Burning Season in Chiang Mai: Das Problem mit dem Smog

Burning Season in Chiang Mai

Zwischen Februar und April gibt es in Chiang Mai nicht allzu viele Touristen. Nicht etwa wegen des schlechten Wetters (was es nun mal nicht gibt), sondern wegen der so genannten Burning Season, in welcher der Smog von Chiang Mai Besitz ergreift. Erste Anzeichen davon durfte ich in den letzten Tagen selbst kennen lernen. Daher dreht sich diesmal alles um den Smog in Chiang Mai, dem wahrscheinlich größten Problem Nordthailands. 

300 Tempel, umgeben von einer wunderbaren Berglandschaft und auch sonst lässt es sich in Chiang Mai ganz gut aushalten. Nach meiner Tour durch die Altstadt von Chiang Mai und all den Lobeshymnen über die zweitgrößte Stadt in Thailand ist es endlich an der Zeit Klartext zu reden, denn auch hier ist nicht alles Gold, was glänzt (5 Euro ins Phrasenschwein).

Etwas düster, was das Verantwortungsbewusstsein betrifft

Gut eine Woche bin ich nun schon in Chiang Mai und es verging kaum ein Tag, an dem es nicht über 40 Grad heiß war, was einen Rundgang durch die Stadt auf Grund enormer Schweißattacken und Müdigkeit nahezu unmöglich machte. Daher hielt ich mich primär in irgendwelchen Coworking Spaces oder Cafés auf, um von dort ein bisschen zu arbeiten.

Gut sieben Tage sind es auch, an denen es nicht geregnet hat. Nicht ein Tropfen, der sich auf dem heißen Asphalt niedergelassen hat. Nicht, dass ich mich darüber beschweren würde, aber sowohl die Hitze als auch der fehlende Regen sind zwei der Voraussetzungen für etwas sehr Unangenehmes: Smog!

Aktuell beträgt der Feinstaubgehalt in der Luft Chiang Mais 81 µg/m³. Ein Wert, mit dem ich anfangs rein gar nichts anfangen konnte. Laut thailändischer Regierung ist ein Wert unter 120 µg/m³ gesundheitlich nicht bedenklich, was mich natürlich beruhigte. Als ich dann aber auf den deutschen Richtwert schielte, war dieser längst überschritten, denn bei uns ist der Feinstaubgehalt alles andere als gesund, sobald 25 µg/m³ überschritten werden.

Hm…

Die Gründe für den Smog in Chiang Mai

Der blaue Himmel ist in den letzten Tagen ebenso wenig zu sehen gewesen wie die Berge des Doi Suthep, der die Stadt teilweise umgibt. Es ist diesig und manchmal kommt es mir so vor, als schafft es nicht mal die Sonne, sich durch den Dunst zu kämpfen, insbesondere zu den besonders heißen Tageszeiten zwischen 13 und 16 Uhr.

Aktuell ist zwar keine Burning Season, wie die Smogsaison liebevoll von denen genannt wird, die sich schon vor einiger Zeit in Chiang Mai niedergelassen haben. Das Atmen fällt mit zunehmender Hitze und dem fehlenden Regen dennoch von Tag zu Tag schwerer, was zur Folge hat, dass täglich mehr Bewohner von Chiang Mai einen Mundschutz aufziehen.

Warum gerade Chiang Mai Jahr für Jahr, vor allem aber von Februar bis April von einer enormen Luftverschmutzung betroffen ist, hat vier Gründe, die ich dir kurz und knackig erläutern möchte:

1. Enorme Hitze

Die hohen Temperaturen und vor allem der fehlende Regen, der den entstandenen Smog einfach wegspült, hatte ich bereits angesprochen. Je länger es trocken bleibt, umso höher ist die Gefahr, dass sich die klitzekleinen Staubpartikel in der Stadt festsetzen.

2. Bergige Landschaft

Chiang Mai ist eingebettet in einer wunderschönen Berglandschaft. Doch genau diese sorgt dafür, dass sich der Feinstaub nicht ausweiten beziehungsweise in andere Gefilde verschwinden kann. Hinzu kommt die chronisch wirkende Windstille durch die sich der Smog in Chiang Mai endgültig festsetzt.

