Wandern auf den Lofoten – 7 spektakuläre Touren im hohen Norden mit Wow-Faktor

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Die Lofoten sind ein wahres Naturparadies: schroffe Felsen, einsame Sandstrände, idyllische Fischerdörfer und mit ein bisschen Glück gibt es zur richtigen Jahreszeit sogar die Polarlichter oder ein paar Orcas zu erspähen. Die meisten Touristen zieht es in den Sommermonaten auf den Archipel mit mehr als 80 Inseln, um sich eigenen Eindruck von der wilden und wunderschönen Landschaft zu verschaffen. Auch ich war sieben Tage zum Wandern auf den Lofoten unterwegs, um die schönsten Ecken zu entdecken. Sieben davon stelle ich dir in diesem Beitrag im Detail vor. 

Während der Großteil mit dem Camper, Van oder Auto mit Dachzelt die Lofoten erkundet, entschied ich mich dazu, meinen Osprey Exos 48 zu packen und zu Fuß loszuziehen beziehungsweise auf die öffentlichen Verkehrsmittel zurückzugreifen. Ich wollte nicht auf Parkplätzen nächtigen, sondern an Orten, wo (fast) niemand sonst sein würde. Ungeachtet dessen, dass die Lofoten ein Touristenmagnet sind, gibt es viele Plätze, an denen du die beeindruckende Landschaft in völliger Stille genießen kannst.

Obwohl die Lofoten auf dem 68. Breitengrad und damit ungefähr 300 Kilometer über dem nördlichen Polarkreis liegen, ist das Klima angenehm mild. Grund dafür ist die Nähe zum Golf von Mexiko, der dafür sorgt, dass du dich im Juli und August über durchschnittliche Temperaturen von 13 bis 15 Grad freuen darfst. Das mag nicht allzu sommerlich klingen, ist aber ideal zum Wandern. Halten sich dann noch die Niederschläge zurück, steht traumhaften Wandertouren nichts mehr im Wege.

Sieben fantastische Wanderungen auf den Lofoten

Ich war insgesamt sieben Tage auf den Lofoten unterwegs. Vier Tage davon habe ich im Zelt geschlafen und drei in einer Unterkunft in Svolvær. Ich griff auf die öffentlichen Verkehrsmittel zurück, sofern ich nicht sowieso mit dem Rucksack auf dem Rücken von A nach B lief. Mein Ziel war es innerhalb einer Woche möglichst viel von den Lofoten zu sehen und die beliebtesten Highlights zu entdecken. Dabei berief ich mich Empfehlungen von Freunden, Recherchen im Internet und diesem kleinen Reiseführer:

Die schroffen, steil abfallenden Granitfelsen, die aufgrund des Regens glänzten und teils mit sattem Grün bewachsen waren, lösen in mir eine ebenso große Faszination aus, wie die vielen Wasserfälle und die idyllischen Orte mit ihren roten Fischerhäuschen. Auch, dass die vermeintlich traumhaften Sandstrände lediglich zu Fuß erreichbar sein würden, steigerte meinen Entdeckungsdrang, sodass ich während meiner sieben Tage auf den Lofoten oftmals zwei Wanderungen pro Tag machte.

Anmerkung: Die Lofoten gelten als Gegend für erfahrene Wanderer. Die Trails sind zwar sehr kurz, führen aber doch recht steil nach oben, wobei das Terrain ständig wechselt.

Welche sieben Wanderungen ich dir uneingeschränkt weiterempfehlen kann und was dich hier erwartet, erfährst du im folgenden Abschnitt. Die Angaben der erwanderten Kilometer und Höhenmeter sowie die Zeitangaben, habe ich meiner Garmin-Multisportuhr oder der Wander-App Maps.me entnommen. Es kann daher gut sein, dass sie nicht mit den offiziellen Daten und Empfehlungen übereinstimmen.

