Die OutDoor by ISPO und ihr Appell für mehr Nachhaltigkeit im Outdoor-Sport

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Nach der ISPO 2019 im Februar stand im Juni erstmals die OutDoor by ISPO auf dem Programm. Neben Produkten und Vorträgen zum Outdoor-Sport lag der Fokus vor allem auf einem Thema: Nachhaltigkeit. Nicht ganz unwichtig, sodass auch ich mich auf den Weg zur Messe München machte, um drei Tage ins komprimierte Outdoor-Paradies einzutauchen und mir Gedanken über ein nicht ganz unwichtiges Thema zu machen.

Mit der ISPO begeistert mich die größte Sportmesse der Welt schon seit einigen Jahren. Hier gibt es die neuesten Produkte, den Kontakt zu den Marken, themenrelevante Vorträge zum Sport und zahlreiche Menschen, die genauso ticken wie ich. Doch zugegeben ist diese auch ziemlich stressig, da die Messehallen in München in der Regel aus allen Nähten platzen und es auch einige Themen gibt, die mich nicht die Bohne interessieren.

Bei der OutDoor by ISPO war alles ein bisschen anders. Nicht nur die Zahl der Aussteller war mit 1.000 geringer als beim großen Bruder, es gab auch „nur“ 22.000 Fachbesucher, die sich vom 30. Juni bis 3. Juli 2019 über die Hälfte der Messehallen verteilten. Eine Tatsache, die das ganze Event recht entspannt machte und bei mir für drei tolle Veranstaltungstage sorgte.

Erneut war ich ganz offiziell als Outdoor-Blogger unterwegs, mit der Intention, mich mit verschiedenen Händlern auszutauschen, neue Outdoor-Trends zu entdecken und mich mit anderen Bloggern und Bekannten aus der Szene zu verabreden. Durch das Presseticket hatte ich das Privileg durch verschiedene Blogger-Events noch tiefere Einblicke in bestimmte Produkte und Themen zu bekommen.

Auffällig war, dass sich bei der OutDoor by ISPO vor allem das Thema „Mehr Nachhaltigkeit im Outdoor-Sport“ wie ein roter Faden durch die einzelnen Messehallen zog. Völlig zurecht, denn die Textilindustrie sowie der Bergsport dürfen sich nicht unbedingt mit Ruhm bekleckern, wenn es um den Klimawandel und den Erhalt ökologischer Gegebenheiten geht.

Mehr Nachhaltigkeit im Outdoor-Sport – worum geht´s da eigentlich?

„Höher, schneller, weiter“ ist eine Einstellung, die viele Outdoor-Sportler und Sponsoren verfolgen und die sie zu immer neuen Höchstleistungen treibt. Daran gibt es nichts auszusetzen. Doch, um diese zu erreichen, ist oftmals auch die richtige Ausrüstung nötig, auf die vielmehr das folgende Motto zutrifft: „Leichter, funktionaler, teurer.“

Doof nur, dass die Nachhaltigkeit dabei oftmals zu kurz kommt. Wir genießen die Natur zwar in allen Zügen, schaden ihr gleichzeitig aber auch. Laut einer Studie aus dem vergangenen Jahr (Quelle: faehrmannschaft.de) ist es schließlich die Textilindustrie, die für „20 Prozent der weltweiten Abwässer, 10 Prozent der CO2-Emissionen sowie 24 Prozent aller verbrauchten Isektizide und 11 Prozent aller Pestizide“ verantwortlich ist. Wo bleibt da die Nachhaltigkeit?

Ein Definitionsversuch zur Nachhaltigkeit

Anmerken muss ich hierbei, dass ich generell ein Problem mit dem Begriff „Nachhaltigkeit“ habe, da mit ihm viel zu stiefmütterlich umgegangen wird. Ein bisschen hat es für mich den Anschein, als würde der Nachhaltigkeit ein ähnliches Schicksal ereilen wie dem Begriff „Wellness“ vor einigen Jahren. Dieser wird mittlerweile schließlich für nahezu alles verwendet, egal ob es dabei um das Wellness-Wasser, den Wellness-Urlaub oder den Wellness-Riegel gibt. Die wahre Bedeutung ist aber irgendwie verloren gegangen.

