Der Ötztaler Radmarathon gehört zu den härtesten Radmarathons Europas. Nachdem ich bei meinen ersten Bewerbungen leer ausgegangen war, fuhr ich die 227 Kilometer und 5.500 Höhenmeter kurzerhand in zwei Tagen auf eigene Faust. Hier erfährst du, was dich auf der Strecke erwartet und wie du den Ötztaler in zwei Etappen nachfahren kannst.
Vor meiner zweitägigen Tour hatte ich mich bereits zweimal auf der Website des Veranstalters für einen Startplatz registriert – beide Male ohne Erfolg. Anfangs war ich dabei noch etwas naiv und wusste nicht wirklich, was mich bei der Fahrt über vier Alpenpässe erwarten würde.
Nach einigen Tagesetappen mit mehr als 100 Kilometern konnte ich zumindest erahnen, welche Herausforderung der Ötztaler Radmarathon darstellt. Gleichzeitig wuchs meine Neugier auf die Strecke.
Statt weiter auf mein Losglück zu hoffen, beschloss ich deshalb, die komplette Route gemeinsam mit einem Kumpel an zwei Tagen mit dem Gravelbike und einer Satteltasche abzufahren. Ich wollte herausfinden, ob die Strecke wirklich so faszinierend ist – oder ob es sich beim Ötztaler lediglich um einen großen Mythos handelt.
Ötztaler Radmarathon an 2 Tagen

Hinweis: Die offizielle Strecke des Ötztaler Radmarathons ist 227 Kilometer und rund 5.500 Höhenmeter. Meine GPS-Aufzeichnungen weichen aufgrund kleinerer Streckenvarianten ab.
Warum der Ötztaler Radmarathon so viele Radsportler anzieht
Beim Ötztaler Radmarathon gehen jährlich 4.000 Radsportler an den Start. Die Nachfrage nach den begehrten Startplätzen ist jedoch deutlich größer. Auch ich musste mehrere Anläufe nehmen, bis ich für 2026 schließlich eine Zusage erhielt.
Um Platzierungen geht es den meisten Teilnehmern beim Ötztaler Radmarathon nicht. Bei 5.500 Höhenmetern auf 227 Kilometern geht es letztendlich nur ums Bestehen. Erschwerend kommen Durchfahrtszeiten hinzu, die eingehalten werden müssen. Wer einen dieser Kontrollpunkte zu spät passiert, ist raus.
Warum hat der Ötztaler Radmarathon eine so große Anziehungskraft?
2026 sollte ich erstmals selbst zu den 4.000 Teilnehmerinnen und Teilnehmern gehören. Nach mehreren erfolglosen Bewerbungen hatte ich endlich einen Startplatz erhalten.
Zwar habe ich den Startplatz noch immer, kann ihn aber weder auf das nächste Jahr verschieben, noch an einen anderen Radsportler weitergeben. Ich werde bei der Ausgabe am 30. August 2026 vor Ort sein, aber erneut nicht an der Startlinie stehen – diesmal allerdings nicht wegen fehlenden Losglücks.
Aber was macht den Ötztaler eigentlich so reizvoll? Eine Frage, die ich mir während und nach der zweitägigen Hobbyathleten-Variante immer wieder gestellt habe. Die Antwort darauf habe ich dir in 5 Gründen verpackt.

1. Dabei sein ist alles
Der olympische Gedanke greift auch beim Ötztaler Radmarathon. Er ist ein einmaliges Event, bei dem du nicht so einfach an die Startlinie kommst. Hinzu kommen Höchstleistungen, die gefordert sind, um tatsächlich im Ziel anzukommen.
Außerdem bist du Teil einer großen Gemeinschaft von Radsportbegeisterten, die alle durch den Zielbogen fahren möchten – ganz egal, ob Profi oder Exot.
2. An die eigenen Grenzen gehen
Der Ötztaler ist als eine der härtesten Radsportveranstaltungen Europas nicht nur eine physische, sondern vor allem auch eine mentale Belastung. Kein Wunder bei 5.500 Höhenmetern an einem Tag, denn diese übersteht kaum ein Rennradfahrer ohne Schmerzen und mentale Tiefs.
