Umgangsformen in Thailand und ein Hirsch in der Brunftzeit

Umgangsformen in Thailand

Gastfreundlich, hilfsbereit und immer ein Lächeln auf den Lippen. Das sind die Merkmale der Thais, einem herzensguten Volk mit einer tiefgründigen Kultur und langen Geschichte aus der einige Verhaltensweisen noch heute Bestand haben. Wie du dich gegenüber einem Thai verhalten solltest und was es mit dem Hirsch in der Brunftzeit auf sich hat, verrate ich dir in meinem ersten Beitrag zum Start meiner Südostasien-Tour.

Während ich diese Zeilen tippe, ist es 5:45 Uhr morgens. Eigentlich überhaupt nicht meine Zeit, um aufzustehen und produktiv zu sein, aber der Jetlag meiner gestrigen Anreise aus Deutschland hat mich fest im Griff. Ich kann also gar nicht anders, als ein paar Zeilen zu bloggen.

Meine Müdigkeit ist sichtlich an den enormen Augenringen zu erkennen. Beschweren über meine aktuelle Situation hier an der Khao San Road im pulsierenden Bangkok will ich mich aber keineswegs. Vor allem nicht, wenn ich die Geräusche aus dem Nachbarzimmer höre, wo ein Backpacker unüberhörbar mit den Nachwirkungen eines rauschendes Festes zu kämpfen hat.

Eigentlich sollte ich mich bei dem Herrn, der sich zeitweise wie ein Hirsch in der Brunftzeit anhört, bedanken, schließlich hat er mich auf das Thema dieses Beitrags gebracht. Und zwar möchte ich dir ein bisschen was über die Umgangsformen in Thailand erzählen, auf die ich großen Wert lege, denn ich bin hier in Thailand nun mal zu Gast und es zeugt von Respekt, sich mit den Verhaltensweisen der Thais auseinanderzusetzen.

Die richtigen Umgangsformen in Thailand

Thailand ist das „Land des Lächelns“. Kein Wunder, dass mich das Land fest in Beschlag genommen hat und ich nach 2007 und 2008 nun schon zum dritten Mal im Königreich in Südostasien zu Gast bin. Die Menschen sind extrem freundlich, lächeln pausenlos und helfen, wo sie nur können. Ein Volk, das man einfach lieben und gerade deshalb auch ganz besonders respektieren muss.

Daher habe ich mich vor der Abreise, trotz einer furchtbar schlechten Vorbereitung, immerhin mit den grundsätzlichen Umgangsformen in Thailand beschäftigt, um den Thais in bestimmten Situation nicht auf den Schlips zu treten oder ihre Kultur zu missachten. Damit auch du für deinen nächsten Trip bestens gerüstet bist, habe ich acht Hinweise für dich, was du beachten solltest:

1. Begrüßung durch den wai

Der thailändische Gruß wird wai genannt. Dabei werden die Handflächen aneinander gelegt und auf Kinnhöhe vor das Gesicht gehalten. Der wai drückt die Stellung, das Geschlecht und das Alter des jeweiligen Gegenübers aus. Niedrig gestelltere Personen grüßen zuerst, während die höher gestellte den Gruß lediglich erwidert. Von Touristen wird der wai nicht erwartet. Macht ihn dein Gegenüber dennoch, dann erwidere die Geste einfach.

2. Die (Körper-) Sprache

Eine Sache des Respekts ist es, zumindest einige wenige Brocken in der Landessprache sprechen zu können und diese auch tatsächlich anzuwenden. Die thailändischen Worte für Hallo! (sàwàddee ká für Frauen, sàwàddee kráb für Männer) und Danke (kòbkûn ká für Frauen, kòbkûn kráb für Männer) solltest du auf alle Fälle drauf haben.

Bei der Körpersprache ist es wichtig zu wissen, welche Bedeutung die Füße und der Kopf für die Thais haben. Während der Kopf als heiliger Körperteil gilt und niemals betätschelt werden sollte, ist der Fuß das genaue Gegenteil. Deine Füße solltest du daher niemals einem Buddha zuwenden oder deinem Gegenüber entgegen strecken. Auch über eine Person drüber zu steigen, ist unsittlich.

Was bei bei uns in Europa eine gewisse Coolness versprüht, ist für die Thailänder eher eine Bedrohung: Die Hände in der Hosentasche. Ich ertappe mich leider viel zu oft dabei, wie ich eine oder zwei Hände beim Schlendern in der Tasche habe. Bei meinem ersten Thailandtrip 2007 hat mich ein Thai gebeten dies zu unterlassen, da er Angst hatte, ich würde eine Waffe zücken. Also Hände aus der Hosentasche.

