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Megamarsch M├╝nchen: 100 Kilometer voller Gl├╝cksgef├╝hle und Qualen

Warum machst du bei so was mit? Eine Frage, der ich mich gegen├╝ber Freunden und Bekannten verantworten musste, nachdem ich mich f├╝r den Megamarsch M├╝nchen angemeldet hatte. Ein Event, bei dem du innerhalb von 24 Stunden 100 Kilometer marschierst. Wie es einem dabei geht und wie auch du die Tort(o)ur ├╝berstehst, verrate ich dir in diesem Beitrag.

Ich hatte das gro├če Gl├╝ck oder vielmehr den unb├Ąndigen Willen, einer der 616 (von 2.000) Finisher beim Megamarsch M├╝nchen 2018 sein zu d├╝rfen. Sportlich gesehen die wahrscheinlich h├Ąrteste Veranstaltung, an der ich bisher teilgenommen habe. Nachhaltig noch dazu, denn die Wehwehchen sind auch einige Tage danach noch zu sp├╝ren.

Schuld an meiner Teilnahme hatte ein Freund, der zu Weihnachten eine Anmeldung von seiner Frau geschenkt bekommen hatte und mich fragte, ob ich denn Zeit und Lust h├Ątte, mitzumachen. Ohne gro├č zu ├╝berlegen und zu recherchieren, um was es bei dem Megamarsch ├╝berhaupt ging, sagte ich zu.┬áKein Fehler, sondern im Nachhinein auch f├╝r mich ein gro├čes Geschenk.

Der Megamarsch M├╝nchen in Zahlen

Das Ziel der Megamarsch-Reihe ist klar definiert: 100 Kilometer in 24 Stunden! Eine Grenzerfahrung, die jeder einmal gemacht haben sollte.

Vom Ablauf her sind alle Megam├Ąrsche, die sich auf Deutschland verteilen, gleich. Lediglich die Startzeiten variieren. Beim Megamarsch M├╝nchen 2018 ging es zum Beispiel erst um 16 Uhr los. F├╝r mich anfangs eine etwas verwirrende Startzeit, allerdings gerade deshalb gut gew├Ąhlt, da du bei einer fr├╝hen Startzeit sp├Ąter in die Nacht hineinl├Ąufst, was durchaus an die Psyche gehen kann.

Bei den einzelnen M├Ąrschen gibt es insgesamt vier Verpflegungsstellen. Hier kannst du deinen Tank auff├╝llen. Nicht nur mit Wasser, sondern insbesondere mit Essen in Form von Kinderh├Ârnchen, Salamisticks, sauren Gurken, M├╝sliriegeln, ├äpfeln und Bananen. Zu sp├Ąter Stunde ist der ein oder andere Schluck Kaffee ebenfalls unumg├Ąnglich.

Die Verpflegungsstellen beim Megamarsch M├╝nchen haben mich sehr beeindruckt, da die Organisation ausgezeichnet war. Die Standorte wurden so gew├Ąhlt, dass es – je nach Location – gegen Aufpreis Pizza beim Italiener, einen Leberk├Ąsweck beim Tennisclub oder eine Gulaschsuppe im Restaurant gab.

Au├čerdem wurden zwei zus├Ątzliche Wasserstellen zum Auff├╝llen der Trinkblase organisiert. Wartezeiten gab es hier ebenso wenig wie ein Mangel an Wasser. Positiv auch, dass die PET-Flaschen nicht mitgenommen, sondern lediglich zum Umf├╝llen genutzt werden durften – der Umwelt zuliebe.

Die Gef├╝hlswelt auf 100 Kilometern in 24 Stunden

Die Gef├╝hlswelt eines Teilnehmers beim Megamarsch repr├Ąsentativ zu beschreiben ist nur schwer m├Âglich. Einen Einblick in das Innenleben w├Ąhrend der von mir 100 abgelaufenen Kilometer innerhalb der 22,5 Stunden m├Âchte ich dir dennoch geben.