3. Traumhafte Landschaft genießen
Mit dem Ötztal, Innsbruck, Südtirol sowie den faszinierenden Pässen Jaufen und Timmelsjoch zeigen sich die Alpen beim Radmarathon von ihrer schönsten Seite. Am höchsten Punkt angekommen, solltest du dir kurze Pausen gönnen, um die atemberaubenden Ausblicke zumindest für einen kurzen Zeitpunkt zu genießen.
4. Mit Höhenmetern glänzen
227 Kilometer an einem Tag auf dem Rad abzustrampeln ist beeindruckend. Das Ganze mit 5.500 Höhenmetern zu verbinden ist sogar heroisch. Das Ankommen sorgt bei Strava oder Erzählungen garantiert für zahlreiche Kudos und jede Menge Schulterklopfer.
5. Alpenpässe mit deutlich weniger Verkehr erleben
Bei meiner zweitägigen Trainingsfahrt für den Ötztaler Radmarathon war der Verkehr ein großes Hindernis. Der Großteil der Autofahrer überholte zwar vorbildlich, allerdings gab es immer wieder einzelne Fahrer, die ihre PS durch gewagte Überholmanöver zur Schau stellen wollten.
Am Renntag ist die Strecke abschnittsweise gesperrt und deutlich verkehrsärmer als bei einer privaten Trainingsfahrt. Vollständig und durchgehend autofrei ist sie laut Veranstalter jedoch nicht. Mit Einsatzfahrzeugen sowie vereinzelt mit querendem oder entgegenkommendem Verkehr muss weiterhin gerechnet werden.
Warum mit dem Gravelbike und nicht mit dem Rennrad?
Den zweitägigen “Ötztaler” fuhr ich bewusst mit meinem Gravelbike (Canyon Grizl), um etwas mehr Komfort zu genießen. Die Sitzposition ist darauf etwas aufrechter und weniger sportlich als auf einem klassischen Rennrad. Hinzu kommen der breitere Lenker mit verschiedenen Griffmöglichkeiten sowie die zahlreichen Befestigungspunkte für Taschen – gerade bei einer zweitägigen Tour mit Gepäck ein klarer Vorteil.
Die Route des Ötztalers im Überblick
Beim Ötztaler Radmarathon an zwei Tagen haben wir uns für Oetz – und nicht Sölden – als Start- und Zielpunkt entschieden. Grund dafür war die schnellere Anreise vom Fernpass aus, denn wir mussten nicht erst durch das gesamte Ötztal fahren, was uns Zeit bei der An- und Abreise sparte.
Die Strecke war dennoch die gleiche. Anstatt sich von Sölden nach Oetz entspannt einzufahren, standen bei uns ab dem Parkplatz der Acherkogelbahn morgens um sieben Uhr gleich einmal 1.200 Höhenmeter auf dem Programm. Erstes Etappenziel: das Kühtai.
Hinweis zum Parken in Oetz
Für deine zweitägige Tour mit Übernachtung solltest du dein Auto nicht an der Acherkogelbahn abstellen, da dort nachts ein Parkverbot gilt. Für mehrtägige Touren ist daher der Zentrumsparkplatz Oetz die bessere Wahl.
Nach der rasanten Abfahrt nach Kematen und weiter nach Innsbruck ging es mit einem zähen Anstieg auf den Brenner weiter. Auf der italienischen Seite rollten wir hinab nach Sterzing und sammelten neue Kräfte, um die Überquerung des Jaufen anzugehen.
Die anschließende Abfahrt nach St. Leonhard im Passeiertal war der Lohn für unsere Mühen am ersten Tag. In dem idyllischen Ort in Südtirol übernachteten wir und füllten die Energiespeicher auf.
Am zweiten Tag musste “nur” noch das Timmelsjoch bezwungen werden. Der Anstieg beginnt direkt nach dem Ortsausgang von St. Leonhard. 29 Kilometer bergauf, bevor die lange Abfahrt über Obergurgl, Sölden und Längenfeld folgt.