Der Bergsee Ågvatnet bei Å

Am südlichen Ende der E10, direkt am Busparkplatz, beginnt der Rundweg um den Bergsee Ågvatnet. Er ist eine sinnvolle Alternative, wenn der 514 Meter hohe Andstabben und die anderen Bergriesen von Wolken umhüllt sind und sich das Wetter nicht für eine Bergtour eignet. Die sieben Kilometer lange Strecke gilt als leichte Route. Bei Regen kann sie aber sehr fordernd sein, da du mit viel Matsch, Sumpf und glitschigen Felsen rechnen musst.

  • Strecke: Bushaltestelle Å – Ågvatnet-Runde – Bushaltestelle Å
  • Länge: 7 Kilometer
  • Höhe: 229 Meter
  • Gehzeit: 1,25 Stunden (als Trailrun)

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Als Einstieg meiner Lofoten-Reise fuhr ich mit dem Bus von Moskenes nach Å, um von dort aus einen Trailrun zu machen. Da es ständig bergauf und bergab ging und der Untergrund sehr matschig war, wurde daraus eher ein Trailwalk. Ein Laufrhythmus kam kaum zustande. Neben angenehm zu laufenden Pfaden gab es einige Stellen mit Sicherungen. Aufgrund der vorherigen Regenfälle hatte ich zudem mit Matschlöchern und sumpfigen Wiesen zu kämpfen, weshalb ich die nächste Umrundung wohl eher gemütlich zu Fuß absolvieren würde.

Der Ågvatnet wird vom Mannen, Gjertinden und Mengelsdalstinden umgeben und besticht neben zwei Halbinseln, die als Aussichtsplattformen dienen, auch durch einen kleinen Strand gegenüber dem Startpunkt. Wasserfälle und Bäche kannst du rund um den See ebenso bewundern wie die einsamen Häuschen, welchen das typische Norwegen-Flair vermitteln.

Å i Lofoten

Im Anschluss an die Runde um den Ågavtnet solltest nicht sofort wieder in den Bus einsteigen, sondern durch das urige Fischerdorf Å schlendern. Für viele ist der Ort mit dem kurzen Namen das Ende der Welt. Hier endet unter anderem die E10, die Hauptverkehrsader der Lofoten.

Der Ort schmiegt sich mit seinen – teils 150 Jahre alten – roten Häusern eindrucksvoll in die Bergwelt mit ihren steilen und schroffen Felsen ein. Im Ortskern gibt es zwei Museum, bei denen sich natürlich alles rund um die Fischerei und den Stockfisch dreht. Å ist der ideale Ort, um die Kultur der Lofoten kennenzulernen.

Reinebringen – Reine von oben

Der 448 Meter hohe Hausberg von Reine ist einer der magischen Anziehungspunkte auf den Lofoten und zählt nicht umsonst zu den populärsten Wanderungen auf den Lofoten. Kein Wunder, denn bei gutem Wetter blickst du vom Gipfel auf das Fischerdorf und auf den bemerkenswerten Fjord, der von mächtigen Felsen auf der einen Seite und dem offenen Meer auf der anderen Seite umgeben ist.

  • Strecke: Europastraße 10 – Reinebringen – Europastraße 10
  • Länge: 5 Kilometer
  • Höhe: 680 Meter
  • Gehzeit: 2 Stunden

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Der Einstieg ist ungefähr 1,5 Kilometer von Reine entfernt. Nepalesische Sherpas wurden beauftragt, eine Treppe zu errichten, um den Aufstieg zu vereinfachen und das Unfallrisiko zu minimieren. Immer wieder gab es in der Vergangenheit Abstürze, die durch die 1.000 bis 2.000 Stufen – so genau weiß das niemand – enorm erleichtert wurden. Anstrengend ist die Besteigung dennoch, weshalb es immer wieder kleine Nischen mit Sitzgelegenheiten gibt, wo du dich ausruhen kannst.

Am Ende der Treppe gibt es einen ersten Aussichtspunkt auf Reine. Den Gipfel erreichst du ausschließlich über einen kleinen Pfad mit teils mühelosen Kletterpassagen. Ohne gutes Schuhwerk und eine gewisse Trittsicherheit kann es auf dem anspruchsvollen Weg gefährlich werden, zumal sich bei schönem Wetter viele Wanderer am Weg über den Grat versuchen, der teilweise sehr eng ist und steil bergab geht.