Wurde einst mit Wellness geworben, so ist mittlerweile die Nachhaltigkeit das „The next big thing“. Eine einheitliche Definition, was darunter genau zu verstehen ist, gibt es jedoch nicht und da mir auf der OutDoor by ISPO verschiedene Interpretationen zu Ohren kamen, dachte ich mir, ich bastele mir einfach meine eigene. Hier das Ergebnis, um die Nachhaltigkeit im Outdoor-Sport etwas greifbarer für mich zu machen:

Die Nachhaltigkeit ist ein Prozess, bei dem in der Gegenwart an den wegweisenden Stellschrauben für einen ökonomischen und ökologischen Erhalt gedreht wird, um der künftigen Generation die gleichen Voraussetzungen zu bieten wie der vorherigen.

Mit der obigen Definition komme ich persönlich sehr gut klar. Wenn du einen anderen Ansatz verfolgst, dann hinterlasse gerne einen Kommentar. Fakt ist, dass es an der Zeit ist, die Outdoor-Industrie zu mehr Nachhaltigkeit, Recycling und Ökologie zu bewegen – und zwar jetzt.

Blogger-Walk zur Nachhaltigkeit in der Outdoor-Branche

Wirklich spannend und informativ war ein Blogger-Walk, der sich rund um das Thema Nachhaltigkeit drehte. Einige ausgewählte Aussteller wurden bei einem kurzweiligen Rundgang besucht. Sie stellten wiederum ihre Maßnahmen für mehr Nachhaltigkeit im Outdoor-Sport vor. Dabei wurde mir bewusst, wie sehr manche Marken dafür brennen, unsere Welt ein kleines bisschen besser zu machen.

So stehen bei der Verarbeitung recycelte Polyesterfasern ebenso hoch im Kurs wie natürliche Stoffe. Dazu zählen unter anderem Holzfasern oder Braunalgen, die als Alternativen zu den bisherigen Kunstfasern eingesetzt werden. Ein großer Schritt nach vorne, wie ich finde.

Ganz besonders beeindruckt hat mich beim Blogger-Walk die Ansprache von Antje von Dewitz, der Geschäftsführerin von VAUDE. Bei ihr war das Brennen für mehr Nachhaltigkeit richtig zu spüren. Auch die Ziele des Ausstatters sind klar formuliert. Unter anderem sollen alle Produkte in den nächsten fünf Jahren bis zu 50 Prozent recyclebar gemacht werden. So wird beispielsweise ein biobasierter Kunststoff verwendet, der zu mehr als 60 Prozent aus Rizinusöl besteht und nicht etwa dem branchenüblichen Erdöl.

Ebenfalls ziemlich stark fand ich den Einblick in die Maßnahmen von Grüezi Bag. Und das nicht etwa, weil das Unternehmen für jeden anwesenden Blogger fünf Bäume für Plant-for-the-Planet spendete. Der Hersteller von Schlafsäcken hat mich auch dadurch begeistert, dass er einen zu hundert Prozent kompostierbaren Schlafsack entwickelt hat. Aber keine Sorge, während du ihn verwendest wird er sich definitiv nicht zersetzen und er ist trotz dieser Eigenschaft auch sehr langlebig.

Einige weitere Aussteller wie Picture Organic Clothing, Adidas, Bio Lite, NIK WAX und Brands for Good setzen sich ebenfalls für mehr Nachhaltigkeit ein. Deren Mitarbeiter erzählten uns Outdoor-Bloggern enthusiastisch von ihren (möglichst) umweltfreundlichen Produkten. Daher nenne ich diese auch gerne hier im Blog, schließlich gibt es zahlreiche Hersteller, die sich noch eine Scheibe von ihnen abschneiden können.

Sicher am Berg: „Get together“ und anschließendes Dinner

Neben der Nachhaltigkeit im Sport war das zweite Blogger-Event, an dem ich teilnahm, von der Sicherheit am Berg geprägt. So gab es in der sehr gut ausgestatteten und betreuten Blogger-Lounge drei Vorträge zum Thema „Sicher am Berg“. Im Anschluss folgte ein leckeres Abendessen, bevor der Abend stilecht im Außenbereich bei einem Kaltgetränk ausklang.

Die drei Vorträge wurden von Mitarbeitern verschiedener Unternehmen beziehungsweise Vereine gehalten. Los ging es mit W.L. Gore, die anhand eines Handschuhtests mit einigen Bloggern und einer Dusche die Leistung ihres Materials bei Nässe und erschwerten Bedingungen zum Besten gaben. Dazu gesellte sich Extrembergsteigerin Tamara Lunger, die von ihren Bergtouren aus dem Nähkästchen plauderte und auf mögliche Gefahren hinwies.

