Ilmakkiaapa

Skandinavien Rundreise: Finnland, Norwegen und Schweden mit dem Auto entdecken

Du möchtest Skandinavien mit dem Auto entdecken, doch dir fehlt die Zeit dafür? Dann verrate ich dir in diesem Beitrag, wie du in knapp zwei Wochen drei bezaubernde Länder kennenlernst und ein paar der wichtigsten Sehenswürdigkeiten im hohen Norden auskundschaftest. Bist du bereit?

Puh, was für ein Trip! Eine etwas andere Tour hatte ich gemeinsam mit meinem Vater geplant und innerhalb kürzester Zeit durchgezogen. So erkundeten wir mit Finnland, Norwegen und Schweden auf unserer Skandinavien Rundreise mit dem Auto innerhalb von elf Tagen drei Länder im Schnelldurchgang.

Insgesamt 6.200 Kilometer saßen wir im Auto, wobei ein gesamter Tag für die Fahrt mit der Fähre von Finnlines draufging. Eine ziemlich intensive Tour, die mir aber einen perfekten Eindruck über die drei Länder verschafft und vor allem Lust auf mehr gemacht hat.

Die gesamte Route mit ihren Destinationen möchte ich dir in diesem ziemlich ausführlichen Blogbeitrag genauer vorstellen. Nicht nur, dass ich dir die wichtigsten Fakten der 21 Orte, die auf unserer Route lagen, mit auf den Weg gebe. Ich habe diese auch nach Sternen bewertet und jeweils einen persönlichen Tipp für dich.

Bevor es losgeht mit der geballten Ladung an Informationen, möchte ich dir eine Empfehlung mitgeben: Du musst die Route keinesfalls in elf Tagen durchziehen. Je länger du Zeit hast, desto besser.

Skandinavien Rundreise: Die Tour im Überblick

Die komplette Strecke von der Rhön, meiner Heimat, bis zum Nordkap zu fahren wäre utopisch gewesen. Daher entschieden wir uns einen Teil der Autoreise mit der Fähre zu bewältigen, um zwischendurch ein paar Stunden Pause zu haben und die weiteren Destinationen zu planen. Zeit dafür hatten wir auf hoher See genug.

Skandinavien Rundreise

Quelle: Google Maps

Eine wichtige Frage, der du dich spätestens nach dem Anlegen mit der Fähre in Helsinki stellen musst, ist, ob du den Westen Finnlands entdecken möchtest, quer durch die traumhafte Seenlandschaft fahren willst oder du über die Ostseite entlang der russischen Grenze gen Norden aufbrichst.

Wir entschieden uns für die letzte Option, um das ebenso karge wie landschaftlich beeindruckende Karelien zu entdecken. Die Koli-Berge und den Oulanka-Nationalpark wollten wir uns ebenfalls keineswegs entgehen lassen, obwohl Turku, Tampere und Oulu dafür auf der Strecke blieben.

Auf Finnland lag während der elftägigen Skandinavien Rundreise sogar der Fokus, da Suomi doch meist im Schatten seiner berühmten Nachbarn Norwegen und Schweden steht und das Land mit seinen zurückhaltenden Einwohnern etwas mehr Beachtung verdient hat.

Doch das eigentliche Ziel war, wie schon erwähnt, das Nordkap. Doch bis dahin wartete ein laaanger Weg auf uns, der dank einiger toller Orte und einer traumhaft schönen Landschaft eher kurzweilig als anstrengend war. Aber eins nach dem anderen.

Anreise nach Helsinki mit Finnlines

„Eine Seefahrt, die ist lustig, eine Seefahrt, die ist schön, ja da kann man manche Menschen an der Reling spucken sehn.“

So oder so ähnlich lief die Fahrt mit der Fähre von Travemünde nach Helsinki statt – bis auf das Spucken natürlich. Gut 500 Euro kostete uns die Kabine und der Autostellplatz für die 29-stündige Überfahrt mit Finnlines in die finnische Hauptstadt.

Meine bisher längste Schifffahrt, die auf Grund von zwei Übernachtungen, einer Runde Training im Fitnessraum, Nichtstun auf dem Sonnendeck und dem ein oder anderen Getränk (Dose Schweppes: 2,50 Euro, Kaffee: 2,70 Euro) oder Snack (Panini: 4,90 Euro) mit bester Aussicht auf die Ostsee überaus angenehm war.

Nicht einmal für einen ausgiebigen Saunagang oder das kleine Casino blieb Zeit. Eine Fahrt mit Finnlines kann ich daher absolut empfehlen, um mit dem eigenen Auto anzureisen und die Skandinavien Rundreise in Helsinki zu starten.