Für Familien ist der Gipfelanstieg nicht empfehlenswert. Hier macht es mehr Sinn einen der Aussichtspunkte am Ende der Treppe zu genießen. Dass die Wanderung nicht ohne ist, machen die Hinweise zu Beginn des Reinebringen-Aufstiegs deutlich: Empfohlen wird gutes Schuhwerk, Essen und Trinken sowie eine Kamera für tolle Ausblicke, denn auf diesen darfst du dich bei gutem Wetter definitiv freuen. Übrigens: Camping ist auf dem Reinebringen untersagt.

Reine

Die besondere Lage des malerischen Dorfes, das von den Bergwänden der Lofoten und dem kristallklaren Wasser des Ozeans umschlossen wird, machen Reine zum absoluten Hotspot auf den Lofoten. Im Hauptort der Insel Moskenesøy gibt es neben Cafés, Galerien und Geschäften auch organisierte Bootsausfahrten und jede Menge Stockfisch.

Friluftsliv, also das Leben in der freien Natur und mit der Natur, wird in Norwegen großgeschrieben. Anhand eines Schildes im gemütlichen Ortszentrum wurde darauf nochmals dezent mit folgenden Worten hingewiesen: „Norway is not made for ass sitting in Lofoten.“ Ein dezenter Hinweis sich im Freien zu bewegen und die tolle Landschaft zu entdecken – Reine ist dafür der ideale Ausgangspunkt.

Der weite Strand von Bunes

Der Bunes ist ein riesiger, breiter Strand mit vielen kleineren und mittelgroßen Dünen. Aufs Meer blickend türmt sich auf der rechten Seite die 600 Meter hohe Wand des Helvestestinden auf, der Ähnlichkeit mit dem El Capitan im Yosemite Nationalpark aufweist. Auf der linken Seite befindet sich der Storskiva, an dessen Fuß sich ein kleines, rotes Haus befindet.

  • Strecke: Fähranleger Vindstad – Bunesstranda – Fähranleger Vindstad
  • Länge: 5,6 Kilometer
  • Höhe: 100 Meter
  • Gehzeit: 1,5 Stunden

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Der Bunesstranda ist lediglich mit dem Boot von Reine aus erreichbar. Die 25-minütige Fahrt nach Vindstad, vorbei an den Felswänden auf der einen und den Schären auf der anderen Seite, ist ein Erlebnis für sich. In Vindstad angekommen deutet sich bereits die pure Ruhe an. Vom Pier geht es mit allen Passagieren auf einem Weg an einzelnen Häusern am Bundesfjorden entlang.

Tipp: Tickets für die Fahrt nach Vindstad kannst du im Boot am Reinefjorden erwerben. In der Hauptsaison solltest du etwas früher an der Anlegestelle sein, da nur eine bestimmte Anzahl an Personen mitgenommen werden kann.

Nach einiger Zeit taucht ein Holzschild mit der Aufschrift Bunes auf. Auf der linken Seite führt ein schmaler Pfad durch Wiesen hinauf auf den Hügel. Zur einen Seite schaust du auf den romantisch wirkenden Bunesfjorden, zur anderen eröffnet sich langsam der Blick auf den riesigen Strand von Bunes.

Die leichte Wanderung planen die meisten Besucher als Tagestour, sodass es am Strand einige Stunden später, wenn das Boot auf der anderen Seite des Hügels zum Abholen kommt, sehr ruhig wird. Da ich mein Zelt dabeihatte, blieb ich über Nacht und genoss die Mitternachtssonne. Vier weitere Zelte fanden ihren Platz am weitläufigen Bunesstranda, die dank der Entfernung jedoch kaum ins Gewicht fielen. So schlief ich mit Meeresrauschen, schreienden Möwen und dem auf die Zeltplane prasselnden Regen tiefenentspannt ein.

