Halbzeit für einen illegalen Einwanderer und das Ende der WM

Am Mittwoch stand nicht nur das erste Halbfinale der Niederländer gegen Uruguay an, sondern auch der Geburtstag meines Mitbewohners Tom. Verbinden konnte man beides perfekt mit einem Abendessen beim Mexikaner, der das Spiel live im Fernseher übertrug. Trotz meiner Unterstützung für die Südamerikaner haben die Holländer mal wieder gewonnen und das Finale erreicht.

Einen Tag später war dann für viele das vorgezogene Endspiel der Fußball WM 2010 zwischen den Deutschen und den Spaniern. Vom Büro aus traten sämtliche WhizzKids-Mitarbeiter den schon fast zur Gewohnheit gewordenen Weg zum Stadion an. Dort ließ ich mir dann auch noch mein gesamtes Gesicht inklusive der Nasenlöcher bemalen, bevor es mit Flagge und Trikot ausgestattet ins Stadion ging.

Irgendwie war an diesem Tag die Stimmung nicht so gut, wie ich es mir für ein Halbfinale vorgestellt hatte. Auch meine Aufregung hielt sich diesmal in Grenzen und war nicht vergleichbar mit dem ersten Spiel gegen die Australier, wo ich bereits eine Woche vorher an nichts anderes mehr denken konnte. Für die gedämpfte Stimmung im Stadion hatte ich drei Gründe:

1. Mein Sitzplatz war auf der offenen Seite des Moses-Mabhida-Stadions und obwohl ich in Reihe 25 saß gab es hinter mir keine weiteren Sitzreihen mehr.
2. Die Fankurve der Deutschen war weit entfernt und die meisten Südafrikaner um mich herum unterstützten Spanien.
3. Deutschland spielte einfach schlecht an diesem Abend und hatte kaum Chancen. Zudem war mein Lieblingsspieler Thomas Müller gelbgesperrt.

In der ersten Halbzeit malte ich mir noch aus, wie ich denn am besten nach Johannesburg zum Finale kommen könnte, aber dank Puyol musste ich mir darüber nach zwei Dritteln des Spiels keine Gedanken mehr machen. Spanien hatte verdient gewonnen und ich war zutiefst enttäuscht und fühlte mich ungefähr genauso wie 2006, als ich mit meinen Jungs das Halbfinale auf dem Videowürfel im Frankfurter Stadion anschaute, das die Italiener mit 2:0 gewannen. Immerhin habe ich nicht geweint, sodass mir meine Gesichtsfarbe auch nicht verlaufen konnte.

Meine Bilanz als Deutschland-Fan bei der WM ist auch nicht wirklich positiv: 3 Spiele, 1 Sieg, 2 Niederlagen! Dennoch werden für mich alle drei Begegnungen unvergesslich bleiben und jeder noch so kleine Aufwand, um die Spiele zu sehen, hat sich im Nachhinein mehr als gelohnt. Und würde mich jetzt jemand fragen, ob ich zur WM 2014 nach Brasilien fahren würde, dann müsste ich für die Antwort nicht lange überlegen.

Am Donnerstag bekam ich dann einen Anruf von meinem Studienkollegen Nico aus Kapstadt, der mir eine kostenlose Karte für das Spiel um Platz 3 gegen Uruguay in Port Elizabeth anbot. Nach langen Überlegungen musste ich aber leider absagen, da es keine Flüge mehr gab und ich nicht wieder 28 Stunden im unbequemen Bus verbringen wollte. Außerdem wäre die Tour ziemlich kostspielig gewesen und ein Spiel um Platz 3 ist auch nicht wirklich viel wert. Wenn man schon das Halbfinale erreicht, dann zählt im Nachhinein auch nur der Titel.

Am Freitag war erneut der Gang zur Behörde angesagt, denn ich wollte meinen Stempel für meinen Reisepass für weitere 90 Tage abholen. Da meine Unterlagen aber noch immer in der Hauptstadt Pretoria verweilen, bekam ich leider keinen neuen Eintrag. Stattdessen gab mir die Mitarbeiterin einen Zettel, der mir bestätigt, dass ich mich als „illegaler Einwanderer“ bis Ende September im Land aufhalten darf. Andere Länder, wie etwa Lesotho oder Swasiland, darf ich also erstmal nicht besuchen, da ich solange in Südafrika gefangen bin, bis meine Unterlagen von Pretoria zurück sind und ich endlich meinen Stempel bekomme.