Einziges Manko ist das Internet, das mit sieben Euro für 80 MB, zehn Euro für 200 MB und zwanzig Euro für 500 MB ziemlich kostspielig ist. Vor allem, wenn man sich – wie ich – vorgenommen hatte, ein bisschen vom Schiff aus zu arbeiten. Auf das eigene Datenvolumen kannst du von der Fähre aus leider nicht zugreifen.

Mein Tipp für Sparfüchse: Weitaus weniger kostet dich die Fahrt mit Finnlines, wenn du dir anstatt einer Kabine einen Stuhl buchst. Das ist längst nicht so bequem wie eine Kabine, allerdings sind die Sitzreihen oftmals relativ leer, weshalb du es dir mit einem gesunden Rücken auch problemlos in der Horizontalen bequem machen kannst. 

Die Destinationen des Roadtrips

Obwohl die Rundreise durch Skandinavien zeitlich sehr komprimiert war, durfte ich jede Menge toller Eindrücke über Finnland, Norwegen und Schweden sammeln. Da ich diese ungefiltert an dich weitergeben möchte, stelle ich die einzelnen Destinationen wie folgt dar:

1. Beschreibung: Du bekommst einen kurzen Überblick, was der jeweilige Ort zu bieten hat und wofür er bekannt geworden ist.

2. Empfehlung: Hier erfährst du, was du dir keineswegs entgehen lassen solltest. Der ein oder andere Geheimtipp darf dabei natürlich nicht fehlen.

3. Bewertung: Für jede Destination habe ich eins bis fünf Sterne vergeben. Du siehst anhand meiner Einschätzung, welchen Ort du unbedingt ansteuern solltest und wo du vielleicht doch lieber vorbeifährst.

Jetzt aber endlich los mit den 21 Orten, die ich während meiner Skandinavien Rundreise kennenlernen durfte.

Finnland

Helsinki

Die Hauptstadt Finnlands hält eine Menge Sehenswürdigkeiten für dich bereit, die allesamt problemlos zu Fuß erreichbar sind. Das Parken im Parkhaus Kluuvi ist mit 19 Euro für vier Stunden nicht gerade ein Schnäppchen. Dafür ist es der perfekte Ausgangspunkt, um die Hotspots (Uspenski-Kathedrale, Alte Markthalle, Hafen, Rathaus, Domkirche) von Helsinki innerhalb kurzer Zeit zu erkunden.

Helsinki Finnland

Wenn du genug vom Sightseeing hast, kannst du dir die Zeit entweder beim Shopping in einem der riesigen Einkaufshäuser vertreiben oder du entspannst eine Runde auf dem riesigen Holzbau am Hafen, bei dem dir unter anderem ein paar Sonnenliegen zur Verfügung stehen und du den Blick über den Markt genießen kannst.

Die zahlreichen Cafés, zum Beispiel im Yachthafen, eignen sich außerdem, um dir neue Energie für die Weiterfahrt zu holen. Wusstest du eigentlich, dass die Finnen die Weltmeister im Kaffeekonsum sind?

Empfehlung: Erkunde den Hafen von Helsinki mit seinem pulsierenden Markt und der Vanha kauppahalli, der ältesten Markthalle der Stadt.
Bewertung: ★★★★☆

Porvoo

Die zweitälteste Stadt des Landes verzückt mit ihren bunten Häuschen in der Stadtmitte sowie den malerischen roten Holzhäusern am Fluss Porvoonjoki. Ein bis zwei Stunden Aufenthalt reichen vollkommen aus, um dir einen guten Überblick von Porvoo zu verschaffen.

Im Gegensatz zu Helsinki ist das Parken in der Stadtmitte mit zwei Euro für eine Stunde weitaus günstiger. Lange Zeit musst du für Porvoo nicht einplanen, da die 50.000-Einwohner-Stadt doch recht überschaubar ist und die Sehenswürdigkeiten mit dem Marktplatz und den malerischen Häuschen auf engem Raum liegen.

Empfehlung: Trinke einen Cappuccino für 3,50 Euro im Café Fanny am Marktplatz, wo es übrigens auch sehr gutes Internet gibt.
Bewertung: ★★★★☆

Imatra

Eigentlich steht es mir nicht zu über Imatra zu urteilen, da wir dort lediglich über Nacht zu Gast waren und mit dem Imatrafall das eigentliche Highlight der Stadt um wenige Stunden verpasst haben.

Beim besagten Wasserfall fällt der Fluss Vuoksi 18 Meter in die Tiefe. Da die Stromschnellen seit mehreren Jahrzehnten zur Stromerzeugung genutzt werden, ist das Flussbett meist leer und eher unspektakulär. Lediglich zu bestimmten Uhrzeiten wird die enge Granitschlucht geflutet.

