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Zadar in Kroatien: Kultur, Party und der schönste Sonnenuntergang der Welt

Alfred Hitchcock bezeichnete den Sonnenuntergang in Zadar einst als den schönsten der Welt. Eine Aussage, die ich trotz anfänglicher Skepsis mittlerweile bestätigen kann. Doch damit nicht genug, denn Zadar, das „Tor zu Dalmatien“, hat noch einiges mehr zu bieten, wie ich in mehr als einer Woche feststellen durfte.

Mallorca, Portugal oder die Kanaren? Gemeinsam mit drei guten Freunden beschloss ich, ein paar Tage zu entspannen, zu feiern und ganz nebenbei an neuen Projekten zu feilen. Hauptsache irgendwas mit Meer.

Doch anstatt den Atlantik unsicher zu machen, ging es für uns der Einfachheit halber nach Kroatien, da wir hier von München aus mit einem Zwischenstopp im italienischen Triest problemlos die Adriaküste entlang fahren konnten.

Dadurch wahrten wir uns eine gewisse Flexibilität beim Reisen, die nicht ganz unwichtig war, da – zugegeben – keiner unseres Quartetts einen Plan hatte, was uns in Kroatien eigentlich erwartete. Aber mal ehrlich: Sind die planlosen und spontanen Trips nicht immer die besten?

Die vielen Facetten von Zadar

Als Basis unseres Roadtrips entschieden wir uns für Zadar, wo wir uns für gut eine Woche niederließen. Von dort starteten wir verschiedene Tagestouren an die nahegelegenen Strände oder in die Berge. Natürlich machten wir auch die abwechslungsreiche Altstadt unsicher, die touristisch überraschend stark frequentiert war.

Kein Wunder bei all den Highlights, welche die – mir bis dato unbekannte Stadt an der Adria – zu bieten hat. Einige davon stelle ich dir im Folgenden etwas detaillierter vor.

Die Altstadt von Zadar – das touristische Epizentrum

Der überwiegende Teil der Altstadt, die vorgelagert auf einer Halbinsel liegt und sich dadurch von der Neustadt abtrennt, ist von einem venezianischen Baustil geprägt. Alleine diese Gegebenheit lädt dazu ein, sich ein Eis zu schnappen und ziellos durch die teilweise sehr engen Gassen zu schlendern.

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Beeindruckend sind in der Altstadt von Zadar die architektonischen Bauwerke, die in verschiedenen Epochen entstanden sind. Neben Überresten römischer Bauwerke und Stadtmauern aus dem Mittelalter findest du im Norden auch moderne Architektur. Von allem etwas dabei, denn in Zadar wird Zeitgeschichte geschrieben.

Das Forum und die St.-Donatus-Kirche

Das Forum ist mitten in der Altstadt und ist ein Platz, der aus Säulenansätzen und Mauerruinen besteht und sich zum Meer hin öffnet. Wann genau der ehemalige Hauptplatz von Zadar das Licht der Welt erblickte ist unklar. Historiker gehen davon aus, dass er zwischen 100 v. Chr. und 300 n. Chr. entstand.

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Von den antiken Tempeln, die das Forum einst zierten, ist nur noch sehr wenig zu sehen. Direkt auf dem Forum befindet sich die römisch-katholische St.-Donatus-Kirche. Die Rundkirche mit ihrem zweifachen Rundbau gilt als das Wahrzeichen der Stadt und entstand im 9. Jahrhundert.

Auf Grund der guten Akustik wird die Kirche, deren südlicher Aufbau 1930 zerstört wurde, regelmäßig für musikalische Veranstaltungen genutzt. Auch sonst kommst du, sofern du Kultur interessiert bist, in der St.-Donatus-Kirche und auf dem Forum voll auf deine Kosten.

Meeresorgel

An der langen und modernen Promenade befindet sich die Meeresorgel. Der Name ist hier Programm, denn hierbei handelt es sich um eine Orgel, die von den Wellen der Adria angetrieben wird und dumpfe Töne, die nur selten zusammenpassen, von sich gibt.

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2005 wurde das etwas ungewöhnliche Instrument vom Architekten Nikola Basic erbaut. Die Meeresorgel ist 60 Meter lang und in Stufen, die ins Meer führen, integriert. Abends versammeln sich hier zahlreiche Touristen, um von dort den atemberaubenden Sonnenuntergang zu genießen. Die 35 integrierten Pfeifen sorgen durch den von den Wellen erzeugten Luftdruck für die musikalische Unterhaltung.

