Weekend Market und Abflug

Geschlafen und gefrühstückt wie die Götter hielten Andi und ich den kompletten Vormittag ein Meeting am Pool ab, um bloß nicht gestresst in den neuen Tag zu gehen. Nebenbei kühlten wir unseren durch Muskelkater gebeutelten Körper, den wir von der gestrigen Trainingseinheit im Fitnessstudio bekommen hatten.

Wildes Treiben auf der Khao San Road

Nachdem wir beim Mittagessen ein Menü der Extraklasse in uns hinein geschaufelt hatten, beschlossen wir, doch noch einmal zum Office unserer Fluggesellschaft Mahan Air zu gehen, um uns einen Überblick über das Chaos zu verschaffen. Hierzu nutzten wir selbstverständlich unseren hoteleigenen Fahrservice. Der Kunde ist nunmal König!!!

Im Büro angekommen sahen wir zwölf aufgebrachte Leute, die erneut über einen Angestellten von Mahan Air herfielen. Was hatte dieser Mann, der Andi und mir eigentlich sehr sympathisch erschien, bloß alles für Prügel (im wörtlichen Sinn) einstecken müssen. Vor allem eine blonde Frau schrie den Thailänder ununterbrochen an.

Die Frau, die Andi und ich einfach mal Susanne nannten, gehörte einer größeren deutschen Familie an, deren Flug von Bangkok nach Düsseldorf am heutigen Morgen verschoben wurde. Sie wollte mit aller Macht durchsetzen, am selbigen Tag noch nach Deutschland zu fliegen. Sobald Susanne mal still war, was nicht oft der Fall war, kam aus irgendeiner Ecke des Zimmers die nächste Beschwerde.

Noch eine Kokosnuss zum AbschiedAndi und ich fanden das Ganze ziemlich spaßig und konnten uns das Lachen nicht wirklich verkneifen. Eigentlich wollten wir uns nur über den aktuellen Stand der Rückflüge erkundigen, aber wir kamen einfach nicht zu Wort. Ehrlich gesagt wollten wir uns das ganze Chaos nicht entgehen lassen und blieben deshalb ruhig in der Ecke stehen. Zwischendurch holte Andi uns noch zwei Bier, damit wir das Spektakel in vollen Zügen genießen konnten.

Während unseres Besuchs bei Mahan Air erfuhren wir zudem den Grund für das gesamte Chaos. Die Flugzeuge der im Iran ansässigen Fluggesellschaft hatten keine Erlaubnis mehr in Europa zu landen, da sie den Sicherheitsbestimmungen nicht mehr entsprachen. Mhhh, und nun?

Susanne ließ einfach nicht locker. Sie redete weiterhin wie eine Irre auf die mittlerweile drei Angestellten ein. Ihr ging es nicht in den Kopf, dass die Mahan-Mitarbeiter nicht von hier auf jetzt Tickets von einer anderen Fluggesellschaft herzaubern konnten. Zu recht wurde es einem Mitarbeiter zu blöd und rief die Flughafenpolizei. Für kurze Zeit war es folglich sehr ruhig im kleinen Büro, doch leider blieb die Polizei nicht sehr lange, sodass das Geschrei kurz darauf von Neuem begann.

Während sich an der Situation im Office nichts änderte, orderten Andi und ich bei einem außenstehenden Mitarbeiter in aller Ruhe Tickets bzw. hinterließen unsere Reisepassnummern. Irgendwann sollten wir schließlich auch mal wieder nach Hause reisen, auch wenn wir das gerne soweit wie möglich nach hinten verschieben wollten.

Es verging wieder ein bisschen Zeit als plötzlich ein Angestellter aufstand und das Licht ausmachte. Dies sollte wohl als Rausschmiss gelten, doch Susanne und ihr Clan wollten einfach nicht aufhören. Schließlich wurden wir allesamt durch heftiges Schieben und Drücken rausgeschmissen. Wir waren also nicht wirklich schlauer, wie es mit uns weitergehen würde und beschlossen, in Bangkoks Innenstadt zu fahren, um den Weekend Market zu besuchen.