3. Das bedeutende Königshaus

Das Königshaus ist heilig und genießt größtes Ansehen. Das zeigt sich unter anderem darin, dass nahezu jeder Thai ein Bild des Königs in den eigenen vier Wänden aufgehängt hat. Jegliche Kritik wird auf Grund der Stellung des Königs als Majestätsbeleidigung angesehen und bestraft. Mit voller Absicht auf einen Geldschein zu treten oder eine Briefmarke zu zerreissen, wo der König abgebildet ist, kann zu einer Gefängnisstrafe führen.

4. Der Umgang mit Mönchen

Hinter dem König genießen Mönche das zweitgrößte Ansehen. Die Beziehung zu ihnen ist in der Regel sehr locker und ein Mönch lässt es sich nicht nehmen, in einem Pläuschen seine Englischkenntnisse zu testen. Was das weibliche Geschlecht betrifft, ist jedoch Vorsicht geboten, denn ein Mönch darf eine Frau weder berühren oder etwas von ihr annehmen, noch im Bus neben ihr sitzen. Backpackerinnen sollten sich dessen bewusst sein.

5. Die richtige Kleidung

Beim Gang entlang des Backpackereldorados Khao San Road hat es nicht den Anschein, dass es eine Kleiderordnung gibt. Gibt es auch nicht, allerdings sehen Thais leichte Bekleidung als peinlich an. Thaifrauen in schulterfreien Shirts oder kurzen Röcken sind daher eher selten anzutreffen, insbesondere fernab von Touristenhochburgen. Umso verständlicher, dass das Sonnenbaden oben ohne ebenfalls verpönt ist.

6. Das passende Trinkgeld

Eine wirkliche Regelung zum Trinkgeld gibt es nicht. Eigentlich gibt es eine solche streng genommen nirgends. In Thailand hat das Trinkgeld überhaupt keine Tradition, sich mittlerweile aber in Urlaubsregionen eingebürgert, sodass vor allem Taxifahrer, Friseure und Masseure einen kleinen Obulus erwarten. Entweder rundest du in solchen Fällen auf die nächste Zehnerstelle auf oder du kalkulierst zehn Prozent des Preises.

Sei kein Hirsch und benimm dich anständig

Passend zum Ende dieses Blogbeitrags hat sich auch der Hirsch von nebenan abgelegt und ist zur Ruhe gekommen. Ich gehe mal davon aus, dass er in spätestens zwölf Stunden wieder auf der Matte stehen wird und sich eine weitere Nacht um die Ohren schlagen wird. Warum eigentlich auch nicht? Im Film „The Beach“ beschreibt Leonardo di Caprio Bangkok nicht umsonst mit den Worten „This is where the hungry come to feed“.

Nicht, dass ich jetzt als Moralapostel und Spaßbremse dastehe. Für mich spielt es jedoch eine große Rolle, dass sich die Gäste eines so bezaubernden Landes auch als solche benehmen und bestimmte Umgangsformen berücksichtigen. Das bedeutet nicht, dass der Hirsch sich nicht benommen hätte. Ideengeber für diesen Beitrag war er aber dennoch.

Sofern du einem Mönchen nicht durch die Haare streichelst, nachdem du über die Türschwelle gestolpert bist – was übrigens Geister freisetzt – und du keine Schmähgedichte über den König in die Welt hinaus posaunst, warum solltest du dann auch nicht mal ordentlich die Sau rauslassen.

Thailand hat zwar mit gewissen Vorurteilen zu kämpfen, die sich in der Regel auch bestätigen, aber verhalten solltest du dich trotzdem nicht als wärst du der König. Also sei kein Hirsch. Ich versuche es auch, obwohl ich doch immer wieder in gewisse Fettnäpfchen trete.

Bildquelle: Harvey Enrile | unsplash.com

4 KommentareHinterlasse einen Kommentar

  • Ja toll das du schon in der Lage bist dich bemerkbar zu machen!
    Endlich gib’s wieder mal was zu lesen von dir auf dieser Seite.

    Dann weiter so,Onkelsche u.Tante Evi.

    • Hallo ihr beiden,

      ab jetzt wird es wieder regelmäßig was zu lesen geben. Bilder gibt´s demnächst auch wieder mehrere. Werde ich heute noch mit dem Roller auf Tour machen, um welche aus Pai zu schießen.

      Viele Grüße in die Heimat, Daniel.

    • Hallo Lore,

      danke euch beiden. Bis jetzt (wieder) alles sehr schön hier. Hier in Pai, wo ich gerade bin, regnet es, was zur Abwechslung auch mal sehr angenehm ist. Werde euch auf alle Fälle auf dem Laufenden halten.

      Viele Grüße aus dem Norden Thailands, Daniel.

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