Santiago de Queretaro: Die bunte Kolonialstadt mit der wunderschönen Altstadt

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Das größte Lob, das ich Queretaro machen konnte, war es, einfach nicht mehr weiterzuziehen zu wollen. Daher verweilte ich ganze neun Tage in der wunderschönen Kolonialstadt in Zentralmexiko, in der es weit mehr als nur bunte Häuser und enge Gassen zu bewundern gibt. Was genau, verrate ich dir in diesem Beitrag. 

Nach einem sehr intensiven Roadtrip über die Yucatan-Halbinsel und dem Einschleichen einer gewissen Reisemüdigkeit, war es an der Zeit, einfach mal ein paar Tage an einem Ort zu verweilen. Nicht nur, um die bis dato gesammelten Eindrücke zu verarbeiten, sondern auch um ein paar Projekte abzuarbeiten. Die Wahl fiel, nach zwei Zwischenstopps im weniger schönen Villahermosa und im schönen Puebla am Fuße des Popocatepetl, auf Queretora.

Santiago de Queretaro, wie die Stadt mit vollem Namen heißt, liegt 222 Kilometer nordwestlich von Mexiko-Stadt und ist dafür bekannt, sehr sauber, abwechslungsreich und sicher zu sein. Drei Punkte, die definitiv zutreffen, zumindest solange du dich in der Altstadt aufhältst. Ein weiteres Plus sind die ausgesprochen freundlichen Menschen, die hier leben und stets ein Lächeln auf den Lippen haben.

Die Highlights von Queretaro

Queretaro ist für mich „Die Stadt der gestutzten Bäume und Schuhputzer.“ Diesen Satz schrieb ich mir kurz nach meinem ersten Rundgang durch das Zentrum in mein Notizbuch. So stachen mir nicht nur die akribisch gestutzten Bäume ins Auge, die sich um und an den einzelnen Plätzen befinden, auch die große Anzahl an Schuhputzern haben einen bleibenden Eindruck hinterlassen. Schuhe putzen ist in Mexiko übrigens ein echtes und geschätztes Handwerk.

Aber das ist längst nicht alles, auf das du dich bei deinem Besuch in Queretaro freuen darfst. Acht Highlights, die du dir vornehmen solltest, stelle ich dir im Folgenden etwas genauer vor.

Schlendere durch die Altstadt (Centro Historico) von Queretaro

Seit 1996 zählt die Altstadt von Queretaro zum UNESCO-Weltkulturerbe. Absolut berechtigt, schließlich ist das relativ große Centro Historico mit bunten, sehr gut erhaltenen Häusern im barocken und neoklassischen Stil bestückt. Es macht Spaß durch die Gassen zu schlendern, auf den Plazas das wilde Treiben zu beobachten und dabei ein beeindruckendes Bauwerk nach dem anderen zu bestaunen.

Bis spät in den Abend springen Kinder fröhlich umher, Einheimische verkaufen ihre Marias (= typisch mexikanische Puppe) und der Nachtwächter bietet nach Einbruch der Dunkelheit Stadtführungen der besonderen Art an. Das historische Zentrum hat etwas Magisches.

Da Queretaro als wichtiger Weinproduzent gilt, kannst du es dir am Abend aber natürlich auch in einem der Restaurants gemütlich machen. Musikalische Begleitung kommt dabei ebenso wenig zu kurz wie kulinarische Spezialitäten aus der Region.

Tipp: Da das Zentrum in Queretaro als sehr sicher gilt, lohnt es sich, die Altstadt auf eigene Faust zu erkunden und die einzelnen Gassen nacheinander abzulaufen. Selbst nach einer Woche habe ich täglich neue Entdeckungen gemacht.

Erlebe die hippe Café-Szene

Gut gefallen haben mir in Queretaro zudem die vielen urigen Cafés, die sich in den Straßen und Gassen der Altstadt verstecken. Jedes davon versprüht seinen eigenen Charme, sodass einige mit Hipster-Cafés europäischer Metropolen vergleichbar sind. Daher wirst du auch einige Laptop-Menschen antreffen, die bei gutem Internet ortsunabhängig ihre Arbeit verrichten. Queretaro versteht es, die Tradition mit der Moderne zu vereinen.

Anders als bei uns in Europa spielt sich das Leben in mexikanischen Cafés in der Regel im Innenbereich ab. Üppige Außenbereiche sind eher selten. Dafür gibt es die Plazas, die sich über das Centro Historico verteilen.

Tipp: Leckeres Frühstück gibt es im Café Breton, das stark französisch angehaucht ist. Nachmittags ist die gemütliche Seitengasse am ExpressArte Caffé eine gute Adresse, um dem Innenstadttrubel zu entfliehen.

