Women’s Summer Festival: Frauenpower an der Zugspitze

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Gastbeitrag von Corinna Hiss

Biken, Klettern, Wandern, Laufen, Yoga, TRX oder Faszientraining – wer sich fitnesstechnisch nicht gerne auf eine Sportart festlegt, der ist beim Women’s Summer Festival genau richtig. In diesem Beitrag verrate ich dir, was das dreitägige Event so einzigartig macht und wie dort jeder über sich hinauswachsen kann. Doch aufgepasst: Hier heißt es Ladies only!

Hugo schaut mich skeptisch an, die Ohren stehen spitz nach oben. Er schnaubt kurz – und bleibt stur stehen. Viel interessanter als ich ist der Busch neben ihm, dem er in Windeseile fast alle Blätter wegfrisst.

Hugo ist ein Lama und mit ihm werde ich die nächsten zwei Stunden wandern gehen. Ich habe ihn mir ausgesucht, weil er mir in der Gruppe sofort aufgefallen ist: braunes, glattes Fell, ein muskulöser Hals und ein Blick zum Anbeißen. Und er hat mit seinen sechs Jahren seinen eigenen Kopf.

Hugo gehört Heidi, die im beschaulichen Örtchen Biberwier am Rande der Tiroler Zugspitze für Gäste Lamawanderungen anbietet. Vielleicht verwirrt Hugo, dass unsere Gruppe nur aus Frauen besteht.

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Mit Hugo auf der Lamawanderung unterwegs zu sein, war mein persönliches Highlight.

Das hat einen Grund: Wir alle sind Teilnehmerinnen beim Women’s Summer Festival, das dieses Jahr zwar bereits in die dritte Runde gegangen ist, aber zum ersten Mal in der Region Tiroler Zugspitzarena – also sprich auf der österreichischen Seite der Zugspitze – stattgefunden hat.

Das Sport-Festival vereint Bewegung, Wellness, Fashion, Party, Musik und Beauty. Das Besondere daran: Die geführten Touren, die angeboten werden, sind nur Frauen vorbehalten. So fällt es leichter, eventuelle Hemmungen zu überwinden. Und wenn Frauen unter sich sind, entsteht schnell eine besondere Verbundenheit.

Ich war bereits vergangenes Jahr beim Festival dabei und so davon begeistert, dass ich wiederkommen wollte. Dabei bin ich nicht die einzige: Einige Mädels habe ich letztes Jahr kennengelernt und es fühlt sich an wie ein fröhliches Wiedersehen.

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Das Festivalgelände am Martinsplatz in Ehrwald/ Tirol.

Um das Festival zu erleben, gibt es zwei Möglichkeiten. Zum einen können Touren oder Sportkurse einzeln gebucht werden. Die meisten der rund 150 Teilnehmerinnen wählen aber das Rundum-Sorglos-Package: Für einen Fixpreis können sie von morgens bis abends alles aus dem Programm mitnehmen, was zeitlich (und konditionell) in drei Tage reinpasst. Dazu gibt es ein Festivalshirt, eine Goodiebag mit tollen Accessoires rund um Wellness und Fitness und ein Hüttenabend mit zünftigem Essen und Party ist auch inklusive.

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Das Festivalshirt und die Goodiebag sind nützliche Begleiter beim Women’s Summer Festival.

Eine Lamawanderung hat es beim Women’s Summer Festival bislang noch nicht gegeben und deswegen ist sofort für mich klar: Die muss ich machen. Und es ist in der Tat richtig toll: Mit Hugo an der Leine spaziere ich über Stock und Stein durch sanfte Wälder. Dabei geht es nicht darum, am schnellsten am Ziel zu sein oder dem nächsten Adrenalinkick hinterherzujagen. Lamas sind ruhige, sensible Tiere – und das wirkt sich auch auf uns aus.

Nachdem Hugo und ich uns beschnuppert haben, trottet er brav neben mir her und lässt sich streicheln. Ich passe mich seinem Tempo an und kann so die Natur um mich herum in vollen Zügen genießen. Als er mich sanft anschnaubt und mich mit seinen braunen Augen fixiert, ist der Augenblick perfekt.

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Lamas sind liebe, sensible Tiere.

