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Mosambik – Armut, Korruption und Traumstrände

Wie die meisten Tage verbrachten wir auch den vergangenen Samstagmorgen in einem Fortbewegungsmittel, diesmal einem Minibus, der uns von Nelspruit nach Maputo, Mosambiks Hauptstadt, befördern sollte.

Der Kleinbus inklusive Anhänger hatte nicht nur 15 Leute an Board, sondern fuhr auch noch mit 120 km/h im Schnitt, was Thomas und mir nicht gerade das sicherste Gefühl gab. Dennoch brachte uns unser Fahrer nach zweistündigem Aufenthalt an der Grenze an unser Ziel, auch wenn in Mosambik der ein oder andere Polizist bestochen werden musste, um uns weiterfahren zu lassen.

Maputo selbst sah beim ersten Anblick nicht sehr schön aus. Alte heruntergekommene Häuser, jede Menge Menschen sowie Stress und Chaos überall. Selbst in dem wohl reichsten Ort des Landes deutete sich bereits an, dass Mosambik zu einem der ärmsten Länder dieser Welt zählt.

Im Vorhinein hatte ich auch gelesen, dass man sich von der Polizei fernhalten sollte, da sie die Bad Guys sind und nur allzu gerne Touristen auf offener Straße abzocken. Auch Gepäck wird desöfteren durchsucht und wenn den Herren etwas gefällt, dann wird es meist nicht mehr an den eigentlichen Eigentümer ausgehändigt. Fußballtrikots scheinen hier besonders beliebt zu sein.

Beim ersten Gang zum Abendessen pfiff auch gleich ein Polizist nach uns und gab Zeichen, zu ihm über die Straße zu kommen. Er frage nach unseren Pässen, die wir aufgrund sinnvoller Vorabinformationen auch brav dabei hatten. Hätten wir sie nicht bei uns gehabt, dann wären wir eventuell kurzfristig im Gefängnis gelandet oder hätten einen hohen Betrag zahlen müssen. Manchmal werden Pässe, falls vorhanden, auch einfach behalten und müssen zurück gekauft werden. Schon ein gutes Druckmittel, da man ohne Pass im Ausland mehr als aufgeschmissen ist. Wir hatten aber Glück – diesmal zumindest!

Sonntags ging es dann ins knapp 600 Kilometer entfernte Praia de Tofo (Tofo Beach). Die Fahrt selbst war schon ein Erlebnis an sich, denn acht Stunden in einem vollgequetschten Kleinbus zu sitzen mit nur einer Pinkelpause waren nicht ohne. Zudem stillte meine kräftige Sitznachbarin ab und an ihr schreiendes Baby, was mich schon etwas peinlich berührte.

Die neue Woche begann schließlich mit einer Ozean-Safari, genauer gesagt einer Schnorcheltour, bei der es darum ging, so viele Walhaie wie nur möglich zu sichten. Dies sind die größten Fische und können bis zu 20 Meter lang werden. Insgesamt sahen wir fünf der Ungetüme und schwammen bis zu einem Meter neben ihnen. Es war einfach unbeschreiblich die Haie von so nah zu beobachten. Randnotiz: Zwei von acht Teilnehmer mussten sich aufgrund der rasanten Bootsfahrt und des Wellenganges auch übergeben. Ich war nicht dabei.

Um auch nachmittags aktiv zu bleiben, schnappte ich mir zusammen mit einem Israeli jeweils ein Surfboard, um den heißen Frühlingstag im wunderschönen Mosambik gebührend abzuschließen. So gute Wellen wie in Durban gibt es in Praia de Tofo aber leider doch nicht.

Obwohl ich mir eigentlich vorgenommen hatte, nach mehr als zwei Jahren Abstinenz wieder einmal tauchen zu gehen, änderte ich meine Pläne, da mich das Schnorcheln mit den Walhaien am Vortag vollends befriedigt hatte. Stattdessen stand ein langer Strandlauf, die Besichtigung eines mosambikanischen Marktes und Faulenzen am Praia de Tofo auf dem Programm.