Helvetestinden

Nachmittags, nachdem sich die Tagestouristen wieder auf den Weg zurück nach Reine gemacht hatten, packte ich meinen Rucksack, um die Aussicht vom 602 Meter hohen Helvetestinden auf den Bunesstranda zu genießen. Dieser blieb mir aufgrund des Nebels leider verwehrt, allerdings durfte ich mich an tollen Blicken auf Vindstad zur einen und den Kjerkfjorden auf der anderen Seite erfreuen.

Die gut fünf Kilometer lange Wanderung dauerte ungefähr 1,75 Stunden. Beschreiben würde ich sie als kurz und knackig, da es zwar viele Pfade nach oben gibt, diese aber nicht immer leicht zu finden sind oder von großen Steinen abgetrennt werden. Die letzten Meter sind tückisch, weshalb du hier besonders trittsicher sein solltest.

Ryten – das vielleicht beliebteste Fotomotiv

Der 543 Meter hohe Ryten ist eines der Highlights auf den Lofoten. Unterhalb des Gipfels gibt es einen kleinen Felsvorsprung, der über der Bucht Kvalvika thront. Der spitz zulaufende Fels ist prädestiniert für waghalsig ausschauende Fotos mit Blick auf die traumhaft gelegene Bucht sowie auf das Farbenspiel des Nordmeers. Wenig verwunderlich, dass der Ryten ein wahrer Touristenmagnet ist und es dort ziemlich voll werden kann. Übrigens: Der tatsächliche Gipfel liegt ungefähr hundert Meter entfernt, findet aber wenig Beachtung.

  • Strecke: Innersand – Ryten – Innersand
  • Länge: 7,4 Kilometer
  • Höhe: 503 Meter
  • Gehzeit: 4 Stunden

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Offizieller Start auf den Ryten, der von der E10 aus recht unspektakulär und wie eine große Kuppel mit Weidefläche wirkt, ist der Parkplatz in Innersand. Bist du mit den öffentlichen Verkehrsmitteln unterwegs, so wie ich es war, steigst du an der Haltestelle Fredvang kryss aus, um dann vier Kilometer bis nach Innersand zu laufen. Nicht allzu spannend, aber immerhin überquerst du zwei – sehr schön in die Landschaft eingebettete – Bogenbrücken.

Beim Parkplatz in Innersand wird deutlich, dass der Ryten ein Hotspot für Touristen ist. Busreisende, Familien, junge Paare, Influencer und Jugendliche, alle möchten ein Foto vom Felsvorsprung machen oder den grandiosen Anblick auf die Kvalvika-Bucht genießen. Zudem gilt die Wanderung auf den Ryten als mittelschwer und ist mit dem richtigen Schuhwerk für alle Altersklassen machbar.

Zu Beginn spazierst du über einen schmalen Steg aus Holzbrettern. Er dient in erster Linie dazu, dass Wanderer auf den Wegen bleiben und nicht noch mehr von der schönen Natur zertreten. Danach geht es einen Naturpfad im ständigen Wechsel mit Holzstegen und vereinzelten Sicherungen nach oben. Nach der Abzweigung zur Bucht Kvalvika wird es zwar steiler, der Untergrund jedoch weich und gut begehbar. Hier beginnt die erwähnte Graskuppel mit ihren vielen, durch die Massen an Menschen, getrampelten Pfaden.

Tipp: Der letzte Anstieg zum Ryten ist recht steil. Daher lassen einige Wanderer mit schwerem Gepäck ihren Rucksack an der Gabelung Kvalvika/Ryten liegen, um sich einiges an Gewicht zu sparen oder auf den ersehnten Fotos nicht allzu verschwitzt zu sein.

Ich gebe zu, dass der Felsvorsprung ein absoluter Augenschmaus ist. Der Blick auf die Bucht fesselte mich so sehr, dass ich mich nur schwer von der Aussicht trennen konnte und fast vergaß den tatsächlichen Gipfel zu erklimmen. Natürlich ließ auch ich das typische Ryten-Foto von mir machen, bevor ich mich auf den Weg zu meinem Nachtlager in der Bucht machte.