Meine Surfkarriere setzte ich dann am Samstag fort, zusammen mit Stefan und Thomas, die sich das erste Mal aufs Brett wagten. Im Vergleich zu ihnen war ich also schon ein alter Hase. Im Gegensatz zu vergangenem Dienstag waren diesmal die Wellen etwas stärker und auch höher, sodass ich es zum ersten Mal schaffte zumindest für fünf Meter von einer Welle getragen zu werden, bevor ich wieder ins Wasser stürzte. Das war bisher auch mein größter Erfolg, der in nächster Zeit aber sicher noch getoppt wird.

Vom Surfoutfit wechselte ich schließlich in mein Deutschland-Fan-Outfit, also mein Trikot, da abends das Spiel um Platz drei gegen Uruguay bevorstand. Anstatt live im Stadion in Port Elizabeth zu sitzen war ich also am Strand beim Public-Viewing. Als ich sah, dass es in PE durchgehend regnete, dachte ich mir nur, dass ich alles richtig gemacht habe mit meiner Entscheidung in Durban zu bleiben und nicht zum Spiel zu fahren. Das Ergebnis freute mich natürlich ebenfalls sehr, auch wenn der dritte Platz, wie bereits erwähnt, nicht wirklich viel wert ist.

Heute steht dann noch das Finale zwischen den Niederlanden und Spanien an, bevor die Weltmeisterschaft schließlich endgültig zu Ende geht. Für mich war der vergangene Monat einfach nur traumhaft schön und er wird durch andere Sportereignisse nur schwer beziehungsweise kaum zu toppen sein. Besonders freue ich mich jetzt aber auf weitere Abenteuer in Südafrika, insbesondere auf den Besuch meines guten Freundes Mattson, mit dem ich vom 31. Juli bis zum 9. August den Süden Südafrikas und vor allem die Garden Route unsicher machen werde.

Gruß aus dem Noch-WM-Land Südafrika,
Daniel.

P.S.: Bilder gibt es demnächst auch mal wieder.

Public-Viewing am Strand, Einkaufen und Surfen

In diesem Blogeintrag ist es schwer eine Einleitung zu finden, da mittlerweile die ganze Welt weiß, wer am Samstag mit 4:0 gegen Argentinien gewonnen hat. Es ist einfach unbeschreiblich, was unsere Nationalmannschaft leistet und ich muss ihr dafür danken, dass sie meinen sowieso schon schönen Aufenthalt in Südafrika noch besser macht.

