Umrahmt von steilen Felswänden liegt auf 1.923 Metern der mystische Lago di Sorapis. Sein kraftvolles Türkis und die dramatische Kulisse machen ihn zu einem der absoluten Highlights der Dolomiten. Mich hat der Sorapissee sofort verzaubert – gleichzeitig aber auch überrascht. Denn die schiere Masse an Menschen, die täglich zu diesem Ort pilgert, ist erschreckend. In diesem Beitrag stelle ich dir die Wanderung zum Lago di Sorapis im Detail vor, damit du nach dem Lesen weißt, was dich dort erwartet.
Es hat den Anschein, als möchte jeder den malerischen See auf 1.923 Metern bestaunen und dieses eine besondere Foto machen. Daher sind unterhalb der Punta Sorapiss (3.205 m) nicht nur Bergwanderer und Trailrunner anzutreffen, sondern auch Influencer in Sneakers, Familien mit kleinen Kindern und eher unsportliche Personen.
Der traumhafte Sorapissee, dessen Wirkung durch den dahinterliegenden Dito de Dio (italienisch: Finger Gottes) noch verstärkt wird, sollte niemandem vorenthalten werden. Wäre da nicht die Wanderung selbst – für erfahrene Bergwanderer ein Klacks, für andere schnell eine Grenzerfahrung.
Bist du mit kleinen Kindern oder Freunden ohne jegliche Bergerfahrung unterwegs, verfügst nicht über die passende Ausrüstung oder bist du weder schwindelfrei noch trittsicher? Dann lass unbedingt die Finger von dieser Tour.
Es gibt steile Passagen, enge Abschnitte mit steilem Abgrund und rutschige Stellen. Ein Indiz dafür, dass die Sorapiss-Tour eben doch kein Kinderspiel ist, sind die Seilversicherungen, Leitern und Steighilfen.


Vier Höhepunkte des Lago di Sorapis
1. Abwechslungsreiche Wanderung
Vom breiten Forstweg über dünne Pfade bis hin zur Seilversicherung, Brücke und Trittstufen – bei der Wanderung zum Sorapissee ist wirklich alles dabei. Das gilt auch für die Schwierigkeit: Neben einfachen Passagen gibt es tückische Stellen, an denen große Vorsicht geboten ist.
3. Dramatische Kulisse
Die Berge der Dolomiten sind an Dramatik kaum zu überbieten. Zu Beginn sorgen der mächtige Monte Castello und später die steilen Dolomit-Wände der Sorapis-Gruppe rund um den See für die gleiche Stimmung – typisch Dolomiten eben.
2. Farbe des Wassers
Auf Bildern sieht die Farbe des Sees gephotoshopt aus, aber das beeindruckende türkis-blaue Wasser ist Realität. Besonders schön ist der Anblick an trockenen Tagen, sobald die Sonne auf das Wasser strahlt.
4. Ausblick
Vom höchsten Punkt der Wanderung hast du einen grandiosen Ausblick auf den Misurinasee, einen Teil der Drei Zinnen und viele weitere Gipfel. Damit punktet die Wanderung zum Lago di Sorapis, auch wenn nur eine Seite für weite Blicke geöffnet ist.
Nicht nur Höhepunkte, sondern auch absolute Tiefpunkte
Den Lago di Sorapis hat ein ähnliches Schicksal ereilt wie den Pragser Wildsee. Durch Fotos in den sozialen Medien ist er zum absoluten Hotspot der Dolomiten geworden. Wie gut, dass er mit dem Auto nicht erreichbar ist (Anmerkung: Es gibt jedoch einen Hubschrauberlandeplatz).

