Kuta auf Bali: Kilometerlanger Strand, Surf-Hotspot, Chaos und Ballermann-Feeling

Kuta auf Bali

Nach rund einem Monat im Norden Thailands bin ich nach einem kurzen Zwischenstopp in Kuala Lumpur auf Bali, der “Insel der Götter”, angekommen. Für die ersten drei Nächte machte ich in Kuta Halt. Ein Ort, der die Schönheit Balis bereits andeuten lässt, mehr aber auch nicht. Warum, schildere ich dir in meinem Blogbeitrag über das ehemalige Fischerdörfchen und die heutige Partyhochburg Kuta.

Irgendwie kommt es mir so vor, als wäre in den letzten Jahren gefühlt jeder Dritte auf Bali gewesen oder würde in den kommenden Monaten dort für eine Weile Urlaub machen. Da ich nicht der Letzte sein wollte und Bali auch als Hotspot für Digitale Nomaden verschrien ist, suchte ich mir die beliebte Destination als Reiseziel aus und um von dort aus ein bisschen zu arbeiten.

Die Ankunft auf der “Insel der Götter“

Die Ankunft am Flughafen in Denpasar verlief reibungslos. Lustig ist, dass die Landebahn ausgerechnet am schmalsten Teil der Insel gebaut wurde und zusätzlich mit 750 Metern aufgeschüttet werden musste. Einer erfolgreichen Landung, bei der zum Glück nicht geklatscht wurde, kam dies zu Gute.

Mit der Hektik am Flughafen und den unheimlich aufdringlichen Taxifahrern kam ich jedoch nicht so ganz zurecht, was wahrscheinlich daran lag, dass ich die Nacht zuvor kein Auge zugemacht hatte. Ähnlich wie bei der Anzug-Mafia in Thailand scheint es auch hier dubiose Geschäfte zu geben, denn ausschließlich das Taxiunternehmen Ngurah Rai transferiert Touristen direkt vom Flughafen zu überteuerten Preisen an ihr jeweiliges Ziel.

Daher mein Tipp: Wenn du demnächst nach Bali fliegst, dann laufe einfach ein paar Meter weg vom Flughafen und nutze ein normales Taxi, was um einiges günstiger ist.

Da mein Hotel lediglich einen Kilometer entfernt lag, beschloss ich die Strecke mit Hilfe meines im Navi integrierten Smartphones abzulaufen. Dabei konnte ich auch gleich meine neu erworbenen Sprachkenntnisse testen und Leute freundlich auf indonesisch mit „Halo!“ für „Hallo!“ und „Hai!“ für „Hi!“ begrüßen. Gar nicht mal so schwer.

Das ist Kuta – ein paar Hintergrundinfos

Kuta selbst lernte ich erst am kommenden Tag bei Tageslicht so richtig kennen. Die Stadt ist mittlerweile zum kommerziellsten Touristenzentrum Indonesiens geworden. Erst kamen die Hippies, dann die Backpacker und irgendwann haben Investoren das Potenzial erkannt und einen Hotelbunker nach dem anderen in die ehemalige Fischerstadt gezimmert.

Beim Gang durch das Zentrum wirst du merken, dass hier sämtliche Typen von Reisenden vertreten sind. Neben dem hängengebliebenen Aussteiger, gibt es zahlreiche Backpacker und Auswanderer. Besonders deutlich erkennbar sind auch die australischen Pauschaltouristen, schließlich ist Bali der Ballermann der Australier – gleich um die Ecke und dazu noch günstig.

2002 wurde Kuta von einem weniger schönen Ereignis überschattet, denn im Oktober vor 14 Jahren gab es einen terroristischen Bombenanschlag mitten in der Partymeile. Insgesamt kamen dabei 202 Menschen ums Leben. Lange Zeit hatte sich Kuta von diesem Anschlag nicht erholt. Heutzutage denkt allerdings kaum mehr einer an das furchtbare Ereignis und sieht in Kuta lediglich eine Partyhochburg oder eines der Surferparadiese Balis.

Bali ist traumhaft, Kuta leider nicht wirklich

Normalerweise fange ich bei meinen Blogbeiträgen mit den positiven Aspekten der jeweiligen Destinationen an, da diese meist überwiegen. In Kuta ist dies leider nicht der Fall, da ich der Stadt außer ein paar wenigen Punkten nicht allzu viel abgewinnen kann.

1. Straßenverkehr, nervige Hupen und fehlende Gehwege

Neben der anfangs erwähnten Taximeile am Flughafen fand ich den Verkehr in Kuta ganz furchtbar. So gibt es zwar viele schöne, kleine Gassen, die wunderbar zum Schlendern einladen, allerdings ist das Rolleraufkommen hier extrem hoch. Auch Autos, die kaum Platz finden, quetschen sich durch die Gassen, was einfach unheimlich nervt.