Wirf hier gerne einen Blick auf die beiden Etappen, inklusive GPX-Daten:
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Mehr InformationenVier heftige Anstiege beim Ötztaler Radmarathon
Die 5.500 Höhenmeter teilen sich größtenteils auf vier Anstiege auf. Mit dem Kühtai und dem Brenner befinden sich zwei davon auf der österreichischen Seite und mit dem Jaufenpass und dem Timmelsjoch zwei auf italienischer Seite.
Welche Erfahrungen ich auf den einzelnen Bergetappen gemacht habe und womit du bei deiner Testfahrt oder am Wettkampftag rechnen musst, verrate ich dir in diesem Abschnitt.
Von Oetz ins Kühtai
Daten zum Kühtai-Anstieg
➤ Dauer: 1:44 Stunden
➤ Länge: 19,21 Kilometer
➤ Anstieg: 1.233 Höhenmeter
➤ Höchster Punkt: 2.021 Meter
Um sieben Uhr morgens ging es für uns von Oetz hinauf ins Kühtai. Die ersten Sonnenstrahlen sorgten für gute Stimmung und Vorfreude auf die Tour. Auch genügend Energie in den Beinen war vorhanden, sodass die 1.233 Höhenmeter anstrengend, aber doch überraschend locker verliefen.
Hinzu kam, dass auf der Strecke wenig Verkehr herrschte und die Landschaft abwechslungsreich war. Eine Pause kannst du in Ochsengarten einlegen oder oben im Kühtai, wo du einen tollen Blick auf die umliegenden Berge hast. Kurz darauf saust du durch das Sellraintal nach Kematen.
Von Innsbruck zum Brenner
Daten zum Brenner-Anstieg
➤ Dauer: 2:16 Stunden
➤ Länge: 38,42 Kilometer
➤ Anstieg: 796 Höhenmeter
➤ Höchster Punkt: 1.378 Meter
Von den vier zu bewältigenden Anstiegen beim Ötztaler Radmarathon ist der Brenner der vermeintlich einfachste. Aber Vorsicht: Ich habe die 796 Höhenmeter maßlos unterschätzt. Die Strecke von Innsbruck über Matrei bis zum Ort Brenner zieht sich über 38,42 Kilometer.
Zudem gibt es ab Innsbruck keine Möglichkeiten, die Trinkflaschen aufzufüllen, weshalb ich einige Zeit auf dem Trockenen saß. Gegenwind sorgte zusätzlich dafür, dass wir auf den flachen Passagen ordentlich pedalieren mussten.
Offenbar ging es anderen Rennradfahrern ähnlich, denn an einem Brunnen vor einem Supermarkt in Matrei versammelten sich gleich mehrere durstige und erschöpfte Gravelbiker und Rennradfahrer.
Von Sterzing zum Jaufenpass
Daten zum Jaufenpass
➤ Dauer: 2:15 Stunden
➤ Länge: 16,51 Kilometer
➤ Anstieg: 1.145 Höhenmeter
➤ Höchster Punkt: 2.100 Meter
Kurz nach Sterzing windet sich die Strada Statale 44 über 16 Kilometer hinauf zum Jaufenpass. Ein Großteil der Kehren wird durch Bäume beschattet. Das macht den Anstieg an heißen Tagen angenehmer. Zudem ist die Sicht verdeckt, sodass du nicht siehst, was dir noch bevorsteht.


Auf den letzten zweieinhalb Kilometern hast du freie Sicht auf die letzten Kehren. Vorbei an der Bergstation des Kalcheralmlifts bis zur Panorama-Hütte auf dem Jaufenpass musste ich nochmal ordentlich kämpfen. Die letzten Höhenmeter waren heftig, sodass beide Knie aufgrund der Überlastung zu schmerzen begannen.
Die Aussicht entschädigt für die Schmerzen. Gleiches gilt für die Abfahrt nach St. Leonhard auf der anderen Seite des Passes, bei der deine Bremsscheiben ordentlich gefordert werden. Insgesamt bewältigst du am Jaufen 37 Kehren auf- und abwärts.
