Von Mérida zu den Flamingos in Célestun – so geht individuelles Reisen in Yucatàn

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Gastbeitrag von Corinna Hiss

Busse, die auf einen Schlag Massen von Touristen ausspucken, vermeintlich authentische Erlebnisse versprechen und einen Haufen Geld kosten, sind nicht meins. Im folgenden Beitrag verrate ich, wieso sich ein Besuch in Mérida unbedingt lohnt und wie eine Tagestour nach Célestun auf eigene Faust tatsächlich ein unvergesslicher Ausflug wird.

Cancun, Playa del Carmen, Tulum – Pauschalreisende und Individualtouristen gleichermaßen lieben die Riviera Maya, den Küstenabschnitt Mexikos auf der Halbinsel Yucatàn, in dem das Meer türkisblau schimmert, die Palmen sich im sanften Wind wiegen und die Karibik zum Greifen nah scheint.

Mexiko hat auf der Bucketlist vieler Reisender mittlerweile einen Platz ganz oben erreicht, was man an der Riviera Maya besonders spürt. Umso mehr rate ich dazu, tiefer ins Landesinnere der Halbinsel zu dringen, genauer gesagt nach Mérida.

Das hat die Kolonialstadt Mérida zu bieten

Die pulsierende Kolonialstadt liegt im Westen des Bundesstaats Yucatàn und daher etwas abseits der klassischen Urlauberrouten. Außerdem ist sie so groß, dass Touristen im Pulk der Einheimischen untergehen.

Mérida ist am einfachsten mit einem ADO Bus zu erreichen. Es gibt mehrmals am Tag Direktverbindungen von Cancun über Valladolid. Ein Promoticket von Valladolid nach Mérida im Erste-Klasse-Bus hat mich 145 Pesos, umgerechnet rund sieben Euro, gekostet. Der ADO Bahnhof liegt so nah an der Altstadt, dass man sogar mit Gepäck laufen kann.

Gleich bei der Ankunft merke ich, dass die Stadt groß ist: Auf den engen Gassen tummeln sich Geschäftsleute, Einheimische hetzen von Laden zu Laden, lokale Busse fahren im Minutentakt und an beinahe jeder Straßenecke duftet es nach Essen. Das Gewusel ist ebenso faszinierend wie die wunderschöne Altstadt selbst mit ihren bunten Fassaden und Straßen aus Kopfsteinpflaster.

In dieses Bild fügen sich die Pferdekutschen als nostalgisches Fortbewegungsmittel für Touristen zwar gut ein, ich persönlich rate jedoch zum Schutz der Tiere von diesem Erlebnis ab.

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Pferdekutschen dienen nach wie vor als Fortbewegungsmittel für Touristen

Herzstück Méridas ist der Plaza Grande, der von der Kathedrale auf der einen Seite und dem Rathaus (Palacio Municipal) auf der anderen Seite umsäumt wird. Dort findest du auch das Wort „Merida“ in großen Lettern geschrieben, was ein beliebtes Fotomotiv ist.

Das Kolonialzentrum zieht sich bis zum Parque de Santa Ana. Die Strecke dorthin gehst du am besten zu Fuß, um alle Eindrücke aufsaugen zu können. Zum Verweilen eignet sich auf dem Weg der schöne Parque de Santa Lucia mit übergroßen Sitzgelegenheiten.

Völlig anders als die enge Altstadt ist die Prachtstraße Paseo de Montejo. Dort reihen sich Monumente an riesige historische Gebäude. Wenn du schon so weit gelaufen bist, solltest du noch das Monumento à la Patria mitnehmen. Von dort kannst du dir bequem mit öffentlichem Wifi, das es auf dem Paseo überall gibt, ein günstiges Uber zurück nehmen.

Wer es irgendwie einrichten kann, der sollte Mérida an einem Montag besuchen. Denn dann wird immer vor dem Rathaus die Vaqueria Yucateca gefeiert. Was das ist? Eine kunterbunte Tanzveranstaltung voller Tradition und Lebensfreude!

Die Vaqueria startet immer um 21 Uhr. Du solltest rechtzeitig da sein, um noch einen guten Platz zu ergattern, denn das Spektakel lassen sich auch Einheimische ungern entgehen. Mehrere Paare tanzen gut eine Stunde in traditioneller Kleidung, während eine Liveband den Ton angibt. Für mich war dieser Abend eines der Highlights meiner Mexikoreise, da der Tanz nicht für Touristen veranstaltet, sondern hierbei die eigene Kultur hochgehalten und gefeiert wird.

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Die Vaqueria Yucateca lockt jeden Montag viele Zuschauer zum Rathaus.

Du siehst, schon allein in Mérida selbst gibt es viel zu sehen und zu erleben. Für einen Ausflug ans Meer solltest du dir aber dennoch Zeit nehmen. Mit Meer ist hier nicht die Riviera Maya gemeint, sondern die Westküste Yucatàns.

Das Fischerdorf Célestun an der Westküste Yucatàns

Dort liegt Célestun, ein verschlafenes Fischerdorf. Weder das Wasser noch der Strand selbst ist dort besonders, aber deswegen kommt man auch nicht hierher. Vielmehr locken die Flamingo-Kolonien, die in der vorgelagerten Lagune zu Hause sind.

In Mérida werben viele Agenturen mit Tagesausflügen zu den Flamingos. Das Geld kannst du dir aber getrost sparen. Du bekommst sogar noch ein einmaliges Mexikoerlebnis obendrauf dazu, wenn du dich auf eigene Faust auf den Weg machst.