Ebenso kurzweilig und informativ war der Notfall-Crash-Kurs von Matthias Schmidberger vom Alpines Rettungswesen e.V.. Er gab einen kurzen Überblick, was im Notfall am Berg zu tun ist. Dieser umfasste unter anderem, wie Verletzte das Maximum aus einer Rettungsdecke rausholen und wie die Signalpfeife im Notfall verwendet wird (Anmerkung: 6x pro Minute).

Daran knüpfte der Beitrag von Ortovox an. Einer der Team-Mitglieder stellte unter anderem das Safety Academy Lab Rock vor. Hierbei handelt es sich um eine Online-Ausbildungsplattform für Alpin-Kletterer, die Ortovox in Zusammenarbeit mit dem VDBS ins Leben gerufen hat. Das interaktive E-Learning besteht aus vier Kapiteln mit mehreren Tutorials. Ich habe sie zwar noch nicht durchgearbeitet, mir aber fest vorgenommen, dies noch nachzuholen.

Was bei der OutDoor by ISPO gut und was weniger gut war

Auf die einzelnen Produkte der OutDoor by ISPO einzugehen, würde den Rahmen dieses Beitrags sprengen. Wie du dir sicher vorstellen kannst, habe ich mir eine ganze Menge davon angeschaut und getestet, u.a. das Holz-E-Bike von My Esel oder den ultraleichten Trailrunning-Stock von Black Diamond, der schlappe 95 Gramm wiegt.

Und ja – es gibt eine Menge grandioser Produkte. Auffällig war insbesondere, dass vermehrt Outdoor-Marken auf den Trailrunning- und Bikepacking-Zug aufspringen. Bei der rasanten Entwicklung gehören Stand Up Paddle-Anbieter und E-Bike-Hersteller fast schon zum alten Eisen.

Was mir außerdem recht gut an der OutDoor by ISPO gefallen hat, möchte ich dir im Folgenden verraten. Ebenso wie die Punkte, die verbesserungswürdig sind. Die Outdoor-Messe hat schließlich zum ersten Mal in den Hallen der Messe München stattgefunden und kann einfach (noch) nicht perfekt sein.

Das war echt stark bei der OutDoor by ISPO

Wie schon angedeutet war die OutDoor by ISPO auf Grund des nicht allzu großen Andrangs weitaus entspannter als die ISPO im Winter. Dadurch konnte ich nicht nur in aller Ruhe einzelne Produkte testen, wie zum Beispiel mit verschiedenen E-Bikes über den Bike Test Track fahren, sondern auch vollkommen stressfrei durch die einzelnen Hallen marschieren.

Die Stimmung auf der Outdoor-Messe war ebenfalls sehr angenehm. Egal, ob Aussteller, Fachbesucher oder Blogger. Jeder war zu einem Pläuschchen bereit. Sofern ich doch einmal Ruhe brauchte, konnte ich es mir dank meines Presseausweises in der Blogger Lounge oder dem Pressebereich gemütlich machen, in dem ich bestens mit Obst, Brezeln und Getränken versorgt wurde.

Generell muss ich hervorheben, dass die Veranstalter sehr gut für die Blogger sorgten. Nicht nur die Blogger-Walks waren nahezu perfekt organisiert und interessant aufbereitet, sondern auch die Vorträge beim „Get together“ in der Blogger Lounge. Ein großes Lob hierbei nochmal für die tolle Organisation. Selten habe ich mich als Outdoor-Blogger auf einer Messe oder Veranstaltung so willkommen und gut aufgehoben gefühlt.

Auch auf die Nachhaltigkeit muss ich nochmals zu sprechen kommen, denn genau diese war es, die auf der OutDoor by ISPO von den Veranstaltern und den Ausstellern gelebt wurde. So wurden viele der Messestände aus wiederverwendbaren Materialien aufgebaut. Außerdem waren über die gesamte Messe München einzelne Trinkwasser-Stände installiert, um nur zwei Punkte zu nennen.