Abgerundet wurde der Tag erneut mit einer Surfeinheit, wobei ich einen der schönsten Momente meines Lebens genoss. Die guten Wellen des Indischen Ozeans blieben erneut aus, sodass ich die meiste Zeit auf dem Brett im offenen Meer saß und mir Gedanken über die vergangenen sechs Monate machte, was irgendwie wunderschön war, denn mit meiner Afrika-Tour hatte ich mir ein Lebensziel erfüllt und auch erfolgreich abgeschlossen. In Gedanken versunken konnte ich außerdem einen traumhaften Sonnenuntergang mit Blick auf den endlosen Strand Mosambiks genießen, bevor ich vor Einbruch der Dunkelheit wieder zurück zum Ufer paddelte und das vorerst letzte Mal mit dem Surfboard unterm Arm am Strand entlang lief. Sehr intensive Momente…

In Tofo Beach selbst haben Thomas und ich auch einige Deutsche kennen gelernt. Zwei davon waren Aussteiger, die vor einigen Jahren unabhängig voneinander nach Mosambik übergesiedelt sind – Mucki (Unternehmer) und Gudrun (InternetCafe-Besitzerin). Ein durchgehendes Lächeln auf den Lippen und eine untypisch deutsche Ausgeglichenheit bestätigten mir, dass ihnen die frühere portugiesische Kolonie mehr als gut tut.

Selber Busfahrer und Bus, aber keine stillende Mutter neben mir. Die achtstündige Fahrt zurück nach Maputo begann diesmal bereits um vier Uhr morgens, endete allerdings frühzeitig, sodass Thomas und ich nochmals durch die Stadt schlendern konnten. Die Menschen in Mosambik sind unheimlich nett und suchen Gespräche mit Touristen, auch wenn diese aufgrund fehlender Portugiesischkenntnisse alles andere als leicht waren.

Die Bösen sind aber weiterhin die Polizisten, die uns auf dem Weg vom Abendessen zurück zum Hostel stoppten, Pässe kontrollierten und uns um Geld für Essen fragten. Thomas hatte zwar Brot dabei, doch dieses lehnten die Beamten ab, da ihnen Geld lieber wäre. So kam es, dass wir nicht weitergehen durften, bevor ihr ihnen 100 Meticais (ca. 2 Euro) in die Hände drückten.

Mosambik wird mir als ein Land in Erinnerung bleiben, das genauso schön wie arm ist und in welchem Korruption ganz oben steht, was dazu führt, dass das Land noch eine ganze Weile nicht funktionieren wird. Leider habe ich wegen fehlender Zeit nur die reicheren Gegenden besuchen können, allerdings würde ich gerne nochmals zurück kommen, um mir das wahre Mosambik anzuschauen, fernab des Mainstreams und öffentlichem Nahverkehr.

Tja, und ich bin mittlerweile wieder in Deutschland angekommen. Ein erlebnisreiches halbes Jahr in Südafrika ist wie im Flug vergangen. Symptomatisch für meinen Aufenthalt war auch, dass ich kurz vor meinem Abflug noch die südafrikanische Nationalmannschaft am Flughafen in Johannesburg beim Einchecken getroffen habe. Ein faszinierendes Land mit tollen Leuten. Ich komme wieder, irgendwann.

Mit Elisabeth auf Safari und nach Swasiland

Durban ist mittlerweile Geschichte, denn nach knapp sechs Monaten musste ich mich wieder von meiner Zweitheimat sowie meinen Spitzenkollegen von WhizzKids United verabschieden, was nicht gerade leicht fiel. Vor allem nach einer Abschiedsfeier in unserer Stammkneipe Villins, die nach Ladenschluss bei uns im Haus fortgesetzt werden musste.

Etwas neben der Spur bin ich deshalb am Mittwochmorgen in den Flieger gestiegen, um nach Johannesburg zu gelangen, wo ich mich mit Thomas traf, der von einer Rundtour aus Kapstadt kam. Zusammen mit ihm startete ich also meinen vorerst letzten Trip in Afrika.