Doch natürlich bin ich nicht nur an die Zugspitze gefahren, um mit Lamas zu schmusen. Ich will Action, Herausforderungen, Grenzen überwinden – und genau das geht beim Women’s Summer Festival.

Für jede Sportart werden Touren mit unterschiedlichem Schwierigkeitslevel angeboten, sodass Extremsportlerinnen ebenso auf ihre Kosten kommen wie absolute Einsteigerinnen. Weil die Touren von professionellen Guides geführt werden und man die Ausrüstung dafür gestellt bekommt, gibt es kaum eine bessere Gelegenheit als hier, Neues auszuprobieren.

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Auf dem Festivalgelände lockt auch ein Pool für eine Abkühlung.

Die auf dem Festivalgelände ausgeliehenen Trailrunningschuhe sitzen. Der Trinkblasen-Rucksack ist umgeschnallt. Der Puls steigt. Guide Katharina hat schon als siebtbeste den Zugspitz-Berglauf gemeistert. Sie rennt allen davon, wenn sie will. Doch sie nimmt sich auch Zeit für Trailrunning-Einsteiger wie mich.

Trailrunning bedeutet laufen am Berg. Innerhalb kürzester Zeit werden Höhenmeter überwunden und so ist das Training nicht nur ziemlich effektiv, sondern auch abwechslungsreich. Als Stadtläuferin bin ich Steigungen kaum gewöhnt, nehme die Herausforderung aber gerne an.

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Guide Katharina (vorne) lässt uns beim Trailrunning ganz schön ins Schwitzen kommen.

Direkt hinter Ehrwald, wo sich das Festival-Gelände befindet, beginnt der Rundweg zum Wasserfall. Es ist wunderschön, den weichen Waldboden am Morgen unter sich zu spüren – aber auch extrem anstrengend, als der Weg über Steine und Stufen steil nach oben geht.

Bereits nach wenigen Schritten kann ich nicht mehr und muss gehen. Doch das ist nicht weiter schlimm: Niemand schreibt einem beim Trailrunning vor, dass wirklich gerannt werden muss.
Und so wandere ich die steilen Passagen stramm nach oben, wo es etwas gemächlicher ansteigt wechsle ich ins Laufen. Innerhalb kürzester Zeit sind 180 Höhenmeter überwunden.

Plötzlich eröffnet sich vor uns ein herrliches Panorama auf die Zugspitze. Was für ein Gefühl! Am Ende sind wir gut sieben Kilometer in einer Stunde gerannt. Ich bin stolz auf mich und schwöre mir, dass dies nicht mein letzter Trailrun gewesen war.

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Was für eine Aussicht beim Trailrunning!

Um beim Festival so viel mitzunehmen wie es geht, ist der Tag bei den meisten ziemlich eng getaktet. So auch bei mir: Schon immer wollte ich Enduro-Mountainbiken ausprobieren und habe mich für eine Tour angemeldet. Doch dann die Enttäuschung: Die Guides lassen mich nicht mit. Zu riskant ist es, da ich noch nie auf einem Mountainbike gesessen, geschweige denn Downhill gefahren bin.

Dafür lerne ich in einem Crashkurs auf dem Parkplatz die wichtigsten Grundregeln und Stellungen auf dem Bike. Dass das Ganze wirklich nicht ohne ist, merke ich auf dem kurzen Trail, den wir am Ende fahren. Es ist nicht leicht, sein Bike unter Kontrolle zu halten, wenn es stufig auf einem schmalen Pfad bergab geht.

Während ich gefühlt in Zeitlupe und mehr bremsend als fahrend die Stufen nehme, brettert Profi Celia schier schwerelos hinunter. Ich habe aber auf jeden Fall Blut geleckt und nehme mir vor, mich das nächste Mal an den Einsteiger-Trail ranzutrauen.

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Beim Enduro-Biken ist Gleichgewichtssinn und Stabilität auf dem Rad wichtig.

Wer nicht gerade mit einem Guide unterwegs ist, der trifft sich auf dem Festival-Gelände am Martinsplatz in Ehrwald. Hier kann nicht nur die Ausrüstung für die Touren ausgeliehen, sondern auch zu Messepreisen geshoppt werden. Die Orga-Mädels der Augsburger Sport- und Lifestyle-Agentur fiedler concept stehen jederzeit für Fragen zur Verfügung.