Doch nicht nur die Nachhaltigkeit stand im Vordergrund, sondern natürlich auch der Outdoor-Sport selbst. Ein großer Boulder-Felsen, ein riesiger Pool, der Trailrunning-Parkour und der bereits erwähnte Bike Test Track luden dazu ein, sich an ganz speziellen Aufbauten auszutoben.

Passiver Sport wurde ebenfalls geboten, denn immer wieder tauchten „Superstars“ aus der Outdoor-Branche auf. Beispielsweise berichteten die Kletterer Stefan Glowacz und Adam Ondra von ihrer Passion für den Sport. An anderer Stelle posierte Tim Leatherman, der Gründer des wohl berühmtesten Multifunktions-Tools, regelmäßig für Fotos.

Not cool: Hier gibt´s noch Luft nach oben

Die OutDoor by ISPO ist eine geniale Veranstaltung. Es gab allerdings einige Punkte, die mir doch etwas übel aufgestoßen sind. Beispielsweise sind die Preise für Essen und Getränke in den Messebistros ziemlich teuer. Mich hat dies als Pressemitglied zwar nicht wirklich betroffen, da ich in den abgetrennten Bereichen gut versorgt wurde, aber als normaler Fachbesucher wäre das Budget um einiges angestiegen.

Doch das Blogger-Dasein hat nicht nur Vorteile. So kam beispielsweise nicht jeder mit einem Presseausweis in den Genuss an den Yoga-Einheiten teilzunehmen, die vor dem öffentlichen Start des jeweiligen Messetages stattfanden.

Auch einige wenige Hersteller sind Bloggern gegenüber noch immer etwas reserviert, was Informationen und Produkttests betrifft. Ich kann dies durchaus verstehen, da manch ein Blogger wirklich sehr penetrant ist und stets hohe Erwartungen an Produkttests, Kooperationen und Goodies hat. Liebe Aussteller, nicht alle Blogger sind so.

Wie du weißt spielen digitale Themen für mich stets eine große Rolle. Daher hätte ich mich gefreut, wenn die ISPO Digitize parallel zur OutDoor by ISPO stattgefunden hätte. Bei der ISPO im Februar war die Vortragsreihe zu digitalen Themen stets eine gelungene Abwechslung zum Messetrubel.

Eine rundum gelungene Premiere der OutDoor by ISPO

Mein Fazit zur ersten OutDoor by ISPO lautet: Es waren drei grandiose Tage. So grandios, dass ich im kommenden Jahr wieder mit von der Partie sein werde, dann aber über die volle Distanz, also vier Tage am Stück. Die Organisation ist spitze, die Aussteller sehr freundlich und die Atmosphäre fast unschlagbar. Was will man mehr?

In Bezug auf die Nachhaltigkeit im Outdoor-Sport durfte ich eine Menge dazu lernen – sowohl was die Produkte betrifft, als auch die Maßnahmen, die getroffen werden, um unsere schöne Welt Schritt für Schritt ein kleines bisschen besser zu machen. Die OutDoor by ISPO hat mir – zugegeben – auch einen persönlichen Arschtritt gegeben, denn auf Grund meiner vielen Flüge ist mein ökologischer Fußabdruck diesbezüglich leider ziemlich grässlich.

Es wird also höchste Zeit, das Thema Nachhaltigkeit (noch mehr) anzugehen. Nicht nur als Textilhersteller oder Messeveranstalter, sondern vor allem auch als Sportler – als Individuum. Also packen wir es an! Ganz egal, wie du den Begriff Nachhaltigkeit für dich interpretierst, irgendwas kannst sicherlich auch du in deinem Alltags- beziehungsweise Sportlerleben besser machen.

2 KommentareHinterlasse einen Kommentar

  • Interessanter Bericht und klingt nach einer guten Messe! Mache mir schon länger zum Thema ökologischer Sportkleidung Gedanken und hab noch nicht die Lösung gefunden, außer die Sachen wenigstens ordentlich aufzutragen und weniger zu konsumieren. Werde mich durch die Messe angeregt, aber mal bisschen durch die Aussteller klicken und das Angebot checken.

    • Hey Annette,

      die perfekte Lösung gibt es leider noch nicht, aber einige Marken tun bereits alles dafür, diese zu finden. Daumen hoch natürlich auch dafür, dass du deinen Konsum einschränkst und Sportkleidung möglichst lange trägst. Das ist schon mal ein guter Anfang.

      Viele Grüße, Daniel.

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