Dieser riesige Markt ist vor allem bei den Thais sehr beliebt, da es sowohl billige Kleidung als auch günstiges Essen gibt. Für uns war zwar die Größe erstaunlich, aber außer ein paar Socken und einem sehr guten Mittagessen fanden wir nichts wirklich brauchbares.

Lustig war allerdings, dass wir von einem südkoreanischen Fernsehteam interviewt wurden und dass wir uns dazu überwunden hatten, neben Heuschrecken und kleinen Fröschen auch ein paar Maden zu essen, wie das folgende Video beweist. Die Heuschrecken sind auf alle Fälle weiterzuempfehlen. Über den Rest lässt sich streiten.

Wir verbrachten den gesamten Nachmittag auf dem Weekend Market, wo wir unter anderem die schwäbischen Referendarinnen trafen, mit denen wir bereits auf Ko Phangan zusammen auf der Ladefläche eines Taxis saßen. Doch der zentrale Ort in Thailand für Backpacker war wie immer die Khao San Road, auf der wir den Abend auklingen lassen haben.

Gegen zehn Uhr am Abend machten wir uns, bepackt mit ein paar Dosen Singha, mit dem Taxi auf dem Weg zurück ins Hotel. Als wir dort ankamen, kam sofort eine Rezeptionistin auf uns gestürmt, um uns mitzuteilen, dass unser Flieger in zwei Stunden starte. Wir waren in der Tat etwas überrascht, packten schnellstmöglich unsere Taschen und ließen uns mit dem Hoteltaxi an den Airport fahren.

Passkontrolle im GammellookAm Schalter bekamen wir überraschenderweise auch keine Tickets von Mahan Air, sondern von China Airlines, die uns sicher zurück nach Deutschland bringen sollten. Scheinbar gab es in Europa doch ein größeres Problem mit der iranischen Fluggesellschaft. Uns war es jedoch egal, mit welcher Gesellschaft wir heimfliegen sollten, da sich unsere Ansprüche in Grenzen hielten, auch wenn wir mittlerweile luxuriöse Backpacker waren.

Wie schon zwei Tage zuvor, nahmen wir unser Abschiedsgetränk diesmal in Form eines Bieres zu uns, da uns der damalige Bloody Mary nicht allzu sehr begeistert hatte. Als wir nach einiger Zeit auf die Uhr schauten, erkannten wir, dass es bereits kurz vor knapp war und wir dringend in den Flieger einsteigen mussten. Das Personal machte uns auch schnell bewusst, dass wir die vorletzten Passagiere für den Flug waren, was uns dazu bewegte, das Handgepäck zu nehmen und einen letzten Sprint zum Flugzeug anzusetzen.

Da saßen wir also, wieder ohne ein Wort zu sagen und verabschiedeten uns von einem traumhaft schönen Land, in dem wir viele neue Impressionen bekommen hatten. Bevor der Flieger schließlich abhob, war uns beiden klar, dass es nicht der letzte Trip nach Thailand für uns gewesen war.

Luxus pur nach Flugausfall von Mahan Air

Um den Urlaub endgültig ausklingen zu lassen, leisteten Andi und ich uns in der Sky Bar im obersten Geschoss des Suvarnabhumi Airport in Bangkok noch zwei Bloody Mary. Die Wahl fiel auf diesen Cocktail, da wir ihn auf Ko Tao schon trinken wollten, allerdings konnte er aus diversen Gründen nicht zubereitet werden.

Bloody Mary im Flughafen Bangkok

Bis vier Uhr in der Nacht überbrückten wir die Zeit bis zum Abflug mit Internet oder Körperpflege, die längst überfällig war. Als es dann endlich soweit war, dass wir Einchecken konnten, stellten wir uns an den Schalter, vor dem eine ziemlich lange Schlange stand, die hauptsächlich aus iranischen Großfamilien bestand.

Kurz bevor wir dann auch tatsächlich am Schalter von Mahan Air standen, fragte uns ein Holländer, ob wir den ersten Tag anstehen würden, da seine Familie bereits den zweiten Tag in Folge hier steht. Ehrlich gesagt wussten nicht so recht, was er von uns wollte. Auf weitere Gespräche konnten wir uns sowieso nicht mehr einlassen, da wir nun an der Reihe waren einzuchecken.