An Gästen mangelt es dem türkisfarbenen See auf 1.923 Metern Höhe dennoch nicht. Trotz der gut sechs Kilometer langen Wanderung zieht es von Juni bis Oktober tausende von Menschen zum Lago di Sorapis.
Du musst daher mit Hektik auf dem Pfad rechnen, teilweise sogar mit Gedränge und Rückstaus gestresster Urlauber. Was eigentlich Entspannung verspricht, bewirkt hier oft das Gegenteil – zumal sich Familien mit wenig Erfahrung ebenso wie Trailrunner auf demselben Weg bewegen.
Oben angekommen versammeln sich die Massen. Teilweise bilden sich sogar Schlangen, um auf dem Stein in Ufernähe das perfekte Foto im Stil von Ariel, die Meerjungfrau zu machen. Spätestens wenn du dann noch das Summen der verbotenen Drohnen hörst, wird dir klar, dass jegliche Romantik und Zauberei verflogen ist – hier boomt der Massentourismus.
Faszinieren dich die Dolomiten und bist du auf der Suche nach einer kompakten Tour über mehrere Tage? Dann wirf gerne einen Blick auf meinen 8-tägigen Dolomiten-Reiseplan mit spannenden Bergtouren und faszinierenden Klettersteigen.
Wanderung zum Sorapissee
Trotz all der negativen Seiten ist ein Besuch am Lago di Sorapis fast schon ein Muss. Selten habe ich einen so mystisch-surrealen See mit einer malerisch-dramatischen Kulisse gesehen.
Bevor du die Wanderung in der Provinz Belluna antrittst, solltest du dir im Klaren sein, dass sie kein Kinderspiel ist. Insgesamt warten 13 Kilometer mit teils technischen Passagen auf dich. Schwindelfreiheit und Trittsicherheit werden ebenso vorausgesetzt wie eine gute Ausrüstung und eine gewisse Grundfitness.
Die beste Jahreszeit ist Juni von Oktober. Es lohnt sich dennoch, dir einen Überblick zu den Bedingungen zu verschaffen. Bei Regen solltest du keinesfalls aufbrechen – nicht nur wegen erhöhter Rutschgefahr, sondern auch, weil der See eine milchige Farbe einnimmt.
Anreise und Parken
Der Einstieg in die Wanderung befindet sich am Passo Tre Croci. Der Pass (SR48) verbindet Auronzo mit Cortina d’Ampezzo, sodass er auch mit den öffentlichen Verkehrsmitteln gut erreichbar ist.
Bei Eigenanreise parkst du entweder an der Straße am B&B HOTEL Passo Tre Croci Cortina oder auf dem öffentlichen Parkplatz einige hundert Meter Richtung Cortina d’Ampezzo.
Parkst du direkt an der SR48, befindest du dich näher am Einstieg. Vom Parkplatz aus sind es einige hundert Meter weiter. Bei meinem letzten Besuch waren beide Möglichkeiten kostenfrei, aber leider auch recht schnell überfüllt.
Wanderung Lago di Sorapis

Aufstieg vom Passo Tre Coci zum Sorapissee
Vom öffentlichen Parkplatz aus führt dich ein schmaler Weg nach oben, dann über eine Wiese bis zu einem kreuzenden Forstweg. Diesem folgst du in den Wald hinein. Er verläuft zuerst leicht abwärts und danach geht es nur noch bergauf. Orientiere dich stets an der 215.
Im ersten Teil, auf dem der Forstweg in einen schmalen Pfad übergeht, hast du den imposanten Monte Cristallo (3.221 m) zur Linken stets im Blick. Beim Überqueren von Muren im ersten Drittel solltest du aufpassen, da hier Rutschgefahr herrscht.


Stolpergefahr gibt es dagegen auf dem Wanderpfad mit Steinen und Wurzeln. Auch Sicherungen mit Seilen, Trittstufen, Brücken und Leitern musst du nutzen, um dir den Weg zum mystischen See zu bahnen. Auch eine Stelle mit Seilversicherung an einem tiefen Abgrund kann deine Knie zum Wackeln bringen.
Ansonsten zieht sich eine lange Rechtskurve, mit Blick auf den Col del Fuoco sowie später auf die Cima di Valbona, die Punta Tre Sorelle und den markanten Dito di Dio – dahinter erhebt sich mit der Punta Sorapiss der höchste Gipfel der Sorapis-Gruppe.
Zuletzt geht es über vermehrte Wurzeln und Steine durch ein Waldstück nach oben. Nach der Lichtung folgt die Abzweigung zur Vandelli Hütte. Du gehst jedoch weiter zu einem Hügel, auf dem sich wahrscheinlich auch schon viele “Schaulustige” tummeln. Oben angekommen hast du besten Blick auf den spektakulären Lago di Sorapis.
Ankunft am See
Wow! Dieses eine Wort beschreibt perfekt, was ich beim Erblicken des Lago di Sorapis gedacht habe. Nie hätte ich gedacht, dass ein See tatsächlich so intensiv Türkis sein könnte. Mit dem Dito di Dio im Hintergrund ein nahezu perfekter Anblick. Viel besser geht es nicht!