Leute in den „Gärten“ Queretaros beobachten

Da das historische Zentrum von Queretaro recht groß ist, gibt es eine Reihe an verschiedenen Plätzen. Eben diese mit den Schuhputzern und den perfekt gestutzten Bäumen, die ich bereits erwähnte. Hier sitzen die Einheimischen und unterhalten sich, kaufen kitschige Spielzeuge für ihre Kinder, lesen Zeitung oder lauschen den Klängen der Musik, die aus allen Ecken ertönt.

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Ich habe mich selbst gerne an einen der Plätze beziehungsweise in die „Gärten“ gesetzt, ein gutes Buch zur Hand genommen oder einfach nur Menschen beobachtet, die an mir vorbeistreiften. Dabei strahlte mir meist die Sonne ins Gesicht, was dann kurz den Anschein hatte, als würde die Welt für einen kurzen Moment still stehen. Eine gewisse Magie, die in der Luft lag.

Auf vier der Plazas, die direkt in oder zumindest dicht an der Altstadt liegen, möchte ich kurz etwas näher eingehen:

Plaza de Armas

Während in der Mitte des Hauptplatzes ein Brunnen mit herabblickenden Hunden steht, befinden sich rundum akkurat gestutzte Bäume sowie hochpreisige Restaurants mit gemächlicher Live-Musik. Der Plaza de Armas, der sich im ältesten Viertel der Stadt befindet, ist auch der Ort, an dem du die riesigen Q.U.E.R.E.T.A.R.O-Buchstaben findest. Dass diesen oftmals mehr Beachtung geschenkt wird als die architektonischen Bauwerke in unmittelbarer Nähe, ist fast schon etwas traurig.

Jardin de la Corregidora

Der Jardin de la Corregidora ist ein bisschen das Show- und Entertainment-Zentrum von Queretaro. Auf dem großen, freien Platz versammeln sich ab dem Mittag Tänzer, Trommler, Artisten, Clowns und sogar BMX-Fahrer, die abwechselnd ihr Programm aufführen.

Die Stufen auf dem gleichnamigen Denkmal im Zentrum des Jardin de la Corregidora eignen sich zudem dafür, dir sämtliche Aufführungen in aller Ruhe mit bestem Blick anzuschauen. Oder du nimmst in einem der Restaurants Platz, die über – für mexikanische Verhältnisse – recht große Außenbereiche verfügen.

Jardin Zenea

Musikalisch geht es am Abend im Jardin Zenea zur Sache. Das Kiosk in der Mitte des etwas verwinkelten „Gartens“ wird als Bühne für verschiedene Musiker genutzt. Davor werden Einheimische und Touristen spontan zum Paartanz aufgefordert. Jeder kann mitmachen oder einfach nur zuschauen.

Jardin Guerrero

Am Rande des Centro Historico befindet sich der Jardin Guerrero, der mich zu der Aussage „Queretaro ist die Stadt der gestutzten Bäume und der Schuhputzer“ verleitete. Die perfekt präparierten Bäume kesseln den Platz ein und die Schuhputzer stellen sich in Reih und Glied auf, um nach Kundschaft Ausschau zu halten. Lediglich eine Seite ist „baumfrei“ geöffnet, um das imposante Gebäude Delegacion Centro Historico hervorzuheben.

Besuche ein Fußballspiel im Estadio La Corregidora

Groundhopping, also das Sammeln von Besuchen in Fußballstadien auf der ganzen Welt, ist mittlerweile ein fester Bestandteil bei meinen Reisen. Daher kam ich nicht drumherum, mir ein Spiel des Queretaro Futbol Club anzuschauen, der sich während meines Aufenthaltes mit den Kickern vom Club Leon messen musste. Ein Ticket für die neunte Reihe auf der Haupttribüne kostete mich lediglich 215 Pesos.

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Kleiner Fun Fact: Der Queretaro FC war in der Saison 2014/15 die letzte Auslandsstation des zweimaligen Weltfußballers Ronaldinho.

Das Estadio La Corregidora hatte in der Vergangenheit schon so einige Fußball-Legenden zu Gast. Im Jahr 1986 war das Stadion mit seinen 34.130 Sitzplätzen eine der Spielstätten bei der Fußball-Weltmeisterschaft in Mexiko. Die deutsche Nationalmannschaft trug hier ihre Vorrundenspiele gegen Uruguay (1:1), Schottland (2:1) und Dänemark (0:2) aus.