Wir legten die Tickets und den Pass auf den Schaltertresen, woraufhin uns die Angestellte fragte, ob wir denn nach Düsseldorf fliegen möchten. Stand das denn nicht sowieso auf unserem Ticket? Selbstverständlich wollten wir in die Stadt am Rhein fliegen, doch die überaus nette und zugleich gestresste Iranerin gab uns zu verstehen, dass der Flug ausgebucht sei und wir einem uns herannahenden Mann folgen sollten.

passEs muss ziemlich lustig ausgesehen haben, als wir den Schalter verließen, da wir nach einigen Metern kurz stehen blieben, einen Handschlag machten und ziemlich laut „Yes!“ riefen, denn von diesem Augenblick an wussten wir, dass unser Thailand-Trip noch nicht ganz beendet war.

Dadurch, dass der Flug ausgebucht war, konnten wir noch einen Tag länger bleiben, denn wir bekamen eine Unterkunft gestellt. Der Hotel eigene Fahrservice schipperte uns mit einem kleinen Taxi in das am Flughafen liegende Novotel Hotel, welches ganze vier Sterne vorzuweisen hatte und gerade einmal ein Jahr alt war.

Im Foyer des Hotels fielen uns fast die Augen aus. Wir Rucksacktouristen sollten doch tatsächlich eine pickfeine Unterkunft bekommen und das sogar for free auf Kosten von Mahan Air. Im Gegensatz zu den meisten anderen Passagieren unserer Airline waren wir überglücklich über den Ausfall des Fluges. Einen wirklichen Grund für den Ausfall des Fluges konnte uns aber niemand nennen.

An der Rezeption bekamen wir Chipkarten als Zimmerschlüssel. Jeder hatte sein eigenes Reich, das wirklich Luxus pur war. Ein Zimmer hatte jeweils zwei äußerst bequeme Betten, Dusche, Badewanne, drei Telefone, Fernseher, Schreibtisch und dutzende Lichter, die man vom Bett aus steuern konnte. Einfach genial.

Novotel in Bangkok

Da die erste Nacht unseres Luxuslebens auch schon fast zu Ende war, beschlossen am Morgen um sechs Uhr auch gleich mal das Frühstück mitzunehmen, ohne eine Minute geschlafen zu haben. Anschließend holten wir dann doch noch den fehlenden Schlaf nach und trafen uns zum bombastischen Mittagessen wieder, wonach Andi sich erneut aufs Ohr haute, während ich im Thai Garden und am 25 Meter langen Pool mit Poolbar relaxte.

Abends suchten wir einen Verantwortlichen unserer Fluggesellschaft auf, aber als wir sahen, dass dutzende von Passagieren auf diesen einschrien, dachten wir uns, dass wir den Mann lieber in Ruhe lassen sollten. Wir nutzten die Zeit dann doch lieber, um uns die Zeit im hoteleigenen Fitnessstudio zu vertreiben, um unsere Muskeln zu stählen.

Wir genossen unser neues Luxusleben sehr ausgiebig und waren bereits gespannt, was uns am morgigen Tag so alles erwarten würde.

Sightseeing in Bangkok

Wie in fast jedem Zug wurden wir durch Händler geweckt, die durch die Waggons rannten, um uns Frühstück, Getränke oder sonstige lebensnotwendige Dinge anzudrehen. Natürlich blieben wir unserer Linie treu und kauften rein gar nichts.

Abschied von Bangkok auf dem Golden Mountain

Was wir allerdings beibehielten war unser Gang zum Kentucky Fried Chicken am Bangkoker Bahnhof, wo wir uns schnellstmöglich ein absolutes Monstermenü in den Magen katapultierten. Nach dem Festmal und nachdem uns wenig später nicht mehr ganz so schlecht war, brachen wir zum Sightseeing in Bangkok auf.

Schnell bemerkten wir, dass die wunderbare Ruhe, die wir noch auf Ko Phangan hatten, schnell verflogen war, denn der Großstadtdschungel hatte uns wieder. Als Ziele für unsere abschließende Tour hatten wir Wat Arun (siehe Foto), Wat Pho und natürlich den Grand Palace auf unserer Liste.

