Unterwegs in den Townships in Rustenburg

Am vergangenen Sonntag ging es zusammen mit Stefan und unserem WhizzKids-Bakkie nach Rustenburg in die Nähe von Südafrikas Hauptstadt Pretoria. Für die Strecke brauchten wir insgesamt 8,5 Stunden, was nicht weiter schlimm war, da man zumindest bis zum Einbruch der Dunkelheit die wunderschöne Landschaft Südafrikas bestaunen konnte.

Insgesamt sechs Turniere mussten wir in Zusammenarbeit mit den Life Skills Trainern und den Freiwilligen, sofern vorhanden, in den Townships rund um den Austragungsort der WM 2010 organisieren und koordinieren. Wie auch schon bei meinen ersten beiden Events in Edendale waren pro Turnier 180 bis 250 Kids vertreten, die um den WhizzKids-Weltmeistertitel spielten.

Der erste Tag raubte Stefan und mir fast den letzten Nerv und ich habe selten so viel geschrien. Die Kinder waren überhaupt nicht in den Griff zu bekommen und machten annähernd, was sie wollten. Zudem hatten wir beiden Deutschen das große Problem, dass wir der Landessprache nicht mächtig waren, weshalb die Kids unsere nett gemeinten „Anschisse“ auch nicht wirklich verstanden.

Am Tag darauf und somit auch einem neuen Turnier legten wir die Ansprachen komplett in die Hände der Trainer, was wunderbar klappte. Die Kinder waren alle sehr unkompliziert, diszipliniert und hilfsbereit. Das Turnier verlief wirklich einwandfrei und machte nicht nur uns richtig viel Spaß.

Am Ende hatten wir noch einige Hot Dogs vom Mittagessen übrig, die wir an die Kinder verteilten. Hier wurde mir erst einmal bewusst, welch große Bedeutung so ein kleines Brötchen mit einer Wiener-Wurst für die Kinder hat, denn die Herausgabe artete in einen Kampf um die besten Plätze aus. Scheinbar spielt der Hunger in den Townships rund um Rustenburg eine größere Rolle als ich anfangs dachte.

Auch die weiteren Turniere verliefen problemlos und machten tierisch viel Spaß. Ab Freitag bekamen wir noch die Mithilfe unseres Chefs Marcus, der uns tatkräftig unterstützte. Ihn holten wir am Donnerstagabend vom Flughafen aus Johannesburg ab, von dem ich in knapp fünf Monaten meine Heimreise antreten werde.

Die vergangene Woche in glühender Hitze und meist wolkenlosem Himmel war auf alle Fälle ereignisreich und ich habe eine Menge über die Kids in den Townships gelernt. Natürlich war man als einziger Weißer weit und breit auch immer etwas Besonderes.So kamen die teils sehr schüchternen Kinder zu mir, strichen durch meine für sie ungewöhnlichen blonden Haare und waren erststaunt darüber, wie ein Mensch so lange Haare an Armen und Beinen haben kann. Wenn ich einmal die Toilette der Schule benutzte, dann standen auch gleich mehrere Jungs in zwei Meter Sicherheitsabstand neben mir und fanden es anscheinend toll mal neben einem Weißen zu pinkeln.

Negativ aufgefallen ist mir, wie faul und träge die meist ziemlich vollschlanken Lehrer doch sind. Die einzige Unterstützung, die wir von ihnen bekamen war während der Ausgabe der Hot Dogs an die hungrigen Kinder. Das lag sicherlich daran, dass sie somit an der Quelle waren und auch noch eine Wurst mit Brötchen abgreifen konnten. Auch während der Spiele saßen die eigentlichen Aufsichtspersonen abseits der Felder im Schatten auf einem Stuhl, den sie sich im Vorhinein von ihren Schülern haben bringen lassen.

Die Bestätigung für eine erfolgreiche Arbeit bekamen wir vor allem beim Verlassen der Schule nach den jeweiligen Turnieren, wenn einem die Kids noch lange hinterher winkten, während wir mit dem Auto gen Ferienwohnung fuhren. Schön, dass ich durch mein Praktikum die Möglichkeit habe, Sachen mitzuerleben, die man als normaler Tourist oder sogar Backpacker wohl kaum sehen würde. Dafür arbeitet man doch auch mal gerne ohne einen Cent dazu zu verdienen. Nach acht Turnieren in elf Tagen brauche ich erst einmal eine kurze Auszeit und werde meinen freien Tag hoffentlich am Strand verbringen, um mal wieder richtig abzuschalten.

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