Von St. Leonhard aufs Timmelsjoch
Daten zum Timmelsjoch
➤ Dauer: 3:18 Stunden
➤ Länge: 29,4 Kilometer
➤ Anstieg: 1.805 Höhenmeter
➤ Höchster Punkt: 2.487 Meter
Nachdem wir unser Zwischenlager in St. Leonhard aufgeschlagen hatten, war uns beiden klar, dass wir das Timmelsjoch an einem Tag nicht mehr geschafft hätten. Weitere 1.805 Höhenmeter hätten weder meine – durch Überlastung beanspruchten – Knie überstanden noch hätte ich genügend Kraft gehabt, um 29 Kilometer bergauf zu kurbeln.


Der 3,5-stündige Aufstieg zum Timmelsjoch am zweiten Tag brachte mich an meine Grenzen. Es war gar nicht unbedingt die Steigung und die nie enden wollenden Kehren, sondern die Tatsache, dass der Regen einfach nicht aufhören wollte.
Die traumhafte Landschaft verfehlte ihren Job als Motivator ebenfalls. Aufgrund des Nebels war diese schlichtweg nicht zu sehen. Da ich einige Monate vor dieser Tour bereits mit dem Rennrad am Timmelsjoch unterwegs gewesen war, weiß ich, dass das Panorama neue Energie freisetzen kann und der Anstieg auf 2.487 Meter auch Spaß macht.
Hier gilt besondere Vorsicht auf der Strecke
Beim Ötztaler Radmarathon gibt es einige Schlüsselstellen, an denen du Acht geben solltest. Fahrfehler und Unachtsamkeiten werden hier bitter bestraft.
Rasante Abfahrten
Konzentration verlangen vor allem die Abfahrten. Die 25 Kilometer lange Fahrt vom Kühtai nach Kematen ist technisch nicht sehr anspruchsvoll, hat aber einige richtig steile Passagen. Vor allem vor St. Sigmund und vor Gries im Sellrain ist es sinnvoll, als ungeübter Abfahrer öfter mal die Bremse zu betätigen.

Auch die Abfahrt vom Timmelsjoch ist wegen der anfänglichen Kehren mit Vorsicht zu genießen. Sie ist technisch weniger anspruchsvoll als der Jaufenpass, allerdings musst du dir die Straße mit Kuh- und Schafherden teilen. Die Weidetiere kreuzen regelmäßig in aller Ruhe die Straße oder bleiben einfach darauf stehen.
Die 20 Kilometer lange Abfahrt vom Jaufenpass ist aufgrund der vielen Kehren ein absoluter Traum. Autos haben gegen Rennradfahrer kaum eine Chance, was die Wendigkeit betrifft. Aber: Motorrad- und Autofahrer, die auf der anderen Seite bergauf fahren, schneiden nicht selten die Kurve. Bleib daher unbedingt auf deiner Fahrspur, sonst ziehst du den Kürzeren.
Abschnitte mit viel Verkehr
Fährst du die Strecke des Ötztaler Radmarathons auf eigene Faust, kommst du nicht in den Genuss von gesperrten Straßen. Das bedeutet, dass du dir die 227 Kilometer mit dem regulären Straßenverkehr teilen musst.

An den Pässen wird besonders gerast, da viele die PS unter der Motorhaube zur Schau stellen wollen. Ordentlich Betrieb herrscht auf der Brennerstraße (B182), die von Innsbruck zum Brennerpass führt. Im Bereich der Europabrücke wird die Straße kurviger und teilweise eng.
Oben am Brenner angekommen ist die Verkehrssituation ebenfalls unübersichtlich. Fahre hier am besten direkt weiter und nutze bei der Abfahrt nach Sterzing den Fahrradweg parallel zur Hauptstraße.
Die B186 von Sölden nach Oetz ist eine wahre Rennstrecke, leider auch für die Autofahrer und Motorradfahrer. Weiche daher auf den Oetztal-Radweg aus. Er ist nicht nur die sicherere Option, sondern macht auch große Freude.