Mit unserem gemieteten und knallroten Toyota Yaris, den wir übrigens auf den Namen Elisabeth tauften, machten wir uns auf den Weg nach Nelspruit und genossen dabei die Fahrt durch das hügelige und felsige Mpumalanga.

In Nelspruit niedergelassen war unser erstes Ziel der Krüger Nationalpark, welcher der größte Park seiner Art ist. Um früh genug dort anzukommen, standen wir bereits um 4.40 Uhr auf. Aufgrund unserer Zulu-Kenntnisse (Hallo!, Wie gehts?, Danke!) kamen wir um die 160 Rand Eintritt pro Person herum und zahlten lediglich 115 Rand zusammen inklusive einer Landkarte, da wir als Studenten aus Durban durchgingen.

Im Park selbst führte uns Elisabeth unter anderem an Elefanten, Giraffen, faulen Nilpferden, Kudus, Impalas und Nashörnern vorbei. Wie auch schon bei meinem Trip mit Matthias und Monique bekam ich keinen Löwen zu Gesicht. Gibt es die denn überhaupt?

Da wir auch am Freitag noch immer mit Elisabeth reisten uns sie weiterhin eine treue Gefährtin war, verschlug es uns in Königreich Swasiland, also erstmals seit fünf Monaten außerhalb von Südafrika. Von Nelspruit bis zur Grenze von Swasiland waren nicht nur die Straßen perfekt, sondern auch die bergige Landschaft, die aufgrund ihrer bewaldeten Fläche teilweise an das Alpenvorland erinnerte. Das Autofahren selbst war für mich deshalb das reinste Vergnügen.

Ab der Grenze wendete sich jedoch das Blatt und die guten Straßen mutierten von Asphalt und Beton zu Lehm, Staub, Steine und jeder Menge Schlaglöcher. Für die 20 Kilometer nach Piggs Peak brachten wir deshalb auch eine knappe Stunde und der Unterboden des Autos hatte mächtig zu leiden.

Auch wenn wir nur ein paar Stunden in in der letzten absoluten Monarchie Afrikas waren, fanden wir das Land, das seine Einnahmen scheinbar hauptsächlich aus der Forstwirtschaft bezieht, sehr beeindruckend, weswegen wir erstmals auf unseren Roadtrip neben einem Holzarbeiter auch zwei Putzfreien per Anhalter mitnahmen und teilweise über die Grenze schleusten, natürlich legal.

Von Elisabeth selbst mussten wir uns am Freitag jedoch verabschieden. Bei der Abgabe in Nelspruit sollten wir unseren Flitzer, welcher anstatt rot mittlerweile braun geworden war, natürlich sauber abgeben. Da die Waschanlagen allerdings geschlossen hatten, mussten Thomas und ich, bewaffnet mit jeweils einem Lappen, selbst tätig werden. Dem ein oder anderen Südafrikaner bereiteten wir deshalb sicher jede Menge Freude.

Morgen geht es dann  nach Mosambik, doch wie das Ganze ablaufen soll, wissen wir selbst noch nicht, aber das ist ja gerade das Schöne.

Gruß aus Nelspruit, Daniel.

Der letzte Trip in Afrika steht kurz bevor

Knapp sechs Monate sind nun vergangen seitdem ich Mitte April in Frankfurt in den Flieger gestiegen bin und ich habe seit dieser Zeit soviel erlebt und gelernt, dass man nicht alles in Worte fassen kann. Neben meinem neuen Spitznamen „Schneeebs“, einem Vergleich mit dem Comedian Will Ferrell (oder seit meinem kleinen Surfunfall auch Harry Potter) und dem Fahren auf der linken Straßenseite, hat sich aber auch meine Abneigung gegenüber Käse, Erdnussbutter und Kaffee drastisch geändert.

