Rhönexpress: Das hat der Bahnradweg in der Rhön zu bieten

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Der Name Rhönexpress ist gewiss etwas gewöhnungsbedürftig. Vielleicht kommt dir ein pfeilschneller ICE, der durch die Rhön saust, in den Sinn. Letztendlich ist er aber genau das nicht, denn hinter dem Namen verbirgt sich eine ehemalige Bahnstrecke von Zeitlofs nach Wildflecken, die längst stillgelegt und zu einem beliebten Bahnradweg umfunktioniert wurde. Zugegeben eine wunderschöne Strecke – und genau diese stelle ich dir mit all ihren Highlights im Detail vor. 

Der Rhönexpress spielt in meinem Alltag eine durchaus große Rolle. Nicht nur, weil ich lediglich 30 von einem der zahlreichen Einstiege entfernt wohne. Ich nutze ihn mehrmals die Woche, um fleißig Kilometer auf dem Rennrad abzuspulen und regelmäßige Laufrunden zu drehen. Dabei begegnen mir unter anderem Inline-Skater, Longboarder, Nordic Walker, Spaziergänger und Familien, deren Kinder ihre ersten Versuche auf dem Fahrrad wagen.

Der Rhönexpress ist alles andere als ein einfacher Bahnradweg. Er ist vielmehr ein 26,3 Kilometer langgezogener Treffpunkt für Personen mit einer gewissen Affinität zur Natur und Bewegung. Zwischendurch kann es schon mal sein, dass ein Eichhörnchen auftaucht, der Rotmilan seine Kreise zieht oder Alpakas auf den nahegelegenen Wiesen grasen. Klingt fast wie im Bilderbuch, oder?

Die Highlights am Rhönexpress

Über viele Jahre wilderte die alte Bahnstrecke von Zeitlofs nach Wildflecken vor sich hin. Kein schöner Anblick, der scheinbar auch den Kommunen der Brückenauer Rhönallianz ein Dorn im Auge war. Diese setzte den Bau eines Bahnradwegs in der Rhön um, der letztendlich am 28. Juni 2019 ganz offiziell eröffnet wurde.

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Seitdem führt ein gut asphaltierter Fahrradweg vom Startpunkt in Zeitlofs durch die Orte Trübenbrunn, Rupboden, Eckarts, Bad Brückenau, Riedenberg und Oberbach bis nach Wildflecken. Der Rhönexpress ist die perfekte Verbindung in die bergige Rhön auf der einen und an den flachen Main auf der anderen Seite. Aber er bringt auch einige Highlights mit sich, die du dir nicht entgehen lassen solltest.

Bauwerk 25 in Rupboden

Drei Kilometer nach deinem Start kommst du in Rupboden an. Dort findest du eine recht nett anzuschauende Unterführung, bei der dir jedoch schnell auffallen wird, dass die Trasse mit Bäumen bewachsen ist und sie keinen wirklichen Zweck erfüllt.

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Beim Bauwerk 25 handelt es sich um ein unvollendetes Autobahnteilstück zwischen Fulda und Würzburg, welches 1937 parallel zur A7 errichtet werden sollte. Bereits zwei Jahre später wurde das Bauprojekt wieder eingestellt. Die gewölbte Unterführung aus Buntsandstein ist das letzte Überbleibsel.

Bolzplatz in Wernarz

Bist du ganz ohne Stress auf deinem Fahrrad unterwegs, bietet sich der Bolzplatz in Wernarz für eine erste Pause an. Er ist zugegeben relativ unauffällig und die beiden weißen Fußballtore ohne Netz sind etwas marode, dafür erfreust du dich dort an der puren Idylle.

Die Sinn bietet sich dafür an, um die Beine abzukühlen und neue Energie zu tanken. Ein unscheinbarer, aber doch recht gemütlicher Ort. Kein Wunder, dass meine Freunde und ich diesen Platz in der Vergangenheit als regelmäßiges Ziel für Wandertouren am Maifeiertag auserkoren haben.

Das Bayerische Staatsbad

Das Aushängeschild von Bad Brückenau ist das Staatsbad, das direkt an Wernarz anschließt. Im mit bunten Blumen verzierten Schlosspark errichtete König Ludwig I. einst tolle Bauwerke wie das malerische Kursaalgebäude. Es lohnt sich, das Fahrrad abzuschnallen und ein paar Meter durch das Parkgelände zu schlendern.