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Das Wort Achterbahn ist hier sicherlich treffend, obwohl es emotional weitaus ├Âfter bergauf als bergab ging. Vor allem die regelm├Ą├čigen Lachflashs mit meinen beiden Marschpartnern und anderen Teilnehmern waren unheimlich wichtig, um zwischendurch zu vergessen, wie weit das Ziel noch entfernt war.

Au├čerdem genoss ich die Geschichten bisheriger Teilnehmer, holte mir zwischendurch hilfreiche Tipps f├╝rs Bestehen und erfreute mich manchmal in v├Âlliger Stille an der wundersch├Ânen Natur. Eine Grundzufriedenheit stellte sich somit ziemlich schnell ein.

Fast schon erholsam war die Nacht, vor der ich anfangs gro├čen Respekt hatte, da ich den Kampf gegen die M├╝digkeit f├╝rchtete. Doch die Dunkelheit hatte dank des klaren Sternenhimmels und der kilometerlangen Stirnlampenschlangen fast schon etwas Meditatives.

Obwohl ich ab zehn Kilometern bereits mit einer stets gr├Â├čer werdenden Blase an der Ferse zu k├Ąmpfen hatte, kam mein absoluter Tiefpunkt erst viel sp├Ąter. Ein erfahrener Teilnehmer erz├Ąhlte mir vor dem Start noch, dass nicht etwa bei 50 Kilometern Halbzeit sei, sondern bei 70 Kilometern.

Das bekam ich am eigenen Leib zu sp├╝ren, denn bei fast exakt dieser Marke rebellierte mein K├Ârper: Muskelschmerzen, zwei klaffende Blasen und ein K├Ârper, dem jegliche Energie fehlte – von der nicht mehr vorhandenen Motivation ganz zu schweigen.

Ähnlich erging es meinen beiden Mitstreitern, sodass wir am dritten Verpflegungspunkt überlegten, abzubrechen. Es war die einzige Verpflegungsstation, an der wir uns weder gemeinsam den Bauch vollschlugen noch überhaupt ein Wort wechselten.

Ich begab mich zwischenzeitlich gar zu den Sanit├Ątern, um meine Wunden verarzten zu lassen.┬áMit neuen Pflastern, einem Mitleid erweckenden Verband und jeder Menge Koffein, das seine Wirkung nicht verfehlte, konnte es zum Gl├╝ck weitergehen. Auch meine beiden Partner sammelten neue Energie, woran die aufgehende Sonne und das tolle Bergpanorama morgens um halb sieben nicht ganz unschuldig waren.

Bis zur 90-Kilometer-Grenze lief es ├╝berraschend gut. So meisterten wir den letzten langen Aufstieg fast problemlos und genossen im Anschluss die ganze Sch├Ânheit des Walchensees. Es wurde gewitzelt und gelacht.

Die letzten zehn Kilometer wurden jedoch nochmals zur Tortur, da mit jedem Schritt n├Ąher zum Ziel sowohl die Spannung im K├Ârper als auch die Konzentration abbaute. Die Muskel- und Gelenkschmerzen nahmen dagegen so stark zu, dass ich meine Blasen an den F├╝├čen gar nicht mehr bemerkte.

An Aufgeben war nicht zu denken und so fluchten und jammerten wir die letzten Kilometer vor uns hin, bis uns erste Einheimische vor und in Mittenwald, dem Zielort, neuen Mut zusprachen. Die Schmerzen und Qualen transformierten sich rasch in Gl├╝cksgef├╝hle. Wir realisierten, dass wir es tats├Ąchlich geschafft hatten: Alle drei im Ziel angekommen, gro├čartig!

Der Megamarsch M├╝nchen war definitiv eine Grenzerfahrung f├╝r mich. Entscheidend f├╝r das Bestehen war letztendlich die mentale St├Ąrke und der Wille, es unbedingt schaffen zu wollen. Beides wurde dadurch best├Ąrkt, dass ich regelm├Ą├čig motivierende Nachrichten von der Familie und Freunden bekam. Ohne sie (und nat├╝rlich meine beiden Mitstreiter) h├Ątte ich bei der dritten Verpflegungsstelle vielleicht tats├Ąchlich aufgegeben.

