“Ohne Geld bis ans Ende der Welt” von Michael Wigge

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Unverzichtbar beim Backpacking oder genau dann, wenn man eben mal nicht unterwegs ist, sind gute Reiselektüren. Daher möchte ich euch in meiner neuen Rubrik Lesestoff einige Bücher über Rucksacktouren oder Reisen im Allgemeinen vorstellen, die ich selbst gelesen habe.

Anfangen möchte ich dabei mit “Ohne Geld bis ans Ende der Welt” von Michael Wigge. Im Buch erzählt der Autor von (s)einer etwas ungewöhnlichen Reise um die Welt, bei der sich Wigge zum Ziel gesetzt hat, innerhalb von 150 Tagen ohne Geld von Deutschland bis in die Antarktis zu reisen.

Die Story von “Ohne Geld bis ans Ende der Welt”

Bis ans Ende der Welt, ohne auch nur einen Cent dafür aufzugeben – geht das? Dieses Ziel hatte Michael Wigge einige Zeit beschäftigt, bevor er im Sommer 2010 tatsächlich seinen Selbstversuch startete und von Deutschland aus in Richtung Antarktis aufbrach. Auf knapp 200 Seiten erzählt der eigentliche Reporter, wie er mit Deutschland, Belgien, Kanada, USA, Costa Rica, Panama, Kolumbien, Peru, Bolivien, Chile und Argentinien innerhalb eines halben Jahres elf verschiedene Länder bereist.

Abenteuerlich nicht nur deshalb, weil er ohne finanzielle Mittel neben Flugzeugen und Autos unter anderem auch auf eine Pferdekutsche, Fahrräder oder Trucks als Transportmittel ausweichen muss. Auch die Unterkünfte sind mit einer Scheune, einem Park und dem Busbahnhof nicht gerade die bequemsten.

Zwar ist die Kreditkarte für Notfälle immer am Mann, allerdings wird diese während des gesamten Trips nicht benutzt. Dies liegt auch daran, dass Wigge während seines Abenteuers nicht um Gelegenheitsjobs herumkommt. So verdient er sich zum Beispiel ein bisschen Kleingeld mit dicken Touristen, die er in San Francisco einen Hügel hinauf schiebt,als Kissenschlacht-Veranstalter oder als Umzugshelfer.

Die schönen Dinge des Buches

Durch die einzelnen Geschichten, die der Speaker Michael Wigge schildert, ist das Buch ebenso kurzweilig wie fesselnd. Bereits beim Lesen des einen Erlebnisses freut man sich bereits auf das, was noch kommt. Nicht nur, dass die Geschichten äußerst ereignisreich sind. Es ist vor allem auch die lustige Schreibe, die “Ohne Geld bis ans Ende der Welt” so unterhaltsam macht. Kein Wunder, dass ich das Buch binnen weniger Tage verschlungen habe, obwohl ich eigentlich ein eher gemütlicher Leser bin.

Die zahlreichen Erlebnisse aus den verschiedenen Ländern geben zudem tolle Einblicke in Land und Leute. Nicht nur darüber, dass Probleme der einzelnen Destinationen offen angesprochen werden, sondern auch wie die jeweiligen Einwohner ticken. Die Darstellung ist allerdings nicht immer repräsentativ, dafür in einigen Fällen aber gerade deshalb urkomisch. Auch die Ideen des Autors, sich unterwegs ein bisschen Geld zu verdienen sind mehr als kreativ und lassen einen beim Lesen bereits selbst an die eigene Umsetzung eines solchen Trips denken.

Zur Nachahmung empfohlen?

Sicherlich motiviert das Buch zur Nachahmung, allerdings hätte ich mir zu einigen Punkten gerne ein paar ausführlichere Details gewünscht. Allerdings muss man hierbei auch bedenken, dass es sich bei den von Michael Wigge niedergeschriebenen Zeilen in erster Linie nicht um eine Survival-Geschichte dreht, wie vielleicht der Titel versprechen mag, sondern um Unterhaltungsliteratur.

Um eine wie im Buch beschriebene Reise anzutreten, bedarf es einer langen Planung, was im Buch unter anderem an der Tatsache zu erkennen ist, dass Wigge mit einem Butler-Outfit reist und sich vor Abreise ausreichend Gedanken zu potenziellen Einnahmequellen gemacht hat. Außerdem ist nicht jedermann für solch einen Trip geschaffen, denn ähnlich wie der Autor, ist eine gewisse Portion an Egoismus von Nöten. Dies soll kein negativer Punkt sein, sondern vielmehr verdeutlichen, dass ein Weltreisender ohne auch nur einen Cent in der Tasche, andere auf gewisse Art und Weise “ausnutzen” muss, um das Ziel zu erreichen. Wer zuviel nachdenkt oder Schwierigkeiten mit seinem Gewissen hat, für den ist ein solcher Trip nicht wirklich empfehlenswert.

Fakt ist: Wer voll hinter einem Ziel steht und alles dafür gibt, um dies zu erreichen, dem wird dies auch gelingen. Wigge ist der beste Beweis dafür, schließlich ist die Anzahl an Rückschlägen, mit denen er während der 150 Tage zu kämpfen hat, schier endlos.

Absolut lesens- und sehenswert

Abschließend sei gesagt, dass ich das Buch jedem Rucksacktouristen und Reisefan wärmstens ans Herz legen kann. Es gibt wenige Bücher, bei denen ich mich selbst als ein Teil der Geschichte gesehen habe beziehungsweise das Kopfkino so stark war, wie bei “Ohne Geld bis ans Ende der Welt”. Umso besser, dass Michael Wigge seine Tour mit der Kamera festgehalten hat, wodurch folgende Dokumentation entstanden ist, die vor allem für die Lesefaulen unter euch relevant sein sollte.

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Dass das Buch ein voller Erfolg war, zeigt sich auch darin, dass Michael Wigge vier Jahre nach seinem Trip noch immer von den Erfahrungen zehrt und mittlerweile sogar auf Tour geht. Wer also weder die Dokumentation schauen, noch das Buch lesen will, für den ist die aktuell laufende Tour eine sinnvolle Option.

Jetzt aber erstmal viel Spaß beim Durchlesen!

4 KommentareHinterlasse einen Kommentar

  • Ich habe das Projekt 2010 schon mal verfolgt und dann aus den Augen verloren. Einiges sieht ja ganz witzig aus. Aber Du sprichst mir im Punkt “zur Nachahmung empfohlen?” aus der Seele. Ich weiß nicht, ob ich es mit meinem Gewissen vereinbaren könnte, so durch die Welt zu reisen.

    • @Andersreisender: Schön, dass du da ähnlich denkst wie ich. Ich bin der Meinung, dass man in einem fremden Land Respekt vor den Einheimischen haben sollte und der geht durch das “Schnorren” dann doch manchmal verloren. Trotzdem will ich die Leistung von Michael nicht schmälern und finde die Geschichte noch immer weltklasse.
      Viele Grüße, Daniel.

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