Imatra ist laut einer Hotelbesitzerin dennoch sehr attraktiv, was das Einkaufen betrifft. So kommen vor allem Russen auf Grund der Nähe zur russischen Grenze ganzjährig vorbei, um ihre Shopping-Bedürfnisse in der Einkaufsstraße im Zentrum zu befriedigen.

Empfehlung: Imatrafall um 18 Uhr bewundern, da um diese Uhrzeit die Schleusen geöffnet werden. Ein wahres Spektaktel, auch wenn man dabei nicht mehr wirklich von einem Naturschauspiel sprechen kann.
Bewertung: ★★☆☆☆

Punkaharju

Die ehemalige Gemeinde Punkaharju ist mittlerweile ein Teil der mehr als 30 Kilometer entfernten Stadt Savonlinna. Der Ort selbst ist ländlich geprägt und hat außer einem Wasserpark in unmittelbarer nicht allzu viel zu bieten.

Das Highlight von Punkaharju ist jedoch ein schmaler Damm, der etwa sieben Kilometer lang und 25 Meter hoch ist. Der Hügelrücken zwischen den Seen Puruvesi und Pihlajavesi entstand vor mehr als 10.000 Jahren durch Schmelzwasserströme während der Eiszeit.

 

Die Straße über den Hügelrücken führt entlang der Eisenbahnlinie. Ein tolles Naturschauspiel für schöne Fotomotive, das du während deines Roadtrips entlang der Staatsstraße 14 automatisch passierst.

Empfehlung: Gute Musik ins Ohr und die Fahrt über den Damm einfach nur genießen.
Bewertung: ★★★☆☆

Savonlinna

Beim Passieren der Stadtgrenzen von Savonlinna wurde mir deutlich, dass es sich hier ganz gut aushalten lässt. Die Stadt verteilt sich auf mehrere Inseln und ist bei Touristen sehr beliebt.

Unumgänglich ist die Burg Olavinlinna, die 1475 gegründet wurde und die scheinbar besterhaltene mittelalterliche Festung Nordeuropas ist. Sie ist das Wahrzeichen einer Stadt, die inmitten der wunderschönen Finnischen Seenplatte liegt.

Empfehlung: Biege von der Staatsstraße 14 kommend auf die Punkaharjuntie ab, die zu einer großen Brücke führt. Von dort hast du den besten Blick auf die Burg Olavinlinna.
Bewertung: ★★★☆☆

Kerimäki

Nicht allzu weit von Savonlinna entfernt liegt Kerimäki. Ein ländlicher Ort, der durch einen Fauxpas der Baubranche an Berühmtheit erlangte. Einer Legende nach wurde der Plan einer Holzkirche in Fuß geschrieben, jedoch in Metern gebaut, weshalb ein riesiges Bauwerk entstand.

Kerimäki darf sich heute noch an der größten Holzkirche der Welt erfreuen, was sich die Einwohner zunutze machen, um ihre kleine Gemeinde touristisch zu vermarkten. Darum hat sich im Kirchturm, der getrennt vom Kirchengebäude ist, längst ein Souvenir-Shop eingenistet.

Empfehlung: Unbedingt in die Kirche gehen, da dir dann das gesamte Volumen des riesigen Bauwerkes, bewusst wird. Kerimäki selbst hat eher weniger zu bieten.
Bewertung: ★★☆☆☆

Koli-Berge

Mit den Worten „Der Blick von diesen Bergen gilt als das Spiegelbild finnischen Nationalgefühls“ hat mir mein Reiseführer (bei Amazon kaufen) klar zu verstehen gegeben, dass die Koli-Berge ein absolutes Muss bei jeder Skandinavien Rundreise sind. Und ja, auch du solltest dir dieses beeindruckende Fleckchen Erde nicht entgehen lassen.

Koli-Berge

Der höchste Punkt der Koli-Berge ist der Ukko-Koli mit 347 Höhenmetern. Er liegt mehr als 250 Meter über dem riesigen Pielinen-See, der mit seinen Schären für einen traumhaft schönen Ausblick sorgt. Dieser ist es auch, der in nahezu jedem Kalender über Finnland festgehalten wird.

Um auf den Ukko-Koli zu gelangen, solltest du das Sokos Hotel in dein Navi eingeben. Dort findest du nicht nur ein Besucherzentrum, sondern der Gipfel gilt zugleich als Ausgangspunkt für mehrere Wanderrouten entlang einiger Felsen, von denen du einen schönen Blick auf den See und die Weite Finnlands genießt.

Direkt zum Hotel darfst du leider nicht fahren. Es gibt jedoch einen Parkplatz, von dem aus eine Bahn oder eine Treppe auf den Gipfel führt. Spare dir hierbei das Geld für die Bahn, denn zu Fuß dauert es lediglich zehn Minuten bis zum Hotel beziehungsweise dem Besucherzentrum.

