Eingelebt und schon muss man wieder weg

Seit einer Woche bin ich endlich kein illegaler Einwanderer mehr, denn drei Monate nach der Beantragung habe ich endlich meinen Stempel bekommen, dass ich mich ganz offiziell bis zum 8. Oktober in Südafrika aufhalten darf. Natürlich ist die Verspätung nicht wirklich die Schuld der Behörden, sondern meine eigene, da ich schlichtweg zu faul war, mir den Stempel abzuholen.

Da sich nicht nur mein Aufenthalt in Durban, sondern auch das Praktikum mit WhizzKids United dem Ende entgegen neigt, sind auch die meisten Projekte, mit denen ich zu tun hatte, abgeschlossen. Deswegen bin ich halbwegs vom Marketing- ins Programmteam gewechselt, wo ich die letzten Tage noch als Life Skills Trainer aushelfen werde.

Das bedeutet dann, dass ich sowohl nette als auch freche Kids aus Durban unter meine Obhut nehme, um sie anhand ein paar theoretischer und praktischer Übungen auf die Gefahren von AIDS aufmerksam zu machen. Das ist dann auch mal eine ganz angenehme Abwechslung zur Büroarbeit, auch wenn drei Stunden Training ziemlich anstrengend sein können. Vor allem im Vergleich zu den Kindern aus den Townships merkt man schnell, dass die besser gestellten Schüler aus Durban doch um einiges verwöhnter und schwerer zu beeindrucken zu sind.

 Fußballerisch läuft es auch bei unserer Montagsliga weiterhin sehr gut. Ich kann mich noch an einen meiner ersten Blogeinträge erinnern, in dem ich schrieb, dass die Südafrikaner ziemlich hart zur Sache gehen. Mittlerweile scheine ich mich auch in dieser Sache angepasst zu haben, was ich daran merke, dass mir jede Woche neue weniger schöne Wörter ins Ohr geflüstert werden. Von 13 Mannschaften sind wir mittlerweile Dritter und obwohl es nur noch vier Saisonspiele sind, werde ich die letzten beiden wohl nicht mehr mitnehmen können.

Auch die Streiks in Südafrika sind nach mehreren Wochen so gut wie vorbei und es wird wieder überall fleißig gearbeitet. Besonders lustig sind auch immer die Nachrichtenberichte über die Streiks gewesen, da die Menschenmassen hier nicht laut protestierend auf die Straße gehen, sondern einfach nur singen und tanzen. Es sieht also mehr wie eine Tanzveranstaltung als ein Protestmarsch aus. Trotz dieser fröhlichen Versammlungen mussten aber dennoch viele Menschen ihr Leben lassen, da in einigen Krankenhäusern keine Arbeitskräfte zur Verfügung standen, welche für die Versorgung der Kranken zuständig waren.

Am vergangenen Samstag war ausnahmsweise mal schlechtes Wetter, sodass es Fabian und mich auf einen südafrikanischen Markt verschlug, bevor wir uns im größten Kaufhaus Südafrikas namens „Gateway“ die Zeit vertrieben. Das geht in einem Kaufhaus mit einem Fußballplatz, GoKart-Bahn, Minigolfplatz, Kino und jeder Menge Geschäfte eigentlich auch ganz gut.

Natürlich kam auch das Spitzenspiel der Bundesliga der Bayern gegen Schalke nicht kurz. Das Fernsehen in Südafrika (DSTV) ist schon wirklich unschlagbar. Bei circa 300 Sendern fällt es nicht gerade leicht das passende Programm zu finden und sollte man vor allem in Sachen Fußball mal eine Szene übersehen haben, dann kann man immer noch zurück spulen. Erstaunlich auch wie hoch die Bundesliga hier im Kurs steht, insbesondere die deutschen Spieler. So gibt es mittlerweile sogar eine Werbung, die sich ausschließlich um den Bayern-Jungstar Thomas Müller dreht und mit ihm für die Bundesliga geworben wird. Besonders beliebt bei den Südafrikanern sind auch Schweinsteiger, Klose und Podolski.

Sonntags war das Wetter wieder um einiges besser, was uns dazu veranlasste nach Umdloti zu fahren, einem ungefähr 25 km von Durban entfernten Strand, um dort die Seele etwas baumeln zu lassen, Fußball im Sand zu spielen, sich von den Wellen durchschleudern zu lassen und sich somit ein kostenloses Peeling abzuholen, indem man durch die Wucht der Wellen auf dem Sand entlang geschoben wurde.

In dieser Woche stand dann auch der erste Abschied bevor, denn mein Mitbewohner Stefan ist zum Urlaub machen für zwei Wochen nach Deutschland geflogen. Ihm habe ich mehr oder weniger auch das Praktikum zu verdanken, weswegen ich ihn selbstverständlich auch zum Flughafen gefahren hatte, was ich auf der Rückfahrt anschließend noch mit einem entspannenden Sonnenuntergang am Strand sitzend verbunden hatte. So lässt es sich leben.

Ich werde mich die nächsten Tage dann mal weiter meinen Planungen für Mosambik widmen, die letzten beiden Wochenenden hier in Durban genießen und mich so langsam wieder auf Deutschland vorbereiten, schließlich heißt es in drei Wochen: „Welcome on board of Qatar Airines!“

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