Auch, wenn bei meinem Besuch die Fußballer von Queretaro mit einer deftigen 0:4-Klatsche abgefertigt wurden, bereitete mir das Spiel eine große Freude. Nicht nur, weil du während der 90 Minuten Sombreros, Eis, Obst, Fan-Utensilien, Spielzeug und 0,71 Liter großes Bier für 85 Pesos an den Platz geliefert bekommst, sondern auch, weil die spanischen Fangesänge wie Musik in den Ohren klingen. Zumindest solange bis die weltweit umstrittenen „Pu _ _“-Rufe bei den Abschlägen der Gegner ertönen.

Genieße die Aussicht vom Kongresscenter

Ich gebe zu, dass das Queretaro Centro de Congresos in keinster Weise auf meiner Liste der abzuklappernden Sehenswürdigkeiten stand. Jedoch fuhr mich meine Uber-Fahrerin eben genau dorthin, obwohl ich das gut vier Kilometer entfernte Estadio La Corregidora als Ziel angegeben hatte.

Von außen sieht das riesige Kongresscenter mit seinen 32.0000 Quadratmetern Fläche durchaus wie ein Fußballstadion aus. Nur moderner, aufgeräumter und die Passanten tragen Anzüge anstatt Fußballtrikots. Eine riesige Terrasse vertröstete mich jedoch, da sie der (vielleicht) beste Aussichtspunkt der Stadt ist. Von hier oben kannst du das gesamte Ausmaß der Stadt mit ihren knapp eine Millionen Einwohner genießen.

Als eine der Top-Sehenswürdigkeiten würde ich das Kongresscenter trotzdem nicht einstufen. Falls du aber genügend Zeit hast – zum Beispiel vor einem Fußballspiel – oder du mit dem Auto unterwegs bist, lohnt sich ein kurzer Zwischenstopp auf alle Fälle. Kostenlose Parkplätze gibt es auf dem Hügel am Rande der Stadt mehr als genug.

Arbeiten im Coworking Space Startpoint

Ich hoffe nicht, dass du bei deiner Tour durch Zentralmexiko in den Genuss kommst, arbeiten zu müssen. Bei mir gehört dies als Digitaler Nomade zum Reisealltag dazu. Meinen Zeitraum in Queretaro verlängerte ich auch deswegen, weil die Stadt mit einigen Coworking Spaces und Cafés mit gutem Internet ideale Bedingungen bietet, um produktiv zu sein.

Daher nistete ich mich für einige Tage in den Coworking Space Startpoint im Nordosten der Altstadt ein. Im Startpoint bekommst du für günstige 190 Pesos alles, was das Digitale Nomaden-Herz begehrt: Schnelles Internet (Download: 150 Mbps, Upload: 126 Mbps), abwechslungsreiche Arbeitsplätze sowie Kaffee, Wasser und leckere Kekse ohne Ende.

Auch, wenn hier relativ wenig Englisch gesprochen wird, geben die Mitarbeiter Vollgas, um dir den Arbeitstag so angenehm wie möglich zu gestalten. Das Motto lautet nicht umsonst #wehavehappypeople.

Kurzer Fußmarsch zum Aquädukt

Ein beliebtes Postkartenmotiv und Aushängeschild von Santiago de Queretaro ist das Aquädukt. Das heimliche Wahrzeichen der Stadt, das abends beleuchtet wird, wurde von 1726 bis 1738 erbaut, um die damaligen Einwohner mit ausreichend Wasser zu versorgen.

Heute hat das bis zu 23 Meter hohe Aquädukt mit seinen 74 Bögen keine Verwendung mehr. Sehenswert ist es dennoch, weshalb es sich lohnt, das 1,2 Kilometer lange Überbleibsel aus dem 18. Jahrhundert genauer zu betrachten. Es liegt ungefähr 20 Minuten zu Fuß vom Centro Historico entfernt und zieht sich entlang der Calzada de los Arcos.

Sportlich aktiv im Parque Queretaro 2000

Der riesige Stadtpark mit dem futuristischen Namen befindet sich vier Kilometer nördlich der Altstadt. Er war lediglich ein Zwischenziel einer meiner Laufrunden. Der Weg dorthin ist nicht unbedingt zu empfehlen, da die Wohngegenden nicht sehr sehenswert sind und auch nicht den sichersten Eindruck vermitteln.

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Im Parque Queretaro 2020 angekommen kannst du hier aber gut und gerne einen ganzen Nachmittag verbringen. Die langen, verzweigten und vorwiegend asphaltierten Wege auf der großen Parkanlage sind ebenso prädestiniert für gemütliche Spaziergänge wie für variantenreiche Laufrunden fernab von Verkehrschaos und Großstadtdschungel.