Empfehlung: Gehe rechts vom Hotel auf den See blickend die steilen Treppen nach oben, um den besten Ausblick auf den Pielinen-See zu genießen.
Bewertung: ★★★★★

Oulanka-Nationalpark

Nördlich von Kuusamo, einer Stadt, die vor allem bei Wintersportlern gefragt ist, liegt der Oulanka-Nationalpark. Dort sind nicht nur Wölfe, Adler und Braunbären beheimatet, sondern auch der Fluss Oulankajoki, der sich durch eine beeindruckende Landschaft schlängelt und die Herzen von Rafting-Fans höher schlagen lässt.

Der Ausgangspunkt für Trekkingtouren ist das Oulanka-Besucherzentrum, das ganzjährig geöffnet ist. Die Fahrt dorthin ähnelt auf den letzten Kilometern einer Achterbahn, da es ständig steil bergauf und bergab geht. Ein wahrer Genuss für denjenigen, der hinter dem Steuer sitzt.

Vom Besucherzentrum aus gibt es verschiedene Wandertrails. Einer der Rundkurse ist lediglich einen Kilometer lang und führt zur Stromschnelle Kiutaköngas. Sie ist eines der Highlights des Nationalparks, da sie sich durch steile und enge Schluchten hindurchdrückt und in einem großen Flussbett mündet. Ein grandioser Anblick.

Jede Menge Informationen zu den längeren Trails bekommst du im bereits erwähnten Besucherzentrum, das äußerst Wanderer freundlich ist. Nicht nur, weil du dort mehr über die Natur erfährst oder deine Ausrüstung im Shop erweitern kannst. Vor allem die Preise im Café sind für finnische Verhältnisse sehr günstig (Kaffee: 1,50 Euro, Bier: 3,50 Euro, Tee: 1,50 Euro).

Empfehlung: Auf der Bärenrunde (klein oder groß) wandern und dafür etwas mehr Zeit einplanen. Dank des Jedermannsrechts kannst du bei einer mehrtägigen Tour kostenlos in einer der Wildnishütten übernachten.
Bewertung: ★★★★★

Rovaniemi

Direkt am Polarkreis befindet sich mit Rovaniemi die Hauptstadt Lapplands, die vom Stadtbild her alles andere als herausragend ist, jedes Jahr im Dezember jedoch Unmengen an Touristen anlockt. Das hat einen einfachen Grund, schließlich ist der Weihnachtsmann in Rovaniemi zu Hause.

Daher ist nicht etwa das gläserne Museum Arktikum oder die Jätkänkynttilä-Brücke der Anziehungspunkt der 60.000-Einwohner-Stadt, sondern das Weihnachtsmanndorf, das ungefähr sieben Kilometer vom kleinen Stadtzentrum entfernt liegt.

In Santa Claus Village gibt es nicht nur das offizielle Büro des Weihnachtsmannes und das Postamt, an dem tatsächlich alle Briefe der Kinder aus aller Welt beantwortet werden. Du kannst den Weihnachtsmann sogar täglich von 9 bis 18 Uhr persönlich antreffen.

Das Dorf, das direkt am Polarkreis liegt, sorgt sogar im Sommer für Weihnachtsgefühle. Kein Wunder also, dass die eher unspektakuläre Stadt, in der nahezu alles auf den Weihnachtsmann ausgerichtet ist, sich an so vielen Touristen erfreuen darf.

Empfehlung: Im Weihnachtsmanndorf kannst du dir gegen Bezahlung einen Stempel abholen, dass du den Polarkreis übertreten hast.
Bewertung: ★★★☆☆

Ilmakkiaapa

Auf Grund eines spontanen Zwischenstopps mitten auf der E75 zwischen Sodankylä und dem Ski-Eldorado Saariselka wurden wir auf ein kleines Gatter mitten im Nirgendwo aufmerksam. Dieses war zugleich das Eintrittstor zu einem von außen ebenso unscheinbaren und einfachen wie beeindruckenden Naturreservat.

Ilmakkiaapa heißt das Gebiet, zu dem es bisher noch nicht allzu viele Quellen im Internet gibt und das aus nicht mehr als aus einer Torflandschaft und Sümpfen besteht. Doch diese ist äußerst sehenswert und über einen 400 Meter langen Naturpfad begehbar, der zu einer Aussichtsplattform führt, um die Vögel Finnlands zu beobachten.

Die Vielfalt an Tieren ist hier sehr groß. So triffst du nicht nur auf verschiedene Entenarten, sondern auch auf Kraniche und Rentiere. Letztere ziehen es teilweise vor, den schmalen Steg zu nutzen, um in den Sümpfen nicht aus der Puste zu kommen. Mit Gegenverkehr ist daher durchaus zu rechnen.

