Die Region Seefeld – Tirols Hochplateau macht ihrem Ruf als vielseitige Wintersportregion alle Ehre und bietet ein breites Spektrum an Outdooraktivitäten – vom Langlaufen über Skifahren bis hin zum Tourengehen. Welche Sportarten dich im Winter sonst noch erwarten, in welchen Bereichen Seefeld besonders punktet und wo es dennoch Luft nach oben gibt, zeige ich dir in diesem Beitrag.
Keine 25 Kilometer von Innsbruck und nur zehn Kilometer von der deutschen Grenze entfernt liegt die Gemeinde Seefeld. Internationale Bekanntheit erlangte sie als Austragungsort der nordischen Wettbewerbe bei den Olympischen Winterspielen 1964 und 1976. Auch die Nordische Ski-WM gastierte 1985 und 2019 in Seefeld.
Wintersport in Seefeld – für jeden etwas dabei
Seefeld zieht seit jeher Profis und ambitionierte Hobbysportler an. Sie profitieren von den traumhaften Bedingungen für Wintersport – und das nicht nur auf den Loipen. Die Lage und dadurch gegebene Schneesicherheit, die kurzen Wege und ein abwechslungsreiches Sportprogramm machen die Region zu einem Hotspot für Wintersportler.
Skifahren an der Rosshütte + vier weitere Optionen
Die Bergbahnen verfügen über 18,3 Kilometer Pisten, wobei mehr als die Hälfte davon blau ist. Die roten Pisten sind gut zu fahren und stellen keine größere Herausforderung dar. Lediglich die als schwarz gekennzeichnete Jochabfahrt (1) sowie die Verbindungsabfahrt (9) solltest du als Anfänger meiden.

Meine Favoriten: Halbjochabfahrt und Kaltwasserabfahrt
Viel Platz und richtig Laune macht die Halbjochabfahrt (2), die sehr breit ist und genügend Platz bietet, um weite Schwünge zu fahren und jede Menge Sonne zu genießen. Zudem eröffnet sich dir ein spektakuläres Panorama auf das Wettersteingebirge, die Hohe Munde, das Mieminger Plateau sowie das Inntal.
Meine Lieblingspiste befindet sich genau auf der anderen Seite der Rosshütte, etwas versteckt am Rand und ist mit dem Schlepplift verbunden: die Kaltwasserabfahrt (3). Sie ist meist leer, sodass du es hier ordentlich laufen lassen kannst, sofern sie die Skivereine nicht zum Training nutzen.

Für deinen Einkehrschwung empfehle ich dir die urige Hochegg Alm. Kein Geheimtipp, da es hier stets voll ist, aber dafür gibt es gute Gründe: das Essen schmeckt hervorragend und der Ausblick ist grandios. An manchen Tagen legt dort sogar ein DJ auf.
Weitere Möglichkeiten zum Skifahren
Mir macht es enormen Spaß, in Seefelds größtem Skigebiet Ski zu fahren. Für deinen Trip solltest du etwa zwei Tage auf den Pisten einplanen – für eine ganze Woche ist das Skigebiet eher zu klein. Dafür punktet Seefeld mit vergleichsweise moderaten Preisen im Vergleich zu den großen Tiroler Skigebieten.
Ein weiterer Pluspunkt von Seefeld: Du kannst neben der Rosshütte auf kleinere Skigebiete und Liftanlagen ausweichen, nämlich:
- Gschwandtkopf
- Katzenkopf
- Neuleutasch
- Birkenlift
- Geigenbühellift
Langlaufparadies mit 245 Loipenkilometern
Die Olympischen Winterspiele von 1964 und 1976 haben in Bezug auf Langlaufen ihre Spuren hinterlassen. So gibt es in der Region mittlerweile 245 Loipenkilometer, eine Nachtloipe, eine Hundeloipe und für die Vorsaison sogar eine Snowfarming-Loipe.