Vorbereitung für den Ötztaler Radmarathon an zwei Tagen
Der auf eigene Faust bewältigte Ötztaler Radmarathon an zwei Tagen war eine großartige Erfahrung für mich. Obwohl wir die komplette Distanz nicht an einem Tag zurücklegten und ich in der Vergangenheit schon einige Male mehr als 100 Kilometer absolviert habe, war der Ötztaler die bisher härteste Tour – mit großem Abstand.
Da du diesen Beitrag bis hierhin gelesen hast, gehe ich davon aus, dass du ein gewisses Interesse daran hast, den Ötztaler selbst einmal zu fahren. Sollte es mit deiner Bewerbung nicht klappen oder möchtest du die Strecke zunächst ohne Wettkampfdruck kennenlernen, habe ich hier die passenden Tipps für dich.
Für wen ist die Zweitagestour geeignet?
Obwohl der Ötztaler Radmarathon auf zwei Etappen aufgeteilt wird, eignet er sich nur für ausdauernde Radsportler. Du solltest deinen Körper unter hoher Belastung kennen, denn bereits am ersten Tag absolvierst du mehr als 3.000 Höhenmeter und überquerst drei Alpenpässe. Die Tour eignet sich daher nur, wenn du regelmäßig längere Distanzen mit vielen Höhenmetern im Sattel sitzt – ansonsten: Finger weg von dieser Tour!
Anreise und Einstieg
Der offizielle Start des Ötztaler Radmarathons ist Sölden. Wo du deine Tour beginnst, bleibt natürlich dir überlassen. Wir hatten uns aufgrund der kürzeren Anfahrt von Deutschland aus für Oetz entschieden.
Alternativ dazu bieten sich Kematen oder Innsbruck als geeignete Ausgangspunkte an, da sie von Deutschland aus gut erreichbar sind und direkt auf der Route des Ötztalers liegen. Aber auch ohne eigenes Auto ist sowohl das Ötztal mit Ötztal-Bahnhof als auch Innsbruck problemlos mit dem Zug erreichbar.
Übernachtung
Entlang der Route des Ötztaler Radmarathons gibt es zahlreiche Übernachtungsmöglichkeiten. Vielleicht planst du sogar, die Rennradrunde an vier Tagen zu machen. Jeden Tag ein Anstieg. Warum eigentlich nicht?

Falls du den Ötztaler an zwei Tagen absolvierst, kann ich dir meine Tour mit Oetz als Start und Ziel sowie St. Leonhard im Passeiertal absolut empfehlen. Die Aufteilung mit drei Anstiegen am ersten Tag und dem Timmelsjoch samt langer Abfahrt als Krönung am zweiten Tag hat für mich sehr gut funktioniert.
Mit der Pension Alpenhof hatten wir die ideale Unterkunft gefunden: freundliches Personal, tolle Zimmer mit grandioser Aussicht und ein umfangreiches Frühstück. Zudem sind die beiden Supermärkte fußläufig erreichbar. Auch bis zum Brauhaus Brückenwirt mit seinem hausgebrauten Höllenbräu und deftigen Speisen ist es nicht mehr weit.
Ausrüstung
Eine komplette Packliste möchte ich nur ungern für dich erstellen, sonst läufst du Gefahr, viel zu viel mitzunehmen. Außer Unterwäsche, einem T-Shirt, Socken und einer Trekking-/Jogginghose brauchst du nichts an zusätzlicher Kleidung.


Essenziell sind ausreichende Verpflegung, Bargeld, ein Ausweis, eine Wind- und Regenjacke, Halstücher, der Kulturbeutel sowie Ladekabel für dein Smartphone und deinen Radcomputer.
Keinesfalls vergessen solltest du ein auffälliges Rücklicht, um dich im Straßenverkehr bemerkbar zu machen. Befestigt hatte ich es an meiner Satteltasche, der sogenannten Arschrakete, in der ich all meine Utensilien verstaute.
