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Typisch Estland: 20 kuriose Fakten aus dem Baltikum

Exakt drei Wochen bin ich nun schon in Estland. Eine Zeit, in der ich einige Kuriositäten des Landes und der Esten hautnah miterleben durfte. Zwanzig ganz besonders beeindruckende und lustige Fakten über Estland möchte ich dir näher vorstellen, damit du weißt, auf was du dich bei einem Besuch im Baltikum einlässt. 

Was ist typisch für Estland? Ich gebe zu, dass ich mit dieser Frage vor meiner Ankunft in Estland durchaus meine Schwierigkeiten hatte. Ok, mir war bewusst, dass die Sprache extrem schwer zu erlernen ist, das Land digital zu den fortschrittlichsten Europas zählt und die Esten etwas zurückhaltend sind. Aber mehr wusste ich bis dato nicht. 

Typisch estnisch – das läuft im hohen Norden anders

In drei Wochen, die ich nun schon in Tallinn – mit einem kurzen Zwischenstopp in Tartu – verbringe, habe ich mir einen ganz guten Überblick verschafft. Ich weiß nun (zumindest halbwegs) wie die Esten ticken und was am Land an der Ostsee so besonders ist. Daher habe ich mir während meines Aufenthaltes ein paar Notizen gemacht und zwanzig Fakten über Land und Leute für dich aufgeschrieben – und zwar: 

#1: Esten sind sehr sprachbegabt

Das Englisch-Niveau ist sehr hoch. Man munkelt sogar, dass die Esten zu den Europäern mit den besten Englischkenntnissen gehören. Ansonsten gibt es aber auch viele Einheimische, die Russisch, Finnisch oder sogar Deutsch sprechen. Ein Großteil spricht mindestens eine Fremdsprache.

Aber auch die estnische Sprache selbst hat es in sich. Es handelt sich dabei um eine flektierend-agglutinierende Sprache mit 14 Fällen und 9 Vokalen. Das Erlernen nimmt fast schon mathematische Formen an und ist alles andere als ein Kinderspiel. 

#2: Man sieht den Wald vor lauter Bäumen nicht

Gut die Hälfte der Fläche von Estland besteht aus Wald. Vor allem Kiefern, Fichten, Birken und Espen verbreiten sich über das ganze Land hinweg und bieten die ideale Umgebung für Wildtiere. Daher gibt es in Estland selbst noch ungefähr 700 Braunbären sowie Luchse und Wölfe. 

#3: Mehr als 2.000 Inseln

Etwas überrascht hat es mich, als ich gelesen habe, dass Estland mehr als 2.000 Inseln hat. Ein wahres Badeparadies mit Traumstränden also, zumindest sofern das Wetter mitspielt – und das ist oft nur was für Hartgesottene. 

#4: Achtsame Autofahrer

Bezeichnen sich die Nachbarn aus Lettland selbst als grauenhafte Autofahrer, so kam es mir während meiner Zeit in Tallinn so vor, als wären die Esten besonders aufmerksam und ruhig auf den Straßen unterwegs. Beim Zebrastreifen wird tatsächlich angehalten und gehupt wird nur sehr selten.  

#5: Das kleinste Land im Baltikum

Estland ist verglichen mit Lettland und Litauen zwar der kleinste der drei baltischen Staaten, dennoch muss sich Estland vor Ländern wie der Schweiz, den Niederlanden und Belgien keineswegs verstecken. Denn rein auf die Fläche betrachtet steckt es diese drei Staaten locker in die Tasche. 

#6: Viel Fläche für wenig Esten

Dass Estland flächenmäßig zwar größer als die eben genannten Länder ist, aber mit 1,3 Millionen Einwohnern nicht ganz an München herankommt, macht deutlich, wieviel ungenutzte Fläche es in Estland gibt. Es ist also mehr als genug Platz für alle da. 

#7: Nicht wirklich religiös

Auf Grund der großen Anzahl an Kirchen im Land hat es mich schon ein wenig verwundert, dass Estland eines der am wenigsten religiösen Länder ist – und zwar weltweit. Wenn du dich also in eine Estin oder einen Esten verliebst ist die Wahrscheinlichkeit sehr gering, dass du sonntags in die Kirche gehen musst. 

#8: Internet ist ein Grundrecht

Die Netzabdeckung in Estland ist nahezu makellos, sodass jeder Este, egal wo er sich aufhält, problemlos im Internet surfen kann. Der Grund: Internet ist ein Grundrecht der Esten.  

#9: Estland ist das digitalste Land Europas

Nicht nur auf Grund des flächendeckenden Internets sind die Esten – aus digitaler Sicht betrachtet – ganz vorne angesiedelt. Auch die Bürokratie mit Ämtern, offizielle Wahlen, Fahrscheine und das Bezahlen in Geschäften und Restaurants findet in der Regel digital statt.

Da verblüfft es kaum, dass mit der „e-Residency“ seit einigen Jahren auch digitale Staatsbürgerschaften für digitale Nomaden und Unternehmer ohne festen Wohnsitz möglich sind. Ach ja, wusstest du, dass die Internetriesen Skype und TransferWise ebenfalls in Estland gegründet wurden?