Die Loipen führen durch die Arena365 mit den Skisprungschanzen, über Almen, durch Wälder und an offenen Moorflächen vorbei. Viele Einstiege sind mit den Bussen erreichbar, sodass du eine Langlaufsafari machen kannst.
➥ HIER GEHT’S ZUM LOIPENBERICHT
Bei den Loipen in Seefeld und Leutasch hat Qualität oberste Priorität. Das gilt zwar auch für meine favorisierten Loipen in Niederthai und Lüsens, doch in puncto Umfang und Auswahl des Loipennetzes können die beiden nicht mithalten. Diese Qualität hat allerdings ihren Preis: Ohne Gästekarte kostet die Loipennutzung in Seefeld 15 Euro pro Tag – ein Wucher, wie ich finde.
Dennoch bin ich regelmäßig in Seefeld und Leutasch zu Gast, verfüge mittlerweile sogar eine Jahreskarte und mache nun schon zum dritten Mal beim Ganghoferlauf mit. Dabei handelt es sich um Österreichs ältesten Volkslauf, bei dem Profis wie Hobbyathleten mitmachen.
➥ LANGLAUFEN IN LEUTASCH: DER KOMPLETTE GUIDE
Als Anfänger oder Genusslangläufer empfehle ich dir die Loipen A4, A5, A6, A2 und A7 in Leutasch. Hier gibt es nicht nur wenig Steigung, sondern auch Einkehrmöglichkeiten, jede Menge Sonne und einen beeindruckenden Blick auf die Hohe Munde.
Skitouren zum Seefelder Joch und zur Rauthhütte
Seefeld ist nicht unbedingt als Skitouren-Eldorado bekannt, aber es gibt es mit dem Seefelder Joch und der Rauthhütte zwei Touren, die richtig Freude machen und die ich bereits mehrfach gegangen bin – sowohl am Tag als auch in der Nacht.


Skitour auf das Seefelder Joch
Start: Bergbahnen Rosshütte
Dauer: 2:16 Stunden
Länge: 9,68 Kilometer
Aufstieg: 868 Höhenmeter
Höchster Punkt: 2.060 Meter
Schwierigkeitsgrad: ★★☆☆☆
Mehr Details: Komoot
Der Aufstieg auf das Seefelder Joch beginnt an der Talstation der Bergbahnen Rosshütte. Liegt genügend Schnee, steigst du links durch den Wald bergauf. Ist das nicht der Fall, gehst du die ersten Meter am Schlepplift entlang, dann nach links und wenig später in das Waldstück.
Der Anstieg auf dem Forstweg ist moderat, sodass du bis zur Hochegg Alm auch als Anfänger keine Probleme haben solltest. Anspruchsvoller wird es auf dem folgenden Abschnitt bis zur Rosshütte: Er ist zwar gut zu bewältigen, jedoch deutlich steiler und verläuft direkt am Rand der Piste.
Nach 3,33 Kilometern und 525 Höhenmetern erreichst du nach gut einer Stunde die Rosshütte. Für viele Tourengeher ist hier Schluss. Wer jedoch bis zum Seefelder Joch weiter aufsteigt, wird mit weiteren 330 Höhenmetern und einem beeindruckenden Panorama belohnt.

Da der letzte Abschnitt parallel zur schwarzen Piste verläuft, solltest du der Spitzkehre sicher mächtig sein und Harscheisen für den Notfall dabeihaben. Oben angekommen eröffnet sich ein grandioser Blick über das Tiroler Hochplateau, das Gaistal, die Zugspitze, die Hohe Munde, das Mieminger Plateau und das Inntal.
Skitour zur Rauthhütte
Start: Parkplatz Munde
Dauer: 1:35 Stunden
Länge: 4,42 Kilometer
Höhenmeter: 431 Meter
Höchster Punkt: 1.605 Meter
Schwierigkeitsgrad: ★☆☆☆☆
Mehr Details: Komoot
Vom Parkplatz am Mundestadl steigst du über die Ostflanke der Hohen Munde auf. Halte dich dabei stets links auf dem schmalen Weg, der stellenweise steil ansteigt, und folge weiter oben der ehemaligen Liftspur. Ist der Untergrund sehr hart oder vereist, solltest du unbedingt Harscheisen dabeihaben, um ein Zurückrutschen zu vermeiden.