Mein Tipp: Die Meeresorgel ist der Hotspot von Zadar, weshalb hier gerade in der Hauptzeit eine Menge los ist. Begebe dich daher vor der Dämmerung mit etwas zu Essen und ein paar Kaltgetränken zur Promenade. Ich bin mir sicher, du wirst ein unvergessliches Schauspiel genießen.

Gruß an die Sonne

In unmittelbarer Nähe zur Meeresorgel befindet sich der „Gruß an die Sonne“, der ein weiterer Grund für den großen Andrang auf der Promenade ist. Die Sehenswürdigkeit mit dem etwas seltsamen Namen ist eine 22 Meter große Scheibe, die mit Solarzellen ausgestattet ist.

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Tagsüber sorgt die Sonne für die nötige Energie, um die 300 verbauten Glasplatten nach Einbruch der Dunkelheit zu einem beeindruckenden Lichterspiel werden zu lassen. Ein toller Anblick, auch wenn die Scheibe nur selten frei von Menschen ist, um das perfekte Urlaubsfoto zu schießen.

Markt an der Stadtmauer

Bevor du dich ins wilde Treiben der Altstadt stürzt, solltest du zwischen 7 und 13 Uhr einen kurzen Abstecher auf den Markt direkt an der Stadtmauer, am Eingang der Altstadt, machen. Hier hast du eine große Auswahl an frischem Obst und Gemüse sowie gefälschten Fußball- und Basketballtrikots zum kleinen Preis.

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Etwas gewöhnungsbedürftig, aber nicht weniger sehenswert, ist der integrierte Fischmarkt, der sich in einer angrenzenden Markthalle befindet. Hier präsentieren die fleißigen Fischer stolz ihren Fang des Tages.

Um wieder etwas vom wilden Markttreiben runterzukommen, kannst du es dir im Anschluss in einem der urigen Cafés in den kleinen Gassen gemütlich machen. Eine Empfehlung habe ich nicht, denn dank einer sehr guten Café-Kultur ist es vollkommen egal, wo du dich niederlässt.

Die (Stadt-) Strände von Zadar

In und um Zadar darfst du dich an schönen Stadtstränden erfreuen. Schön relativiert sich jedoch dadurch, dass es sich dabei nicht um lange, einsame Sandstrände handelt, sondern vielmehr um Liegeflächen mit Kies, Wiese oder Beton als Unterfläche. Das sorgt nicht unbedingt für das gewohnte Strandfeeling.

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Am Rande der Altstadt befindet sich ein im Meer integriertes Schwimmbecken mit einem zehn Meter hohen Sprungturm. Beides sieht etwas in die Jahre gekommen aus, erfüllt jedoch seinen Zweck. Bei ruhendem Gewässer kannst du hier wunderbar deine Bahnen ziehen oder aus luftiger Höhe ein paar Salti drehen.

Etwas von der Innenstadt entfernt liegt der Strand Borik (Bild oben). Er hat mir besonders gut gefallen, da sich direkt an der Hauptstraße ein Kies- und Betonstrand entlangzieht, der in einer Liegefläche in einem kleinen Wäldchen endet, das jede Menge Schatten bietet – fernab vom pulsierenden Stadtleben. Parkplätze gibt es hier ebenfalls genug.

Zusammen mit dem Strand Borik gilt Kolovare als der beliebteste Stadtstrand Zadars. Er befindet sich im Süden der Altstadt, von wo aus du ihn nach einem 15-minütigen Fußmarsch erreichst. Der Kieselstrand wurde mit der blauen Flagge ausgezeichnet, was bedeutet, dass es hier ganz besonders sauberes und klares Wasser gibt – also: Schnorchel nicht vergessen.

Wirklich ruhige und einsame Strände wirst du in der Hauptsaison in Zadar nicht finden. Dafür gibt es einige weitere Möglichkeiten, um ins kühle Nass zu springen. Zum Beispiel direkt an der Promenade, wo du dich vor dem berüchtigten Sonnenuntergang nochmal „frisch“ machen kannst.

Ich bin mir sicher, du findest ein geeignetes Plätzchen in Zadar, um die Seele baumeln zu lassen und einfach mal abzuschalten.

Mein Tipp: Packe dir Wasserschuhe ein. Nicht nur die Kieselsteine können unangenehm sein, sondern vor allem die Seeigel, von denen es so einige entlang der Adria gibt. Ansonsten einfach die Augen aufhalten, wo du hintrittst. Hat bei mir auch geklappt.