Was ich sonst noch dabei hatte, kannst du der folgenden Auflistung entnehmen:
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Verpflegung
Auf den 237 Kilometern fährst du durch einige Ortschaften, in denen es Supermärkte und Gasthäuser zum Einkehren gibt. Es gibt aber auch Abschnitte, bei denen du auf dem Trockenen sitzt und dich selbst versorgen musst.
Daher solltest du stets zwei volle Radflaschen am Rahmen haben. Brunnen zum Auffüllen der Flaschen sind leider eine Rarität. Spontan fallen mir hier nur das Zentrum von Matrei sowie eine kleine Nische beim Aufstieg zum Timmelsjoch ein.
Essen ist nicht weniger wichtig. Daher hatte ich auf der ganzen Fahrt ungefähr zwölf Riegel und vier Gels dabei, um keinen Hungerast zu bekommen. Gegessen habe ich sie alle, da ich zwischendurch mehrere Energieschubs brauchte.
Ohne die richtige Verpflegung kommst du bei langen Radtouren nicht weit. Daher hat uns alle 15 Minuten ein Alarm daran erinnert, einen Schluck Wasser zu trinken. Alle 45 Minuten haben wir einen Riegel, eine Banane oder Laugengebäck gegessen.
Faustformel für die Kohlenhydratzufuhr bei langen Ausdauereinheiten
Bei Belastungen von mehr als 2,5 Stunden werden häufig etwa 60 bis 90 Gramm Kohlenhydrate pro Stunde empfohlen.
Fünf Fehler, die du beim Ötztaler in zwei Tagen vermeiden solltest
Während ich an den beiden Tagen viele Stunden im Sattel verbrachte, hatte ich genügend Zeit darüber nachzudenken, welche Fehler ich bei einer Wiederholung unbedingt vermeiden sollte.

1. Zu schnell ins Kühtai starten
Von Oetz geht es direkt 1.233 Höhenmeter nach oben, die sich ordentlich in die Länge ziehen. Auch wenn du dich hier fit fühlst und nur so vor Enthusiasmus sprühst, solltest du beim Aufstieg etwas Tempo rausnehmen. Schließlich stehen dir am ersten Tag noch zwei weitere Pässe bevor.
2. Den Brenner unterschätzen
Vor unserer Tour habe ich die Strecke von Innsbruck zum Brenner stark unterschätzt: wenig Steigung über einen langen Zeitraum – kein Problem. Es kam jedoch ganz anders, denn vor und nach Matrei hatte ich zeitweise das Gefühl, überhaupt nicht voranzukommen. Daran war der Gegenwind nicht ganz unschuldig. Die vermeintlich einfachste Etappe kostete mich überraschend viel Kraft.
3. Erst essen und trinken, wenn Hunger und Durst aufkommen
Anders als bei Wettkämpfen habe ich bei unserer Zweitagestour nicht gewissenhaft genug auf die Verpflegung geachtet. Das kann tückisch sein, denn wenn der Mann mit dem Hammer kommt, geht schnell nichts mehr. Erinnere dich deshalb daran, regelmäßig zu trinken und genügend Kohlenhydrate zuzuführen – bevor es zu spät ist.
4. Zu viel Gepäck mitnehmen
Jedes Kilo zu viel merkst du bei den Aufstiegen auf die vier Pässe. Überlege daher ganz genau, was du wirklich brauchst. Sprich dich mit deinem Kumpel oder deiner Begleitung ab, wer was mitnimmt, um Gewicht zu sparen und clever zu packen. Eine Arschrakete, die im Wiegetritt wackelt wie ein Kuhschwanz, bringt dich nur aus dem Rhythmus.
5. Nur ans Gesamtziel denken
Motivation und Ehrgeiz sind wichtig, um die Tour erfolgreich zu bewältigen. Beides geht aber schnell flöten, wenn du beim Aufstieg ins Kühtai gedanklich schon am Timmelsjoch bist. Denke deshalb von Etappe zu Etappe und setze dir statt des großen Gesamtziels vier kleinere Ziele. Du wirst sehen, welche Wirkung das auf deine Motivation und deine Leistung haben kann.
