Bikepacking-Tour in der Rhön: 16 Outdoor-Highlights auf 100 Kilometern

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Kreuzberg, Wasserkuppe, Kissinger Hütte, Rotes Moor – die Rhön ist ein wahres Outdoor-Paradies. Aus diesem Grund machte ich mich mit zwei Freunden auf den Weg, die schönsten Plätze der Rhön mit dem Mountainbike zu entdecken. Heraus kam eine grandiose Bikepacking-Tour über zwei Tage, die ich dir in diesem Beitrag im Detail vorstelle. 

Einmal pro Jahr treffe ich mich mit zwei guten Freunden, die ich während meines Sportmanagement-Studiums kennengelernt habe, zu einer mehrtägigen Mountainbiketour. Machten wir im vergangenen Jahr den Harz unsicher, so war ich diesmal mit der Planung an der Reihe, weshalb die Wahl auf meine Heimat fiel: die Rhön.

Bereits die Vorbereitung machte mir großen Spaß. So viele Orte in der Rhön hatte ich seit Jahren, ja fast schon Jahrzehnten, nicht mehr besucht. Da wir uns für eine Bikepacking-Tour inklusive Übernachtung auf der Strecke entschieden, konnten wir dementsprechend viele der Highlights in der Rhön abklappern.

Kurz zur Erklärung: Beim Bikepacking handelt es sich um eine nachhaltige Form des Radreisens, wobei das Gepäck, die Lebensmittel und sonstige Utensilien clever am Fahrrad verstaut sind. Für genügend Stauraum sorgen beispielsweise Sattel-, Rahmen- oder Lenkertaschen.

Bikepacking in der Rhön – die Tour

Als Start- und Endpunkt unserer Tour wählten wir Bad Brückenau. Zum einen, weil ich dort meinen Wohnsitz habe und wir uns morgens vor Ort mit den nötigen Snacks für zwischendurch eindecken konnten. Außerdem hatte ich meinen beiden ehemaligen Kommilitonen vom neuen Bahnradweg namens Rhönexpress vorgeschwärmt, den sie unbedingt kennenlernen wollten.

Bevor wir auf der ehemaligen Bahnstrecke entspannt zurück zum Ausgangspunkt unserer Tour rollen sollten, mussten auf der exakt hundert Kilometer langen Zwei-Tages-Tour 2.240 Höhenmeter überwunden werden. Während am ersten Tag die Berge Dreistelz (664 m), Farnsberg (786 m), Feuerberg (832 m) und Kreuzberg (927 m) auf dem Programm standen, beschränkten wir uns am zweiten Tag auf den Heidelstein (926 m) sowie die Wasserkuppe (950 m).

Die Wege, die in der Rhön sehr gut beschildert sind, bestehen größtenteils aus gut ausgebauten Wald- und Forstwegen, Singletrails und kurzen Stücken über asphaltierte Straßen. Als Zwischenstopp quartierten wir uns nach 39,1 Kilometern unterhalb des Kreuzbergs im Neustädter Haus ein. So konnten wir am nächsten Tag gut erholt in die Pedale treten.

Zwischenstopps kurz vorgestellt

Bei der Recherche zur Bikepacking-Tour fiel mir auf, wie viele Highlights die Rhön auf engem Raum doch tatsächlich zu bieten hat. Daher war ich gezwungen, mich auf die meiner Meinung nach sehenswertesten Attraktionen zu beschränken. 16 davon stelle ich dir im Folgenden etwas genauer vor.

Dreistelzberg

Die ersten fünf Kilometer auf den Dreistelz sind gewiss kein Zuckerschlecken, da es von Bad Brückenau aus fast ausschließlich bergauf geht. Zum Warmfahren empfehle ich dir, ein paar hundert Meter den ebenen Rhönexpress entlang zu fahren, bevor du dich auf den nach oben schlängelnden Forstweg begibst.

Auf dem Weg zum 660 Meter hohen Gipfel kannst du dich auf Hinweisschildern über die Geschichte des Berges informieren. Du erfährst zum Beispiel, was es mit der Sage vom versunkenden Schloss der “Drei Stolzen” auf sich hat.

Oben angekommen erwarten dich eine Holzhütte sowie ein Aussichtsturm. Vom “Dreistelzturm” eröffnet sich dir ein grandioses 360-Grad-Panorama auf Bad Brückenau, die Schwarzen Berge und den Spessart. An schönen Tagen blickst du bis in den Taunus und über Schweinfurt hinaus.

Basaltbruch am Lindenstumpf

Über Oberleichtersbach, Unterleichtersbach und Einraffshof radelst du einen Großteil der Strecke über Asphalt bis an den Rand von Schondra. Einen Kilometer nördlich der Gemeinde befindet sich der Basaltbruch am Lindenstumpf.

