Südafrika mal von einer anderen Seite

Bisher waren sicherlich 99 Prozent meiner Blogeinträge äußerst positiv, was ja auch so sein sollte. Diesmal möchte ich Euch mal ein bisschen darüber berichten, was während meines Aufenthaltes geschah und ich Euch eigentlich verschweigen wollte. Das Ganze habe ich in drei Geschichten aufgeteilt, die sich auch tatsächlich so ereignet haben.

Grund für den heute etwas weniger schönen Beitrag ist auch, dass in Südafrika momentan heftig gestreikt wird und auch noch lange kein Ende in Sicht ist. Im Gegenteil: Neben vielen Lehrern, die bereits seit einer guten Woche eine Pause einlegen, werden in nächster Zukunft eventuell auch noch Polizisten, Ärzte und sonstige Mitarbeiter aus dem Öffentlichen Dienst hinzukommen, was ein absolutes Chaos in Südafrika bedeuten würde. Der Grund für die Streiks ist, wie sollte es auch anders sein, das gute alte Einkommen, das vielen Leuten wieder mal viel zu niedrig ist.

(Während ich diesen Artikel schreibe, ist auch plötzlich der Strom ausgefallen. Vielleicht haben sich soeben auch die Herren der Energiekonzerne dazu entschlossen, ihre Arbeit für eine gewisse Dauer auf Eis zu legen.)

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1. Mordanschlag auf Taxibus

Nicht lange nach meiner Ankunft im April ereignete sich im Township Umlazi, in der wir auch mit WhizzKids United arbeiten ein sehr schlimmes Ereignis. Um mehr Geld zu bekommen, riefen sämtliche Taxibus-Betreiber einen Streik aus, der an einem Montag den kompletten Verkehr lahm legen sollte und somit den ein oder anderen Arbeitgeber aufgrund fehlender Arbeitskräfte zur Verzweiflung bringen sollte.

Einige Leute versuchten selbstverständlich zur Arbeit zu kommen und überredeten einen Taxibus-Fahrer dazu, die vier willigen Berufstätigen zum Arbeitsplatz zu fahren. Die anderen streikenden Taxifahrer bekamen natürlich mit, dass sich jemand der Abmachung, einen Tag lang nicht zu fahren, wiedersetzte. Deshalb stoppten sie das Taxi und erschossen neben dem Fahrer auch die vier Mitfahrer, die sich lediglich auf den Weg zur Arbeit machen wollten.

An manchen Stellen dieser Erde herrscht also doch noch Selbstjustiz. Diese Geschichte wurde mir von einem unserer Trainer aus dem Township Umlazi erzählt.

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2. Höllische Nachbarn

Im Vorhinein muss ich sagen, dass die Weltmeisterschaft in Südafrika nicht sicherer hätte sein können und kaum schlimme Gewalttaten ausgeübt wurden. Als wir jedoch eines Morgens an die Arbeit fuhren, hörten wir in unserem Lieblingssender East Coast Radio, dass einem Bewohner Durbans die WM doch etwas zu Kopf gestiegen ist.

Da dessen Nachbar wohl zu sehr in seine Vuvuzela verliebt war und sie desöfteren benutzte, riss der besagten Person der Geduldsfaden. Als einziges Mittel, um das Getröte zu stoppen, zückte er eine Pistole (oder Gewehr) und erschoss seinen auf der Vuvuzela blasenden Nachbarn.

Manchmal hilft es auch miteinander zu reden, aber das hätte man dem Mörder vielleicht im Vorhinein nochmal sagen sollen.

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3. Frisch verheiratetes Ehepaar umgebracht

Die wohl tragischste Geschichte spielte sich in den Drakensbergen ab, welche sämtliche WhizzKids-Mitarbeiter fast am eigenen Leib mitbekommen hätten, denn wenige Stunden nach der Abreise von unserem dreitägigen Teambuilding-Trip in der White Mountain Lodge spielte sich in eben dieser Ferienanlage ein furchtbares Ereignis ab.

Ein indisches Paar, das nach seiner Trauung zu den Kurzflitterwochen in die Drakensberge aufbrach, überlebte nicht einmal die erste Nacht und wurde am Morgen nach der Ankunft unbekleidet und tot aufgefunden. Der Pathologe diagnostizierte neben vielen blauen Flecken und Rippenbrüchen auch eine Fleischwunde im Gesicht sowie geschwollene Lippen beim Bräutigam, was ganz klar auf Einwirkung von Gewalt zurück zu führen ist. Die tatsächliche Todesursache der beiden war jedoch die Einatmung von Gas, die durch Unbekannte hervorgerufen wurde.

Anscheinend war dies nicht der erste mysteriöse Mord, der wenige Stunden nach unserer Abfahrt in der White Mountain Lodge stattfand. Wer wirklich hinter der Tat steckt, ist mir nicht bekannt, aber ich bin froh, dass wir bereits einen Tag früher abgereist sind.

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Bei mir ist aber sonst alles bestens und trotz genannter Vorfälle bin ich der Meinung, dass Südafrika ein überaus sicheres Land ist, sofern man gewisse Regeln befolgt. In Durban ist weiterhin alles super und ich freue mich auf ein erneutes Wochenende mit Sommer, Sonne, Surfen, Rugby, und und und. Erst einmal werde ich mir aber das in wenigen Minuten beginnende erste Bundesligaspiel der Bayern anschauen mit Kommentaren vom Experten Sean Dundee.

(Die Herren der Energiekonzerne scheinen übrigens doch nicht zu streiken, da ich nach einer Stunde wieder auf Strom zurück greifen kann. Glück gehabt.)

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