Die Packliste f├╝r den Megamarsch M├╝nchen

Nachdem ich dir nun einen kleinen Einblick in mein Gef├╝hlsleben w├Ąhrend des Megamarschs gegeben habe, m├Âchte ich dir im Folgenden auflisten, wie das Innenleben meines Rucksacks aussah.

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Hier die Packliste mit den Utensilien, die ich ├╝ber 100 Kilometer lang mit mir durch das Voralpenland von M├╝nchen nach Mittenwald schleppen durfte:

Bekleidung

Rucksack Moorhead Explorer 30 | Daunenjacke | Trekkinghose | Kapuzenpullover | Thermoshirt | Ersatzshirt | kurze Laufsocken | Wandersocken aus Merinowolle | Wollm├╝tze | Basecap | Halstuch | evtl. Ersatzschuhe

Technische Helferlein

Powerbank mit Ladekabel | Laufuhr | Smartphone | Stirnlampe | Kopfh├Ârer

Reiseapotheke

Mineralien und Vitamine | Hirschtalg | Tiger Balm | Vaseline | Schmerzmittel | Blasenpflaster | Erste-Hilfe-Set | Taschent├╝cher

Sonstiges

kleine Blackroll | Lauf- bzw. Wanderst├Âcke | Taschenmesser | Sonnenbrille | Trinkblase | S├╝├čigkeiten | Geldbeutel mit Bargeld | Anmeldung f├╝r den Megamarsch

Meine Checkliste mag dir riesig vorkommen. Das ist sie auch, allerdings h├Ątte ich auf keines der oben aufgelisteten Produkte w├Ąhrend der 100 Kilometer verzichten wollen. Wenn du im Team l├Ąufst, dann solltet ihr euch absprechen, wer was mitbringt, um die pers├Ânliche Packliste etwas zu minimieren.

Mache doch einfach zwei bis drei Testl├Ąufe vor dem Megamarsch. Danach wei├čt du, auf was du keineswegs verzichten und was du getrost zu Hause lassen kannst.

10 Tipps mit denen du die 100 Kilometer meisterst

1. Tipp: Absolviere zwei bis drei l├Ąngere Trainingsm├Ąrsche, um das Material und deine Fitness zu testen. Sei dir bewusst, dass du deine Beine bei einem Marsch anders belastest als beim Joggen.

2. Tipp: Mache dir nach jedem Trainingsmarsch Notizen, wo es gezwickt hat, welches Material ausbauf├Ąhig ist und was reibungslos lief.

3. Tipp: Stelle dir vor dem Lauf mehrere Male vor, wie du nach 100 Kilometern durch das Ziel l├Ąufst. Imagination hei├čt hier das Zauberwort und kann mental wahre Wunder bewirken.

4. Tipp: Verwende eingelaufene Wander- oder Laufschuhe. Gleiches gilt f├╝r deine Laufsocken, die du am besten nicht frisch aus dem Kleiderschrank holst, sondern zuvor schon mal am Fu├č hattest.

5. Tipp: G├Ânne dir vor dem Megamarsch gen├╝gend Schlaf und schlage dir den Bauch voll, um deinen Energiehaushalt aufzuf├╝llen. Alkohol solltest du dabei auf alle F├Ąlle meiden.

6. Tipp: Hole deine Startunterlagen f├╝r den Megamarsch einige Tage vor dem Veranstaltungstag beim jeweiligen Partner ab. Dadurch sparst du kostbare Zeit.

7. Tipp: Laufe im Team, um nicht so viel mitschleppen zu m├╝ssen und um dich und dein Team gegenseitig zu motivieren und mitzuziehen.

8. Tipp: Nutze die Verpflegungsstellen, um sowohl deine Trinkblase als auch deinen Energiehaushalt aufzuf├╝llen. Generell solltest du auch dann essen, wenn du keinen Hunger hast, schlie├člich wirst du auf den 100 Kilometern circa 6.000 Kalorien verbrennen.