Das Spiel selbst habe ich beim Public-Viewing am Strand genossen, wo wir mit ein paar Deutschen das Spiel anschauten, unter anderem mit meinem Kommilitonen Mutzi, der einen Zwischenstopp seiner Rucksacktour in Durban einlegte. Wie immer waren auch Fabian und Stefan mit von der Partie und zusätzlich bekamen wir Verstärkung von Thomas, den ich auf meinem Trip zum zweiten Deutschland-Spiel in Port Elizabeth kennen lernte und der ebenfalls ein Praktikum in „Durbs“ macht.
Am Strand fiel vor allem auf, dass sehr viele Inder unsere Nationalmannschaft unterstützen. Die Schwarzen hingegen hielten eher zu Messi und Co. Es ist schon wirklich erstaunlich, dass die Südafrikaner trotz ihres Ausscheidens weiterhin im WM-Fieber sind. Sie suchen sich eine beliebige Mannschaft aus und unterstützen sie solange bis sie nicht mehr im Turnier ist. Nachdem sie ausgeschieden ist, wird eine neue Mannschaft ausgewählt. Spanien scheint dabei die absolute Nummer eins zu sein.
Das Spiel selbst war natürlich der absolute Hammer und die Stimmung war spitze, obwohl ich zugeben muss, dass Public-Viewing während des Argentinien-Spiels in Deutschland sicherlich mehr abging. Dies lag vor allem daran, dass sämtliche Zuschauer die Begegnung im Sitzen betrachteten und der prozentuale Anteil richtiger Deutscher (ohne Inder) bei ungefähr einem Prozent lag. Umso schöner war dann aber, wenn aus einigen Ecken die Rufe „Steht auf, wenn ihr Deutsche seid!“ kamen und anschließend kleine Grüppchen aufsprangen und mitsangen.
Nach dem Spiel waren vorerst nur noch Thomas und ich am Strand unterwegs und wir ließen es uns natürlich nicht nehmen, den Sieg ausgiebig im Joe Cool’s, einer Surferkneipe, zu feiern. Auf dem Weg dorthin kamen immer wieder Leute zu uns, um mit uns Fotos zu schiessen, da wir schließlich zwei „richtige“ Deutsche und sozusagen eine Rarität waren.
Rechtzeitig zum Spiel der Spanier standen wir dann auch wieder vor dem Bildschirm am Strand und konnten kaum fassen, dass auf einmal alle Einheimischen ein Spanien-Trikot anhatten. Ein richtiger Spanier war unter der Meute natürlich nicht aufzufinden. Trotz unserem Support für Paraguay gewannen die Rot-Gelben. Immerhin wird dann das Halbfinale etwas interessanter, obwohl ich arroganterweise sagen kann, dass ich die Spanier bereits live gesehen habe und nicht gerade angetan war von ihrer Spielweise.
Am Sonntag wurde etwas länger geschlafen, womit sicherlich auch unsere Nationalmannschaft etwas zu tun hatte. Ohne Frühstück ging es dann mit meinen vier Mitbewohnern in das Gateway, der größten Mall Afrikas, wo wir ein bisschen shoppen wollten oder uns besser gesagt die Zeit vertreiben wollten. Dabei war auch unser neuer Volunteer Brian, ein Fußballtrainer aus Hawaii, der mich und Oli auch gleich mal dazu überredete uns mit kurzer Hose und T-Shirt in eine minus 20 Grad kalte Eiskammer eines Outdoor-Geschäfts zu stellen. War auch ganz lustig, aber eben auch ganz schön kalt.
Wir fünf Jungs schlenderten also wie pubertierende Mädchen den kompletten Sonntag durch die riesige Mall. Der Unterschied zu Frauen bezüglich Einkaufen war jedoch, dass wir etwas sparsamer waren und wenn überhaupt alle zusammen umgerechnet zehn Euro ausgegeben haben, lässt man Brian außen vor, der sich ein paar New Balance-Schuhe gekauft hat. Gute Wahl!
Heute morgen sechs Uhr machte ich mich dann zusammen mit Oli auf den Weg zum Strand, wo ich meine ersten Versuche auf dem von meinem Mitarbeiter Paul geliehenen Surfbrett machen wollte. Dort angekommen trafen wir noch einige von Oli’s Surfbuddies, die allerdings nicht aufs Brett stiegen, da ihnen die Wellen zu schlecht waren. Da ich aber extra früh aufgestanden bin, wollte ich selbstverständlich auch meine erste Erfahrung sammeln.
Und was war meine erste Surferfahrung? Beim Rauspaddeln kam ich näher an das Pier als gewollt, wo mich die Strömung nicht mehr loslassen wollte, weshalb ich ungefähr 15 Minuten brauchte, um wieder ins sichere White Water zu gelangen. Oli machte sich bereits Sorgen, dass ich verloren gegangen war, aber dank der Hilfe eines Passanten, der auf dem Pier stand und sich sicherlich lustig über mich machte, kam ich doch noch aus der Strömung heraus. War auch eigentlich ganz einfach, aber ich wollte halt den komplizierteren Weg wählen und war fix und fertig.
Auf jeden Fall übte ich nach einer kurzen Pause fleißig weiter und versuchte mich von meinen ersten Wellen tragen zu lassen, was mir aber misslang. Ich schob es natürlich auch darauf, dass die Wellen heute nicht gut gewesen seien. Alles in allem in das Surfen eine große Herausforderung, die ich aber gerne annehme. Auch das frühe Aufstehen ist halb so wild, da so ein Sonnenaufgang am Strand auch nicht verkehrt ist.

England-Spiel, Canada Day und Paella

Seit langem hatte ich endlich mal wieder beide Tage an einem Wochenende frei. Die Zeit verbrachte ich einfach mal damit gar nichts zu tun, was sehr erholsam war. Samstag lag ich noch mit einem Buch im Hof, während ich am Sonntag auf Grund weniger guten Wetters nach Innen ausweichen musste und mir fast schon langweilig war. Ein Gefühl, dass ich hier noch nicht oft erlebt hatte.

Abends stand dann das Topspiel der Weltmeisterschaft an, nämlich die Begegnung zwischen Deutschland und England. Bei uns im Haus war das wohl die brisanteste Begegnung überhaupt, da Oli und mein Chef Marcus beide aus England kommen. Erstgenannter wollte es sich gar nicht erst antun mit uns beiden Deutschen, also Stefan und mir, Fußball zu schauen. Dennoch bekam Oli tatkräftige Unterstützung von unserem Kanadier Tom. Es stand also zwei zu zwei und die Sofas waren auch dementsprechend besetzt.