Die Farbe des Sees ist übrigens auf den hohen Kalkgehalt sowie die geringe Tiefe zurückzuführen. Zwei Felsen dienen, wie bereits erwähnt, als beliebtes Fotomotiv. Spannend ist zu beobachten, wie viel Einsatz manche Wanderer zeigen, um dieses eine Foto zu bekommen – das am Ende doch jeder Zweite hat.
Ebenso wie der Einsatz von Drohnen ist das Schwimmen verboten. Erstens ist es sehr kalt und zweitens wird die Farbe des Sees durch das Aufwirbeln beeinträchtigt.


Mach es dir lieber am Rand bequem oder wandere einmal um den See, was ungefähr 45 Minuten dauert. Auf der anderen Seeseite ist es nicht nur ruhiger, sondern von einer Anhöhe hast du auch einen tollen Blick auf den Lago die Misurina und die Drei Zinnen.
Stärken kannst du dich im wenige Minuten entfernten Rifugio Vandelli. Hier gibt es sogar die Möglichkeit zum Übernachten, jedoch solltest du hier viele Monate im Voraus buchen. Besonders empfehlenswert, wenn du den Klettersteig Giro Del Sorapiss angehen willst, bei dem du insgesamt 13 bis 16 Stunden unterwegs bist.
Abstieg gleich Aufstieg mit einer Alternative
Der Abstieg erfolgt auf der gleichen Route wie der Aufstieg. Das ist ein weiterer Grund, warum der Wanderweg 215 zu Stoßzeiten so voll und hektisch ist. Der Vorteil ist jedoch, dass du weißt, was auf dich zukommt und wo potenzielle Gefahrenstellen lauern können.

Eine Alternativroute gibt es dennoch: Sie macht aus der Wanderung zum Lago di Sorapis einen Rundweg. Vom See aus folgst du dem Weg Nr. 216, der über einen Sattel führt und an einer Abzweigung in den Wanderweg Nr. 213 übergeht.
Eine Tour, die herausfordernder als der Normalweg ist, denn du benötigst eine Stunde mehr und musst weitere 300 Höhenmeter bewältigen. So zumindest habe ich es mir sagen lassen, denn ich habe bei meiner Wanderung die klassische Route gewählt.
Weitere Details zur Route zum Lago di Sorapis
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Weitere Informationen6 Tipps für deine Entdeckungstour
Hauptzeiten vermeiden
Richtiges Schuhwerk
Verpflegung mitnehmen
Nicht unterschätzen
Wetter checken
Genügend Zeit nehmen
Bist du dir unsicher, was du auf deiner Wanderung mitnehmen sollst, dann wirf gerne einen Blick auf die folgenden Gegenstände, die bei keiner meiner Wanderungen fehlen dürfen:
Trotz des Ansturms einen Besuch wert, da einfach zu schön
Als ich von meiner Tour zum Lago di Sorapis zurückkam war ich enttäuscht, von dem, was ich erlebt hatte: Viel zu viele Wanderer, die teils gestresst und rücksichtslos waren. Dazwischen noch Trailrunner, die sich keine schlechte Zeit auf Strava erlauben durften und Influencer, die ohne gutes Schuhwerk und Proviant antraten und bei Hitze schwer zu kämpfen hatten.
Auf der anderen Seite ist es verständlich, warum sich all diese Personen auf den Weg zum Schatz der Sorapis-Gruppe machen. Das türkise Wasser mit dem Dito de Dio dahinter strahlt eine faszinierende Magie aus. Der See sieht in natura genau so aus, wie auf den tausenden Bildern, die jedes Jahr aufs Neue veröffentlicht werden.
Traurig macht mich nur, dass solch schöne Orte überrannt werden. Mitten in der Natur gelegen hat der Lago di Sorapis nur noch wenig mit einsamer Natur zu tun. Natürlich muss auch ich mir an die Nase fassen, denn ich war einer dieser Touristen. Noch schlimmer: Ich blogge sogar darüber.
Mit diesem Beitrag möchte ich dich lediglich ins Grübeln bringen, denn der Zauber des Sees verfliegt durch den Besucheransturm schnell – und die Gefahr, genervt und gereizt zurückzukehren, ist entsprechend hoch. Ist wenig los, wirst du am Sorapissee jedoch eine wunderschöne Zeit genießen und aus dem Staunen nicht mehr rauskommen.
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