Kvalvika, die wunderschöne Surfer-Bucht

Ohne den atemberaubenden Ausblick auf die Kvalvika-Bucht wäre der Ryten wohl nie ein so großer Anziehungspunkt geworden. Sie ist die eigentliche Attraktion, weshalb ich sie nicht nur als einen Teil der Ryten-Wanderung sehe, sondern als gesondertes Ziel. Die Bucht lässt sich aber auch bestens in eine ausgedehntere Wanderung integrieren. So marschierte ich nach meinem Ryten-Besuch ___ Kilometer hinab zur sogenannten Walbucht, um dort mein Nachtlager aufzuschlagen. Ständig im Fokus: das türkisblaue Wasser und die beiden riesigen Sandstrände, die von den mächtigen Granitfelsen eingerahmt sind.

  • Strecke: Innersand – Kvalvika – Fredvang
  • Länge: 8 Kilometer
  • Höhe: 460 Meter
  • Gehzeit: 3 Stunden

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Willst du beim Wandern auf den Lofoten lediglich die Kvalvika-Bucht bewundern und nicht – wie ich – den Ryten in deine Tour integrieren, bietet sich Innersand ebenfalls als Start deiner Wanderung an. Anstatt hinauf zum Ryten geht es nach einem längeren Aufstieg an einer Abzweigung an einem Bergsee auf einem Holzpfad links hinunter.

An diesem Punkt, den ich weiter oben als Ablageort für deinen Rucksack beschrieben habe – deutet sich bereits an, was dich unten in der Bucht erwartet: ein grandioses Farbenspiel des Ozeans, schroffe Felsen, grasbewachsene Hänge und zwei lange, breite Sandstrände. Da der Nordstrand leichter zugänglich ist, hält sich dort der Großteil der Besucher auf.

Der Weg hinab ist nicht ganz einfach, da der Untergrund uneben ist und er nach Regenfällen ziemlich rutschig sein kann. Hier ist Vorsicht geboten. Halte dich bergab etwas links und vermeide die größeren Steine. Unten angekommen kannst du deine Füße mit einem Spaziergang über den wohltuenden Sand belohnen und deine Beine im kühlen Nass erfrischen.

Tipp: Ähnlich wie beim Bunes-Strand sind die Voraussetzungen hervorragend, um die Mitternachtssonne zu bestaunen. Ich genoss die Sonne am Horizont direkt von meinem Zelt aus. Je weiter links du dein Nachtlager aufstellst, umso intensiver nimmst du das Spektakel wahr.

Sofern du nach deinem Kurzurlaub am Strand nicht den gleichen Weg zurückgehen willst, kannst du auf einem Pfad rechts unterhalb des 376 Meter hohen Torsfjordtinden aufsteigen. 200 Höhenmeter später geht es wieder hinab zur Verkehrsstraße, die dich ohne Hindernisse nach Fredvang führt.

Nordfor sola (North of the Sun)

Die Walbucht ist ein beliebter Surfspot mit optimalen Bedingungen zum Wellenreiten, zumindest für Hartgesottene. Bekanntheit hat die Bucht bei Surfern durch den Dokumentarfilm „North of the Sun“ erlang, der 2012 erschien. Er erzählt von zwei jungen Norwegern, die 2011 für mehrere Monate in der Kvalvika lebten. Nicht etwa im Sommer, sondern über den Winter hinweg.

Aus angeschwemmtem Müll bauten sie sich eine Hütte. Dort wärmten sie sich auf und erholten sich, um die restliche Zeit mit Surfen und Snowboarden zu verbringen. Die Hütte der beiden steht noch immer, liegt aber etwas versteckt zwischen den Felsen. Wirf gerne einen Blick auf den Trailer zum Film:

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Kleiner Fun Fact am Rade: 2012 schaute ich mir den Film im Rahmen der European Outdoor Film Tour im Kino an. Seitdem ließ er mich nicht mehr los. Vor meiner Wandertour auf den Lofoten erzählte ich noch von den beiden verrückten Norwegern, ohne zu wissen, wo sich die geheimnisvolle Bucht befinden würde. Nach meinem persönlichen Kvalvika-Abenteuer blätterte ich schließlich in meinem Reiseführer, las ein paar Zeilen und musste feststellen, dass ich exakt an diesem Ort übernachtet hatte, ohne zu wissen, dass die Hütte in unmittelbarer Umgebungen gewesen ist. Ziemlich ärgerlich.

