Geirangerfjord-Highlights und warum die Wanderung zur Farm Skageflå ein Muss ist

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Der Geirangerfjord gilt als der schönste Fjord Norwegens. Kein Wunder, dass sich in den Sommermonaten tausende von Touristen auf den Weg nach Geiranger machen, um die atemberaubende Landschaft, die ihre ganz eigene Geschichte erzählt, zu erkunden. Welche Highlights dich am Geirangerfjord erwarten und warum du dir eine Wanderung zur ehemaligen Farm Skageflå keinesfalls entgehen lassen solltest, verrate ich dir in diesem Beitrag.

Bereits die Fahrt zum Geirangerfjord mit dem Van – von Süden kommend – war für mich ein wahrer Genuss. Obwohl die weißen Bergriesen und die im Juli teils vereisten Bergseen aufgrund ihrer Naturgewalt einen bleibenden Eindruck bei mir hinterlassen haben, war es vor allem der Blick vom Flydalsjuvet, der mich in seinen Bann zog.

Der erste Anblick auf den 15 Kilometer langen und 1,3 Kilometer breiten Geirangerfjord hatte für mich etwas von einem Gemälde. Das satte Grün der Wiesen, die grauen Granitwände, die schneebedeckten Gipfelspitzen und dazu das blaue Wasser, auf dem die Kreuzfahrtschiffe wie Spielzeuge wirkten, imponierten mir so sehr, dass ich ewig hätte auf der Anhöhe stehen können. 

Die Highlights am Geirangerfjord

Der Geirangerfjord ist eine Art Freilandmuseum. Die landschaftliche Erscheinung deutet die lange Entstehungsgeschichte an, die sich von der Eiszeit bis heute vollzieht. Ein bezaubernder Fleck Erde, der trotz des Besucheransturms eine unheimliche Ruhe ausstrahlt. Seit dem 14. Juli 2005 gehört der Geirangerfjord übrigens zum UNESCO-Weltnaturerbe. Völlig zurecht, denn in Geiranger und rund um den Fjord gibt es so einiges zu entdecken.

Geiranger, der Ausgangspunkt für Entdeckungstouren

Das Epizentrum des Geirangerfjords ist der gleichnamige Ort Geiranger, der in den kühleren Monaten mit lediglich 250 Einwohnern recht beschaulich wirkt. Im Winter ist das Dorf, das über zwei Zufahrtsstraßen erreichbar ist, teilweise sogar komplett von der Außenwelt abgeschnitten.

Im Sommer dagegen steigt die Zahl der Bewohner rasant an. Mit zunehmendem Touristenansturm trifft dies auch auf die Arbeitsplätze zu, sodass viele Norweger für einige Monate ihre Zelte in Geiranger aufschlagen. Die Besucher, die es in Scharen mit dem Kreuzfahrtschiff, dem Camper oder dem Fahrrad an den Fjord zieht, um die beeindruckende Landschaft ausfindig zu machen, wollen schließlich beschäftigt und verköstigt werden.

 

Geiranger verfügt neben drei Supermärkten auch über einige Restaurants, Cafés, Shops und Eisverkäufer, die sich primär an der Promenade zum Schiffsanleger angesiedelt haben. Probieren solltest du die „Geiranger Sjokolade“, die für einen ordentlichen Energieschub sorgt und dazu noch richtig lecker ist. Ich habe mich an der Geschmacksrichtung Whiskey versucht und war überrascht wie gut diese geschmeckt hat. 

Tipp: Die Füße vertreten solltest du dir bei deinem Besuch in Geiranger unbedingt auf dem Touristenpfad Fosseråsa – zumindest bis zum norwegischen Fjordzentrum. Auf gut ausgebauten Treppen und Stegen steigst du parallel zu einem Wasserfall bergauf. Ein tolles Erlebnis, das zwar in die Beine geht, aber recht wenig Zeit in Anspruch nimmt. Verlängern kannst du die Wanderung auf dem Fosseråsa bis zum Bauernhof Vesterås und hin zum Wasserfall Storsæterfossen, der vom Ortszentrum Geirangers 3,8 Kilometer entfernt liegt.

Übrigens musst du keine Angst haben, dass Geiranger nach dem Anlegen der Schiffe aus allen Nähten platzt. Viele der zahlreichen Tagesgäste machen sich umgehend auf den Weg, die nähere Umgebung zu erkunden, ganz egal, ob mit dem Bus, einem der Electric Cars oder mit dem E-Bike. Besonders hoch im Kurs stehen neben vereinzelten Wanderungen auch Fahrten zu einem der Aussichtspunkte.