 Während des Spiels war es totenstill bis schließlich die ersten Schreie der Deutschen fielen. Damit ich die Englandfraktion nicht zu sehr verärgerte, ging ich kurz nach den Toren aus dem Wohnzimmer, um nochmal ausgiebiger zu feiern, bevor es zurück ging und wieder geschwiegen wurde, natürlich mit einem schämischen Grinsen im Gesicht.
Auch nach dem Spiel wurde erst einmal eine Zeit lang gar nicht geredet, bis die Engländer einsahen, dass ihre Abwehr einfach schlecht war und so kam es, dass sich beim Abendessen wieder alle lieb hatten, auch wenn der Gesichtsausdruck von Stefan und mir sicherlich um einiges zufriedener aussah. Als mir mein Chef nach einiger Zeit erstmals nach dem Spiel entgegen kam sagte er nur ein kurzes „Congratulations!“ und ging wieder zurück in sein Reich.
Am Montag kam dann die Bestätigung per E-Mail, dass sämtliche WhizzKids-Mitarbeiter ein Ticket für das am Mittwoch anstehende Halbfinale in Durban haben. Sollte unsere Nationalmannschaft also am Samstag gewinnen, dann würde für mich ein absoluter Traum in Erfüllung gehen, denn ein Halbfinale live zu sehen und dann noch mit der Mannschaft seines Heimatlandes ist einfach unschlagbar.
Zum Thema Kochen habe ich mich auch schon länger nicht mehr geäußert, was daran lag, dass ich so langsam meine Standardspeisen auftische, die auch einigermassen klappen. Da am Dienstagabend Spanien gegen Portugal spielte und wir seit WM-Beginn nur noch vor dem Fernseher essen, versuchte ich mich mit spanischem Essen – Paella war also angesagt!
Eigentlich klappte auch alles ganz gut, bis ich nach dem Servieren bemerkte, dass ich die Hälfte der Zutaten, nämlich Artischocken, Mais und Erbsen, vergessen hatte ins Essen zu mischen. Doof nur, dass mir das erst später auffiel. Ich hatte mich schon gewundert, weil mir das Rezept so langweilig vorkam und es einen enormen Überschuss an Reis gab.

Wie ihr sicherlich alle wisst, war am Donnerstag der berühmt berüchtigte „Canada Day“. Mein Mitbewohner Tom, der wie bereits erwähnt Kanadier ist, zauberte zusammen mit einer weiteren Kanadierin namens Bri ein typisch Nordamerikanisches Abendmahl auf den Tisch, bestehend aus Cheeseburgern, Pommes und Beilagen. Nebenbei erfuhren wir einige Geschichten rund um Kanada und ich stellte fest, dass Pamela Anderson gar keine Amerikanerin, sondern eine Kanadierin ist.

Am Samstag ist also der große Tag und ich hoffe, dass Ihr alles fleißig die Daumen drückt, damit mein nächster Blogeintrag hoffentlich vom Besuch des Halbfinales mit deutscher Beteiligung handelt.

Kaká im Nacken bei Portugal gegen Brasilien

In Sachen Weltmeisterschaft ist mittlerweile Halbzeit angesagt. Natürlich war ich in dieser Zeit nicht nur passiver Fußballer, sondern mit unserem Fußballteam, den „Rollers“, auch selbst aktiv. Vier Spieltage ist unsere neue Saison bereits alt und wir sind mittlerweile mit drei Siegen und nur einer Niederlage auf einem guten (geschätzten) dritten Platz von insgesamt 12 Mannschaften. Unser Montagsgekicke läuft also einwandfrei.

Am Dienstag ging es erneut mit einigen Kids ins Moses-Mabhida-Stadion, da die zweite Woche unserer Holiday Camps in Umlazi gestartet war und wir jede Woche eine Gruppe mit in das Stadion nehmen. Während des Spiels gab es diesmal zwar keine absoluten Superstars zu bewundern, aber immerhin war die Begegnung zwischen Nigeria und Südkorea durchaus ansehnlich und endete 2:2.

Bei den Holiday Camps selbst hatte ich diesmal für eine Woche eine Gruppe zu betreuen, die sich den Namen „Super Eagles“ in Anlehnung an das nigerianische Nationalteam gaben. Mit den sieben Kindern im Alter von 10 bis 14 Jahren machte ich eine Woche lang diverse Spiele und Fußballtraining, natürlich mit dem Fokus auf HIV- und AIDS-Aufklärung. Im Laufe der Woche sind mir die Kinder richtig ans Herz gewachsen. Am Ende des Camps wollten schließlich einige meinen Namen auf der Rückseite der gesponserten Castrol-Trikots haben, was mich natürlich ein bisschen stolz machte, da es neben Ronaldo’s, Lampard’s und Drogba’s nun auch einige Daniel’s auf dem Spielfeld zu bestaunen gab.