#10: Zurückhaltung ist Trumpf

Esten gelten allgemein als reserviert, etwas zurückhaltend und können auch schon mal grimmig schauen. Trotzdem sind sie sehr angenehme Zeitgenossen. Für mich also wenig Neues, da ich als Unterfranke mit den genannten Eigenschaften bestens vertraut bin.  

#11: Ohne Sauna geht´s einfach nicht

Zwar gilt das benachbarte Finnland als Saunanation Nummer eins, allerdings liegen die Esten nicht weit von einem Spitzenplatz in dieser Kategorie entfernt. So gehört eine Sauna nicht nur beim Hausbau standesgemäß dazu, in einer Bar in Tallinn gab es ab einem bestimmten Mindestverzehr sogar eine Saunabesuch obendrauf. 

#12: Verwirrende Toilettensymbole

Immer wieder lustig ist der erste Toilettengang im Ausland, denn von Land zu Land werden unterschiedliche Symbole für männliche und weibliche Toiletten verwendet. So auch in Estland, wo ein nach unten gerichtetes Dreieck die männlichen Toiletten kennzeichnet, ein nach oben gerichtetes Dreieck die weiblichen. 

Kleiner Tipp: Stell dir einfach vor, dass die Frauen einen Rock anhaben, den das Dreieck widerspiegelt. Dadurch gibt´s garantiert keine Missverständnisse. 

#13: Ganz weit oben in den Volkslieder-Charts

Die Esten sind sehr musikalisch. Das wirst du nicht nur bei einem Gang durch Tallinns Altstadt feststellen, sondern auch – falls du die Möglichkeit hast – bei einem Besuch auf dem Sänger- und Tanzfest in Estlands Hauptstadt. Hier triffst du auf mehr als 200.000 Teilnehmer und Besucher. 

Außerdem wurden in Estland bisher mehr als 130.000 Volkslieder geschrieben und aufgenommen. Damit verfügen die Esten über eine der weltweit größten Ansammlungen an eigenem Liedgut. Estland ist somit völlig zurecht das „Land der Lieder“. 

#14: Kohuke – Segen oder Sünde?

Es gibt da eine Süßigkeit in Estland, die süchtig macht. Ihr Name: Kohuke. Dabei handelt es sich um einen Quark-Snack, der im Inneren aromatisierten, zusammengepressten Quark enthält und mit einer Glasur Schokolade überzogen wird. 

Du erhältst die Kohuke in verschiedenen Geschmacksrichtungen in den Kühlregalen gängiger Supermärkte. Es gibt sogar Workshops, in denen du deine eigenen Kohuke herstellen kannst.

Vielleicht ist so ein Workshop nicht die allerbeste Idee, denn die kleinen Schoko-Quark-Riegel machen süchtig. Daher stürmte ich unmittelbar nach dem Schreiben dieses Absatzes in einen Supermarkt, um unverzüglich zwei Kohuke zu vertilgen. 

#15: Ein Überschuss an Frauen

Warum es so ist, weiß ich nicht, aber Estland gehört weltweit zu den zehn Ländern mit dem größten Frauenüberschuss. Laut Wikipedia kommen auf 100 Frauen ungefähr 87 Männer. Ebenfalls ganz oben mit dabei sind die beiden anderen baltischen Staaten Lettland und Litauen.

#16: Auf Kihnu haben die Frauen das Sagen

Kihnu ist eine Insel in der Bucht von Riga, die von Frauen regiert wird. Nicht etwa, weil es dort keine Männer gibt, sondern weil diese die meiste Zeit auf hoher See mit dem Fischfang beschäftigt sind und daher zurecht die Frauen das Sagen haben. Bekannt ist die bei Touristen beliebte Insel übrigens für Handarbeit und Trachten – und sofern die Männer frische Beute mitbringen natürlich auch für frisch geräucherten Fisch. 

#17: Esten sind gerne Skandinavier

Selbstverständlich zählt Estland nicht zu Skandinavien. Geht es jedoch nach den Esten, so fühlen sich diese eher als Skandinavier und weniger als Balten. Vielleicht sind die Esten aber auch nur genervt davon, ständig mit den Letten und Litauern unter einen Hut gesteckt werden, obwohl alle drei Länder grundverschieden sind. 

#18: Schaukeln ist in Estland ein Extremsport

Eine besonders beliebte Sportart bei den Esten ist Kiiking. Dabei handelt es sich um Schaukeln, bei dem Überschläge das große Ziel sind. 1993 wurde die erste Kiiking-Schaukel gebaut, sodass es mittlerweile über das ganze Land hinweg verschiedene Wettbewerbe gibt. Es gewinnt derjenige, der beim größten Radius einen Überschlag mit den wenigsten Schwüngen schafft.