Training für den Ötztaler Radmarathon
Für 2026 hatte ich erstmals selbst einen Startplatz und meine Vorbereitung gezielt auf die eintägige Variante ausgerichtet. Ein Sturz bei einer Mountainbike-Tour in Obsteig beendete das Projekt jedoch wenige Wochen vor dem Rennen.


Drei wichtige Learnings aus meiner Vorbereitung für den Ötztaler Radmarathon kann ich dir trotzdem mit auf den Weg geben:
- Radfahren kommt vom Radfahren: Es gilt bis zum Start möglichst viele Kilometer und Höhenmeter in den Beinen zu haben, dich mit Geschwindigkeiten, Kurven und Gefahrenstellen auseinanderzusetzen.
- Consistency is key: Trainiere regelmäßig über viele Monate, am besten mit einem langfristigen Trainingsplan.
- Trainiere deine Verpflegung: Nutze lange Ausfahrten, um herauszufinden, wie dein Körper Riegel, Gels und Sportgetränke verträgt. Eigne dir eine Routine fürs Trinken und Essen an und teste unterschiedliche Produkte, um den für dich richtigen Anbieter zu finden.
Auch für die zweitägige Variante solltest du fit in den Sattel steigen. Ansonsten wird das Kühtai deine einzige Überquerung bleiben. Also: Training, Training, Training – und zwar mit Köpfchen!
Buchempfehlung für dein Training für den Ötztaler Radmarathon
Für meine Vorbereitung hatte ich mir das Buch “High-Performance im Radsport” von Joe Friel bestellt. Es begleitet dich Schritt für Schritt zur individuellen Höchstleistung, zeigt dir, welche Fehler du vermeiden solltest, und gibt dir einen guten Überblick.
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Ötztaler Radmarathon 2026: Endlich ein Startplatz – und trotzdem kein Start
Nach der Zweitagestour war für mich klar, dass ich den Ötztaler irgendwann auch an einem Tag und unter Wettkampfbedingungen erleben wollte. 2026 erfüllte sich dieser Wunsch zumindest zur Hälfte: Ich erhielt bei meiner vierten Registrierung tatsächlich einen der begehrten Startplätze und bereitete mich gezielt auf die 227 Kilometer und 5.500 Höhenmeter vor.
Im Juli stürzte ich bei einer Mountainbike-Abfahrt in Tirol und verletzte mein rechtes Schultereckgelenk. Damit ist eine verantwortungsvolle Teilnahme am 30. August keinesfalls möglich.
Da ich am Rennwochenende aufgrund einer Hotelbuchung trotzdem in Sölden sein werde, werde ich auch mein Startpaket abholen. Das wird vermutlich ein ziemlich bittersüßer Moment: Nach mehreren erfolglosen Bewerbungen halte ich die Startnummer endlich in den Händen – und weiß gleichzeitig, dass ich sie nicht an meinem Rad tragen werde.
Das ist natürlich enttäuschend. Gleichzeitig ändert der verpasste Start nichts an meiner Einschätzung der Strecke: Der Ötztaler ist eine außergewöhnliche Herausforderung.
Meine Tour über zwei Tage hat mir gezeigt, wie hart bereits diese Variante ist und wie viel zusätzliche Vorbereitung nötig wäre, um die gesamte Strecke an nur einem Tag innerhalb des Zeitlimits zu bewältigen.
Nächstes Jahr versuche ich mein Losglück dann einfach wieder.
Ob und wann ich einen neuen Anlauf nehme, lasse ich vorerst offen. Dieser Beitrag soll dir weiterhin dabei helfen, die Route ohne Startplatz und ohne Rennstress in zwei Etappen zu erleben.
Egal, ob du beim offiziellen Rennen startest oder die Strecke wie ich auf eigene Faust nachfährst: Ich wünsche dir eine sichere Fahrt, gutes Wetter und ausreichend Kraft für Kühtai, Brenner, Jaufenpass und Timmelsjoch. Lass mich gerne in den Kommentaren wissen, wie deine Erfahrung war.