Mit Lorrie Fair verfolgte eine ehemalige Nationalspielerin aus den USA und Spielerin des FC Chelsea für einen Tag unser Programm in Umlazi. Leider zeigte sie von ihren Fähigkeiten am Ball nicht allzu viel, da ich doch mal gerne gesehen hätte, was sie am Ball alles kann. Trotzdem war es für WhizzKids United sehr gut jemanden mit einer solchen Erfahrung für einen Tag an Board zu haben. Und zum Thema „Kälte in Südafrika“ kann ich nur sagen, dass wir in dieser Woche während der Camps bestes Wetter hatten. Am Freitag mussten wir auf Grund der Hitze sogar etwas früher aufhören.
Für Freitagnachmittag besorgte mein Chef Marcus noch ein paar Tickets für das absolute Topspiel der Vorrunde – Portugal gegen Brasilien! Ich konnte also mein sechstes Spiel während dieser Weltmeisterschaft anschauen und das auch noch umsonst und in Kategorie 1.
Kurz vor dem Spiel machten wir noch Scherze, dass wir sicherlich neben dem gesperrten Brasilianer Kaká sitzen würden. Lustigerweise saß er aber tatsächlich in unserer Nähe, nämlich ganze fünf Reihen hinter uns. Daneben saß auch sein verletzter Mitspieler Elano, dem allerdings weit weniger Aufmerksamkeit geschenkt wurde als Kaká, einem der momentan besten Fußballer der Welt. Etwa zehn Reihen hinter uns und natürlich in der Loge sitzend, konnte man ab und an Portugals Fußball Legende Eusebio erspähen, der aber scheinbar mehr mit dem Essen beschäftigt war als mit dem Spiel selbst, da er kaum nach außen auf die Zuschauertribüne kam.
Das Spiel selbst endete zwar torlos, allerdings war die Stimmung bombastisch, vor allem wenn Portugals Superstar Cristiano Ronaldo den Ball am Fuß hatte. Auch die Vuvuzelas waren so laut wie nie zuvor. Abwechselnd bließen die Fans der linken und der rechten Stadionseite in die Plastiktröten, war mir sofort Gänsehaut bereitete und was beeindruckender für mich war als alle bisher gehörten Fangesänge aus den Stadien in Deutschland.
Vor dem Vorrundenspiel gab es allerdings eine weniger schöne Szene zu sehen. Auf dem Hinweg zum Spiel passierten wir einen auf der Straße mit einem Tuch abgedeckten leblosen Körper, neben dem ein weinendes Kind getröstet wurde. Scheinbar kommen in Durban täglich zehn Menschen durch Verkehrsunfälle ums Leben, was wirklich erschreckend ist.
Trotz solcher Schicksalsschläge und vieler anderer Probleme des Landes wirft die Weltmeisterschaft zumindest für eine gewisse Zeit ein positives Licht auf die Menschen in Südafrika und lässt die negativen Seiten für eine Weile vergessen.

Fußball WM 2010: Mittendrin statt nur dabei

 Bevor es für mich zum zweiten Spiel unserer Nationalmannschaft nach Port Elizabeth ging durfte ich mir noch das Spiel der Schweizer gegen meinen persönlichen WM-Favoriten Spanien anschauen, da wir von WhizzKids United aus einige Kinder aus der Township Umlazi mit ins Stadion nahmen.

Vor dem Spiel fiel mir vor allem auf, wie viel Wert die schweizer Fans auf ihr Outfit gelegt haben, da auffallend viele von ihnen verkleidet waren, sei es als Krankenschwester, Fußball oder Kuh. Anstatt Vuvuzelas hatten sehr viele Rot-Weiße Kuhglocken umhängen und machten damit ordentlich Krach.

Verglich man die Aufstellungen beider Mannschaften, dann war schnell klar, dass die Spanier mit Spielern wie Villa, Torres und Iniesta um einiges besser aufgestellt waren als die Alpenbewohner. Dennoch feuerte ich natürlich unseren sympathischen Nachbarn an, die überraschend mit 1:0 als Sieger vom Platz gehen durften. Glückwunsch in die Schweiz!

Mein Trip nach Port Elizabeth wäre fast daran gescheitert, da ich meinen Wecker falsch eingestellt hatte. Eigentlich wollte ich am Donnerstag bereits um 5.30 Uhr in der Früh aufstehen, um mich in Ruhe fertig machen zu können und meine Sachen zu packen, allerdings wurde ich erst um 6.15 Uhr durch einen Anruf meines Arbeitskollegen Paul geweckt, der mich zum Busbahnhof fahren sollte. Abfahrt war übrigens um 6.45 Uhr.

Dank des Anrufs von Paul erwischte ich den Bus dann doch in letzter Minute, auch wenn ich nur die Hälfte der für den Trip notwenigen Utensilien in meinem Rucksack hatte. Mit meinem Trikot, der Eintrittskarte und der Deutschland-Flagge hatte ich allerdings die wichtigsten Sachen beisammen und konnte somit die 14-stündige Busfahrt in den Süden antreten, auf der ich auf den Spitzen einiger Berge sogar meinen ersten Schnee in Südafrika zu sehen bekam.