Einem thailändischen TukTuk-Fahrer versuchten wir zu erklären, dass wir zu einer Bootanlegestelle wollten und von dort aus zum Wat Arun fahren möchten. Dieser wollte uns jedoch eine TukTuk-Tour für 1.200 Baht andrehen und war so hartnäckig, dass er uns nicht in Ruhe ließ. Selbst als wir beschlossen wezulaufen, kam uns der Fahrer hinterher gefahren, um uns zu überreden. Um ihn loszuwerden, wurden wir das erste und einzige Mal unhöflich und patzig, da wir tierisch genervt waren.

Auf eigene Faust fanden wir dennoch eine Anlegestelle, wo uns ein perfekt Englisch sprechender Thai über die Hinterhalte von Bootstouren aufklärte und uns wertvolle Tipps gab. Ein sehr netter Mann, von dem wir uns kurz darauf gemeinsam mit zwei Franzosen zu einer Bootstour überreden ließen, genauer gesagt einer Klongtour.

Unter einer Klongtour versteht man eine Bootsfahrt mit einem Longtailboat durch die Kanäle in Bangkok, die in den Khao Phraya münden. Diese Tour war wirklich atemberaubend und teilweise erschreckend, da man das Ausmaß der Armut einiger Thais sah, schließlich lebte ein Großteil in Wellblechhütten an einem dreckigen Fluss, in dem sowohl gefischt als auch gewaschen wurde. Ein Krokodil, welches eine Hauswand nach oben kroch, fühlte sich dort scheinbar ebenfalls sehr wohl.

Wat Arun in BangkokBesonders lustig waren die kleinen schwimmenden Märkte, wobei die Thais vom Boot aus diverse Sachen verkauften. Auch wir konnten den Überredungskünsten der Verkäufer nicht widerstehen und deckten uns mit jeweils einem Holzfrosch ein, der lustige Töne von sich gibt. Am Wat Arun endete schließlich unsere Bootstour.

Wir waren nicht lange zu Fuß unterwegs, da trafen wir einen thailändischen Lehrer, der gerade Pause hatte und ganz gut über Deutschland informiert war. Wie fast alle Thais nahm er unseren Stadtplan und kritzelte darauf herum. Er arbeitete eine Tour für uns aus, bestellte einen TukTuk-Fahrer und verhandelte einen spottbilligen und fast schon unverschämten Preis mit ihm.

Unser Fahrer war ebenfalls ziemlich lässig drauf. Er fuhr uns auch gleich zu einem Shop namens Manhatten. Beim Aussteigen stieß ich mir dermaßen das Knie, dass es auch gleich anfing zu bluten. Im Geschäft stürmten auch gleich mehrere Verkäufer auf uns ein, um uns ihre wirklich sehr schönen Anzüge zu verkaufen.

Andi wollte sich sowieso einen Anzug kaufen und ließ sich zu zwei Hosen, einem Sakko und einem Hemd überreden. Während Andis Maße ausgemessen wurden, wurde der Junge mit dem blutenden Knie, also ich, durchgehend bequatscht, sich vermessen zu lassen und einen Anzug zu kaufen. Irgendwann gab der Verkäufer auf und fragte mich, ob ich denn ein Bier trinken möchte. Natürlich nahm ich ein Singha, um die Zeit schneller rumgehen zu lassen.

Die nächste Station lautete Golden Mountain, ein Ort von dem man einen wunderschönen Ausblick über Bangkok hatte. Wir genossen den Blick über die Stadt für längere Zeit, schwitzten wie die Irren, schossen doofe Fotos und beschlossen auf eigene Faust weiter durch Bangkok zu pilgern.

Vor dem Grand Palace wurde uns gesagt, dass er momentan geschlossen sei, was uns sehr ärgerte, da wir das Wahrzeichen der „Stadt der Engel“ doch gerne gesehen hätten. Nicht weit entfernt davon war glücklicherweise der Wat Pho, allerdings ließen wir uns erneut von einem Thailänder namens John aufhalten, der wiederum unseren Reiseführer bemalte. Dieser schlug uns ebenfalls eine Tour vor und handelte mit einem TukTuk-Fahrer 20 Baht für eine Rundfahrt aus, was erneut unverschämt billig war.