Party, Party, Party: Feiern in Zadar

Wie bereits erwähnt, verbrachte ich mehr als eine Woche in Zadar, wo ich gemeinsam mit drei Freunden eine Wohnung direkt am Hafen mit Altstadt-Blick bezogen hatte. Dort wurden, auf dem Dach der Unterkunft sitzend, in der Regel die Pläne für die Abendgestaltung geschmiedet.

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Zadar ist eine wahre Partyhochburg und bietet jede Menge Optionen, um auch unter der Woche die Nacht zum Tag zu machen. Drei Locations haben wir während unseres Aufenthaltes mehr als einmal aufgesucht und genau diese möchte ich dir näher vorstellen:

The Garden Lounge

Direkt in der Hafenbucht von Zadar liegt The Garden Lounge, ein Garten mit verschiedenen Sitz- und auch Liegemöglichkeiten, der sich perfekt zum Entspannen nach einem anstrengenden Tag anbietet. Einheimische schlürfen ihre Cocktails zum Feierabend, während die Touristen beim Vorglühen weitere Pläne für die bevorstehende Partynacht machen.

Die Outdoor-Lounge, die von zwei Mitgliedern der Band UB40 gegründet wurde, macht einen sehr schicken Eindruck, was sich auch in den Preisen widerspiegelt. Ein Cocktail kostet hier sechs Euro oder mehr, was im Vergleich zu anderen Bars in Zadar doch sehr üppig ist.

Der tolle Hafenblick und das Ambiente rechtfertigen die gehobene Preisklasse jedoch, weshalb ich dir The Garden Lounge absolut für einen ruhigen Abend – oder eben zum Vorglühen – empfehlen kann.

Ledana

Lounge-Stimmung herrscht am frühen Abend auch im Ledana. Ein Club, der sich im 200 Jahre alten Park Perivoj Kraljice Jelene Madijevke befindet. Spät abends zeigt das Ledana allerdings sein wahres Gesicht, denn dann kommen hier alle Feierbiester, die laute Musik, viel Alkohol und wilde Tanzeinlagen bevorzugen, zusammen.

Im Außenbereich gibt es zwar noch ruhigere Sitzecken, doch tiefsinnige Gespräche bei entspannter Atmosphäre sind dann nur noch schwer möglich. Entweder du ziehst zu später Stunde mit und lässt die Sau raus oder du wirst hier nicht (mehr) allzu viel Spaß haben.

Eine große Rolle für den großen Andrang von – vornehmlich – jungen Touristen spielt nicht nur der kostenlose Eintritt. Auch die Getränkepreise sind mit vier Euro pro Cocktail relativ preiswert, weshalb dementsprechend viele Kaltgetränke über die Theke gehen und das Niveau zu später Stunde vielleicht nicht mehr das allerhöchste ist.

Svarog Bar

Unterhalb des Parks, in dem das Ledana sein zu Hause hat, befindet sich die Svarog Bar, die sowohl einen Außen- als auch Innenbereich hat. Erstgenannter wird gegen drei Uhr geschlossen, sodass sich das feierwütige Volk danach nach innen verzieht, um bis in den Morgen durchzufeiern.

Der Eintritt in der Svarog Bar ist ebenfalls kostenlos. Das Besondere ist, dass du hier erst reinkommst, sobald du 22 Jahre oder älter bist.

Preislich liegt die Svarog Bar auf einem ähnlichen Niveau wie das Ledana. Der einzige Unterschied besteht darin, dass hier – trotz DJ-Klängen – die Möglichkeit besteht, sich angemessen zu unterhalten. Zudem ist das Publikum ein paar Jährchen älter.

Mein Tipp: Ist dein Aufenthalt begrenzt oder willst du nur einen Abend feiern gehen, dann beginne in The Garden Lounge mit einem leckeren Cocktail, unterhalte dich im Ledana bis es dich auf die Tanzfläche zieht und schließe den Abend mit einem Absacker in der Svarog Bar ab. Funktioniert wunderbar.

Drei Restaurant-Tipps für Zadar

Es ist gar nicht so einfach, die kroatische Küche auf einen geringen Teil an kulinarischen Leckerbissen zu beschränken, da diese auf Grund der verschiedenen Einflüsse sehr unterschiedlich ist. Fleisch spielt bei den meisten Mahlzeiten eine große Rolle. Doch auch Fisch, herzhafte Eintöpfe und deftige Suppen kommen in Kroatien nicht zu kurz.