Um einen Zusammenstoß mit abfahrenden Tourengehern sowie Rodlern zu vermeiden, solltest du dich stets am Rand halten. Das Besondere: Die ehemalige Skipiste wird in Teilen noch immer vom Hüttenwirt gespurt, weshalb du hervorragende Bedingungen für die Abfahrt hast – im Idealfall kannst du zwischen Piste und Powder wählen.
➥ ALLE INFOS ZUR SKITOUR AUF DIE RAUTHHÜTTE
Oben auf der Hütte ist der Wirt immer für einen flotten Spruch gut. Die Stimmung ist äußerst gelassen, was am entschleunigenden Panorama liegt: Hinter dir die imposante Hohe Munde und vor dir der Blick über Seefeld, das Karwendel und das Inntal.
Mit etwas Glück ergatterst du sogar einen der wenigen Sonnenstühle und genießt den Ausblick in vollen Zügen.
Tourenabende mit Hüttengaudi
Ganz besonderes Flair haben die Tourenabende auf der Rauthhütte und auf der Rosshütte. Urig und gemütlich geht es am Mittwoch, Donnerstag und Freitag bis 22 Uhr auf der Rauthhütte zur Sache. Lediglich freitags ist dagegen die Rosshütte von 18 bis 22 Uhr geöffnet.
Vergewissere dich vor deiner Tour, wie die Bedingungen sind und ob die Hütten überhaupt geöffnet sind. Wenn du nicht weißt, welche du bevorzugen sollst, dann würde meine Wahl immer auf die Rauthhütte fallen, da die Hohe Munde im Hintergrund eine besondere Magie ausstrahlt.
Trailrunning in Seefeld im Winter
In Seefeld laufen dir ständig Spitzensportler über den Weg. Dort versammeln sich Wintersportler, die sich auf Weltcups vorbereiten oder Läufer und Triathleten, die an ihrer Grundlagenausdauer für die kommende Saison feilen. Meist beim Langlaufen, oft aber auch ganz klassisch beim Trailrunning.
Geräumte Winterwege mit insgesamt 140 Kilometern laden zu lockeren bis anspruchsvollen Läufen ein. Schneebedeckte Almwiesen, weiße Wälder und eine wunderschöne Bergkulisse machen das Trailrunning ganz besonders.
Hinzu kommt eine tadellose Beschilderung, sodass ein Verlaufen unmöglich ist. Falls doch, dann verkehren an den Hauptstraßen regelmäßig Busse über das Tiroler Hochplateau.
Meine favorisierte Runde ist der W28, der oberhalb von Mösern beginnt und am Möserer See, Wildmoossee und Lottensee vorbeiführt. Sollte dir auf der elf Kilometer langen Runde mit 221 Höhenmetern doch einmal die Kraft ausgehen, kommst du auf der Lottenseehütte oder Wildmoosalm zu neuen Kräften.
Positiv ist, dass du beim Trailrunning nicht auf Schnee angewiesen bist. Es gibt also keine Ausreden, nicht die Laufschuhe zu schnüren. Eine gute Übersicht aller Winterwanderwege, äh Trailrunningstrecken, bekommst du hier.
Weitere Winteraktivitäten in Seefeld
Ohne Skifahren, Tourengehen, Langlauf und Trailrunning ist noch längst nicht Schluss mit dem Wintersport in Seefeld. Beispielsweise kannst du die Rauthhütte, den Hügel am Seekirchl, die Katzenkopfhütte oder die Hämmermoosalm für deine Rodelabenteuer nutzen.