Vier Aussichtsplattformen mit bestem Fjordblick

Flydalsjuvet, Ørnesvingen, Vesteråsfjellet und Dalsnibba sind vier Plätze mit bestem Weitblick, die zwar ziemlich schwer auszusprechen sind, die von Geiranger aus jedoch schnell und einfach erreichbar sind. Von Süden kommend ist der Dalsnibba der erste Anlaufpunkt, um einen atemberaubenden Blick auf den Geirangerfjord zu erhaschen. Hier wartet ein Skywalk in 1.500 Metern Höhe auf dich. Ich habe diesen ausgelassen, da mir die Anfahrt zu teuer war und es sehr gute, kostenlose Alternativen gibt.

Eine davon ist der Flydalsjuvet, den ich bereits erwähnt habe. Die Plattform liegt direkt an der Straße 63 und bietet einen atemberaubenden Blick auf Geiranger und die faszinierende Landschaft. Ein Stopp ist hier unumgänglich, zumal auch Königin Sonja von Norwegen diesen Ort zu schätzen weiß. 25 Meter vom Parkplatz und dem eigentlichen Aussichtspunkt entfernt hat sie 2003 einen Stuhl eingeweiht, von dem aus du ein königliches Panorama bestaunen kannst.

Auf der anderen Seite des Geirangerfjords, genauer gesagt auf der zweiten Zufahrtsstraße nach Geiranger, wartet eine weitere Plattform mit einem künstlich angelegten Wasserfall auf dich. Sie befindet sich in der Adlerkurve und trägt den Namen Ørnesvingen. Die sieben Kilometer lange Anfahrt von Geiranger an der Straße 63 – in Richtung Trollstigen – schlängelt sich über Serpentinen mit bis zu zehn Prozent Steigung nach oben. In der Adlerkurve genießt du den Blick über Geiranger, einen Großteil des Fjords sowie den Wasserfall Sieben Schwestern.

Die eben genannten Aussichtspunkte sind allesamt bequem mit dem Auto erreichbar. Willst du dir etwas die Füße vertreten, bietet sich der Aufstieg zum Vesteråsfjellet an, der im Zentrum Geirangers beginnt und knapp eine halbe Stunde dauert. Angetreten habe ich die vermeintlich leichte Wanderung nicht, allerdings haben meine Recherchen ergeben, dass es sich lohnt die Wanderschuhe zu schnüren, da dich ein toller Blick über den Hafen, Geiranger und den Fjord erwartet.


Wanderung zum Hof Skageflå

Rund um den Geirangerfjord erstrecken sich einige schöne Wander- und Trekkingtouren. Eine spezielle ist die Wanderung nach Skageflå. Dabei handelt es sich um eine Farm, die auf einer nicht allzu leicht zu erreichenden Klippe in Höhe von 250 Metern liegt. Bis ins Jahr 1918 wurde sie ganzjährig bewirtschaftet. Skageflå beheimatete damals unter anderem 125 Ziegen, 15 bis 16 Kühe und zwei Pferde. Einige der Tiere mussten sogar angekettet werden, um nicht Gefahr zu laufen, den steilen Abhang hinunterzustürzen.

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Wahrscheinlich fragst du dich, warum die Norweger überhaupt einen so großen Aufwand auf sich nahmen, um einen Hof in so ungünstiger Lage zu betreiben. Tatsächlich gab es dafür einige gute Gründe, denn das lawinengeschützte Plateau unterhalb der damaligen Gletscher wurde in den Sommermonaten fast durchgehend mit Sonnenstrahlen verwöhnt. Diese sorgten für eine gute Ernte. Teilweise konnten sogar südländische Früchte angebaut werden. Das Land war fruchtbar und das saftige Gras eine Delikatesse für die Tiere, sodass Skageflå einst ein Bauernhof mit hohem Ertrag war.

Skageflå als beliebtes Wanderziel am Geirangerfjord

Obwohl Skageflå seit mehr als einem Jahrhundert nicht mehr als Farm genutzt wird und sich mittlerweile in Privatbesitz befindet, hat der Ort trotz des schwierigen Aufstiegs gerade für Touristen eine hohe Anziehungskraft. Großen Anteil daran hat der traumhafte Ausblick auf den Geirangerfjord, die sich bis zu 1.700 Meter auftürmenden Berge sowie die Sieben Schwestern direkt gegenüber.

Bei den Sieben Schwestern handelt es sich um einen gewaltigen Wasserfall mit einer Fallhöhe von 250 Metern. Der Ursprung seines Namens liegt darin, dass er aus der Ferne wie die Haarschöpfe von sieben Frauen aussieht. 

Die alten Holzhäuser mit ihren grasbewachsenen Dächern und die Trinkwasserquelle versprühen ihren eigenen Charme und machen den Hof zu etwas Besonderem. Hinzu kommt, dass Skageflå ausschließlich zu Fuß erreichbar ist, weshalb du hier keine Menschenmassen antreffen wirst. Auch König Harald und Königin Sonja schien der mühsame Aufstieg nicht zu stören, denn 1993 feierten sie ihre Silberhochzeit auf dem wunderschönen Plateau. 