Empfehlung: Halte auf der E75 Ausschau nach einem blauen Schild mit dem urigen Namen Lintuluontopolku, denn genau hier befindet sich mein (touristenarmer) Geheimtipp.
Bewertung: ★★★★☆

Inari

Mit knapp 7.000 Einwohnern ist Inari eine eher beschauliche Gemeinde, die vollgepackt mit Ferienhäusern am Rande des Inari-Sees ist. Der drittgrößte See Finnlands ist zugleich das Highlight in der Region.

Den Samen gilt der Inari-See mit seinen mehr als 3.000 Inseln als heilig. Meist friert er auf Grund der arktischen Kälte erst im Juni auf, weswegen der Zeitraum für Bootsfahrten auf dem See ziemlich begrenzt ist. Die Frage ist auch, ob du eine solche machen willst, da die Rundfahrt mit einem großen Schiff 23 Euro für zweieinhalb bis drei Stunden kostet. Es gibt aber auch kleinere Boote bei günstigeren Anbietern.

Wir haben unser Geld lieber in das Sami-Freilichtmuseum Siida investiert. Hier findest du einen interaktiven, begehbaren Bereich, in dem du einen Einblick in die monatlichen Licht- und Temperaturverhältnisse bekommst. Außerdem erfährst du eine ganze Menge über die in Lappland lebenden Tiere sowie den Lebensraum der Samen, der im riesigen Außenbereich erkundet werden kann.

Empfehlung: Investiere die zehn Euro Eintritt für das Siida-Museum und lerne innerhalb von zwei bis vier Stunden den rauhen Lebensraum der Samen kennen.
Bewertung: ★★★☆☆

Norwegen

Karasjok

Zehn Jahre nach meiner ersten Rucksacktour setzte ich mit Karasjok endlich das erste Mal einen Fuß auf meine damalige Wunschdestination: Norwegen! Doch der erste Eindruck war nicht unbedingt der beste, denn Karasjok ist nicht wirklich ein „must see“.

Karasjok ist zusammen mit Kautokeino das zweite Sami-Zentrum. Touristisch ist der Ort jedoch weniger stark frequentiert, was an der Anzahl der Übernachtungsmöglichkeiten und Sehenswürdigkeiten deutlich erkennbar ist. Daher wird der Ort meist als Durchfahrt für die Reise zum Nordkap genutzt.

Die Landschaft um die Kommune ist dennoch sehenswert und der Ort bietet sich an, um sich im Museum über die Kultur der Samen zu informieren, sofern du dies nicht schon am Inari-See getan hast. Kulturell sehr schön, aber ansonsten ein doch eher – nennen wir es mal – entschleunigender Ort.

Empfehlung: Am Scandic Hotel (keinesfalls Economy-Zimmer buchen, da furchtbar schlechtes Preis-Leistungs-Verhältnis) befindet sich das Sami-Restaurant. Das Á-la-carte-Restaurant hat von 16 bis 22 Uhr geöffnet und ist unter einem Erdhügel begraben.
Bewertung: ★☆☆☆☆

Nordkap

Egal, ob zu Wasser, zu Fuß, mit dem Auto oder mit dem Fahrrad, das Nordkap ist für viele das primäre Ziel einer Skandinavien Rundreise. Doch um es gleich vorwegzunehmen: Das Nordkap ist NICHT der nördlichste Punkt Europas oder das „Ende der Welt“, wie es oftmals beworben wird, obwohl die Felsspitze an der Nordseite der Insel Mageroya den Anschein erweckt.

Nordkap

Bei der Fahrt zur Insel Mageroya musst du mehrere Tunnels und eine Brücke passieren, die allesamt kostenlos sind. Zur Kasse gebeten wirst du erst kurz vor der von Nebel und Regen geprägten Landspitze mit der berühmten Weltkugel. Knapp 29 Euro pro Person sind alles andere als ein Schnäppchen.

Am Nordkap angekommen möchte jeder Tourist ein Bild von sich mit der berühmten Weltkugel. Der Kampf um das perfekte Foto ist daher sehr hart. Vor allem, wenn zuvor die Passagiere der Kreuzfahrtschiffe zum Nordkap chauffiert wurden.

Bei schlechtem Wetter, wovon es pro Jahr rund 200 Tage gibt, kannst du es dir im Gebäude direkt hinter der Weltkugel gemütlich machen. Ein Kaffee kostet dort 3,85 Euro, ein Cappuccino 4,92 Euro und eine Nordkap-Waffel 5,24 Euro. Außerdem hast du die Möglichkeit, dir zahlreiche Souvenirs zu horrenden Preisen zu kaufen.