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Für den großen Hunger bietet sich eine Pizza im Castello Belvedere an, wo du von der Sonnenterrasse einen genialen Blick über den gesamten Park bis auf die andere Seite zum Fürstenhof genießt. Alternativ dazu kannst du es dir im Café des Fahrradmuseums gemütlich machen, wo du im Anschluss – passend zu deiner Fahrradtour – eine ganze Reihe uralter Räder bestaunen kannst.

Bad Brückenau als Rhönexpress-Mittelpunkt

Das Zentrum des Bahnradwegs in der Rhön ist Bad Brückenau. Hier warten mit dem Georgi Park und dem Siebener Park zwei weitere Kurparks auf dich. Dort gibt es auch zwei frei zugängliche Heilquellen, um deinen Wasservorrat aufzufüllen. Das Wasser ist nicht jedermanns Geschmack und riecht teilweise etwas streng, ist dafür aber umso gesünder.

Deinen Hunger stillst du entweder am Marktplatz im Da Rocco oder du gönnst dir ein Eis in der Eisdiele Bassanese. Die idealen Plätze, um das Treiben in der Innenstadt zu beobachten. Oder du lässt dich auf ein Bier in der Klappe oder einen Wein im Zum Alten Schuster in der urigen Altstadt nieder. Empfehlenswert ist zudem der Biergarten Am Siebener Park, wo es nicht nur erfrischende Kaltgetränke und leckeres Essen gibt – die Kinder können sich am anliegenden Wasserspielgarten auch wunderbar die Zeit vertreiben.

Planst du deine Radtour in Bad Brückenau zu beenden, lohnt sich zudem ein Besuch in der Sauna des Schwimmbads Sinnflut, wo ich selbst gerne meine müden Knochen entspanne und den Tag ausklingen lasse. Für Sportschwimmer finden sich im verkürzten Innenbecken sowie dem schmalen Außenbecken leider nicht die idealen Bedingungen vor. Am Saunabereich gibt es dagegen rein gar nichts zu bemängeln.

Was du sonst noch in Bad Brückenau unternehmen kannst, verrate ich dir in meinem Blogbeitrag Bad Brückenau: Die Highlights der Gesundheitsstadt in der Rhön.

Kultur pur im Haus der Schwarzen Berge

Nach einer Stärkung in Bad Brückenau radelst du knapp zehn Kilometer leicht bergauf an Römershag und Riedenberg vorbei bis nach Oberbach. Dort wartet das Haus der Schwarzen Berge auf dich, in dem du wissenswerte Informationen über das Biosphärenreservat Rhön erhältst.

Neben einer Touristeninformation beheimatet das Infozentrum eine Cafeteria und einen Laden mit regionalen Waren. Auch die Umweltbildung und einige Medienevents sowie Sonderausstellungen kommen nicht zu kurz. Sofern du mehr über die Rhön erfahren willst, bist du hier genau richtig.

Der Bahnradweg in der Rhön mit all seinen Vor- und Nachteilen

Der Rhönexpress ist ein großartiger Bahnradweg. Wie sagte eine Freundin, die nicht aus der Rhön stammt, bei einer Rennradtour kürzlich:

“Man fühlt sich ein bisschen wie im Voralpenland – echt schön.”

Das lasse ich gerne so stehen und gebe ihr damit absolut recht, auch wenn ich mir dieser Tatsache als Rhöner nicht immer bewusst bin. “Die Rhön ist schön” und der Rhönexpress als Bahnradweg eine weitere Bereicherung des Biosphärenreservats, aber auch hier gilt: Es ist nicht alles Gold, was glänzt.

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Der Rhönexpress und seine Vorteile

Beginnen möchte ich dennoch mit der Auflistung einiger Vorteile, die der Bahnradweg in der Rhön mit sich bringt. Hier einige Punkte, auf die du dich schon jetzt freuen darfst:

1. Keine großen Steigungen

Es gibt keine unüberwindbaren Steigungen, denn mit 250 Höhenmetern, die sich auf 26,3 Kilometer Länge aufteilen, ist der Rhönexpress problemlos zu bewältigen. Die maximale Steigung beträgt drei Prozent, weshalb der Bahnradweg auch bestens für Kinder, weniger fitte Radeinsteiger sowie Personen gehobeneren Alters geeignet ist.