Angekommen in Port Elizabeth machte ich mich auf den Weg in das Barviertel „Boardwalk“, wo ich auch weniger später „Schöbi“-Schreie zu hören bekam, die von meinen Studienkollegen Nico, Mutzi und Fabian stammten. Die Kapstadt-Clique war somit mit Ausnahmen von Judith und Steffen wieder vereint und konnte mit vielen weiteren Deutschen den Abend vor dem Serbien-Spiel feiern.

Bis um halb drei zogen wir in Port Elizabeth um die Häuser, ließen es aber doch eher ruhig angehen. Da das Hotel der Serben auf unserem Heimweg zu Mutzi´s Wohnung lag, ließen wir es uns auch nicht nehmen, einige Male zu hupen als wir direkt am Hotel vorbei fuhren. Da ich auf Grund meines Verschlafens natürlich die Hälfte meiner Sachen vergaß, hatte ich auch keine Decke eingepackt, weswegen ich die Nacht mit zwei Handtüchern auf dem Fußboden verbringen durfte, was nicht unbedingt komfortabel war.Immerhin an mein Kissen hatte ich gedacht.

Am Freitagmorgen waren wir dann schon ganz heiß auf das Spiel. Zusammen mit Nico machte ich mich deswegen auf den Weg zum deutschen Mannschaftshotel, wobei wir kurz zuvor noch zwei serbische Nationalspieler am Strand trafen, die sich mental auf das Spiel vorbereiteten und denen wir noch viel Glück wünschten. Von Deutschland aus versorgte uns Nico´s Freundin Judith mit aktuellen Informationen aus dem Frühstücksfernsehen, wo sich die deutsche Nationalmannschaft befand und wann sie den Bus betreten werden würde. Ihr dürft mich von nun an also als Groupie beschimpfen. Allerdings war es auch mal nett, das ganze Team inklusive Funktionären von nah zu sehen, wenn auch nur für ein paar Minuten.

Nach einem Frühstück bei Mc Donalds ging es dann für Nico und mich zum Nelson Mandela Bay Stadion, wo wir uns mit dem Rest unserer Gruppe trafen und anschließend unsere Plätze einnahmen. Da ich meine Karte erst spät gebucht hatte, saß ich ganz alleine auf einem Platz, allerdings direkt in der Deutschland-Kurve. Die Stimmung war wie das Wetter absolute Spitze und das Stadion erstrahlte in schwarz/rot/gold. Auch das Spiel war sehr schön anzuschauen und vor allem spannend. Zum Ergebnis muss ich mich aber nicht weiter äußern, das ist schließlich bekannt. Obwohl das Resultat nicht für die Nationalelf sprach hat sie dennoch ein super Spiel abgeliefert und ich bin mir sicher, dass wir die zweite Runde erreichen werden.

Kurz nach dem Spiel mussten sich die Durbaner Fabian, seine Freundin Gabi und ich etwas beeilen, da wir unsere erneut 14-stündige Busfahrt zurück in den Norden antreten mussten. Schade eigentlich, denn ich hätte trotz des Ergebnisses gerne noch eine Weile mit den vielen deutschen Fans gefeiert. Vielleicht klappt es dann ja beim Halbfinale in Durban.

Ein Grund für die frühe Heimreise war, dass ich am Samstag Karten von WhizzKids für das Spiel Holland gegen Japan hatte, natürlich wieder in Begleitung einiger Kids. Viele Japaner waren vor Ort im Moses-Mabhida-Stadion, allerdings erstrahlte das Stadion hauptsächlich in den Farben der Oranje, was mich natürlich noch mehr dazu motivierte, die Japaner zu unterstützen.

Auch in diesem Spiel fiel nur ein Tor und das auch noch für die Niederländer. Die kleinen Japaner schlugen sich aber tapfer gegen die Spieler van Persie, Sneijder und Co. und haben durch ihre Schnelligkeit gezeigt, dass durchaus mit ihnen zu rechnen ist und sie das Potenzial haben, dem einen oder anderen Favoriten ein Bein zu stellen.

Alles in allem waren die letzten Tage einfach nur weltklasse, wenn auch sehr anstrengend. Schade ist nur, dass ich keine Tickets mehr für weitere Deutschland-Spiele habe, vor allem für das „Endspiel“ am Mittwoch gegen Ghana in Johannesburg.