Um dich sportlich auszutoben kannst du außerdem das Outdoor-Fitnessstudio, einen der Fußballplätze, die Basketballfelder oder die moderne 400-Meter-Bahn mit dem auffällig blauen Belag nutzen. Dazu werden über den Parque Queretaro 2000 verschiedene Aktivitäten wie Zorbing oder Yoga angeboten. Die Kids toben sich dagegen auf dem ziemlich starken Spielplatz aus.

Weniger ins Schwitzen kommst du dagegen beim Zuschauen von freiwilligen Protagonisten im Open Air-Theater oder beim Entspannen am großen See etwas oberhalb des Parks. Aus größerer Entfernung ist er ein echter Hingucker. Näherst du dich ihm jedoch, wird dir auffallen, welch geringes Umweltbewusstsein manch ein Einheimischer oder Tourist hat. Das Ufer ist leider voll mit Plastikmüll.

Auch das schöne Queretaro hat seine Schattenseiten

Queretaro ist nicht nur die Stadt, in der ich mich bei meiner Mexiko-Rundtour am längsten aufhielt, sondern auch die Stadt, in der ich mich am wohlsten gefühlt habe. Wie bereits am Beispiel des Sees im Parque Queretaro 2000 angedeutet, hat die bunte Kolonialstadt auch ihre Schattenseiten.

So herrscht außerhalb des Stadtzentrums ein ziemliches Verkehrschaos. Die Straßen sind meist überfüllt, Abgase verpesten die Luft und die Hitze staut sich bei üblen Gerüchen, was zu einem toxischen Gemisch führt. Bei knapp einer Millionen Einwohner aber auch nicht wirklich verwunderlich.

Die extreme Kluft zwischen arm und reich ist ebenfalls ein Problem und macht auch vor dem sehr aufgeräumten und verhältnismäßig sicheren Queretaro nicht Halt. Alte Leute, die in der Altstadt betteln, gehören ebenso zum Stadtbild wie die finanzschwachen Familien, die ihre selbstgemachten Marias verkaufen.

Falls du gerne beim Laufen deine Runden drehst, wird dir Queretaro nicht die besten Bedingungen bieten. Die Erkenntnis meines ersten Laufs: Laufrunden in Queretaro sind grässlich. Neben dem Verkehr strengen auch die unebenen Strecken und schlecht ausgebauten Fußwege unheimlich an. Obwohl Queretaro auf 1.800 Metern Höhe liegt und jede Laufeinheit einem Höhentrainingslager gleicht, solltest du dein Training stets auf die Parkanlagen verlegen.

Queretaro trotzt den wenigen Nachteilen allemal

Jetzt, wo ich dir die positiven und negativen Seiten von Santiago de Queretaro aufgezeigt habe, hast du dir sicherlich dein ganz eigenes Bild von der Stadt in Zentralmexiko gemacht. Mich hat die Stadt trotz der (wenigen) Nachteile dennoch in ihren Bann gezogen. Ich kann dir gar nicht sagen, wie oft ich die einzelnen Gassen im Centro Historico abgelaufen bin und immer wieder aufs Neue fasziniert wurde, zufrieden lächelnd auf einem der Plazas saß oder die Gastfreundlichkeit der Mexikaner genoss.

Die weniger interessanten Ecken Queretaros solltest du außer Acht lassen. Buche dir beispielsweise ein Uber-Taxi, das dich zum kleinen Preis von A nach B fährt. Oftmals bekommst du dabei auch kleine Stadtführungen und Insider-Wissen der Fahrer, die sich freuen, dir mehr über ihre Heimatstadt zu erzählen und dadurch ihr Englisch etwas aufbessern können.

In der näheren Umgebung gibt es zudem einiges zu entdecken. Fahre beispielsweise die beliebte Wein- und Käseroute ab oder mache eine Tagestour nach Bernal. Bernal ist einer der „magischen Orte“ (Pueblo Magico) Mexikos, der nicht nur den dritthöchsten Monolith der Welt (433 Meter) beheimatet, sondern auch über gut erhaltene Gebäude aus der Kolonialzeit verfügt. Zugegeben war ich so fest in Queretaro verwurzelt, dass ich beides nur vom Hörensagen kenne.

Hast du Lust auf bunte Häuser, kleine Gassen, mexikanische Kultur, euphorische Fußballfans und kulinarische Highlights, wirst du dich in Queretaro pudelwohl fühlen. So erging es mir zumindest, weshalb mir Queretaro in sehr guter Erinnerung bleiben wird. Der ideale Ort, um in den Alltag einer mexikanischen Großstadt einzutauchen. Ganz egal, ob du zwischendurch arbeitest oder dich einfach treiben lässt.

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