Halbzeit für einen illegalen Einwanderer und das Ende der WM

Am Mittwoch stand nicht nur das erste Halbfinale der Niederländer gegen Uruguay an, sondern auch der Geburtstag meines Mitbewohners Tom. Verbinden konnte man beides perfekt mit einem Abendessen beim Mexikaner, der das Spiel live im Fernseher übertrug. Trotz meiner Unterstützung für die Südamerikaner haben die Holländer mal wieder gewonnen und das Finale erreicht.

Einen Tag später war dann für viele das vorgezogene Endspiel der Fußball WM 2010 zwischen den Deutschen und den Spaniern. Vom Büro aus traten sämtliche WhizzKids-Mitarbeiter den schon fast zur Gewohnheit gewordenen Weg zum Stadion an. Dort ließ ich mir dann auch noch mein gesamtes Gesicht inklusive der Nasenlöcher bemalen, bevor es mit Flagge und Trikot ausgestattet ins Stadion ging.

Irgendwie war an diesem Tag die Stimmung nicht so gut, wie ich es mir für ein Halbfinale vorgestellt hatte. Auch meine Aufregung hielt sich diesmal in Grenzen und war nicht vergleichbar mit dem ersten Spiel gegen die Australier, wo ich bereits eine Woche vorher an nichts anderes mehr denken konnte. Für die gedämpfte Stimmung im Stadion hatte ich drei Gründe:

1. Mein Sitzplatz war auf der offenen Seite des Moses-Mabhida-Stadions und obwohl ich in Reihe 25 saß gab es hinter mir keine weiteren Sitzreihen mehr.
2. Die Fankurve der Deutschen war weit entfernt und die meisten Südafrikaner um mich herum unterstützten Spanien.
3. Deutschland spielte einfach schlecht an diesem Abend und hatte kaum Chancen. Zudem war mein Lieblingsspieler Thomas Müller gelbgesperrt.

In der ersten Halbzeit malte ich mir noch aus, wie ich denn am besten nach Johannesburg zum Finale kommen könnte, aber dank Puyol musste ich mir darüber nach zwei Dritteln des Spiels keine Gedanken mehr machen. Spanien hatte verdient gewonnen und ich war zutiefst enttäuscht und fühlte mich ungefähr genauso wie 2006, als ich mit meinen Jungs das Halbfinale auf dem Videowürfel im Frankfurter Stadion anschaute, das die Italiener mit 2:0 gewannen. Immerhin habe ich nicht geweint, sodass mir meine Gesichtsfarbe auch nicht verlaufen konnte.

Meine Bilanz als Deutschland-Fan bei der WM ist auch nicht wirklich positiv: 3 Spiele, 1 Sieg, 2 Niederlagen! Dennoch werden für mich alle drei Begegnungen unvergesslich bleiben und jeder noch so kleine Aufwand, um die Spiele zu sehen, hat sich im Nachhinein mehr als gelohnt. Und würde mich jetzt jemand fragen, ob ich zur WM 2014 nach Brasilien fahren würde, dann müsste ich für die Antwort nicht lange überlegen.

Am Donnerstag bekam ich dann einen Anruf von meinem Studienkollegen Nico aus Kapstadt, der mir eine kostenlose Karte für das Spiel um Platz 3 gegen Uruguay in Port Elizabeth anbot. Nach langen Überlegungen musste ich aber leider absagen, da es keine Flüge mehr gab und ich nicht wieder 28 Stunden im unbequemen Bus verbringen wollte. Außerdem wäre die Tour ziemlich kostspielig gewesen und ein Spiel um Platz 3 ist auch nicht wirklich viel wert. Wenn man schon das Halbfinale erreicht, dann zählt im Nachhinein auch nur der Titel.

Am Freitag war erneut der Gang zur Behörde angesagt, denn ich wollte meinen Stempel für meinen Reisepass für weitere 90 Tage abholen. Da meine Unterlagen aber noch immer in der Hauptstadt Pretoria verweilen, bekam ich leider keinen neuen Eintrag. Stattdessen gab mir die Mitarbeiterin einen Zettel, der mir bestätigt, dass ich mich als „illegaler Einwanderer“ bis Ende September im Land aufhalten darf. Andere Länder, wie etwa Lesotho oder Swasiland, darf ich also erstmal nicht besuchen, da ich solange in Südafrika gefangen bin, bis meine Unterlagen von Pretoria zurück sind und ich endlich meinen Stempel bekomme.

Meine Surfkarriere setzte ich dann am Samstag fort, zusammen mit Stefan und Thomas, die sich das erste Mal aufs Brett wagten. Im Vergleich zu ihnen war ich also schon ein alter Hase. Im Gegensatz zu vergangenem Dienstag waren diesmal die Wellen etwas stärker und auch höher, sodass ich es zum ersten Mal schaffte zumindest für fünf Meter von einer Welle getragen zu werden, bevor ich wieder ins Wasser stürzte. Das war bisher auch mein größter Erfolg, der in nächster Zeit aber sicher noch getoppt wird.

Vom Surfoutfit wechselte ich schließlich in mein Deutschland-Fan-Outfit, also mein Trikot, da abends das Spiel um Platz drei gegen Uruguay bevorstand. Anstatt live im Stadion in Port Elizabeth zu sitzen war ich also am Strand beim Public-Viewing. Als ich sah, dass es in PE durchgehend regnete, dachte ich mir nur, dass ich alles richtig gemacht habe mit meiner Entscheidung in Durban zu bleiben und nicht zum Spiel zu fahren. Das Ergebnis freute mich natürlich ebenfalls sehr, auch wenn der dritte Platz, wie bereits erwähnt, nicht wirklich viel wert ist.

Heute steht dann noch das Finale zwischen den Niederlanden und Spanien an, bevor die Weltmeisterschaft schließlich endgültig zu Ende geht. Für mich war der vergangene Monat einfach nur traumhaft schön und er wird durch andere Sportereignisse nur schwer beziehungsweise kaum zu toppen sein. Besonders freue ich mich jetzt aber auf weitere Abenteuer in Südafrika, insbesondere auf den Besuch meines guten Freundes Mattson, mit dem ich vom 31. Juli bis zum 9. August den Süden Südafrikas und vor allem die Garden Route unsicher machen werde.

Gruß aus dem Noch-WM-Land Südafrika,
Daniel.

P.S.: Bilder gibt es demnächst auch mal wieder.

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