Dir dürfte sicherlich Cevapcici bekannt sein, vielleicht sogar Raznjici, bei denen es sich jeweils um über die Landesgrenzen hinaus bekannte Grillspezialitäten handelt. Beides gibt es in Zadar zu Genüge.

Hier ein kleiner Vorgeschmack, wo dir das Wasser ganz sicher im Mund zusammenlaufen wird:

Spanferkel im Riva-Dalmacija

Es ist nahezu unmöglich, dass dir bei einem Roadtrip durch Kroatien die vielen Drehspieße mit Spanferkeln und Lämmern nicht sofort ins Auge stechen. Davon gibt es schließlich eine ganze Menge, denn die Kroaten sind ganz verrückt nach Spanferkeln und Lammfleisch.

In Zadar gibt es mit dem Riva-Dalmacija etwas außerhalb des Zentrums ein Restaurant, das sich auf beide Gerichte spezialisiert hat. Ein Spanferkel kostet dich im Restaurant direkt an der Hauptstraße gerade einmal 55 Kuna. Die Beilagen, die sich auf jeweils 15 Kuna belaufen, musst du zwar extra bezahlen, dafür könnte das Preis-Leistungs-Verhältnis kaum besser sein.

Fischplatte im Marko Polo

Etwas versteckt auf der gegenüberliegenden Seite der Altstadt liegt in der Nähe des Yachthafens das Restaurant Marko Polo. Auch hier gibt es regelmäßig, wenn auch nicht immer, Spanferkel.

Das Ambiente des Restaurants ist sehr gemütlich und die Auswahl an Speisen vielfältig. Ich entschied mich bei meinem Aufenthalt für die Fischplatte und den Hauswein. Eine Entscheidung, die ich keinesfalls bereut habe, auch wenn die Preise im Marko Polo mit denen in Deutschland vergleichbar sind.

Pet Bunara

Einen ziemlich schicken Eindruck machte das Pet Bunara, das sich direkt in der Altstadt befindet und prädestiniert für romantische Abende zu zweit ist. Aber auch mit drei Freunden lässt es sich hier wunderbar aushalten.

Das stets gut besuchte Restaurant in der Nähe des Parks Perivoj Kraljice Jelene Madijevke ist etwas hochpreisiger, aber nicht weniger lecker. Die Speisekarte ist sehr exklusiv und beinhaltet neben Lamm, Rumpsteak und Truthahn viele weitere Köstlichkeiten. Nachhaltige und organische Speisen stehen hier ganz klar im Vordergrund. Eine üppige Weinliste darf da natürlich nicht fehlen.

Mein Tipp: Alle drei Restaurants sind bei Einheimischen und Touristen sehr beliebt, weshalb lange Wartezeiten keine Seltenheit sind. Um auf Nummer sicher zu gehen, lohnt es sich, vorab einen Tisch zu reservieren – oder eine große Portion Geduld mitzubringen.

Im Schatten der großen Brüder

Zadar ist eine aufstrebende Stadt, die noch immer im Schatten der großen Städte Zagreb, Split und Dubrovnik steht. Doch dies wird sich gewiss bald ändern, schließlich hat Zadar eine Menge Potenzial und muss sich mit den schönen Stadtstränden, einem pulsierenden Nachtleben und beeindruckenden Sehenswürdigkeiten keineswegs verstecken.

Vor allem nicht hinter dem Touri-Hotspot Dubrovnik. Ganz im Gegenteil, denn die Stadt im Norden hat mich weitaus mehr beeindruckt als Dubrovnik im Süden, das vor lauter Touristen fast aus allen Nähten platzt.

Der Andrang an Touristen ist auch in Zadar sehr groß. Doch irgendwie verleihen die Menschenmassen, die sich durch die engen Gassen schieben und Plätze – wie das Forum – mit Leben füllen, der Stadt ihren Charme. Das wilde Treiben gehört einfach dazu.

Mir jedenfalls hat der Aufenthalt in Zadar extrem gut gefallen. Großen Anteil daran hatten nicht nur meine Begleiter und das Flair der Stadt an der Adriaküste, sondern auch der fantastische Sonnenuntergang. Alfred Hitchcock hatte nicht zu viel versprochen, als er meinte, dass dieser der schönste der ganzen Welt sei.

2 Gedanken zu „Zadar in Kroatien: Kultur, Party und der schönste Sonnenuntergang der Welt“

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