Nipen – der Hausberg von Henningsvær

Der Nipen ist der 211 Meter hohe Hausberg des idyllischen Fischerdorfs Henningsvær, hinter dem sich der Festvågtinden und der mächtige Kvanndalstinden auftürmen. Er ist der ideale Gipfel, wenn dir der Festvågtinden eine Spur zu krass ist oder du unter Zeitdruck stehst, aber nicht auf einen tollen Ausblick auf die Schären sowie Henningsvær verzichten willst.

  • Strecke: Zentrum Henningsvær – Heiavatnet – Nipen – Zentrum Henningsvær
  • Länge: 6 Kilometer
  • Höhe: 240 Meter
  • Gehzeit: 1,75 Stunden

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Vom Zentrum in Henningsvær läufst du an der Hauptstraße entlang über zwei Bogenbrücken geradewegs auf den Nipen zu. Nach dem Passieren der zweiten Brücke führt nach einer Linkskurve ein Pfad hinauf zum Nipen. Trotz der überschaubaren Höhe, die du bewältigen musst, ist die kurze Wanderung kein Kinderspiel. Große Felsen, ein unebener Untergrund und kleine Pfade führen steil nach oben. Belohnt wirst du mit der Ankunft an einem hinreißenden Bergsee namens Heiavatnet.

Es zahlt sich aus einmal um den Heiavatnet zu spazieren oder dir eine Pause auf einem der großen Steine am Ufer zu gönnen. Den 541 Meter hohen Festvågtinden kannst du dabei aus nächster Nähe bestaunen, auch wenn der Aufstieg auf diesen noch recht anstrengend wäre. Einen Katzensprung entfernt ist dagegen der Gipfel des Nipen, wo sich dir ein beeindruckendes Panorama auf die Schären mit Henningsvær im Vordergrund bietet. Im Hintergrund erstreckt sich die langgezogene Bergkette der Lofoten, beginnend bei Å, dem „Ende der Welt“.

Henningsvær

Bei meiner Rucksacktour über die Lofoten stand Henningsvær weit oben auf der Liste, schließlich wollte ich unbedingt den spektakulären Fußballplatz bewundern. Das Henningsvær Stadium, das nicht wirklich ein Stadion ist, da es über keine Tribünen verfügt, liegt im Süden der Insel Hellandsøya. Umgeben ist der Fußballplatz von Felsen, Stockfisch, einem Leuchtturm und dem Ozean. Eine Erscheinung, die das Magazin National Geographic dazu veranlasste, den Kunstrasenplatz in Form eines Reisefotos zu einem der schönsten Orte 2017 zu küren.

Obwohl der Fußballplatz aufgrund seiner Lage weltweite Berühmtheit erlangt hat, liegt der Fokus bei den Einwohnern auch heute noch auf dem Fischfang. Die Südspitze von Austvågøya gilt als eine der besten Fangplätze für Kabeljau. Daher ist der kleine Hafen im Zentrum weiterhin in Takt und die Fischerhütten sind nicht nur reine Kulisse, um Touristen anzulocken.

Neben dem kleinen Hafen gibt es im Zentrum von Henningsvær einige Cafés, Galerien, Shops und Restaurants. Nach meiner Wanderung auf den Nipen machte ich es mir im gelb erstrahlenden Kafe Knusarn gemütlich und genoss es, einfach mal Tourist zu sein und andere beim Entdecken eines bezaubernden Ortes zu beobachten.

