf sich hat, warum es sich lohnt, das normale Leben für einen ziemlich genialen Lifestyle aufzugeben und warum es auch ganz gut ist, irgendwann wieder anzukommen. Was für dich das Richtige ist, weißt nur du alleine. Genauso wie ich nun testen muss, ob mein neues Kapital das richtige für mich ist.

Aber noch sitze ich, nachdem ich den Großteil dieses Blogposts in meinem geliebten Chiang Mai verfasst habe, am Flughafen in Bangkok. Um diesen Beitrag online zu stellen, muss ich lediglich auf den Button Veröffentlichen klicken.

Ein weiterer Flug steht bevor. Bereits der fünfte in diesem noch recht jungen Jahr. Wohin die Reise diesmal geht? Nach Hause. Endlich!

16 KommentareHinterlasse einen Kommentar

  • Hallo Daniel, erstmal willkommen zurück in der wunderschönen Rhön! Und vielen Dank für deinen ehrlichen und persönlichen Beitrag. Ich selbst träume auch vom „Sabbatjahr“, aber bislang hat immer der Mut gefehlt. Vielleicht wird es mal was, vielleicht auch nicht. Aber du hast recht: die Freude am Reisen sollte man sich nicht nehmen lassen! Ich und sicher viele andere Leser freuen sich weiterhin auf tolle Blogartikel von dir, denn dein Talent zu schreiben hast du – ob in Chiang Mai oder Bad Brückenau. Viele Grüße Corinna

    • Hi Corinna,

      vielen Dank für deine lieben Worte. Habe mich sehr darüber gefreut. Der Beitrag musste nach vier Jahren einfach mal raus. Es ist ja doch nicht immer alles super – zum Großteil aber schon.
      Das Sabbatjahr solltest du auf alle Fälle durchziehen. Von den Erfahrungen wirst du sicher dein ganzes Leben zehren. Sowas kann nur gut werden und reiseerprobt bist du ja sowieso schon.
      Weitere Blogbeiträge folgen natürlich und du bist jederzeit eingeladen, als Co-Autor mitzuwirken. Deine Beitrag machen einfach Spaß.

      Viele Grüße und meld dich gerne mal, wenn du wieder in der Rhön bist. Ich bin ja jetzt öfters dort,
      Daniel.

  • Mega Beitrag!

    Wärst du nicht als digitaler Nomade unterwegs gewesen, hätten wir uns vlt gar nicht in Thailand persönlich kennengelernt.

    Wünsche dir alles gute im neuen Lebensabschnitt Daniel!

    • Hey Florian,

      dank dir vielmals. War schon gut, dass ich Digitaler Nomade wurde. Sonst hätten wir wohl nie zwei ziemlich starke Aufenthalte in Chiang Mai durchgezogen. Hat beide Male riesig Spaß gemacht und ich freue mich schon auf die nächste Tour. Da wird sich doch sicherlich mal wieder was finden.

      Grüße (jetzt wieder) aus Deutschland,
      Daniel.

  • Hallo Daniel,

    ich hatte damals in der Agentur in Offenburg schon mega Respekt vor dir, dass du damals deinen Traum durchgezogen hast. Jetzt noch mehr Respekt, wie reflektiert du mit deiner Erfahrung umgehst und wieder ein bisschen „back to the roots“ gehst.

    Ich habe schon sehr große Überwindung gebraucht, überhaupt ein kleines Nebengewerbe anzumelden, da mir der ganze Gründungsquatsch schon ziemlich Angst macht/gemacht hat. Und wenn ich mir vorstelle, dann direkt auch noch ins Ausland zu gehen …. puh 🙂

    Welcome back!
    Isabel

    • Hi Isabel,

      dank dir vielmals für die schönen Worte. Ich muss gestehen, dass ich damals selber gehörigen Respekt hatte. Aber es nie versucht zu haben, hätte ich mir wohl nie verziehen. 😉 In Deutschland wird man – im Ernstfall – zum Glück auch recht gut aufgefangen. In den meisten anderen Ländern ist das Risiko bei Selbstständigen um einiges höher.

      … und Daumen hoch, dass du mittlerweile dein eigenes Nebengewerbe führst. Ins Ausland zu gehen ist kein Muss. Bei uns ist´s ja zum Glück auch ganz schön. Dir natürlich weiterhin auch viel Erfolg.

      Viele Grüße nach Baden und hoffentlich bis bald mal wieder,
      Daniel.