Ich hoffe, Ihr drückt zu Hause weiterhin die Daumen und zelebriert eine wunderschöne Fußball WM 2010 in einem atemberaubenden Land. Und für alle meine Leser, die dem Fußball nicht so zugeneigt sind, möchte ich mich für die momentane Fußballlastigkeit entschuldigen, aber momentan regiert dieser Sport einfach das komplette Geschehen hier in Südafrika.

Die WM in Südafrika ist da: Can you feel it?

Die WM in Südafrika hat endlich begonnen und würde mich jemand fragen, wie ich die Weltmeisterschaft am ehesten in einem Wort beschreiben könnte, dann würde ich ganz klar sagen: WAHNSINN!!!

Am Tag der Eröffnung ging es von unserem Office aus bereits frühzeitig in Richtung North Beach, da wir uns von dort aus das erste Spiel der Bafana Bafana gegen die Mexikaner anschauen wollten. Bereits der Weg dorthin war Party pur, da unsere Gruppe von sieben Leuten schnell auf eine Gruppe von mehr als 15 Leuten anstieg und uns bei unseren Vuvuzela-Klängen tatkräftig unterstützte.

Am Strand angekommen erwartete uns nicht nur das blaue, sondern auch das gelbe Meer, welches aus den Farben der Südafrika-Trikots bestand. Bis zum Beginn des Spiels wurde ordentlich gefeiert und man bekam die südafrikanische Mentalität schnell am eigenen Leib zu spüren, da man nicht nur spezielle Tanzschritte beigebracht bekam, sondern auch ordentlich Krach mit den Tröten produzierte, der ab und an sogar melodisch war.

Nach der Nationalhymne folgte dann auch der lang ersehnte Anpfiff. Als in der zweiten Halbzeit Tshabalala das Tor zur Führung der Südafrikaner schoss, war absoluter Ausnahmezustand angesagt. Die Leute lagen sich in den Armen, tanzten oder welzten sich, wie mein Kollege Tom, mit anderen Leuten im Sand. Dadurch wurde einem mal wieder klar, welch große Bedeutung die Weltmeisterschaft und vor allem die Nationalmannschaft für die Südafrikaner hat.

Auch nach dem Spiel war es noch lange nicht still an der Beachfront in Durban, denn auf dem Fanfest gab es jede Menge zu bestaunen, wie zum Beispiel ein Konzert des Rapperstars Big Nuz, Zulu-Tänze oder von Fans eigens inszenierten Attraktionen wie Biertrinken durch die Vuvuzela. Ein wirklich beeindruckender Tag, der auch Grund dafür war, warum wir Samstags das Spiel England gegen USA erneut auf dem Fan Fest verbrachten und unsere Arbeitskollegen beim Anfeuern der Engländer mehr oder weniger unterstützten.

Sonntag war schließlich der lang ersehnte Tag, denn das Spiel Deutschland gegen Australien stand auf dem Programm, für das ich bereits vor einem halben Jahr Tickets geordert hatte. Bevor es allerdings zum Stadion ging, sprangen Oli, Henryk und ich noch kurz vom mehr als drei Meter hohen Pier in den Indischen Ozean. Anschließend wurde das Strand-Outfit gegen Trikot, Flagge und Vuvuzela getauscht und das Fan Fest unsicher gemacht, wo wir uns mit dem Spiel Ghana gegen Serbien auf das am Abend stattfindende Spiel einstimmten.

Kurz bevor wir den Weg zum Stadion antraten, traf ich mich noch mit meinem Kommilitonen Steffen und einem seiner Reisekumpanen, für die ich beide noch ein WM-Ticket for free organisieren konnte. Eine Menge Deutsche waren in Durban unterwegs, obwohl die Anzahl der australischen Anhänger wohl doch etwas höher war.

Beim Eintritt in das Moses-Mabhida-Stadion stockte mir fast der Atem, da der Anblick auf das Feld, die Menschenmenge und die vielen deutschen Banner aus der Heimat einfach nur toll waren. Insgesamt besuchten gut 62.000 das Spiel, bei dem Fabian und ich mitten in der Australien-Kurve Platz nahmen. Glücklicherweise ging das Spiel mit 4:0 zu unseren Gunsten aus, sodass wir uns nicht vor den Aussies verstecken mussten. Wir heizten mit unserem Geschreie und Vuvuzela-Getöse ordentlich ein und verärgerten sicherlich den ein oder anderen Fußballfan von Down Under.