Details und Tipps zur Wanderung nach Skageflå

Startpunkt der Wanderung nach Skageflå ist das Zentrum von Geiranger. Am Fjord entlang marschierst du ungefähr zweieinhalb Kilometer bis nach Homlong. Dort führt ein kleiner Pfad, teilweise über Felsen, steil bergauf durch ein Wäldchen. Bei Regen kann es auf dem Gestein sowie dem unbefestigten Weg sehr rutschig werden, weshalb du unbedingt gute Wanderschuhe tragen solltest.

Zwar haben die Einheimischen den Weg als mittelschwer eingestuft, allerdings habe ich dir bereits in meinem Beitrag Wandern auf den Lofoten berichtet, dass dieser Kategorisierung nicht unbedingt zu trauen ist. Teste an einem verregneten Tag vielleicht doch lieber die leckere Sjokolade mit einem Dach über dem Kopf und verzichte stattdessen auf eine abenteuerliche Entdeckungstour. 

  • Start: Ortszentrum Geiranger
  • Ziel: Bootsanleger unterhalb von Geiranger
  • Strecke: 8 Kilometer
  • Aufstieg: 591 Höhenmeter
  • Gehzeit: 2,5 Stunden

Nachdem du eine Weile aufgestiegen bist, gelangst du an die Farm Homlungsætra. Sie ist mit 544 Metern der höchste Punkt der Wanderung und zugleich eine von fünf Farmen in der näheren Umgebung. Der Hof besticht durch urige Holzhütten mit grasbewachsenen Dächern, einem satten Grün und einer tollen Aussicht – ungefähr so muss es im Auenland des Kinohits Herr der Ringe ausgesehen haben.

Homlungsætra-geirangerfjord

Von Homlungsætra, wo du die Ausmaße des Geirangerfjords auf dich wirken lassen und dich ein bisschen wie ein norwegischer Hobbit – oder vielmehr ein Troll – fühlen kannst, geht es auf 1,3 Kilometern mit 350 Höhenmetern bergab nach Skageflå. Dort ist eine längere Pause Pflicht. Nutze die Zeit auf der berühmten Klippe, auf dem das norwegische Königspaar Silberhochzeit feierte, und erfreue dich am unvergesslichen Blick auf die Sieben Schwestern, den Geirangerfjord und die gigantische Bergwelt der Provinz Møre og Romsdal. 

Bis zum Bootsanleger, wo dich das im Vorhinein organisierte Schnellboot abholt und wieder zurück nach Geiranger bringt, sind es zwar lediglich 440 Meter, allerdings ist beim Abstieg oberste Vorsicht geboten. Obwohl der Trail 2011 nach einem Erdrutsch restauriert wurde und teils mit Seilen gesichert ist, herrscht hier größte Rutsch- und Stolpergefahr. Konzentration ist gefragt, um es sicher zum Bootssteg zu schaffen. 

Natürlich hast du ganz unterschiedliche Optionen, um Skageflå kennenzulernen. Zum Beispiel kannst du die von mir vorgestellte Tour auch gerne andersrum durchführen, indem du von Geiranger aus mit dem Boot startest. Oder du fährst mit dem Schnellboot hin und zurück, sodass du nur den Auf- und Abstieg nach Skageflå machen musst. Eine andere Idee: Wie wäre es mit einer Kajaktour? Möglichkeiten, um Skageflå zu entdecken, gibt es jedenfalls eine Menge. 

Ein paar Tage am Geirangerfjord sollten schon drin sein

Die beste Reisezeit zum Geirangerfjord ist Mai bis September. Natürlich ist der Anblick des Fjords von einem der Aussichtsplattformen das Highlight, sodass du Geiranger bei einer Rundreise durch Norwegen schnell abhaken kannst. Ich empfehle dir jedoch zwei bis drei Tage dranzuhängen, um den Fjord in Ruhe zu genießen. Mache zum Beispiel eine kurze Wanderung auf dem Fosseråsa zum Storsæterfossen, esse frischen Fisch in einem der Restaurants, entspanne beim Ausblick von den unterschiedlichen Aussichtsplattformen, paddle mit dem Kajak umher und nimm dir genügend Zeit für eine Tour zur Farm Skageflå. 

Ich gebe zu, dass meine Erwartungen an den Geirangerfjord immens waren, allerdings kann ich guten Gewissens behaupten, dass sie voll und ganz erfüllt wurden. Ein Ort, an dem die Schönheit der Natur mit ihren vielen Facetten kaum besser zum Ausdruck gebracht werden könnte. Dir wünsche ich viel Spaß am Geirangerfjord.

 

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