In der Beautylounge werden die müden Beine massiert oder das Make-up aufgefrischt. Regelmäßig finden Functional-Training-Kurse statt. Doch leider hat der Tag nur 24 Stunden und das Festival geht nur drei Tage: TRX-Yoga, Stand-up-Paddling oder der konditionell anspruchsvolle Klettersteig hoch zur Zugspitze passen bei mir zeitlich leider nicht mehr ins Programm.

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Auf dem Festivalgelände werden unterschiedliche Kurse angeboten.

Denn ein Highlight möchte ich unbedingt mitnehmen: Canyoning an den Stuibenfällen beim Plansee. Die Tour heißt „Jump and fun“ und der Name ist dabei Programm: An zwei Stellen seilen wir uns bis zu 30 Metern ab, während neben uns der Wasserfall in die Schlucht rauscht. Mindestens zehnmal aber müssen wir im freien Fall in die Wasserbecken springen – gleich zu Beginn rund 15 Meter tief.

Mein Herz pocht, als ich so am Felsrand stehe und nach unten blicke. Mit einem lauten Schrei wage ich den Sprung. Die Ohren rauschen, als ich wie ein Felsklotz ins eiskalte Wasser aufschlage und gefühlt erst mehrere Meter in die Tiefe sause, bevor ich so langsam wieder auftauche.

Die restlichen Sprünge sind dann eher ein Kinderspiel und machen einfach nur Spaß. Auf einer Strecke von zwei bis drei Kilometern geht es so rund 80 Höhenmeter hinab. Beruhigend dabei: Überall besteht die Möglichkeit, statt in der Schlucht zu springen oder sich abzuseilen, nebendran entspannt zu laufen.

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Ein Sprung ins kühle Becken der Stuibenfälle. | Foto: Alpinschule Lermoos

Was nehme ich mit nach drei Tagen Women’s Summer Festival? Viel Muskelkater, tolle Erlebnisse in einer wunderbaren Bergregion, Stolz darauf, an meine sportlichen Grenzen gegangen zu sein und neue Freundschaften. Ich freue mich schon aufs nächste Jahr, wo ich beim Women’s Summer Festival in Ehrwald, in der Tiroler Zugspitz Arena, weitere neue Sportarten ausprobieren oder alte vertiefen kann. Und darauf, lieb gewonnene Mädels wiederzutreffen. Denn wer einmal dabei war, der kommt meist wieder.

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Hüttengaudi und neue Freundschaften, die geschlossen werden. | Foto: Anne Kaiser Photography

Nützliche Tipps

Mehr zum Women’s Summer Festival gibt es unter www.womenssummerfestival.com. Dort wird auch verraten, wann das Event im kommenden Jahr stattfindet und was geboten wird. Was generell in der Region rund um die Zugspitze geboten wird, findet Ihr unter www.zugspitzarena.com.

Wer es zeitlich oder konditionell nicht schafft, die Zugspitze selbst zu besteigen, der kann von Obermoos in acht Minuten mit der Seilbahn hochfahren. Oben erwartet euch auf Deutschlands höchstem Berg eine grandiose Aussicht sowie eine kleine Kletterpassage hinauf zum Gipfel. Die Seilbahn fährt hoch und runter alle 20 Minuten um 20, 40 und 60.

Dieser Artikel ist in Kooperation mit dem Women’s Summer Festival und der Tiroler Zugspitz Arena entstanden. Er spiegelt dennoch meine aufrichtige Meinung wieder.

Über mich

corinna-hissHallo, ich bin Corinna, schön, dass du meinen Gastbeitrag gelesen hast! Ich habe Publizistik studiert und war einige Jahre als Reiseredakteurin unterwegs. Aktuell arbeite ich im Bereich Öffentlichkeitsarbeit. Meinen Leidenschaften Reisen, Fotografieren und Schreiben gehe ich aber nach wie vor nach. Am liebsten bin ich in Europa und den USA unterwegs. Auf Instagram kannst du mir unter @hi.rinni folgen.

Fotos (wenn nicht anders bezeichnet): Corinna Hiss

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