Zudem ging mir – und da hatte ich längst wieder ausgeschlafen – das ständige Gehupe, was hauptsächlich als Warnung vor unübersichtlichen Kurven genutzt wird, tierisch auf den Zeiger. Fußwege gibt es sowieso nicht, weshalb das Laufen auf den Straßen gefährlich ist, sowohl für Passanten als auch die Roller- und Autofahrer.

2.Fehlende Identität an Touristenmagneten

Was mich bei meinem ersten Rundgang durch Kuta verschreckt hat, waren die westlichen FastFood-Ketten und Einkaufszentren. Ganz besonders schlimm fand ich beim Blick über den kilometerlangen Sandstrand, der wirklich sehr schön anzuschauen ist, das riesige M von McDonalds, das unübersehbar war.

All diese westlichen Einflüsse und das Ballermann-Feeling am Strand, wo schon morgens ordentlich Bintang (balinesisches Bier) konsumiert wird, bringen mich zu der Aussage, dass Bali zumindest im Zentrum von Kuta voll und ganz seine Identität verloren hat. Ein Blick auf die Speisekarte, wo es lediglich zwei indonesische Gerichte zu bestellen gab, ist nur einer der Punkte, der mir diesbezüglich recht gibt.

3. Aufdringliche Straßenverkäufer und fliegende Händler

Auch die fliegenden Händler am Strand oder die Verkäufer in der Stadt sind extrem aufdringlich und sprechen einen ständig an. Habe ich dem einen Taxifahrer ein klares Nein zu verstehen gegeben, fragte mich der Taxifahrer zwei Meter weiter, ob ich nicht ein Taxi brauchen würde.

Für das nächste Mal sollte ich mir vielleicht ein T-Shirt mit der Aufschrift „I don´t need a massage, taxi or drink. I´m fucking happy!“ drucken. Ob das was ändern würde, wage ich jedoch zu bezweifeln.

Die schöne Seite von Kuta

Ich hoffe, dass dich die negativen Eindrücke, die ich gesammelt habe, nicht allzu sehr abgeschreckt haben. Kuta hat auch einige sehr schöne Seiten, die ich dir natürlich nicht vorenthalten möchte, zu bieten. Insbesondere die Balinesen sind, zumindest außerhalb der touristischen Ballungszentren, extrem nett und hilfsbereit.

So hat mich beispielsweise ein Rollerfahrer nach meiner Ankunft und absoluter Orientierungslosigkeit kostenlos zu meiner Unterkunft gebracht. Außerdem grüßen einen die Einwohner und sind sehr freundlich, sodass beim Vorbeilaufen manch einer zu einem High-Five ansetzt. Die Balineser strahlen einfach eine unheimliche Zufriedenheit aus, von der ich mich ziemlich schnell anstecken ließ.

Besonders gut gefallen haben mir auch die kleinen Garküchen, die Warung genannt werden und meist von Familien betrieben werden. Auch wenn ich hier bisher nicht immer wusste, was ich bestellte, schmeckte mir das Essen sehr gut. Außerdem freuen sich die Balinesen, wenn ein Europäer zu ihnen kommt. Sie setzen sich dann gerne, bis das Essen kommt, zu einem an den Tisch und quatschen einfach drauf los. Übrigens weiß ich nun auch endlich, wo Nasi Goreng herkommt.

Das absolute Highlight in Kuta ist, wie sollte es auch anders sein, der Strand. Einen Kilometer ist dieser lang und lädt zum Surfen ein. Klar, dass ich mir an meinem ersten und natürlich auch am zweiten Tag sofort ein Surfbrett schnappte, um die Wellen unsicher zu machen. Gerade für Anfänger ist Kuta Beach der perfekte Ort zum Lernen.

Ein Surfbrett auszuleihen ist übrigens nicht allzu schwer, da alle zehn Meter ein anderer vermeintlicher Surflehrer mit Surfboards auf dich wartet. Diese kannst du dir für drei bis sieben Euro, je nach Verhandlungsgeschick, ausleihen. Laut einiger Surflehrer hast du mehr Glück, wenn du mehr Geld bezahlst.

Tschüss Kuta, Canggu wartet schon

Wenn du nachts Party machen willst und mittags ein paar Wellen reiten möchtest, dann ist Kuta der perfekte Ort für dich. Das wirkliche Bali wirst du dort aber nicht finden.

Mir haben meine drei Nächte in Kuta jedoch angedeutet, wie schön Bali sein kann, wenn man das Touristenzentrum verlässt. Zumindest hat mir Kuta Lust auf mehr gemacht und so freue ich mich, dass ich die kommenden zweieinhalb Wochen in Canggu verbringen werde, wo es scheinbar etwas ruhiger zugeht.

Auch mein Bali-Reiseführer von Stefan Loose (bei amazon bestellen) deutete bereits im Vorhinein an, dass Kuta nicht gerade das Aushängeschild Balis ist und der Ort oft nur als Zwischenstation genutzt wird. Ich lasse mich mal überraschen, was die kommenden sieben Wochen bringen und freue mich noch tiefer in die balinesische Kultur eintauchen zu dürfen. Dich nehme ich natürlich weiterhin im Blog mit auf meine Reise.

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