Auch, wenn das Nordkap Touristenscharen anzieht und du dort gewiss nicht der einzige sein wirst, ist ein Besuch ein absolutes Muss. Noch nördlicher liegt nur das Kap Knivskjelodden, das sich ebenfalls auf der Insel Mageroya befindet und von einem Parkplatz aus durch einen kleinen Pfad gut erreichbar ist.

Empfehlung: Von Mitte Mai bis Ende September kannst du am Nordkap die Mitternachtssonne bewundern. Das bedeutet, dass die Sonne in zweieinhalb Monaten gar nicht erst unter geht. Im Winter ist das Gegenteil der Fall.
Bewertung: ★★★★★

Hammerfest

Einst galt Hammerfest als die nördlichste Stadt der Welt. Zumindest solange bis Honningsvag auf Mageroya 1998 das Stadtrecht zugesprochen bekam. Ein beliebter Ort für Touristen ist die 10.000 Einwohner fassende Stadt, die von der Fischzucht, der Erdgasindustrie und einer Universität geprägt ist, dennoch weiterhin.

Die Promenade im Zentrum ist relativ überschaubar und in wenigen Minuten abgelaufen. Das Stadtbild ist modern, da Hammerfest im zweiten Weltkrieg von den Deutschen zerstört wurde und größtenteils neu aufgebaut werden musste.

Nicht entgehen lassen solltest du dir den Aussichtspunkt Salen. Von dort hast du einen genialen Blick über die gesamte Stadt und die bergige Landschaft im Hintergrund. Du erreichst den Salen entweder zu Fuß über den Zig Zag Path vom Zentrum aus oder mit dem Auto.  

Ebenfalls spannend ist die Landebahn des Flughafens, die zu den kürzesten der Welt zählt und den ein oder anderen Piloten bei arktischen Wetterverhältnissen vor große Herausforderungen stellt. Ein tristes Städtchen, das trotz extrem langer und kurzer Tage auf seine ganz eigene Weise beeindruckt.

Empfehlung: Obwohl auch ich Hammerfest nicht im Winter kennenlernen durfte, so reizt mich ein Besuch doch sehr. Nicht nur wegen des Polarlichts, sondern auch der vielseitigen Skitouren, die dort angeboten werden.
w ★★★☆☆

Alta

Ähnlich wie bei Imatra steht es mir auch hier nicht zu über Alta zu urteilen, denn unsere Aufenthaltsdauer belief sich auf weniger als eine Stunde. Doch diese kurze Dauer hat deutlich gemacht, dass es mit dem Alta-Fluss, dem längsten Lachs-Fluss des Landes, und dem Alta-Museum nicht allzu viel zu entdecken gibt.

Die 20.000 Einwohner fassende Stadt ist zudem für ihre Felsbilder berühmt. Bis zu 3.000 Zeichnungen kannst du dort betrachten, die mehr als 6.000 Jahre alt sind.

Ungefähr 30 Kilometer entfernt liegt der Alta-Canyon, bei dem du entlang eines zweistündigen Fußweges die größte Schlucht Nordeuropas erkunden kannst. Ihre Tiefe bemisst sich auf 400 Meter, weshalb sie laut Hörensagen einen Abstecher wert ist.

Empfehlung: Das Zentrum der ebenfalls jungen Stadt ist schnell erreichbar und bietet sich zu einem Zwischenstopp an, um die Reserven für die Weiterfahrt aufzufüllen.
Bewertung: ★★☆☆☆

Kautokeino

Die E93 wird nicht unbedingt bei den gängigen Skandinavien Rundreisen aufgelistet, doch kann ich sie dir wegen eines Ortes absolut empfehlen: Kautokeino, die größte Samengemeinde Norwegens, die tiefe Einblicke in die Kultur der Samen gibt.

Kautokeino

Das Highlight ist Juhls Silver Gallery, die zwei Kilometer vom Zentrum entfernt liegt. Dort findest du Unmengen an samischem Schmuck, traditionellem Handwerk und Teppichen. Der Schmuckladen ähnelt eher einem Erlebnismuseum als einem Ort, an dem Produkte an Touristen gebracht werden.

Eintritt kostet Juhl´s Silberschmiede nicht, aber Spenden werden gerne entgegengenommen. Mehr über die Samen erfährst du im anliegenden Freilichtmuseum und direkt vor Ort, wo dir die Rentierzucht, die hier eine große wirtschaftliche Bedeutung hat, nicht verborgen bleibt.

Empfehlung: Auf dem Weg zu Juhls Silver Gallery gibt es auf der linken Seite eine alte, inaktive Skisprungschanze. Von hier kannst du das Panorama von Kautokeino genießen. Die Schanze solltest du aber nicht betreten, da sie nicht unbedingt vertrauenswürdig aussieht.
Bewertung: ★★★☆☆

Schweden

Pitea

Wer im Norden Skandinaviens zu Hause ist und Urlaub am Meer machen möchte, der scheint in Pitea bestens aufgehoben zu sein. Darauf lässt zumindest Pite Havsbad Beach schließen. Ein riesiges Freizeitparadies direkt am Strand, der sich über fünf Kilometer entlang Pitea zieht.