Natürlich ist man alles in allem auch etwas fauler, oder sagen wir lieber bequemer, geworden. Dies hängt damit zusammen, dass man dank einer Hausfrau so gut wie gar nichts im Haushalt machen muss, beim Tanken nicht mal zum Bezahlen aus dem Auto steigen muss und auch beim Einkaufen die Tüte gepackt bekommt. Einfach herrlich hier in Durban zu leben.

Selbstverständlich musste an meinem letzten Wochenende in KwaZulu-Natal nochmal ordentlich gefeiert werden. Umso besser, dass der Freitag ein Feiertag (Heritage Day) war und somit ein weiterer Tag frei war. Deswegen ging es zusammen mit meinem Chef, einem seiner Freunde, Fabian und mir wie fast immer in unsere Stammkneipe zum Pool spielen.

Dabei blieb es aber nicht, denn wenig später waren Fabian, Marcus und ich auf der Ladefläche eines Pick-ups zu finden. Dazu muss ich sagen, dass in Südafrika zwar Anschnallpflicht herrscht, aber niemand etwas dagegen sagt, wenn Leute während der Fahrt auf der Ladefläche sitzen. Muss man sicher nicht verstehen. Das Ziel war auf jeden Fall „Cool Runnings“, eine lustige jamaikanisch aufgemachte Kneipe in Durbans Innenstadt.

Hier traf man sehr lustige Gestalten, die ausgiebig feierten, ihre Hüften schwangen oder in einem großen Kreis auf afrikanischen Trommeln ihr bestes gaben. Einige Minuten später saßen wir dann selbst mit einer Trommel bewaffnet im Kreis und schlugen wie wild auf die afrikanischen Musikinstrumente. Sicherlich trugen wir auch dazu bei, dass der bis dahin einheitliche Klang etwas außer Takt geriet, aber egal. Spaß hat es trotzdem gemacht.

Nachdem der Feiertag zu Hause verbracht wurde, ging es am Samstag zu den SATMA Awards, die für South African Traditional Music Awards stehen. Hier waren sämtliche nicht-englischsprachige Musiker zu Gast, die in ihrer Sprache ihr bestes gaben und dafür geehrt wurden. Aufgemacht wurde das Ganze wie eine Oscar-Veranstaltung und war mit 220 Rand auch nicht gerade günstig. Dafür durfte ich mir aber traditionelle Musik in den Sprachen Xhosa, Zulu, Afrikaans usw. anhören, was unter kulturell besonders wertvoll einzuordnen ist.

Den stolzen Eintrittspreis rechtfertigte außerdem der Besuch des südafrikanischen Präsidenten Jacob Zuma, der als Ehrengast zur Veranstaltung eingeladen wurde und auch eine Nominierung verlas sowie eine kurze Rede über Südafrika hielt („my culture, my language, one country“). Zudem brachte er seine vier Ehefrauen mit auf die Veranstaltung, von denen ebenfalls jede einen Gewinner preisgab. Seine insgesamt 21 Kinder ließ Zuma jedoch zu Hause, was auf Grund der Anfahrtskosten sicherlich auch das Budget der Veranstalter gesprengt hätte.

Am Sonntag ging es dann wie eigentlich jedes meiner vergangenen Wochenenden an den Strand, um einfach nur zu relaxen und Sommer, Sonne und Strand zu genießen. Abends war ich dann wiedermal an der Reihe zu kochen und ich machte meinen Mitbewohnern ein besonderes Geschenk. Nicht das Essen selbst war die besondere Überraschung, sondern vielmehr die Tatsache, dass es keinem von uns danach wirklich gut ging. Mein letztes Essen wird also sicherlich noch eine Weile in Erinnerung bleiben.

Für WhizzKids United gab es dann heute auch wieder Nachschub, denn ein neuer Praktikant aus Amerika, der in Lesotho geboren wurde und eigentlich Waliser ist, kam in Durban an. Meine Aufgabe war deshalb ihm einige Sachen in Durban zu zeigen, was ich natürlich gerne gemachte habe. Frei nach dem Motto „Der Eine kommt, der Andere geht!“

Nach einem Strandspaziergang entdeckte ich an der Windschutzscheibe unseres Bakkies einen weniger schönen Strafzettel in Höhe von 300 Rand (= 32 Euro). Der Grund war, dass ich auf einem Parkplatz für Taxis geparkt hatte, was mich schon ziemlich genervt hat. Da darf man in Südafrika nahezu alles und dann bekommt man einen Strafzettel wegen solch einer mickrigen Sache.