2. Gute Einstiegsmöglichkeiten

Die Möglichkeiten in den Bahnradweg in der Rhön einzusteigen sind unbegrenzt. Dein Auto lässt du einfach an den ausgewiesenen Parkplätzen in den verschiedenen Ortschaften stehen. Bist du mit dem Wohnmobil unterwegs, wirst du auch Stellplätze, zum Beispiel an der Ancenis-Straße in Bad Brückenau, finden, die direkt am Bahnradweg in der Rhön liegen.

3. Ausgangspunkt für fordernde Touren durch die Rhön

Der Rhönexpress ist der Ausgangspunkt für viele weitere Routen. Dabei spielt es keine Rolle, ob du mit dem Fahrrad oder zu Fuß unterwegs bist. Neben perfekt präparierten Pisten für dein Rennrad, findest du auch zahlreiche Waldwege zum Mountainbiken oder ausgewiesene Strecken zum Wandern oder Trailrunning, wie zum Beispiel den Königsweg in Bad Brückenau.

4. Noch mehr tolle Zwischenstopps

Neben den anfangs vorgestellten Highlights entlang des Rhönexpress gibt es eine Reihe weiterer toller Zwischenstopps. In Rupboden steht beispielsweise ein alter Zugwaggon, der einst sogar auf der Bahnstrecke von Jossa nach Wildflecken gefahren ist. Er soll künftig unter anderem als Aufenthaltsraum dienen, wird aktuell jedoch noch ausgebaut.

Auf der Höhe des Sportheims des 1. FC Bad Brückenau e. V. haben die Anwohner einen wunderschönen Platz für eine Pause kreiert. Hier gibt es eine gemütliche Sitzecke, umgeben von duftenden Blumen und Fahrrädern in allen Formen.

In Oberbach wird die Geschichte des Rhönexpress in einem künstlerischen Wandgemälde am Haus des Gastes festgehalten. Einige Meter weiter gibt es vor dem neuen Spielplatz eine kleine Holzhütte, auf der täglich Eis verkauft wird. Ideal, um deine Energiereserven aufzufüllen.

Kurz vor dem Ende des Rhönexpress wurde das alte Bahnhäuschen mit einem Streetart-Gemälde, mit Elvis Presley als Motiv, verziert. Per Knopfdruck ertönt die passende Musik des “King of Rock´n Roll”. Presley war während seiner Zeit bei der US-Armee im Jahr 1959 für ein paar Tage in Wildflecken stationiert.

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6. Genug Platz für alle

Über die gesamten 26,3 Kilometer hinweg gibt es auf dem Bahnradweg genügend Platz zum Überholen oder für den Gegenverkehr. Gleiches trifft zu, wenn mal ein Bobby Car querstehen sollte oder eine größere Gruppe zur Wanderung aufgebrochen ist, die du passieren musst. Engpässe sind auf dem Rhönexpress in der Regel Fehlanzeige.

7. Ideale Trainingsbedingungen für Ausdauersportler

Für sportlich Ambitionierte schafft der Rhönexpress die perfekten Voraussetzungen, um ordentlich Kilometer beim Lauf- oder Radtraining abzuspulen. Der weite Blick sorgt dafür, dass du auch bei hohen Geschwindigkeiten mit dem Rennrad vorausschauend fahren kannst und sicher unterwegs bist.

8. Anliegender Reparatur- und Fahrradservice

Auch zwei Fahrradläden befinden sich in unmittelbarer Nähe zum Radweg. Sollte sich zwischendurch ein Plattfuß oder eine andere Panne bemerkbar machen, so wird dir bei Zweirad Bohn in Rupboden oder Fahrrad Riemey in Bad Brückenau geholfen.

In Rupboden gibt es sogar eine Fahrrad-Service-Station, bei der du selbst Hand anlegen kannst. Sie ist mit einem Reparaturständer und dem nötigen Werkzeug sowie einem Schlauchautomaten ausgestattet, sodass du deinen Drahtesel in Windeseile wieder auf Vordermann bringen kannst.

9. Ein Paradies für Longboarder

Der Rhönexpress eignet sich nicht nur zum Laufen und Radfahren, sondern ist auch ideal zum Longboarden. Vor allem von Wildflecken bis Bad Brückenau geht es größtenteils leicht bergab, sodass du hier gemütlich cruisen oder auch mal laufen lassen kannst.

10. Ausgeklügeltes Rettungskonzept

Entlang des gesamten Bahnradweges wurden an den ehemaligen Streckensteinen rote Hinweisschilder mit den aktuellen Kilometerangaben angebracht. Informationen, die auch die Rettungsleitstelle Schweinfurt in ihrem System hinterlegt hat, sodass bei einem Unfall die Kilometerangabe dazu dient, den genauen Standort durchzugeben.