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Der Lindenstumpf ist eine großflächige Grube, die von einer mehrere Meter hohen Felswand umgeben ist. Die Hauptattraktion befindet sich direkt zu Beginn der Grube auf der linken Seite. Dort türmt sich eine fast senkrechte Basaltwand auf, die aus erkaltetem Magma besteht.

Farnsberg

Entlang der Straße “Märzgrund” geht es weiter nach Schildeck. Dieser Abschnitt ist nicht sehr angenehm zu fahren. Dafür radelst du im Anschluss relativ entspannt durch Wälder und Wiesen mit stetiger Steigung auf den 786 Meter hohen Farnsberg hinauf.

Unterhalb der Spitze des Farnsbergs lädt das neu aufgebaute Berghaus mit deftiger Küche zum Einkehren ein. Wenige hundert Meter davon entfernt liegt der idyllische “Bergsee”, wie er bei uns Rhönern genannt wird. Allgemein ist der wunderschöne Basaltsee als “Tintenfass” bekannt. Besonders markant sind seine Klippen, die ihn zu einem beliebten Anziehungspunkt in der Rhön machen.

Würzburger Haus

Knapp zwei Kilometer lang ist die Strecke vom Berghaus zum Würzburger Haus. Klingt nach einem Katzensprung, allerdings musst du die alte Skipiste des Farnsbergs hochpedalieren, was recht anstrengend ist. Im Anschluss geht es durch ein Waldstück an Rhönschafen vorbei zum Würzburger Haus.

Das Würzburger Haus ist vor allem an sonnigen Tagen gut besucht, da das Gasthaus über einen Außenbereich mit tollem Ausblick verfügt. Zudem machen es sich dort viele Familien gemütlich, da der Spielplatz viele Kinderherzen höher schlagen lässt.

Kissinger Hütte

Bis zur nächsten Station, der Kissinger Hütte, fährst du einen ebenen Waldweg entlang, der am Wegrand mit urigen Holzschnitzfiguren verziert ist. Nach einer kurzen Abfahrt gelangst du an den Wanderparkplatz “Eisernes Kreuz”, wo es vorbei am ehemaligen Bergbaugelände nochmals fordernd bergauf geht.

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Auf der Kuppe des Feuerbergs taucht schließlich die freistehende Kissinger Hütte (832 Meter hoch) auf. Von hier eröffnet sich dir das wohl schönste Panorama der gesamten Bikepacking-Tour. Ein wahrer Genuss, den du durch ein deftiges Mittagessen und ein erfrischendes Kaltgetränk verstärken kannst.

Kreuzberg

Der “Heilige Berg der Franken” ist das prominenteste Ziel am ersten Tag. Von der Kissinger Hütte radelst du eine Weile bergab bis zum Guckaspass. Danach geht es einen gut fünf Kilometer langen Forstweg mit ungefähr 270 Höhenmetern hinauf zum Kreuzberg.

Hast du noch ausreichend Energie solltest du dich auf zu den drei Kreuzen machen – entweder zu Fuß über die Treppen oder mit dem Rad auf dem sich nach oben schlängelnden Weg. Mit 927 Metern Höhe ist der Kreuzberg – nach der Wasserkuppe und der Dammersfeldkuppe – der dritthöchste Berg der Rhön. Dementsprechend gut ist die Aussicht vom Gipfel.

Eine Pause im Kloster ist ein absolutes Muss. Hier gibt es das leckere Kreuzbergbier. Es wird seit 1731 von Mönchen gebraut und ist über die Region hinaus bekannt. Vorsichtig solltest du nur mit der verzehrten Menge sein, da das Bier mit einem Alkoholgehalt von 5,6 Prozent zügig zu Kopf steigt.

Nachtlager: Am und um den Kreuzberg herum gibt es zahlreiche Möglichkeiten zum Übernachten, zum Beispiel im Kloster, dem Neustädter Haus, der Gemündener Hütte oder der Haflinger Alm.

Flowtrail

Ungefähr 800 Meter unterhalb vom Neustädter Haus beginnt der 2013 erbaute Flowtrail. Er ist zwei Kilometer lang und besteht aus zahlreichen Sprüngen, Wellen und Tables, die definitiv nichts für pure Anfänger sind. Anspruchsvolle Passagen können zwar umfahren werden, du solltet aber nicht vergessen, dass du reichlich Gepäck an deinem Fahrrad befestigt hast.

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Der Flowtrail ist ein großer Zugewinn für die Outdoor-Gemeinschaft in der Rhön. Natürlich kannst du ihn bei deiner Bikepacking-Tour problemlos umfahren, um ohne ungeplante Adrenalinschübe sicher im Tal anzukommen.