Morgen werde ich dann das letzte Mal an meinem Schreibtisch sitzen, was schon sehr schade ist, aber ich freue mich auch auf meinen kommenden Trip in den Norden. Am Mittwoch fliege ich nach Johannesburg, von wo aus ich mit Thomas per Mietwagen auf Safari in den Krüger Nationalpark gehe, anschließend Swasiland unsicher mache und zum Schluss mit dem Bus oder sonstigen öffentlichen Verkehrsmittel nach Mosambik fahre. Was dort geschieht weiß ich noch nicht, allerdings habe ich mir noch einmal vorgenommen, meine Fähigkeiten auf dem Surfbrett zu testen und seit langem mal wieder tauchen zu gehen.

Das ist dann also mein letzter Eintrag aus Durban. Einen Rückblick auf die Safari und die Rucksacktour in Mosambik gibt es dann wahrscheinlich erst wieder aus Deutschland. „Ich bin dann mal weg!“

Gruß aus Afrika, Daniel.

Amazulu FC, Fußballturniere und der nahende Abschied

Heute in einer Woche werde ich Durban nach einem halben Jahr wieder verlassen und nach Johannesburg fliegen von wo aus ich dann nochmal für neun Tage in meinen abschließenden Urlaub starten werde. Natürlich wird bis dahin noch jede Minute in der zweitgrößten Stadt Südafrikas genossen.

Am vergangenen Wochenende ging es deshalb zum Essenwood Market, der nicht weit von unserem Haus entfernt ist, um die ersten Erinnerungsstücke an meinen Afrika-Trip zu kaufen. Vor allem die tollen Panoramabilder und Holzmasken haben es mir angetan, allerdings werde ich davon kaum etwas mitnehmen können, da mein Rucksack sowieso schon vollgestopft sein wird. Deswegen habe ich mich eher auf die kleineren Sachen beschränkt.

Natürlich wurde das schöne Frühlingswetter im Anschluss, wie fast jedes Wochenende, am Strand mit Rumliegen oder Surfen verbracht. In Sachen Surfen bin ich meist der schlechteste, der sich ins kühle Nass wagt, aber Übung macht den Meister und Wellenreiten ist zum Beispiel im Vergleich zum Snowboarden um einiges schwer. Schließlich bewegt sich nicht nur das Brett, sondern auch noch der Untergrund.

Samstags traf ich mich dann noch mit Fabian und seiner Freundin Gabrielle. Für Fabian war es das letzte Wochenende in Durban, bevor es auch für ihn im Oktober wieder nach Hause geht. Deswegen war es natürlich Pflicht für uns am letzten gemeinsamen Samstag die beiden beliebten Treffpunkte der Stadt „Joe Cool´s“ und „Vacca Matta“ mitzunehmen.

Da Fabian und ich mittlerweile auch im stolzen Besitz jeweils eines Amazulu FC Trikots mit dem tollen Sponsor Spar sind, ließen wir uns das Heimspiel der Kicker im Moses-Mabhida-Stadion natürlich nicht entgehen. Wie auch schon vor zwei Wochen gab es beim Erstligaspiel deutsche Beteiligung, da Rainer Zobel der aktuelle Trainer der Morrokah Swallows ist. Auch der ehemalige Bundesliga-Spieler Thomas Cichon steht bei der Mannschaft unter Vertrag, war aber scheinbar verletzt und deshalb nicht im Kader beim hart umkämpften 2:2-Untentschieden.