Fløya und Djevelenporten in einer Tour

Svolvær ist die größte Stadt der Lofoten. Sie ist kein langweiliges Verwaltungszentrum, sondern ein weiteres Epizentrum für anspruchsvolle Wanderungen auf den Lofoten. Besonders gefragt ist die Tour auf die 590 Meter hohe Fløya, die sich wunderbar mit einem Zwischenstopp am Djevelenporten verbinden lässt.

  • Strecke: Zentrum Svolvær – Djevelenporten – Fløya – Zentrum Svolvær
  • Länge: 8,5 Kilometer
  • Höhe: 663 Meter
  • Gehzeit: 2,5 Stunden

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Mein Ausflug zur Fløya begann im Zentrum von Svolvær am lebendigen Hafen mit seinen Cafés, Kneipen, Souvenirshops und Verkaufsstellen für Bootsfahrten zum Trollfjord. Viele Wanderer beginnen ihre Tour vom Parkplatz an der Djeveltrappa aus. Die „Teufelstreppe“ mit ihren 505 Stufen ist der offizielle Einstieg und ein ziemlich gutes Warm-Up. Nepalesische Sherpas haben die Treppe angelegt, um die Strecke sicherer zu machen und Unfälle zu vermeiden.

Nach den ersten Metern sticht auf der rechten Seite der 150 Meter hohe Felsen Svolværgita ins Auge. Übersetzt bedeutet er „Ziege von Svolvær“. Ein passender Name, denn die Felsformation ähnelt tatsächlich zwei Hörnern, die bei Kletterern hoch im Kurs stehen und deren Spitzen ohne die richtige Ausrüstung nicht erreichbar sind.

Weniger steil geht es für dich nach der Djeveltrappa auf Pfaden und über größere Felsen zu Fuß weiter. Nach einigen hundert Metern über unebenes Terrain erleichtert dir eine weitere Treppe den Aufstieg. Sie führt direkt zum Djevelenporten, einem weiteren beliebten Fotomotiv. Die Teufelspforte ist ein zwischen zwei Felsblöcken eingeklemmter Felsblock, den Waghalsige besteigen, um ihr perfektes Urlaubsfoto zu bekommen. Aufgrund eines Steinschlags blieb mir der Anblick der Pforte leider verwehrt, da ich 50 Meter vor ihr durch Warnschilder gestoppt wurde.

Ungefähr 400 Meter vom Djevelenporten entfernt liegt der Gipfel der Fløya. Er ist über den Grat und einige Pfade unterhalb des Grates erreichbar. Die finalen 15 Höhenmeter auf das kleine Plateau haben es jedoch in sich. Es handelt sich hierbei vielmehr um eine unübersichtliche Kletterpassage als einen offiziellen Weg nach oben. Hat es bei deiner Tour geregnet beziehungsweise sind die Felsen nass, rate ich dir von dem kleinen Kletterabenteuer ab.

Tipp: Weitaus einfacher und mit einem ähnlichen Blick belohnt wirst du auf dem Fløya-Westgrat. Hier tummeln sich in der Regel weitaus mehr Wanderer, weshalb ich anfangs dachte, dass dies der eigentliche Gipfel wäre.

Auf der Fløya angekommen, wurden meine Mühen mit einem unfassbar schönen 360-Grad-Panorama, das alles zu bieten hatte, belohnt: die verschiedenen Bautöne des Meeres, eine erstaunliche Schärenlandschaft, imposante Berge, malerische Bergseen und Svolvær, die vermeintliche Hauptstadt der Lofoten.

Was du sonst noch über das Wandern auf den Lofoten wissen solltest

Ich hoffe, dass ich dir mit meinen Wanderempfehlungen noch mehr Lust auf einen Besuch auf die Lofoten gemacht habe. Auch, wenn ich mich wiederhole: Die Lofoten sind ein absolutes Wanderparadies!

