“Do Travel Writers Go to Hell?” von Thomas Kohnstamm

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Der Titel des Buches macht nicht nur neugierig, sondern auch unheimlich viel Lust darauf, “Do Travel Writers Go to Hell?” an einem Stück durchzulesen. Ob es sich tatsächlich lohnt, die kritischen Zeilen über das Leben als Teilzeit-Reisebuchautor bei Lonely Planet zu lesen, erfährst du im heutigen Blogbeitrag, denn ich habe das Buch etwas genauer unter die Lupe genommen.

Spätestens seit meinem ersten Aufenthalt in Thailand im Jahr 2007 bin ich kein allzu großer Lonely Planet-Fan. Das liegt nicht etwa daran, dass mir die Inhalte nicht gefallen. Ganz im Gegenteil, denn die Bücher bieten einen großen Mehrwert. Allerdings scheint dank der dicken Wälzer nahezu jeder Backpacker die gleiche Route einzuschlagen, was Rucksacktouren alles andere als abenteuerlich und einzigartig wirken lassen.

Das Buch mit dem überaus langen Titel “Do Travel Writers Go to Hell? – A Swashbucking Tale of High Adventures, Questionable Ethics & Professional Hedonism” landete auf meinem Nachttisch, da mir durch den Autor Thomas Kohnstamm einerseits ein Blick hinter die Kulissen von Lonely Planet gewährt wurde. Andererseits war ich nach meiner letztjährigen Rucksacktour durch Brasilien auf der Suche nach einem lustigen Buch mit Reisestories aus und über Brasilien, weshalb ich um das 276 Seiten fassende Buch nicht herumkam.

Drogen, Sex, und das harte Leben als Autor für Lonely Planet

Im Buch erzählt Thomas Kohnstamm von seiner Arbeit als erfolgreicher Angestellter bei einem Unternehmen an der Wall Street. Irgendwann merkt er, dass er keinen Bock mehr darauf hat, die Aufgaben für andere zu erledigen und sein eigenes Leben nicht wirklich beeinflussen zu können. Auch in Sachen Liebe läuft es alles andere als gut, weshalb Kohnstamm das Angebot annimmt als Autor für Lonely Planet durch Brasilien zu reisen, um die Inhalte des beliebten Reiseführers auf dem aktuellesten Stand zu halten.

Als Reisebuchautor wird ihm bereits nach wenigen Tagen deutlich, dass das Recherchieren und Schreiben über Brasilien alles andere als ein Traumjob ist. So muss sich Kohnstamm während seines Trips zu den im Vorhinein definierten Zielen nicht nur mit einem schrumpfenden Bankkonto, zahlreichen Hangovern sowie Sex- und Drogengeschichten rumschlagen. Ihm wird auch klar, dass der gespickte Zeitplan zur Recherche und die Frist zur Abgabe seiner Ergebnisse nur schwer einzuhalten sind.

Die mehr oder weniger seriösen Recherchen Kohnstamms wandeln sich daher von Zeit zu Zeit in oberflächliche Besuche in Absteigen, die er auf Grund seiner Tätigkeit für den renommierten Verlag aus Australien teils kostenlos nutzen darf. In “Do Travel Writers Go to Hell?” erzählt er von den fragwürdigen Arbeitsweisen seiner Autorenkollegen bis hin zur Korruption. An Lonely Planet lässt er dabei kein gutes Haar.

Lustig, interessant und (vielleicht) etwas übertrieben

Besonders gut an dem Buch gefällt mir, dass Reisebuchautor alles andere als ein Traumjob ist, was nicht zuletzt am enggestrickten Zeitplan für die Recherchen und dem geringen Salär liegt. Kohnstamm möchte in seinem Buch das wahre Gesicht eines Reiseführergigantes aufzeigen, bei dem die Autoren ihren Aufgaben scheinbar nicht immer gewissenhaft nachgehen und sich durch Goodies der Hostel- und Guesthouse-Besitzer durchaus in ihrer Meinung beeinflussen lassen.

Ebenfalls positiv am Buch finde ich die Ereignisse, die der Autor während seiner Reise durch Brasilien erlebt. Diese spiegeln sich nicht nur in Alkohol- und Drogenexzessen wider, sondern drehen sich auch um Frauen und Sex bis hin zum finanziellen Ruin. Nicht nur diese kleinen Geschichten brachten mich das ein oder andere Mal zum Schmunzeln, sondern vor allem auch der amüsante Schreibstil des gebürtigen US-Amerikaners.

Doch es gibt auch einige Punkte im Buch, die mir etwas übel aufgestoßen sind. Beim Lesen hat es durchaus den Anschein, dass sich Thomas Kohnstamm für irgendetwas an Lonely Planet rächen möchte, da der Reiseführer, wie schon erwähnt, nicht allzu gut davon kommt. Oder war der Teilzeit-Autor einfach nur miserabel auf seinen Trip vorbereitet und wusste nicht, was ihm in Brasilien blühen würde beziehungsweise wie so ein Rechercheauftrag in der Praxis abläuft?

Neben der Übertriebenheit gibt es im Buch keinerlei Anzeichen einer Moral. Was will Kohnstamm seinem Leser mit auf den Weg geben? Gar nichts, oder einfach nur, dass Lonely Planet Sch**** ist? Das Ende ist generell leider etwas flach und schmälert die Qualität der vorherigen Seiten doch sehr.

Guter Zeitvertreib, aber nicht mehr

“Do Travel Writers Go to Hell?” ist ein Buch, dass teilweise sehr amüsant und kurzweilig ist. Es liest sich relativ gut und ist vor allem auf Reisen ein sehr guter Zeitvertreib, mehr aber auch nicht. Darüber, ob an den Aussagen Kohnstamms gegenüber Lonely Planet etwas dran ist, soll jeder für sich selbst entscheiden.

Zum Nachdenken regt die Lektüre auf alle Fälle an. Wenn du dich selbst davon überzeugen möchtest, dann kaufe dir das Taschenbuch. Oder hast du das Buch bereits gelesen? Dann würde ich mich über einen kurzen Kommentar freuen, ob es dir gefallen hat oder nicht.

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