Ansonsten fällt die Stadt eher durch Industrie auf, denn so schön der Strand ist, so störend wirken die rauchenden Raffinerien aus der Ferne. Daher ist Pitea für die Einheimischen aus dem kühlen Norden gewiss eine gelungene Abwechslung. Bei mir haben der Strandabschnitt am Bottnischen Meerbusen und das Drumherum allerdings nicht für Luftsprünge gesorgt.

Empfehlung: Ein paar Stunden am Strand die Beine hochlegen und entspannen, bevor es auf der E4 weiter gen Süden geht. Sofern du mit Kindern unterwegs bist, können sich diese am Pite Havsbad Beach ausgelassen austoben.
Bewertung: ★☆☆☆☆

Skuleskogens Nationalpark

Direkt an der Hauptstraße Richtung Stockholm gelegen, befindet sich etwas versteckt der Skuleskogens Nationalpark. Er wurde 1984 errichtet und verfügt über mehr als 3.000 Hektar Wald, die sich am Rande des Bottnischen Meerbusens befinden.

Der Nationalpark ist ein Teil der Häga Kusten, die zum UNESCO Welterbe zählen. Sie ziehen sich von Örnsköldsvik bis nach Härnösand auf über hundert Kilometer. Dabei handelt es sich um eine von der Eiszeit geprägte Landhebung, die jährlich um acht Millimeter wächst.

Vom Parkplatz aus, der circa fünf Minuten von der Hauptstraße entfernt liegt, beginnen die verschiedene Wanderwege des Nationalparks. Diese sind gut ausgebaut und teilweise barrierefrei. Beim Rundgang kannst du auch einen Blick auf die hohen Küsten werfen, die sich um bis zu 280 Meter über dem Meeresspiegel anheben.

Empfehlung: Nach einer Wanderung im Skuleskogens Nationalpark lohnt es sich noch ein bisschen die Küste entlang zu fahren, da die Höga Kusten, gemischt mit einzelnen Schwedenhäusern, traumhafte Fotomotive darstellen.
Bewertung: ★★★★☆

Uppsala

Gar nicht auf dem Schirm bei unserer Skandinavien Rundreise hatten wir Uppsala, die viertgrößte Stadt Schwedens. Die horrenden Übernachtungskosten in Stockholm zwangen uns jedoch dazu, in der 70 Kilometer nördlich der Hauptstadt gelegenen Studentenstadt unterzukommen – zum Glück.

Zwar ist Uppsala der ideale Ausgangspunkt für einen Tagestrip nach Stockholm, allerdings lohnt es sich, dort einige Zeit länger zu verweilen. Das Stadtbild mit dem Dom, dem Schloss und einer ansehnlichen Innenstadt ist äußerst sehenswert.

Hinzu kommt ein scheinbar ziemlich pulsierendes Nachtleben. So zumindest hatte es den Anschein, als zahlreiche Studenten – gemischt mit englischsprachigen Touristen – die Kneipenviertel der Stadt unsicher machten.

Empfehlung: Sehr gut gelegen, verhältnismäßig günstig und mit einer modernen Einrichtung sowie leckerem Frühstück kann ich dir das Uppsala CityStay Hostel ans Herz legen (bei Booking.com buchen).
Bewertung: ★★★★★

Stockholm

Ein Besuch im „Venedig des Nordens“ ist ein absolutes Muss für Skandinavien-Reisende. Vor allem die Altstadt namens Gamla stan auf der Insel Stadsholmen ist ein wahrer Hingucker und hat neben dem königlichen Schloss, der Altstadtgasse und der Deutschen Kirche die größte Dichte an nennenswerten Sehenswürdigkeiten.

Koenigspalast Stockholm

Die Altstadt ist problemlos zu Fuß begehbar. Gemütlicher geht es bei den Bootstouren zur Sache, die alle 60 Minuten ablegen. Für 50 Minuten durch die Kanäle der Stadt zahlst du 200 Schwedische Kronen, was sicherlich interessanter und stressfreier ist als die gängigen Hop-on-Hop-off-Busse durch die vollgestopften Straßen zu verwenden.

Alle Sehenswürdigkeiten von Stockholm aufzulisten würde gewiss den Rahmen dieses Blogbeitrags sprengen. Kein Wunder also, dass es in die knapp eine Million Einwohner fassende Stadt Unmengen an Touristen zieht, viele davon aus Deutschland.