Bischofsheim

Unten im Tal wartet die Kleinstadt Bischofsheim auf dich. Wenn du bis dahin noch nicht genug Mountainbike-Action hattest, solltest du an der neuen Rollsportanlage vorbeischauen. Hier gibt es seit kurzem einen Dirt-Pumptrack sowie eine Skill-Area mit Wippe, Rampen und mehr.

Bischofsheim verfügt zudem über eine wunderschöne Altstadt mit einem belebten Marktplatz, tollen Cafés und kleinen Restaurants. Auch geschichtlich hat die Stadt am Fuße des Kreuzbergs einiges zu bieten, zum Beispiel gut erhaltene Teile der früheren Stadtmauer oder den spätromanischen Zentturm aus dem 13. Jahrhundert. Letzterer ist zugleich das Wahrzeichen des beliebten Erholungsortes.

Rothsee

Von Bischofsheim fährst du knapp fünf Kilometer zum Rothsee. Die Hälfte der Strecke verläuft eben auf einem Flurweg entlang. Nach dem Überqueren der B279 geht es durch einen Wald den Bauersberg hinauf bis du an der Hochrhönstraße rauskommst. Diese überquerst du und kommst nach wenigen Metern am See an.

Der malerische, vom Wald eingebettete Rothsee, ist bei Anglern sehr beliebt. Das mag auch an der Fischerhütte liegen, von deren Terrasse du nicht nur auf den See blickst, sondern auch verschiedene Rhöner Fischspezialitäten direkt aus dem Räucherofen genießen kannst. Ein toller Ort, bei dem ein Seerundgang zum Pflichtprogramm gehört.

Jagdschloss Holzberghof

Über einen kleinen Pfad hinter dem Rothsee gelangst du wieder auf die Hochrhönstraße, die du entweder bis zum Wanderparkplatz Holzberghof nach oben fährst oder einige Meter parallel zum Schwarzbach über Waldwege. Zweieinhalb kurze Kilometer, die sich aufgrund der 130 Höhenmeter durchaus etwas ziehen können.

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Das Jagdschloss Holzberghof liegt 800 Meter hoch. Einst war es ein herrschaftliches Forsthaus. Über die Jahre wurde es allerdings im Stile eines dänischen Wasserschlosses ausgebaut. Anmerken muss ich hierbei, dass es sich beim schlossähnlichen Ausbau vor allem um die Vorderseite des riesigen Gebäudes handelt. Diese gleicht dem Schauplatz eines Märchens und lädt zu einem kurzen Zwischenstopp ein.

Rotes Moor

Von der Bayerischen Rhön geht es weiter in die Hessische Rhön zum Roten Moor. Das Rote Moor ist sehr gut ausgeschildert, sodass du nach gut fünf Kilometern am Wanderparkplatz “Moordorf” ankommst. Im Winter ist eben diese Strecke ein sehr beliebtes Langlauf-Gebiet.

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Der Eintritt zum Moorlehrpfad, der sich auf einem Bohlensteg durch das Moor und die Birkenwälder windet, ist kostenlos. Allerdings musst du ab hier dein Fahrrad schieben, um dir einen der wichtigsten Bestandteile des Biosphärenreservats Rhön aus nächster Nähe anzuschauen.

Der hölzerne Lehrpfad wartet mit vielen Informationen über die Geschichte des Roten Moores auf dich. Zwischen 1809 und 1984 wurde hier noch Torf abgebaut. Deutlich wird dies vor allem vom Aussichtsturm aus. Hier eröffnet sich dir ein herrlicher Blick über die ehemalige Abtorfungsfläche bis zum 926 Meter hoch gelegenen Heidelstein.

Schafstein

Am Ende des Lehrpfads sattelst du wieder auf und radelst weiter durch den Wald und die Hauptstraße entlang Richtung Wasserkuppe. Vor dem Parkplatz “Fulda-Quelle” führt rechts ein Feldweg direkt zum Schafstein – das nächste Highlight, das nicht ganz einfach zu finden ist.

Wie aus dem Nichts taucht im Wald, der komplett der Natur überlassen wurde, ein riesiges Meer aus Basaltbrocken auf, das mich bei meinem ersten Anblick vor einigen Jahren schwer beeindruckte. Kaum ein Ort spiegelt die vulkanische Vergangenheit der Rhön besser und imposanter wider.

Wasserkuppe

Vom Schafstein zur Wasserkuppe sind es mit dem Fahrrad nur wenige Minuten. Bereits nach kurzer Zeit wirst du die Motoren der Motorsegelflugzeuge oder das Anrollen der Segelflugzeuge hören, bevor du am Flugplatz Wasserkuppe ankommst. Ab hier triffst du erstmals wieder auf größere Menschenmassen. Bei gutem Wetter ist die Wasserkuppe eine beliebte Destination für Tagestouristen.