Das eigentliche Abschiedsfoto auf der Khao San RoadDie erste Station der zweiten Tour war ein Wat mit einem vergoldeten sitzenden Buddha. Im Wat selbst lernten wir einen Belgier kennen, der uns von seinen erfolgreichen Plänen mit dem Diamantenhandel erzählte. Er kauft jedes Jahr in Thailand Rubine und Diamanten und vertickt diese dann in Deutschland an Juweliere wie Christ. So finanziert er sich jedes Jahr seinen Flug inklusive Urlaub in Thailand. Diese Idee sollten wir wohl auch einmal ins Auge fassen.

Unserer TukTuk-Tour endete im Verkehrschaos von Bangkok, wo rein gar nichts voran ging. Ich war darüber allerdings ganz froh, da mein Knie kurz vor dem Explodieren war und es dringend Bewegung brauchte. Wir gingen also zu Fuß weiter durch die Straßen des versmogten Bangkoks. Ein wirkliches Ziel hatten wir wie so oft nicht.

Nach einem Aufenthalt im Pizza Hut wurde Andi noch von einem Auto angefahren, was zum Glück ohne Folgen blieb, bevor es erneut ins Manhattan ging, um den fertiggestellten Anzug abzuholen. Wieder wurde ich gelöchert, mich doch vermessen zu lassen, doch auch diesmal blieb ich standhaft. Ein Bier nahm ich allerdings erneut dankend an.

Da heute Nacht unser Flug zurück nach Deutschland bevor stand, mussten wir natürlich noch einmal in die Khao San Road, dem Paradies für Backpacker, um uns mit Kleidern und sonstigen Utensilien einzudecken. Pflicht war für uns natürlich der Soundtrack des Kinofilms „The Beach“, der uns immer an einen richtig guten Trip erinnern sollte.

Als Abschluss tranken Andi und ich noch vier Singhas, wodurch die Stimmung auch nicht besser wurde, da wir gerne noch eine Weile in Thailand geblieben wären. Immerhin heiterte unser Nachbartisch uns ein bisschen auf, denn da saßen zwei englische Jungs, von denen einer ziemlichen Notstand hatte und sich eine junge hübsche Thailänderin an den Tisch holte. Dieser war durchgehend am Grabschen, während dem anderen Engländer die Situation doch etwas peinlich war. Das war eigentlich ein Bild für die Götter, obwohl es wirklich traurig ist, dass sich bildhübsche junge Mädels für Geld für irgendwelche bescheuerten Touristen hingeben (müssen).

Nach der kostenlosen Peep-Show der Engländer suchten wir uns, ohne ein Wort miteinander zu reden, schleunigst ein Taxi, zum Flughafen. Traurig stiegen wir an der Stelle aus, wo gut zwei Wochen vorher alles angefangen hatte.

Abschied vom Golf von Thailand

Nach drei Nächten hieß es auch für uns „Bye, bye Cabana!“. Mit dem Jeep fuhren wir zum Hafen in Thong Sala, wo wir auf der Ladefläche zwei fast Dreißigjährige kennen lernten, die wir für typische Referendarinnen aus dem Schwabenländle hielten und mit denen wir unsere bisherigen Erfahrungen austauschten und uns letzte Tipps holten.

Hafen von Thong Sala

Am nicht gerade sauberen Hafen von Ko Phangan angekommen, ging es mit dem Boot nach Suratthani, um von dortaus weiter nach Bangkok zu gelangen. Auf dem Boot genossen wir das letzte Mal die Stille des Meeres und die salzige Luft, die der Golf von Thailand zu bieten hatte.

Als wir schließlich am Hafen in Suratthani ankamen, mussten wir auf unsere Rucksäcke warten, die regelrecht vom Boot auf das Festland geschmissen wurden. Den Rest der Zeit schlugen wir uns wiederum mit Warten um die Ohren, da unser Bus nicht kam, der uns an den nächsten Bahnhof chauffieren sollte.

Da auch der Bahnhof alles andere als gemütlich war, beschlossen Andi und ich, ein Südthailand-Abschiedsessen mit Meeresspezialitäten zu machen. Wie so oft war im nächstliegenden Restaurant der Hunger größer als das Essen selbst, weshalb wenig später eine weitere Portion für jeden von uns geordert wurde.