11. Weitere Einkehrmöglichkeiten entwickeln sich

Da der Rhönexpress sehr gut angenommen wird und vor allem viele Radfahrer anzieht, sprießen regelmäßig neue Möglichkeiten zum Einkehren aus dem Boden. So ist unter anderem in Planung, die ehemaligen Bahnhöfe umzufunktionieren. Auch an den Bahnradweg angrenzende Gaststätten und die Anwohner selbst entwickeln kreative Konzepte, sodass du bei deiner Tour ganz sicher nicht auf dem Trockenen sitzen wirst.

Hier besteht (noch) Nachholbedarf – die Nachteile

Die Umwandlung einer stillgelegten Bahnstrecke in einen lebendigen Bahnradweg war eine gute Idee und ist eine große Bereicherung für Bad Brückenau und die nähere Umgebung – natürlich auch für die Rhön im Allgemeinen. Doch diesen Artikel zu einem einzigen Lobgesang auf den Rhönexpress zu machen, wäre nicht ganz richtig. Es gibt schließlich einige Punkte, die ausbaufähig sind.

1. Gefahrenpotenzial durch ungesicherte Teilstücke

Nicht alle Bereiche mit Gefahrenpotenzial entlang des Bahnradwegs in der Rhön sind durch Geländer gesichert. Das beste Beispiel hierfür ist die Ancenis-Straße in Bad Brückenau. Hier verläuft der Fahrradweg parallel zur gut befahrenen Umgehungsstraße. Ein starker Windstoß, ein Ausweichmanöver oder eine Unaufmerksamkeit beim Fahren und schon landest du auf der Straße, wo du im schlimmsten Fall mit einem entgegenkommenden Auto kollidierst. Hier besteht dringender Handlungsbedarf.

2. Schlecht einsehbare Straßenkreuzungen

Die Beschilderung mit Vorfahrtsregelungen auf dem Rhönexpress ist sehr gut. Es gibt jedoch einige Stellen, die etwas brenzlig sind, wenn du mit hoher Geschwindigkeit unterwegs bist. So zum Beispiel in Schmidthof, Römershag oder Riedenberg, wo der Straßenverkehr kreuzt, du aber dazu verleitet wirst, Vollgas zu geben. Fahre daher vorausschauend und mit mäßigem Tempo, wenn du die Strecke noch nicht kennst.

3. Ehemalige Bahntrassen sind langweilig

Für Radreisende und ambitionierte Hobby-Radler ist es kein Geheimnis, dass in Radwege umfunktionierte Bahntrassen nicht unbedingt abenteuerlich sind. Oftmals handelt es sich dabei um eine langgezogene, flache Linie, die sich durch Wälder und öde Landschaften zieht.

Für einen Bahnradweg ist der Rhönexpress glücklicherweise recht attraktiv. Bei meinen Touren fungiert er mittlerweile jedoch primär als Zubringer auf Alternativrouten, da das ständige Auf- und Abfahren auf Dauer doch etwas langweilig ist.

Fazit: Ein großer Gewinn für die Region

Ich bin ein großer Fan vom Rhönexpress und verbringe, wenn ich nicht am Reisen bin, nahezu jeden Tag auf dem Bahnradweg. Ganz egal, ob auf dem Rennrad, bei meinen Laufeinheiten oder vielleicht bald auch wieder einmal auf dem Longboard. Die Strecke ist für eine ehemalige Bahntrasse überdurchschnittlich schön und macht die Schwarzen Berge und die Höchrhön auf der einen sowie das hessische Umland bis hin zur Mainebene auf der anderen Seite für Radfahrer weitaus besser zugänglich als zuvor.

Der Rhönexpress eignet sich wunderbar für Familienausflüge, Trainingseinheiten für Sportvereine, Wandergruppen oder aktive Berufspendler. Bad Brückenau als Herz des Bahnradwegs ist zudem der ideale Ausgangspunkt, um die Rhön zu entdecken. Ein paar Tage zum Erholen und um tolle Radtouren zu machen, lohnen sich absolut. Das würde ich auch als Nicht-Bad-Brückenauer sagen, denn um dir abschließend noch einmal die Worte einer Nicht-Einheimischen ins Gedächtnis zu rufen:

“Man fühlt sich ein bisschen wie im Voralpenland – echt schön.”

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