9. Tipp: Organisiere dir pers├Ânliche Motivationsboosts, zum Beispiel durch eine Playlist mit deiner Lieblingsmusik, die dich aus einem Tief zieht. Oder setze dich unter Druck, indem du einen ├ťberweisungstr├Ąger mit dem verhassten Sportverein mit dir tr├Ągst, an den du eine bestimmte Summe ├╝berweisen musst, sofern du einen Meilenstein nicht erreichst. Glaube mir, das funktioniert.

10. Tipp: Plane die An- und Abreise zum Megamarsch M├╝nchen im Voraus, denn vor allem nach dem Lauf wirst du garantiert keine Lust und Kraft mehr haben, um eine geeignete Bleibe zu finden oder lange zu reisen.

Darum solltest du einen Megamarsch laufen

Keine Frage, der Megamarsch M├╝nchen war f├╝r mich eine absolute Grenzerfahrung. Ein st├Ąndiges Hin und Her zwischen Gl├╝cksgef├╝hlen und qualvollen Schritten. Bereut habe ich die Teilnahme keineswegs, denn der Anblick der Medaille zaubert mir jedes Mal ein gro├čes L├Ącheln ins Gesicht und macht mich auch ein wenig stolz.

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Der Megamarsch ist die ideale M├Âglichkeit, um herauszufinden, zu was du eigentlich im Stande bist. Du musst nicht gleich die 100 Kilometer anvisieren. Auch 40, 60 oder 80 Kilometer sind eine gro├če Herausforderung, weshalb ich meinen Hut vor jedem Teilnehmer ziehe, der eines dieser Ziele erreicht hat.

Es sind nicht nur die Gl├╝cksgef├╝hle, die dich beim Zieleinlauf ├╝berw├Ąltigen. Es ist auch der Austausch mit anderen Teilnehmern und die gute Laune im Teilnehmerfeld, die den Megamarsch zu etwas Besonderem machen. Nicht zu vergessen die tollen Landschaften, die mich beim Megamarsch M├╝nchen schwer beeindruckt haben.

Du wirst einige Tiefs innerhalb der 24 Stunden haben, doch aus jedem einzelnen rauszukommen, macht dich nur noch st├Ąrker. Es ist der Kopf, der entscheidet und nicht unbedingt die Fitness. Also lass dich auf die Herausforderung(en) ein.

In dem Moment, in dem ich diese Zeilen schreibe und dich versuche zur Teilnahme zu motivieren, denke ich ├╝brigens nicht ├╝ber eine Wiederholung nach. Die Luft ist vorerst raus, aber ich bin mir sicher, dass es nicht allzu lange dauern wird, bis ich das n├Ąchste Mal an meine Grenzen gehe. Ich bef├╝rchte, dass Veranstaltungen wie der Megamarsch gro├čes Suchtpotenzial haben.

Wie sieht┬┤s bei dir aus? Warst du selbst einer der Megamarsch-Teilnehmer? Dann verrate mir, welche Erfahrungen du gesammelt hast. Oder hast du irgendwelche Fragen an mich? Dann hinterlasse gerne einen Kommentar.

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5 Gedanken zu „Megamarsch M├╝nchen: 100 Kilometer voller Gl├╝cksgef├╝hle und Qualen“

  1. Super Erfahrungsbericht. Kann ich nur alles best├Ątitgen. Pers├Ânlich w├╝rde ich die Liste um Laufst├Âcke erweitern. Meine haben mir, gerade beim Auf- und Ablaufen, teilweise sehr geholfen:)

    1. Hey Michael!
      Danke f├╝r die Blumen. Laufst├Âcke sind eine super Idee. Die werde ich gleich mal hinzuf├╝gen. ­čĹŹ Notfalls gibt┬┤s ja auch dein ein oder anderen Wanderstock am Waldrand.
      Gru├č und bis zum n├Ąchsten Mal.

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