  • Hallo Daniel,

    sehr schön zusammengefasst und herzlichen Dank, dass du mich/uns an deiner Reflektion teilhaben lässt.

    Mich hat Arbeiten am Strand nie gereizt, aber diese ortsunabhängige Art zu arbeiten hat mir ein neues Leben ermöglicht.

    Nach 4 Jahren als digitaler Halbnomade oder eWorker, wie ich es nenne, fehlt mir i.M. am meisten ein Team, mit dem ich mich – auch mal schnell zwischendurch – austauschen kann. Nachdem ich bei der NGO aufgehört habe zu arbeiten, war ich nur noch als Einzelkämpfer unterwegs. Ich kann das, keine Frage. Aber es befriedigt mich nicht mehr. Gerne würde ich wieder mit anderen zusammen an was Größerem arbeiten.

    Was ich auch erfahren habe in dieser Zeit: Wenn ich solch ein Bedürfnis erstmal deutlich erkannt habe, tun sich neue Türen auf. Ich bin gespannt.

    Viele Grüße aus Chiang Rai
    Stefan

    PS: Wenn du mal Lust hast auf Triathlon ganz im Norden Thailands: https://stefaninthailand.de/chiang-rai-triathlon-thailand

    • Hallo Stefan,

      dank dir für dein Feedback. Arbeiten am Strand war jetzt auch nie mein Ding, aber in der Außendarstellung klingt sowas natürlich immer recht gut. 😉 Ansonsten ist das digitale Nomadentum schon ne klasse Sache, absolut.

      Als Einzelkämpfer ist es aber nicht immer leicht. So ein Team, wo man sich einfach mal kurz austauscht, ist schon nicht ganz unwichtig. Vielleicht gibt´s bei dir in der Ecke einen guten Coworking Space. Da kommt dann doch immer ganz gutes Büro-Feeling mit „Arbeitskollegen“ auf.

      Was Triathlon betrifft, bin ich noch ziemlich am Anfang. Aber ich hatte tatsächlich schon geschaut, ob es rund um Chiang Mai Wettkämpfe gibt. Dein Artikel könnte mich vielleicht auf komische Ideen bringen. Dank dir dafür. Den lese ich mir nochmal in Ruhe durch.

      Beste Grüße nach Chiang Rai, Daniel.

  • Hallo Daniel,
    Danke für diesen ausführlichen, ehrlichen Einblick. Ich weiß jetzt, warum mich das digitale Nomadentum nie gereizt hat ;).
    Ok, mit Kindern kam es nie wirklich in Frage. Aber jetzt weiß ich, dass ich mit meiner Einschätzung doch sehr nahe an der Realität war.
    Liebe Grüße,
    Sonja

    • Hallo Sonja,

      so ein Leben als Digitaler Nomade ist nicht für jeden geeignet. Daher freut´s mich, wenn ich deine Entscheidung, den Schritt nicht gehen zu wollen, mit meinem Beitrag bestätigt habe. 😉
      Mit Kindern ist´s sicherlich nochmal um einiges herausfordernder, obwohl ich auch immer wieder Familien oder Alleinerziehende getroffen habe, die das ganz gut hinbekommen haben. Scheint also auch zu funktionieren, falls du es dir doch noch anders überlegst.

      Viele Grüße, Daniel.

  • Hallo Daniel, welcome back. Wir haben uns zwar praktisch nie mehr gesehen, aber ich habe dein Nomadenleben immer gerne verfolgt, v.a. auf Twitter und Insta – zwischen Neid und Mitleid, meistens mit mehr Neid. Danke, dass du das mit diesem umfangreichen Beitrag einordnest und dabei auch Emotionen zeigst. Ich drücke dir die Daumen für deine berufliche Zukunft. Vielleicht laufen wir uns doch wieder mal auf einem Event über den Weg oder du meldest dich mal, wenn du in München (oder Chiemgau) bist. Alles Gute. Markus

    • Hallo Markus,

      dank dir vielmals – auch fürs Feedback zu meinem „Rundumschlag“. Freut mich, dass du virtuell immer mitgereist bist. Via Twitter & Co. waren wir dann ja doch immer mal wieder in Kontakt. Vielleicht klappt´s dieses Jahr mit einem Treffen bei der re:publica. Würde mich freuen.
      Ansonsten gebe ich gerne Bescheid, wenn´s mich mal nach Oberbayern verschlägt. Ist ja auch recht schön bei dir da unten im Süden.

      Beste Grüße aus Unterfranken, Daniel.