Wie du rauslesen konntest, sind einige der Routen äußerst anspruchsvoll, weshalb Vorsicht geboten ist. Um das Risiko zu minimieren und dir noch größeren Spaß zu bereiten, habe ich im Folgenden einige allgemeine Tipps zum Wandern auf den Lofoten für dich zusammengestellt:

  1. Bergwandern mit alpinem Charakter: Die Wanderungen sind je nach Schwierigkeitsgrad gekennzeichnet (blau= leicht, rot = mittel, schwarz = schwer). Gute Richtwerte – ich muss jedoch zugeben, dass die roten Trails in vielen Ländern höchstwahrscheinlich als schwarz eingestuft werden würden.
  2. Kurz und knackig: Die Strecken auf den Lofoten sind meist kurz und selten länger als zehn Kilometer, dafür geht es aber von Beginn an steil bergauf. Achte daher immer auf die Angabe der Höhenmeter und wirf einen Blick auf das Höhenprofil.
  3. Richtige Ausrüstung: Schroffe Felsen, rutschige Untergründe, sumpfige Wege, Matsch und Schnee erfordern eine gute Ausrüstung. Hohe Wanderschuhe mit einem entsprechenden Profil senken die Umknick- und Rutschgefahr. Eine Regenjacke mit hoher Wassersäule ist ebenfalls Pflicht. Außerdem bieten sich Trekkingstöcke an, die auf weichem Untergrund oder in steilen Passagen für zusätzlichen Halt sorgen.
  4. Outdoor-Shops aufsuchen: Ist deine Outdoor-Ausrüstung bei deiner Abreise noch nicht komplett, kannst du diese in den zahlreichen Shops nachrüsten. Die Beratung der Mitarbeiter ist mindestens genauso gut wie die Produkte selbst.
  5. Hilfreiche Apps: Bei Wanderungen greife ich seit einigen Jahren auf Maps.me zurück. Mit der App kannst du offline Routen planen und dich ohne Abweichungen führen lassen. Im Zusammenspiel mit der norwegischen Wetter-App Yr lassen sich deine Wanderungen perfekt planen.
  6. Jedermannsrecht: Auf den Lofoten ist das Wildcampen erlaubt, sofern du mindestens 150 Meter Abstand zu Wohn- oder öffentlichen Gebäuden lässt. Auch solltest du dein Zelt nicht in eingezäuntem Gelände aufstellen oder wo das Campen ausdrücklich verboten ist.
  7. Keine wilden Tiere: Angst vor gefährlichen Tieren musst du auf den Lofoten nicht haben. Wölfe und Bären gibt es nicht, dafür aber Hasen und Füchse, die deinen Weg kreuzen können.
  8. Essen und Trinken mitnehmen: Anders als in den Alpen gibt es auf den Lofoten keine Almhütten oder Gasthäuser zum Einkehren. Nimm daher bei deinen Wanderungen genug Verpflegung in Form von Wasser und Essen mit.

Anmerken muss ich zum Ende noch, dass ich bei meinen Touren oft relativ zügig unterwegs gewesen bin, sodass du für deine Tour ein wenig mehr Zeit einplanen solltest. Ach ja, einen Tipp habe ich noch: Sei geduldig, da es gut sein kann, dass es mehrere Tage in Folge wie aus Kübeln schüttet. Ich habe die oben vorgestellten Routen innerhalb von sieben Tagen gemacht, teilweise mit zwei Wanderungen an einem Tag. Auch hier gilt: Plane dir gerne mehr Zeit ein und habe einen Puffer, falls das Wetter längere Zeit nicht mitspielen sollte.

Einige der von mir vorgeschlagenen Wanderungen zählen zu den schönsten Wanderungen auf den Lofoten. Das bedeutet nicht, dass es nicht noch mehr zu entdecken gibt. Obwohl die Größe der Lofoten überschaubar ist, ist die Anzahl an Wanderungen grenzenlos. Daher wünsche ich dir viel Spaß bei deiner Entdeckungstour!

Warst du selbst schon vor Ort und hast einen Geheimtipp für mich und meine Leser? Oder hast du eine Frage zu meiner Tour? Dann hinterlasse gerne einen Kommentar. Ich freue mich auf den Austausch mit dir.

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