#19: Die Bedeutung der Flagge

Die blau-schwarz-weiße Flagge der Esten wurde einst von den Studenten übernommen und gilt als das Freiheitssymbol schlechthin. Blau steht laut einer Beschreibung des Nationalmuseums in Tartu für den Himmel oder das Meer, welches in schweren Zeiten als Fluchtweg diente. Schwarz spiegelt das Leiden und die Tapferkeit der Esten wider, während weiß für die Hoffnung auf eine bessere Zukunft steht. 

#20: Esten atmen die sauberste Luft

Ich weiß nicht mehr, wo ich es aufgeschnappt habe, aber scheinbar zählt Estland zu den Ländern mit den besten Luftverhältnissen. Eigentlich kein Wunder bei der Lage direkt am Meer, dem großen Waldbestand und den für die riesige Fläche verhältnismäßig wenigen Einwohnern. 

Fakten über Estland: Fehlt noch was?

Mir ist bewusst, dass drei Wochen zu wenig sind, um alle Kuriositäten der Esten kennenzulernen. Natürlich ist dieser Beitrag rein subjektiv betrachtet. Dass ich ihn überhaupt geschrieben habe, soll aufzeigen, dass mich Land und Leute trotz dieser kurzen Zeitspanne sehr beeindruckt haben. 

Mir ist auch klar, dass es zahlreiche Punkte gibt, die ich noch nicht über das Land und die Einheimischen weiß. Und genau aus diesem Grund frage ich dich: Warst du bereits in Estland oder bist du vielleicht sogar Este und hast einen Fakt, den ich unbedingt noch in meine Liste aufnehmen muss? Dann hinterlasse gerne einen Kommentar. Ich bin gespannt. 

11 Gedanken zu „Typisch Estland: 20 kuriose Fakten aus dem Baltikum“

  1. Hallo ein sehr schöner und interessanter Beitrag. Ich lebe seit zwei Jahren in Estland in Pärnu und lebe Tür an Tür mit estnischen Nachbarn. Ich fahre fast das ganze Jahr durch das Land, weil ich mich sehr für die Estnischen Tori Pferde interessiere.

    1. Hallo Peter-Michael,

      freut mich, dass dir der Artikel gefällt. Noch besser, dass du selbst seit zwei Jahren in Estland wohnst. Nach Pärnu selbst habe ich es bisher leider noch nicht geschafft, aber es steht noch ganz oben auf der Liste.

      Viele Grüße, Daniel.

    1. Hallo Vilija,

      dank dir vielmals für die Info. Die Zahlen, die ich in meinem Beitrag verwendet habe, entstammen der Website von visitestonia.com. Daher bin ich davon ausgegangen, dass diese richtig sind. Wenn du aber andere Quellen hast, dann gib mir gerne Bescheid. Es soll ja schließlich alles seine Richtigkeit haben.

      Viele Grüße, Daniel.

      1. Die Zahlen, die ich hier angeführt habe, entstammen dem Internet, Wikipedia, und die sind richtig. Dieses Mißverständnis mit dem Vergleich von Pärnu und Berlin ist wohl dem feinen Selbstironiegefühl der Esten zuzuschreiben.

        1. Hallo Vilija,

          ich habe jetzt auch nochmal ein bisschen recherchiert und meinen Text angepasst, da die riesige Fläche, die ich zuvor angegeben hatte, wohl wirklich nicht richtig war.

          Dank dir nochmals für den Hinweis,
          Daniel.

  2. Hallo Daniel,danke für den tollen Bericht.
    Wir fahren Ende Mai zum ersten Mal ins Baltikum und sind über jeden noch so kleinen Tipp dankbar.
    Liebe Grüße aus dem kalten Oberfranken(Coburg?

    1. Hallo Ramona,

      ich habe zu danken – und zwar für dein Lob. Super auch, dass ihr im Mai ins Baltikum aufbrecht. Einfach toll dort.
      Schau dazu gerne mal auf https://rucksacktraeger.com/rucksacktouren/europa/lettland/ vorbei, wo ich ein paar Zeilen über Riga und Jurmala geschrieben habe. Ansonsten folgen demnächst noch 2-3 Blogposts von mir über Tallinn und Tartu. Da gibt´s natürlich auch wieder den ein oder anderen Tipp.

      Viele Grüße ins schöne Coburg, Daniel.

  3. .. Sehr ungewöhnlich ist unser Bier Spruch ~ terviseks. Und für mich als Estin gehört es quasi ins Stammprogramm, das immer zu erklären, dass es mit Sex gar nichts zu tun hat, sondern mit sehr logischen Grammatik. Terviseks = Gesundheit, ergo, zum Wohl;-D

      1. Hallo Leelo,

        ich glaube, ich habe in Estland zu wenig Bier getrunken, denn den Trinkspruch kannte ich tatsächlich noch nicht. 🙂 Ich kann mir gut vorstellen, dass manch einer erstmal kichert, weil er (oder sie) bei „terviseks“ an etwas ganz anderes denkt. Auf alle Fälle bin ich jetzt bestens vorbereitet. Daher nochmals vielen Dank für deinen Kommentar.

        Viele Grüße, Daniel.

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