  • Hallo Daniel,

    bei Deinem Beitrag musste ich oft mit dem Kopf nicken. Mit manchen der Vor- und Nachteile des Dauerreisens habe ich mich bereits auseinander gesetzt, manche sind mir erst beim Lesen des Artikels bewusst geworden. Nein, ich bin kein digitaler Nomade und auch nicht dauernd unterwegs, jedoch spielte der Gedanke daran früher eine große Rolle. Letztlich habe ich mich dagegen entschieden. Zum einen, damit das Reisen nicht zur Normalität und damit zur Routine wird, damit die besonderen Momente des Reisens noch immer besonders bleiben. Und dann auch, weil ich es sehr schätze, einen Rückzugsort und die lieben Menschen um mich herum zu haben, denen ich mein Leben nicht immer wieder aufs neue erklären muss. Menschen, die mich kennen.

    Jedenfalls, danke für diesen Beitrag. Du hast viele Aspekte erläutert, die mir schon häufiger durch den Kopf gegangen sind. Das ortsunabhängige Arbeiten wird oft wie eine Art Traum verkauft, doch man muss der Typ dafür sein, muss die Vor- und Nachteile realistisch sehen und darf sich nicht blenden lassen. Ich bin für jeden ehrlichen Beitrag dankbar, der sich mit dem Thema objektiv auseinander setzt.

    Du hattest eine geile Zeit und die vier Jahre kann Dir niemand nehmen. Vielleicht wirst du jetzt auch die Muße finden, Dich mit den Erlebnissen auseinander zu setzen und die verstaubten Online-Fotoalben nochmal anzusehen. 😉 Lg Kasia

    • Hallo Kasia,

      erst einmal vielen Dank für das Lob zu meinem „Kopfnicker“-Artikel. Noch besser finde ich aber deine Bestätigung und deine Worte, denen ich allesamt zustimmen kann. Wirklich toll!

      Nach mittlerweile einer Woche „Sesshaftigkeit“ denke ich auch, nach vier Jahren alles richtig gemacht zu haben und bin froh über meinen eigenen Rückzugsort, der gleichzeitig natürlich auch Treffpunkt für Freunde und Familie ist.

      Sowie du schreibt, bist du mit deiner Entscheidung nicht Digitaler Nomade zu werden, auch absolut zufrieden. Es muss auch keiner werden. Dem einen taugt der Lifestyle total, dem anderen eher weniger und manch einem – so wie mir – vielleicht auch nur für einen bestimmten Zeitraum.

      Ich freue mich jedenfalls schon wieder sehr darauf, die besonderen Reisemomente noch mehr zu schätzen.

      Viele Grüße aus Unterfranken, Daniel.

      P.S.: Dank dir auch vielmals für die Erwähnung in deinem Blogbeitrag zur Reisemüdikgeit. Den werde ich mir nochmal in aller Ruhe durchlesen.

  • Hallo Daniel,

    ein toller und sehr persönlicher Artikel über deine Erfahrungen der letzten vier Jahre. Spannend zu lesen, wie sich dein Blick aufs ditigale Nomadentum im Laufe der Zeit verändert. Ich selbst war immer nur maximal 3 – 4 Monate unterwegs und mich hat es dann meistens gegen Ende meiner Trips doch immer wieder ziemlich nach Hause gezogen. Denke ich brauche da einfach meine Homebase, auch wenn ich gerne plane, packe und unterwegs bin.

    Deine reflektierten Erfahrungen, die du über die Zeit als digitaler Nomade beschreibst, finde ich sehr nützlich für Leute, die das entweder vorhaben oder bereits leben und darüber nachdenken, ob sich der Lebensstil für sie persönlich noch richtig anfühlt.

    Viele Grüße
    Heiko

    • Hallo Heiko,

      es freut mich, dass dir der Artikel gefällt. Mir war es wichtig, auch einmal die negativen Punkte aufzulisten, da das Thema „Digitaler Nomade“ ja doch meist sehr stark gehypt wird. Viele tappen dann in ein Leben, das oft durch die rosarote Brille gesehen wird. Doch das ist nicht immer der Fall.

      Ein genialer Lifestyle ist es dennoch, allerdings für einige eben nur für eine begrenzte Zeit. Ich muss auch gestehen, dass ich aktuell sehr froh bin, wieder mein eigenes Reich zu haben. Es fühlt sich gut an, eine eigene Homebase zu haben.

      Viele Grüße und bleib gesund, Daniel.

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