Schlafwaggon in Richtung NordenGegen 21.45 Uhr kam endlich unser Zug mit Schlafwaggon, dem wir sehr entgegenfieberten, da wir uns die gesamte Wartezeit mit zwei ostdeutschen Pärchen herumschlagen mussten, die laut ihres Dialekts aus dem tiefsten Sachsen kamen. Nichts gegen „Ossis“, aber im Urlaub ist dieser Dialekt schon sehr nervtötend.

Mit dem für Thailand sympthomatischen Chaos wurden wir rasend schnell unseren Plätzen zugewiesen. Die Schlafkabinen waren bereits hergerichtet, allerdings kam diesmal keine Miss Singha vorbei, um uns Bier zu verkaufen oder Andi in den Magen zu pieksen.

Da wir glücklicherweise selbst noch Dosenbier dabei hatten, tranken wir jeweils eines der fantastischen thailändischen Biere, zogen kurz darauf die Vorhänge zu und erinnerten uns an die wunderbare Zeit am Meer zurück, die leider viel zu schnell zu Ende ging.

Nichtstun am einsamen Strand auf Ko Phangan

Wie bereits berichtet sind Andi und ich getrennt von der Full Moon Party auf Ko Phangan nach Hause gekommen. Bevor Andi am frühen Morgen in den Bungalow kam, verbrachte er scheinbar noch einige Zeit auf der Veranda. Warum weiß nur er selbst oder hatte sein Mitbewohner das Klopfen an der Tür nicht bemerkt? Wer weiß das schon.

Tagesausklang auf Ko Phangan

Der Morgen bestand aus Schlafen und Faulenzen. Um halb zwölf mussten wir uns dennoch kurzzeitig von unserem Trott losreißen, da Rebecca und Verena Richtung Krabi aufbrachen. Wir waren etwas neidisch auf die beiden, da sich unser Trip dem Ende näherte und die beiden noch eine Woche auf der Ostseite Thailands verbringen durften.

Der Rest des Tages bestand daraus, das gute Wetter am Strand zu genießen und wieder komplett auszunüchtern. Zugegeben der gestrige Abend war schon sehr krass, aber die größte Strandparty der Welt sollte man nicht unbedingt auslassen und auf alle Fälle mal mitgemacht haben.

Während Andi mehrere Stunden am Strand unter einer Palme lag und sich regelrecht „schwärzte“, lief ich durch die Gegend, schwamm im einsamen Meer oder fotografierte belanglose Dinge. Hauptsache wir überanstrengten uns nicht.

Abends ging es ins Internetcafe des Cabana Beach Resort, wo wir unseren ersten thailändischen Stromausfall miterleben durften. So hatten wir endlich die Möglichkeit unsere nagelneuen Taschenlampen für jeweils 2,99 Euro zu testen.

Der Stromausfall vollzog sich über mehrere Stunden, sodass uns nichts anderes übrig blieb, als in den Bungalow zu gehen und zu schlafen. Das war sicherlich auch nicht die schlechteste Idee, denn unsere Körper mussten langsam aber sicher wieder auf Vordermann gebracht werden.

Full Moon Party auf Ko Phangan

Am heutigen Tag machte sich das für den europäischen Magen ungewöhnliche Essen bemerkbar, denn der ein oder andere hatte doch sehr starke Verdauungsprobleme. Wen genau ich damit meine, möchte ich hier nicht veröffentlichen. Allerdings sei angemerkt, dass die jeweilige Person nach Wiedergenesung so glücklich war, dass sie für vier Personen jeweils einen Thai-Whiskey sowie eine Pizza spendierte.

Feuerspielchen in Hat Rin

Nun gut, der gesamte Mittag bestand jedenfalls daraus nichts zu tun und die Seele am Golf von Thailand baumeln zu lassen. Unsere beiden Teilzeitreisebegleiterinnen Rebecca und Verena waren so nett und zeichneten uns ein PingPong-Feld in den Sand, auf dem Andi und ich uns die weiteren zwei Stunden die Zeit vertrieben. Im Hintergrund ging dabei die Sonne unter und ich erlebte den schönsten Sonnenuntergang meines bisherigen Lebens. Der gesamte Horizont war rosa – ein wahrer Traum!