Die knapp 100 Kilometer nach Célestun fährt mehrmals am Tag ein Colektivo. In dem Minivan finden bis zu 15 Personen Platz. Die einfache Fahrt kostet gerade mal 45 Pesos (2,20 Euro). Jedoch gilt es für mich zunächst, zwei Antworten zu finden: Wo und wann fährt der Minivan überhaupt ab? Kein einfaches Unterfangen, da jeder, den ich frage, etwas anderes sagt.

Jetzt weiß ich: Der Colektivo steht nahe des Busbahnhofs Noreste in der Calle 52 unscheinbar unter einem dreckigen Carport.

Als ich das Gefährt mit der Aufschrift „Célestun“ sehe, bin ich mir nicht sicher, ob ich einsteigen soll: Ein Rückspiegel fehlt, die Sitze sind dreckig, Klimaanlage ist nicht vorhanden. Englisch kann natürlich auch keiner, aber mit Händen und Füßen verständige ich mich irgendwie.

Nach und nach kommen weitere Einheimische dazu, die sich einen Platz sichern, weshalb ich meine Bedenken über Bord werfe. Wann genau der Bus immer fährt, kann ich nach wie vor nicht sagen, da sogar der per Hand geschriebene Fahrplan an der Wand nicht eingehalten wird. Mein Bus fährt gegen 10.30 Uhr ab, wahrscheinlich einfach immer dann, wenn das Auto voll ist. Ich meine aber verstanden zu haben, dass dies die erste Fahrt am Tag ist.

Um aus Mérida herauszukommen, dauert es im dichten Verkehr knapp 30 Minuten. Aus dem CD-Player schallt mexikanischer Pop, ein Passagier hat einen Katzenkäfig auf dem Schoß, eine Mutter stillt seelenruhig ihr Baby. Immer wieder hält der Van am Wegesrand, Einheimische steigen ein oder aus, kleine Dörfer werden passiert, bis wir nach rund eineinhalb Stunden in Célestun angelangt sind.

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Célestun selbst ist ein verschlafenes Fischerdorf.

Auf dem Dorfplatz werde ich sofort von einem Fischer angesprochen, ob ich eine Tour zu den Flamingos wünsche. Der Preis ist immer derselbe: 2.400 Pesos für ein Boot, in das acht Personen reinpassen. Mit ein wenig Glück und keiner Scheu, fremde Leute anzusprechen, sind schnell acht Interessenten gefunden.

Die Touren starten entweder am Meer oder an der Lagune direkt hinter der Brücke auf dem Weg nach Célestun. Ich empfehle als Startpunkt das Meer, weil man von dort mit dem Boot länger bis zur Lagune fährt.

Die Hauptsaison für Flamingos beginnt im Dezember. Dann sind mehr als 10.000 der Tiere in der Lagune, erzählt der Fischer. Aber auch außerhalb der Saison lohnt sich der Ausflug – schon allein, weil es Spaß macht, über die Wellen zu brettern oder die Mangrovenwälder zu erkunden, die stark an die Everglades in Florida erinnern.

Zurück im Dorf ist es ratsam, sich für eine Stärkung am Hauptplatz aufzuhalten. Irgendwann kommt wieder der Colektivo angedüst – auch hier gibt es keine festen Zeiten – und man kann einsteigen.

Wer mehr Sicherheit wünscht: Ein Reisebus des Unternehmens Oriente fährt für 60 Pesos pro Person am Nachmittag zu jeder vollen Stunde ab, braucht aber insgesamt länger. Ich bevorzuge wieder den Colektivo und mache es am Ende wie die Einheimischen. So lässt mich der freundliche Fahrer praktisch vor dem Hotel raus.

Mein Fazit: Ein kleiner Unsicherheitsfaktor mit den Abfahrtszeiten bleibt bestehen, aber ansonsten lässt sich ein Ausflug nach Célestun leicht selbst organisieren und bietet einen schönen Kontrast zum Großstadtgetümmel.

Weitere Mérida-Tipps

  • Übernachtet habe ich im Hotel Kuka y Naranjo direkt am Parque San Juan (bei Booking.com buchen). Die Unterkunft in einem historischen Gebäude ist liebevoll eingerichtet und die Zimmer befinden sich in einem Innenhof – es ist also sehr ruhig nachts trotz der zentralen Lage.
  • Den Abend ausklingen lassen kannst du in der Bar La Negrita Cantina, wo phantastische Mojitos gemixt werden und Livemusik für Stimmung sorgt.
  • Probieren solltest du einen Marquesita, der fast überall verkauft wird, übrigens nicht nur in Mérida, sondern in ganz Yucatàn. Es handelt sich hierbei um eine knusprige Waffel, die wie ein Crêpe gerollt wird. Die Mexikaner essen die Marquesita gerne mit Nutella und geriebenem Käse.

Über die Autorin Corinna Hiss

corinna-hissHallo, ich bin Corinna, schön, dass du meinen Gastbeitrag gelesen hast! Ich habe Publizistik studiert und war einige Jahre als Reiseredakteurin unterwegs. Aktuell arbeite ich im Bereich Öffentlichkeitsarbeit. Drei Wochen lang war ich in Mexiko unterwegs und teile hier gerne meine Erfahrungen. Auf Instagram kannst du mir unter @hi.rinni folgen.

Bilder: Corinna Hiss

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