3. Abbrennen der (Mais-) Felder

Die schlimmste Ursache für den Smog ist das Abbrennen der Maisfelder durch die Landwirte außerhalb der Stadt. Eigentlich hat die Regierung eine solche Rodung gerade wegen der hohen Luftverschmutzung verboten, doch scheint sich weder diese noch die Polizei darum zu kümmern. Es bleibt also alles beim Alten und Landwirte verpesten weiterhin die Luft der Stadt.

4. Ungefilterte Abgase

In Chiang Mai gibt es weder öffentliche Verkehrsmittel wie ein Bussystem oder eine Metro, noch scheint großer Wert auf Abgasuntersuchungen gelegt zu werden. Jeder kann mit seinem TukTuk, Taxi oder uraltem Auto ungebremst die Luft verpesten, zumal die Anzahl der PKW-, Motorroller- und TukTuk-Besitzer weiterhin steigt, obwohl die Straßen in der Innenstadt schon jetzt restlos überfüllt sind.

Es gibt also durchaus Möglichkeiten, um gegen den Smog zumindest teilweise vorzugehen. Doch scheinbar ist dies kein bedeutender Tagesordnungspunkt bei den regelmäßig stattfindenden Treffen thailändischer Politiker. Lieber wird der Wert, ab wann der Smog gesundheitsschädlich ist, weiter nach oben gesetzt.

Aktuell scheint es jedem wunderbar zu gehen, sobald die 120 µg/m³ nicht überschritten werden. Seltsam nur, dass man bereits bei den aktuellen 81 µg/m³ leichte Atemprobleme bekommt.

Tipps für die Burning Season in Chiang Mai

Wenn die Regierung schon nichts gegen den Smog unternimmt, dann solltest du während eines Besuchs in Chiang Mai wenigstens einige Punkte beachten, um unnötige Gesundheitsrisiken (zumindest teilweise) zu vermeiden, nämlich:

1. Halte dich an heißen Tagen zwischen 13 und 16 Uhr in Gebäuden auf und meide es nach draußen zu gehen.

2. Trage während der Burning Season einen Mundschutz, wenn du das Gefühl hast, dass die Feinstaubbelastung in der Luft besonders hoch ist. Teilweise wird dieser von der Regierung sogar kostenlos zur Verfügung gestellt. Immerhin etwas.

3. Checke über die App Air4Thai oder die Website air4thai.pcd.go.th wie hoch der aktuelle Stand der Luftverschmutzung ist. Oder halte dich an das, was ein Arzt aus Chiang Mai in einem Interview  treffend gesagt hat: „Wer die Berge von Doi Suthep nicht sehen kann, sollte lieber zu Hause bleiben!“

4. Meide den März für einen Urlaub in Chiang Mai, da in diesem Monat auf Grund des Abbrennens der Maisfelder der Smog besonders hoch ist.

Der Luftverschmutzung kannst du nicht komplett aus dem Weg gehen, allerdings solltest du es auch nicht darauf anlegen, deiner Gesundheit zu schaden.

Keine Angst: Der Smog ist nur wenige Wochen im Jahr da

Beim nochmaligen Durchlesen meines Blogartikels über den Smog in Chiang Mai ist mir bewusst geworden, wie negativ dieser geschrieben ist. Diesen Eindruck möchte ich über Chiang Mai keineswegs vermitteln. Die Stadt ist und bleibt wunderschön und ist eine einmalige Destination für Touristen und Backpacker.

Du solltest dir nur bewusst machen, wann du nach Chiang Mai reist, denn von Februar bis April macht es eher weniger Sinn, wenn der Dunst die Stadt erreicht hat. Ein schönes Panoramafoto vom Wat Doi Suthep wirst du dann ebenso wenig schießen können, wie eine der zahlreichen Sehenswürdigkeiten bei strahlend blauem Himmel.

Ich werde jetzt noch eine gute Woche in Chiang Mai bleiben und kann dich beruhigen, da der Smog wieder etwas nachgelassen hat und die Wettervorhersagen Regen melden. Es wird auch höchste Zeit, denn ich möchte, bevor es weiter nach Bali geht, noch das ein oder andere schöne Erinnerungsfoto schießen und die Vorzüge der Stadt genießen, ohne mir Gedanken um meine Gesundheit machen zu müssen. Aber solange der Wert unter 120 µg/m³ ist, muss ich das ja sowieso nicht.

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