Nach dem Abendessen ging es an den einsamen Strand, um sich den ein oder anderen Cocktail zu genehmigen. Wenig später fand das gleiche Prozedere zehn Meter entfernt in der Cocktailbar statt. Dort wurde von unserem Quartett nahezu einstimmig der Mai Tai zum „Cocktail of the day“ gewählt.

Vollmond in Cabana

Wenig später holte uns ein Minibus ab, um uns nach Haad Rin zu fahren, wo die größte Strandparty der Welt auf uns wartete, nämlich die legendäre Full Moon Party auf Ko Phangan. Der Minibus war vom Sound her mit einem Flugzeug zu vergleichen und die Strecke ähnelte einer Alpenüberquerung, da es ständig auf und ab ging, aber das war uns im leicht angesäuselten Zustand bereits egal.

In Haad Rin angekommen strömten Menschenmengen zum Strand, wo die Party bereits in vollem Gange war. Laute HipHop- und Technobeats dröhnten uns entgegen und alle paar Meter sah man einen Artisten, der mit Feuerbällen oder -stangen wild um sich schmiss. Zu Trinken gab es massenweise kleine Eimer, die man beliebig mit Mixgetränken füllen konnte. Unser Favorit war Wodka Energy, von dem auch gleich mal zwei Buckets geordert wurden.

Während Verena zufällig eine alte Bekannte von einem Australien-Trip traf, hielten wir bereits Ausschau nach einem vorerst ruhigeren Plätzchen, um den heftigen Techno-Bässen zu entfliehen. Fündig wurden wir bei einer Strandbar, die Reggae-Musik von Bob Marley auflegte. Außerdem trafen wir dort Luisa und Nina wieder, mit denen wir zusammen unsere Trekking-Tour in Nordthailand gemacht hatten. Daraufhin wurden erneut vergangene Erlebnisse ausgetauscht, was mich etwas langweilte, sodass ich mich alleine auf den Weg machte, wo ich unter anderem zwei nette Schotten kennen lernte.

Die Schotten unter sich

Als ich von meinem Egotrip zurück kam, verabschiedeten sich Rebecca und Verena von uns, da sie etwas angeschlagen waren. Die beiden anderen Mädels blieben uns allerdings noch erhalten, obwohl Andi und ich eigentlich auch ganz gerne alleine durchgestartet wären, da wir während unseres gesamten Trips viel zu viel Zeit mit Deutschen verbracht hatten. Nichts gegen die beiden, aber es war auch mal schön, neue Leute kennen zu lernen.

Die Full Moon Party artete in eine Rave-Party aus und je länger die Nacht wurde, um so ausgelassener wurde gefeiert. Obwohl ich mich im Gegensatz zu Andi als absoluten Anti-Raver bezeichne, stand ich plötlich auf einer 1,50 Meter hohen Bühne und bewegte mich zu den Rhytmen – der Gruppenzwang hatte mich mal wieder erwischt.

Die nächste Station war ein Drum´n´Bass-Stand, wo Andi erneut alles gab. Meine Ausdauer neigte sich allerdings stark dem Ende entgegen, sodass ich mir eine kleine Auszeit nahm. Scheinbar sah ein Engländer, dass ich nicht mehr der Fitteste war und bot mir ein Glas Flüssigkeit an, die wahrscheinlich mit Drogen versetzt war, da er mir versicherte, dass ich danach wieder topfit werden würde. Zwar setzte ich das Glas auch an, allerdings ließ ich meinen Mund geschlossen.

Bodypainting auf der Full Moon Party

Kurz darauf wurde mir auch klar, dass ich Andi im Getümmel verloren hatte. Als dann auch die Sonne aufging, machte ich mich auf den Weg zurück, setzte mich in einen Pick Up, der mich zum circa 20 Kilometer entfernten Ressort bringen sollte. Ebenfalls im Pick Up war eine nervige Amerikanerin, die durchgehend über Thailand und deren Einwohner lästerte. Nerv, nerv, nerv,…

Nach einer holprigen Fahrt öffnete ich auch endlich die Tür zu unserem Bungalow, wo ich totmüde ins Bett fiel. Andi war noch immer nicht angekommen, allerdings schaffte auch er es irgendwann zurück in unser Resort. Wir hatten die Full Moon Party auf Ko Phangan ohne Verluste überstanden und waren froh, diese einmal mitgemacht zu haben.