Stockholm hat mich definitiv beeindruckt, aber ich muss auch gestehen, dass ich mir vielleicht sogar etwas mehr erwartet hatte, da zuvor jeder Bekannte davon geschwärmt hat. Nichtsdestotrotz verdient sie das Prädikat „Absolut besuchenswert“.

Empfehlung: Parken ist in der Altstadt mit 6,80 Euro pro Stunde ziemlich teuer. Hinzu kommen Mautgebühren, die du aufbringen musst. Lasse dein Auto daher am Stadtrand stehen und nutze die öffentlichen Verkehrsmittel oder nimm den Zug von Uppsala aus.
Bewertung: ★★★★★

Gränna

Weitaus gemütlicher als in Stockholm geht es in der Kleinstadt Gränna zur Sache, die direkt an der E4 liegt und sich zum Ende des Roadtrips für eine kurze Pause anbietet. Einziger Wermutstropfen ist, dass auch Busgesellschaften längst Wind vom gemütlichen Ort in Småland bekommen haben.

Das Leben in Gränna spielt sich primär an der Hauptstraße ab. Dort reihen sich urige Süßigkeitenläden mit einer Vielfalt an Bonbons und Zuckerstangen aneinander. Außerdem gibt es kleine Konditoreien und Cafés.

Die Kirche, die das eigentliche Wahrzeichen der Stadt ist, gerät dabei fast schon in den Hintergrund. Auch der steile Grännaberg mit seiner Aussichtsplattform und der kleine Ableger am Ufer des Vättersees, von dem aus Schiffe zur beliebten Insel Visingsö fahren, können sich durchaus sehen lassen.

Empfehlung: Ein richtig schönes Café ist das Café Fiket. Dort gibt es leckere Süßigkeiten und sündhaft gut schmeckende Gebäckstücke, die du am besten auf der Terrasse hinter dem Café genießt.
Bewertung: ★★★★☆

Wissenswertes zum Fahren mit dem Auto

Mit dem Auto durch Finnland, Norwegen und Schweden zu fahren ist sehr erholsam. Anders als bei uns gibt es im hohen Norden keine Drängler, penetrante Linksblinker oder sinnlose Hupkonzerte. Der Verkehr läuft und es geht voran, auch wenn die Höchstgeschwindigkeiten begrenzt sind.

Rentiere Finnland

Diese solltest du auch nicht überschreiten, denn das kann dich in jedem der drei Länder teuer zu stehen kommen. In Schweden zahlst du beispielsweise für bis zu zehn zu schnell gefahrene Kilometer mehr als 200 Euro.

Was die Blitzer in Finnland betrifft, so findest du diese vor allem in und am Rande größerer Städte. In Schweden wird dagegen auch auf den Landstraßen und den Autobahnen scharf geschossen, allerdings meist erst nach ausdrücklichen Hinweisschildern. In Norwegen ist mir hingegen keine klare Strategie der Radarkontrollen aufgefallen.

Viel bedeutender ist es während deiner Tour auf Rentiere und Elche aufzupassen. Elche habe ich in den zwei Wochen zwar keinen einzigen zu Gesicht bekommen, jedoch sind Wildunfälle auf Grund der wuchtigen Körper der Elche extrem gefährlich.

Rentiere werden dir dagegen spätestens ab der Überschreitung des Polarkreises begegnen. Sie laufen in aller Ruhe auf der Straße herum, sodass du schon mal ein paar Minuten warten musst, bis sie ihr Hinterteil bewegen. Nett anzuschauen, aber auch hier gilt: Halte dich an die Tempolimits!

Was das Parken betrifft, so ist dies in Schweden, Norwegen und Finnland insbesondere in den Großstädten sehr teuer. In Schweden kommen zusätzliche Mautgebühren hinzu, die du erst nach der Reise zahlen musst, da dein Nummernschild fotografiert und damit auch registriert wird. Die Kosten halten sich mit zwei bis drei Euro aber in Grenzen.

Ach ja, eine Sache gibt es noch: Das Abblendlicht ist Pflicht und ein Vergehen wird ebenfalls hart bestraft. Also Licht an, Fuß vom Gas und genieße eine ebenso entspannte wie beeindruckende Autoreise mit wenig Verkehr und sehr gut ausgebauten Straßen durch drei fantastische Länder.

Abschließend kann ich dir noch einen Reiseführer empfehlen, der mir während unseres Roadtrips sehr weitergeholfen hat und in dem insgesamt fünf Touren mit dem Auto vorgeschlagen werden:

Baedeker Reiseführer Skandinavien, Norwegen, Schweden, Finnland: mit GROSSER REISEKARTE
  • Christian Nowak, Rasso Knoller
  • Herausgeber: BAEDEKER, OSTFILDERN
  • Auflage Nr. 15 (29.06.2016)
  • Taschenbuch: 714 Seiten

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