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Kein Wunder, schließlich gibt es auf dem mit 950 Metern höchsten Berg der Rhön einiges zu erleben. Du kannst auf dem “Fliegerberg” nicht nur den Paraglidern beim Starten zuschauen und es dir in einem der Cafés oder Restaurants gemütlich machen, sondern auch mit der Sommerrodelbahn bergab sausen oder dich im Kletterwald in luftige Höhen begeben.

Auf alle Fälle solltest du beim Radom, einem Überbleibsel aus dem Kalten Krieg, dem Fliegerdenkmal und dem Pferdskopf vorbeischauen. Drei Aussichtspunkte, von denen aus dir spätestens bewusst wird, warum die Rhön nicht umsonst “das Land der offenen Fernen” genannt wird. Die einzelnen Punkte kannst du problemlos mit dem Fahrrad abfahren.

Guckaisee

Abfahren ist ein gutes Stichwort, denn von der Wasserkuppe aus kannst du bis zum idyllischen Guckaisee rollen. Fahre jedoch nicht den kurzen Wanderweg vom Pferdskopf, der für Bikepacker definitiv nicht geeignet ist, hinab. Nutze lieber den geschotterten Forstweg, der einen größeren Bogen einschlägt und weniger gefährlich ist.

Laut Recherchen ist der Guckaisee der einzige natürliche See in der Rhön. Genau genommen besteht er sogar aus zwei Seen. Während der obere Teil den Anglern vorbehalten ist, darf der untere Teil zum Baden und Erfrischen genutzt werden. Ideal, um dich kurz abzukühlen oder um eine Pause auf der Liegewiese, dem Steg oder in der Guckaistuben einzulegen.

Gersfeld

Über den Wachtküppel und durch Maiersbach saust du weitere neun Kilometer ins Tal bis nach Gersfeld. Der Heilklimatische Kurort bietet nicht nur eine nahezu perfekte Luftqualität, sondern verfügt auch über einen ansehnlichen Schlosspark oder – sofern du mehr Zeit mitbringst – über einen großflächigen Wildpark.

Unbedingt eine Pause einlegen solltest du in der historischen Altstadt. Gönne dir einen leckeren Kuchen in einem der Cafés oder ein großes Eis, das deinen Energiehaushalt wieder auffüllt. Ich schlage in der Regel bei beidem zu und rate dir Gleiches zu tun. Nachdem du in Gersfeld kurz die Beine hochgelegt hast, steht mit dem Überqueren der Schwedenschanze ein ziemlich anstrengender Aufstieg bevor.

Rhönexpress

Hast du dich die Schwedenschanze hochgequält und die Abfahrt nach Oberweißenbrunn genossen, geht es einen letzten steileren Anstieg bergauf. Danach radelst du bis nach Wildflecken bergab, wo du am alten Bahnhof in den Rhönexpress einsteigst.

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Der 2019 eröffnete Bahnradweg führt dich die letzten 13 Kilometer bis nach Bad Brückenau an einem Sumpfgebiet, Alpakas, dem Haus der Schwarzen Berge in Oberbach und Riedenberg vorbei. Das Gute daran: Es geht immer leicht bergab, sodass du deine zweitägige Bikepacking-Tour entspannt ausklingen lassen kannst.

Lust auf deine eigene Bikepacking-Tour?

Nach 100 Kilometern mit 2.240 Höhenmetern konnte ich getrost behaupten, dass meine erste Bikepacking-Tour ein voller Erfolg war. Als ich mein Mountainbike inklusive Gepäck abstellte, wusste ich bereits, dass dies nicht meine letzte mehrtägige Fahrradtour durch die Rhön gewesen ist.

Großen Anteil an meiner Euphorie hatten meine beiden Freunde, mit denen ich eine Menge Spaß hatte, sowie meine Heimat selbst. Viel zu lange hatte ich einige Orte, wie zum Beispiel den Rothsee und das Rote Moor, nicht mehr besucht. Zwar war mir immer bewusst, wie schön die Rhön ist, aber es hat definitiv ein Update gebraucht, um mir diese Tatsache nochmals vor Augen zu führen.

Eine gute Nachricht zum Abschluss habe ich noch für dich: Die von mir vorgestellte Bikepacking-Tour ist nur eine von vielen Alternativen. Es gibt zahlreiche weitere Schauplätze in der Bayerischen, Hessischen und der Thüringischen Rhön zu entdecken. Diese an zwei Tagen ausfindig zu machen, ist jedoch nahezu unmöglich.

Meine nächste Bikepacking-Tour durch die Rhön kommt bestimmt. Wie sieht es bei dir aus?

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