In Sachen Praktikum habe ich mit einem unserer World Cup Turniere, die wir regelmäßig für die Kids organisieren, auch mein letztes Projekt für WhizzKids United beendet. Hier hatten wir mit Roger Palmgren unter anderem den aktuellen Sportdirektor von Amazulu FC an Board, was mich als Turnierleiter natürlich sehr freute, auch wenn ich nicht derjenige war, der den Kontakt hergestellt hatte. Er hatte in der Vergangenheit auch die ein oder andere afrikanische Nationalmannschaft trainiert und musste am Ende jede Menge Autogramme geben. Ich übrigens auch, obwohl bei mir noch unklar ist, weswegen ich berühmt bin.

Insgesamt hatte ich nun also während meiner Zeit mehr als zehn Turniere innerhalb Südafrika mit organisiert, bei denen mehr als 2.000 Kinder insgesamt teilnahmen. Besonders beim letzten Turnier, welches auf dem Fußballplatz unseres Büros stattfand, freute mich natürlich, als mich einige der Kinder mit „Auf Wiedersehen“ verabschiedeten. Vor zwei Wochen hatte ich den Kindern während des Trainings ein paar deutsche, thailändische und japanische Wörter beigebracht, auch wenn ein wirklicher Wortschatz bei den letztgenannten nicht wirklich vorhanden ist. Gemerkt haben es sich die Kids aber trotzdem.

Irgendwie sind die letzten Tage in Durban genauso wie die ersten Tage nach meiner Ankunft, nur dass ich keine sechs Monate Aufenthalt mehr vor mir habe. So war ich auch seit langem wieder einmal mit meinem Chef Marcus in unserer Stammkneipe, um ein bisschen Pool zu spielen. Der Grund dafür war, dass wir zu faul waren zu kochen und uns deshalb entschlossen hatten, ein Schnitzel in der Stammkneipe zu genehmigen. Wie ich das mit dem Schnitzel meine, weiß der ein oder andere sicherlich.

Gruß aus Durban, Daniel.

Eingelebt und schon muss man wieder weg

Seit einer Woche bin ich endlich kein illegaler Einwanderer mehr, denn drei Monate nach der Beantragung habe ich endlich meinen Stempel bekommen, dass ich mich ganz offiziell bis zum 8. Oktober in Südafrika aufhalten darf. Natürlich ist die Verspätung nicht wirklich die Schuld der Behörden, sondern meine eigene, da ich schlichtweg zu faul war, mir den Stempel abzuholen.

Da sich nicht nur mein Aufenthalt in Durban, sondern auch das Praktikum mit WhizzKids United dem Ende entgegen neigt, sind auch die meisten Projekte, mit denen ich zu tun hatte, abgeschlossen. Deswegen bin ich halbwegs vom Marketing- ins Programmteam gewechselt, wo ich die letzten Tage noch als Life Skills Trainer aushelfen werde.

Das bedeutet dann, dass ich sowohl nette als auch freche Kids aus Durban unter meine Obhut nehme, um sie anhand ein paar theoretischer und praktischer Übungen auf die Gefahren von AIDS aufmerksam zu machen. Das ist dann auch mal eine ganz angenehme Abwechslung zur Büroarbeit, auch wenn drei Stunden Training ziemlich anstrengend sein können. Vor allem im Vergleich zu den Kindern aus den Townships merkt man schnell, dass die besser gestellten Schüler aus Durban doch um einiges verwöhnter und schwerer zu beeindrucken zu sind.

 Fußballerisch läuft es auch bei unserer Montagsliga weiterhin sehr gut. Ich kann mich noch an einen meiner ersten Blogeinträge erinnern, in dem ich schrieb, dass die Südafrikaner ziemlich hart zur Sache gehen. Mittlerweile scheine ich mich auch in dieser Sache angepasst zu haben, was ich daran merke, dass mir jede Woche neue weniger schöne Wörter ins Ohr geflüstert werden. Von 13 Mannschaften sind wir mittlerweile Dritter und obwohl es nur noch vier Saisonspiele sind, werde ich die letzten beiden wohl nicht mehr mitnehmen können.