Das Spiel und die Stimmung haben Lust auf mehr gemacht und ich freue mich schon tierisch auf eine aufregende Fußballwoche, die am Mittwoch mit dem Spiel Spanien gegen die Schweiz beginnt, danach mit dem Trip nach Port Elizabeth zum zweiten Spiel der Deutschen gegen Serbien fortsetzt wird und zu guter letzt am Samstag mit der Begegnung Niederlande gegen Japan endet. Was will das Fußballerherz also mehr. Die Vuvuzela wird aber erst einmal im Schrank gelassen, da ich meine Lippen während der letzten Tage gnadenlos strapaziert und dadurch zerstört habe.

Und ganz nebenbei habe ich im Rahmen des Länderspiels auch mitbekommen, dass in Deutschland große Diskussionen bezüglich der Vuvuzelas sind. Dazu kann ich nur sagen, dass sie sicherlich manchmal nervig sind, aber die WM findet nunmal in Südafrika statt und es ist einfach toll, eine andere Art von Fan-Support kennen zu lernen. Ich werde auch in PE wie ein bekloppter in die Tröte pusten.

Arbeit und Weltmeisterschaft verbinden = PERFEKT!!!

Seit dem letzten Eintrag ist nicht allzu viel passiert, außer dass in und um Durban herum die Vorbereitungen für die Weltmeisterschaft auch Hochtouren laufen. Auch bei uns im Office ist es momentan sehr stressig, da in den kommenden beiden Wochen die Holiday Camps bevorstehen, bei denen wir zusammen mit der Partnerorganisation Grassrootsoccer eine Art Ferienprogramm für Kids organisieren, damit diese in der schulfreien Zeit nicht auf dumme Gedanken kommen.

Ist die Stimmung im WhizzKids-Büro tatsächlich mal am Boden oder wirkt jeder ausgepowert, dann wird schnell mal von irgendeinem Laptop „Waka Waka“ von Shakira oder „Waving Flag“ von K´naan angestimmt, was urplötzlich zum Mitsingen, Kniewippen oder unkontrolliertem Auf-dem-Tisch-Rumhauen auffordert und jedem einzelnen ziemlich schnell ein Lächeln ins Gesicht zaubert. Außerdem ist täglich um zwölf Uhr mittags in ganz Südafrika eine spontane Feieraktion angesagt, da jeder Einwohner für ein paar Minuten Pause machen soll, um auf die Straße zu gehen und dort in die Vuvuzela zu blasen, diverse Fahnen zu schwingen oder irgendwelche Fußballlieder zu grölen.

Aufgrund der bereits angekündigten Holiday Camps habe ich zudem die Möglichkeit zwei weitere WM-Spiele zu sehen, da ich als Begleitperson neun Kiddies aus den Townships unter meine Fittiche nehmen darf und für sie verantwortlich bin. Die beiden Spiele sind Spanien vs. Schweiz (16.06.) und Nigeria vs. Südkorea (22.06.), eventuell noch Niederlande vs. Japan (19.06.). Ich hoffe nur, dass die Kinder sich bei den Spielen benehmen und nicht allzu oft auf die Toilette müssen, damit mein „Arbeitstag“ im Stadion so entspannt wie möglich wird.

In dieser Woche hatte ich auch die Ehre mein Visum zu verlängern. Insgesamt brauchte ich zwei Tage, um die Verlängerung zu beantragen. Das Ergebnis war, dass ich nochmals 30 Tage auf die Bestätigung und den so heißbegehrten Stempel warten muss. Denke aber, dass alles glatt geht und ich problemlos bis zum 8. Oktober in Südafrika bleiben darf.

Das Department of Home Affairs, also das „Amt“, hat mich doch sehr an deutsche Behörden erinnert. Die Innenräume waren in einer Mischung aus Quittengelb und Schimmelgrün gestrichen und der Klingelton der Telefone war genau der gleiche, den ich von meiner Ausbildung zum Justizfachangestellten noch kenne. Der Unterschied zu Deutschland liegt allerdings darin, dass die deutschen Beamten doch noch etwas schneller arbeiten als die südafrikanischen. Ich hoffe nur, dass das jetzt niemand aus Durban liest und ich nicht doch noch mein Visum gestrichen bekomme. Und ich wollte mit diesem Beitrag auch keine deutschen Beamten angreifen.

An meiner Vorfreude auf die WM 2010 hat sich ebenfalls nichts geändert. Ich freue mich weiterhin wie ein kleines Kind auf das Turnier und auf ein bisschen Heimat, wenn ich bei den beiden Deutschland-Spielen im Stadion sitzen werde und unsere Elf frenetisch anfeuern werde.

Auch das Outfit für die Spiele passt mittlerweile, seitdem ich mir heute endlich mal ein Trikot besorgt habe. Ich wünsche Euch schon mal allen viel Spaß beim Mitfiebern und eine super Weltmeisterschaft.

Schöne Grüße aus dem Regenbogenland, Daniel.