Ebenfalls noch auf meiner ToDo-Liste stehen Eislaufen oder Eisstockschießen. Beides ist direkt in der Arena365 möglich. Gleiches gilt für ein ganz besonderes Spektakel, das einmal pro Jahr in Seefeld stattfindet: das Nordic Combined Triple.
Es handelt sich hierbei um den Weltcup der Nordischen Kombination. Drei Tage lang duellieren sich die besten Kombinierer aus dem Langlaufen und Skispringen.
Anreise, Unterkünfte und Ausgehtipps
Ein guter Grund, warum du dich für Seefeld als Wintersportort entscheiden solltest, ist die Anreise. Von München sind es lediglich 125 Kilometer, von Füssen knapp 100 Kilometer und von Innsbruck weniger als 25 Kilometer – zumindest wenn du das Auto nimmst.
Nachhaltig unterwegs
Aber es kommt noch besser, denn du kannst das Auto getrost stehen lassen. Seefeld verfügt über einen Bahnhof, der direkt von München und Innsbruck angesteuert wird. Auch Busunternehmen, wie Flixbus, verkehren regelmäßig nach Seefeld.
Innerhalb von Seefeld gibt es zudem ein sehr gutes Busliniennetz, sodass du alle Hotspots auf dem Tiroler Hochplateau erreichst. Für dich bedeutet das, dass du nicht unbedingt im Zentrum von Seefeld übernachten musst. So kannst du bei der Unterkunft bares Geld sparen.
Unterkünfte für jeden Geschmack
Mit Freunden in der Gruppe habe ich – trotz der kurzen Anfahrt von Obsteig aus – auch schon einige Male in Seefeld übernachtet. Daher habe ich hier einige Unterkunftsempfehlungen für dich, die ganz nach deinem Geschmack sein könnten:
Ideal für Gruppen
✓ Blockhaus Schwalbennest
✓ Aktiv Apartments
✓ Apartmenthaus Solstein
An der Loipe
Wellness pur
✓ Hotel Klosterbräu
✓ Interalpen-Hotel Tyrol
✓ Biohotel Leutascher Hof
Von Après Ski bis lecker Essen
In und um Seefeld gibt es zahlreiche Möglichkeiten zum Einkehren. Was das Feiern nach einem Pistentag betrifft, kann ich dir die Schirmbar an der Talstation der Bergbahnen Rosshütte empfehlen – natürlich nur, wenn dir die laute Partymusik taugt. Willst du erst später losziehen, ist die Fledermaus im Zentrum Seefelds die perfekte Anlaufstelle.
Was die Auswahl an Restaurants betrifft, hat Seefeld einiges zu bieten. Mein persönlicher Favorit ist die Ropferstub’m bei Buchen: traditionelle Tiroler Küche, eine urige Einrichtung und ein fantastischer Ausblick auf das Inntal. Eine Reservierung ist hier allerdings Pflicht.
Selbst internationale Restaurants wie das Restaurant Sabores (spanisch) und das Gopi Haveli (indisch) haben sich einen Namen gemacht und sind einen Besuch wert.
Seefeld – vielseitiges Winterziel für aktive Genießer
Zum Ende dieses Beitrags überrascht es kaum, dass ich ein großer Fan des abwechslungsreichen Sportprogramms in Seefeld im Winter bin:
- perfekte Loipen,
- gute Skitouren,
- unterschiedliche Pisten und
- zahlreiche Wege fürs Trailrunning.

Neben dem sportlichen Aspekt ist der Erholungswert sehr hoch. Restaurants mit hoher Qualität, tolle Unterkünfte und die landschaftliche Vielfalt sind ideal, um den Hebel von der Anstrengung beim Sport zur absoluten Entspannung umzulegen.
Obwohl Seefeld ein Ganzjahresziel ist, punktet es aus meiner Sicht vor allem im Winter. Trotz all der Lobhudelei solltest du aber auch einige weniger schöne Aspekte kennen.
Zum Beispiel ist Seefeld voll von Touristen, recht teuer und zu Hauptzeiten vollgestopft mit Autos. Nicht zu vergessen die Pferdekutschen, die von Touristen gerne gebucht werden, um sich auf den freudlosen Pferden durch die Gemeinde kutschieren zu lassen.
In den Ferienzeiten und an Wochenenden ist es zudem auf den Pisten und den Loipen um die Arena365 sehr voll. Auch die Anzahl an Skitourengehern ist enorm, sodass das Einssein mit der Natur nicht immer gegeben ist.
Aber: Die gute Erreichbarkeit und die Vielzahl an sportlichen Möglichkeiten machen Seefeld zu einem ganz besonderen Wintersportort. Selbst 50 Jahre nach den letzten Olympischen Spielen liegt der sportliche Zauber in der Luft.
Ich mag Seefeld – sehr sogar. Denn es gibt wenige andere Orte, wo ich all meine Lieblingssportarten im Winter in so kleinem Umkreis durchführen kann. Und ich bin mir sicher, dass auch dich die Loipen, die Skitouren, die Pisten und die wunderschöne Landschaft in ihren Bann ziehen werden.
Die Skitour zur Hocheggalm eignet sich auch gut als Winterwanderung, da der Forstweg breit und nicht allzu steil ist. Toll ist auch der Ausblick von der Friedensglocke bei Mösern auf das Inntal – von Seefeld aus zu Fuß zu erreichen. In Seefeld direkt lasse ich mir immer einmal die super leckere und selbstgemachte Pizza in der Pizzeria Don Camillo schmecken. Die Portionen sind riesig und die Preise für das ansonsten eher hochpreisige Seefeld mehr als fair. Unbedingt dort probieren: das hausgemachte Tiramisu.
Hi Corinna,
das stimmt natürlich. Dort gibt es genügend Platz für Tourengeher und Winterwanderer. Vielen Dank auch für den Tipp mit der Aussicht an der Friedensglocke – und natürlich für die Pizzeria. Die genehmige ich mir dann am besten beim nächsten Mal 😉
Viele Grüße, Daniel