Auch die Streiks in Südafrika sind nach mehreren Wochen so gut wie vorbei und es wird wieder überall fleißig gearbeitet. Besonders lustig sind auch immer die Nachrichtenberichte über die Streiks gewesen, da die Menschenmassen hier nicht laut protestierend auf die Straße gehen, sondern einfach nur singen und tanzen. Es sieht also mehr wie eine Tanzveranstaltung als ein Protestmarsch aus. Trotz dieser fröhlichen Versammlungen mussten aber dennoch viele Menschen ihr Leben lassen, da in einigen Krankenhäusern keine Arbeitskräfte zur Verfügung standen, welche für die Versorgung der Kranken zuständig waren.

Am vergangenen Samstag war ausnahmsweise mal schlechtes Wetter, sodass es Fabian und mich auf einen südafrikanischen Markt verschlug, bevor wir uns im größten Kaufhaus Südafrikas namens „Gateway“ die Zeit vertrieben. Das geht in einem Kaufhaus mit einem Fußballplatz, GoKart-Bahn, Minigolfplatz, Kino und jeder Menge Geschäfte eigentlich auch ganz gut.

Natürlich kam auch das Spitzenspiel der Bundesliga der Bayern gegen Schalke nicht kurz. Das Fernsehen in Südafrika (DSTV) ist schon wirklich unschlagbar. Bei circa 300 Sendern fällt es nicht gerade leicht das passende Programm zu finden und sollte man vor allem in Sachen Fußball mal eine Szene übersehen haben, dann kann man immer noch zurück spulen. Erstaunlich auch wie hoch die Bundesliga hier im Kurs steht, insbesondere die deutschen Spieler. So gibt es mittlerweile sogar eine Werbung, die sich ausschließlich um den Bayern-Jungstar Thomas Müller dreht und mit ihm für die Bundesliga geworben wird. Besonders beliebt bei den Südafrikanern sind auch Schweinsteiger, Klose und Podolski.

Sonntags war das Wetter wieder um einiges besser, was uns dazu veranlasste nach Umdloti zu fahren, einem ungefähr 25 km von Durban entfernten Strand, um dort die Seele etwas baumeln zu lassen, Fußball im Sand zu spielen, sich von den Wellen durchschleudern zu lassen und sich somit ein kostenloses Peeling abzuholen, indem man durch die Wucht der Wellen auf dem Sand entlang geschoben wurde.

In dieser Woche stand dann auch der erste Abschied bevor, denn mein Mitbewohner Stefan ist zum Urlaub machen für zwei Wochen nach Deutschland geflogen. Ihm habe ich mehr oder weniger auch das Praktikum zu verdanken, weswegen ich ihn selbstverständlich auch zum Flughafen gefahren hatte, was ich auf der Rückfahrt anschließend noch mit einem entspannenden Sonnenuntergang am Strand sitzend verbunden hatte. So lässt es sich leben.

Ich werde mich die nächsten Tage dann mal weiter meinen Planungen für Mosambik widmen, die letzten beiden Wochenenden hier in Durban genießen und mich so langsam wieder auf Deutschland vorbereiten, schließlich heißt es in drei Wochen: „Welcome on board of Qatar Airines!“

Alltag in der südafrikanischen Metropole Durban

Mit dem 1. September bricht in Südafrika auch der Frühling an. Das bedeutet, dass es nur noch wenige Wochen bis zum Beginn der heißen schwülen Monate und somit auch der Regenzeit dauert. Für mich ist es auch das erste Mal, dass ich innerhalb eines Jahres meinen zweiten Frühling erlebe. Was für ein tolles Wortspiel.

Zusammen mit meinem Mitarbeiter und dem ehemaligen Fußballprofi Paul machte ich mich vergangenen Mittwoch um sechs Uhr morgens wieder einmal auf zum Surfen. Der Sonnenaufgang, das milde Wetter und der Salzgeruch haben schon etwas Besonderes. Auch die Wellen sind früh morgens meist besser als am Nachmittag, weshalb sich viele Durbaner vor der Arbeit noch schnell in den Indischen Ozean werfen, um ihr tägliches Sportprogramm abzurufen.