Von Ko Tao über Ko Samui nach Ko Phangan

„Uahhhh, Hilfeeeeee, oh mannnnnnnnn,……!“ Ungefähr so wachten wir unseren letzen Morgen auf Ko Tao auf. Das Geschrei richtete sich nicht etwa an die große Anzahl von Ameisen in unserem Zimmer, sondern vielmehr an die Wolken, die uns den Sonnenaufgang vermiesten, da wir die Sonne nur teilweise zu Gesicht bekamen. Irgendwie hatten wir uns das Spektakel doch etwas anders vorgestellt.

Sonnenaufgang auf Ko Tao

Egal, denn wir hätten sowieso früh aufstehen müssen, da wir von Ko Tao aus weiter gen Süden ziehen wollten. Die Sachen waren schnell im Rucksack verstaut und nachdem wir unsere Bungalow-Rechnung beglichen hatten, konnten wir sogar noch frühstücken, solange wir auf unser Taxi warteten.

Es gab selbstverständlich Pancake und ein Bier. Eigentlich schon abartig, morgens um acht Uhr Bier zu trinken, aber irgendwie hatten wir uns in die Insel Ko Tao verliebt und dachten uns, dass wir uns gebührend verabschieden sollten.

Unser Taxi war ein moderner Mitsubishi Jeep, der die heftigsten Steilhänge mit riesen Schlaglöchern fast mühelos meisterte. Ohne Verletzungen kamen wir dann auch am Hafen an der Westküste an, von wo aus es mit einem Katamaran nach Ko Samui ging, wo wir am Maenam-Strand ausgesetzt wurden.

Als wir am Ufer ausstiegen fragten uns die Thais ständig, wo wir denn gerne hin möchten. Jedes Mal antworteten wir fast schon genervt: „Zum Maenam-Straaaaannnnnndddddd!!!!!“. Doof war nur, dass wir uns dort bereits befanden und dies nicht so richtig kapiert hatten. Die doofen Deutschen mal wieder.

Rollerfahrt auf Ko SamuiWenig später ließen wir uns mit zwei Rollern nach Ko Faan zum Big Buddha fahren, wo wir das massive Denkmal begutachteten und uns eine Foto-Session mit zwei Italienern lieferten, die ein Foto nach dem anderen machten. Der Big Buddha war wirklich atemberaubend, was uns aber noch mehr beeindruckte waren zwei Kokusnüsse, deren eiskalte Milch wir tranken. Hmmm, war das lecker und erfrischend.

Auf Ko Samui hielten wir uns dennoch nur zwei Stunden auf. Erstens, weil die Insel ein bisschen dem Ballermann ähnelte und zweitens, weil wir ein Zimmer auf Ko Phangan gebucht hatten, schließlich war morgen die allseits beliebte Full Moon Party.

Wir schipperten also nach Thong Sala, fuhren von dort aus mit zwei jungen Engländern zum Cabana Beach Resort und checkten ein. Doch dann kam die Überraschung. Vor uns standen zwei total verbrannte Gesichter, die wir erst nach längerem Hinsehen identifizieren konnten. Es waren Rebecca und Verena, die beiden Mädels von unserer Trekkingtour durch Nord-Thailand.

Andi beim Chillen am Strand von CabanaNachdem Andi und ich unseren Bungalow bezogen hatten, gingen auch wir zum Schwärzen an den Strand, um noch die letzten Sonnenstrahlen des Tages zu genießen. Wenig später kauften wir ein paar Utensilien für den anstehenden Abend ein, unter anderem ein HipHop-Mikrofon, das mit Brause gefüllt war, und natürlich ein PingPong-Set, welches Andi und ich den gesamten Abend testeten und dabei den wohl schönsten Sonnenuntergang unseres Lebens begutachten durften.

Der Abend klang mit einem Feierabend-Bier am Pool aus. Ja, richtig gehört, wir hatten uns ein Resort gegönnt, das einen Pool hatte. Nach langen Gesprächen über die bisher erlebten Tage im „Land des Lächelns“ fielen wir totmüde ins Bett. Dies war auch gut so, denn die Full Moon Party rückte immer näher.