Ich hatte diesmal das ältere Board von Paul, was ihm aufgrund seiner Körpergröße und seines Könnens zu groß und mir definitiv zu klein ist. Hinzu kamen die Wellen, die laut Internet gute zwei Meter maßen und auch eine ordentliche Wucht hatten. Die Pros sah man ab und an unter den gebrochen Wellen hindurch surfen, während ich erneut fix und fertig in Richtung offenes Meer hinaus paddelte, um meinen nächsten Versuch zu starten.

An diesem Tag blieb ich auch absolut erfolglos und schaffte es bei meinen insgesamt drei genommenen und bisher größten Wellen nicht wirklich aufzustehen, da mir das Board einfach zu schnell war. Bei meiner letzten Welle und einem ordentlichen „Waschgang“ klopfte mein Surfbrett auch kurz mal an meiner Stirn an, was einen kleinen Riss an der Stirn zur Folge hatte und mir zumindest kurzfristig den Spitznamen Harry Potter verschaffte.

Das Wochenende bestand zu einem Teil aus Arbeit, da wir von WhizzKids United einen Stand auf einer Messe hatten, der natürlich betreut werden musste und wir dadurch ein paar Spenden generieren und Sponsoren finden wollten, was uns eigentlich auch ganz gut gelang. Ein wirklicher Fan von Messen werde ich allerdings wohl nie werden.

Den Samstag hatte ich mir aber dennoch frei genommen, da es mein wöchentlicher Strand-Abhäng-Tag war. Natürlich lieh ich mir zusammen mit Thomas auch wieder Surfboards aus. Diesmal: Kleine Wellen + großes Surfboard+ keine gebrochenen Wellen = Läuft!!!

Als wir die knapp fünf Kilometer quer durch die Innenstadt zurück nach Hause liefen, wobei man übrigens meist der einzige Weiße weit und breit ist, stoppten wir noch an einem Laden, um uns in der hintersten Ecke ein Bunny Chow zu gönnen, was auf Grund der Schärfe durch den gesamten Körper brannte. Aber so soll es ja auch sein.

Zum Ausklang des Abends ging es noch ins nahe von unserem Haus gelegene Jack Rabbits, um unser Teilzeit-Heimatland aus Südafrika beim Fußball zu unterstützen. Natürlich gewannen sie auch gegen die Fußballmacht aus Niger und machten aus zehn hochkarätigen Torchancen immerhin zwei Tore, was für südafrikanische Verhältnisse fast schon überragend ist.

Sonntags ging es erneut auf die Messe zum Arbeiten, bevor Fabian wegen seines gestrigen Geburtstags zum Braai einlud. Da ich der Grillmeister war, versaute ich auch gleich ein komplettes Huhn, der Rest war aber absolute Spitze und natürlich musste auch wieder alles so scharf wie möglich sein. Nach dem Essen packte Fabian das Kinderspiel Looping Louie aus. Dass man dies auch in Erwachsenenform spielen kann, weiß sicherlich der ein oder andere. Ich sag dazu nur, dass ich nicht allzu erfolgreich war und nach einigen Runden sowie einem darauffolgenden Besuch in einer Billard-Kneipe froh war zu Hause zu sein.

Wie jeden Montag waren wieder die „Rollers“ im Vordergrund, denn ein Spiel unserer wöchentlichen Fußballliga stand auf dem Programm, welches wir auch souverän gewannen. An meinen kaputten Fußballschuhen erkennt man mittlerweile auch, dass sich meine Zeit in Südafrika in viel zu schnellen Schritten dem Ende entgegen neigt.

In drei Wochen werde ich Durban verlassen, um anschließend meinen letzten Trip zu machen, der mich hoffentlich mit zwei weiteren Deutschen nach Mosambik führt. Dies hängt allerdings davon ab, ob die momentanen Aufstände aufgrund einer Preiserhöhung der Nahrungsmittel bis dahin nachlassen oder nicht. Warten wir mal ab, was passiert.

Gruß aus dem Süden, Daniel.