60 Meter freier Fall, gebrochene Finnen und Amazulu

Seit meinem Trip mit Matthias und Monique vor drei Wochen habe ich es oft bereut, dass ich mir damals den Bungee Jumping Sprung von der Bloukrans Bridge nicht zugetraut hatte. Schließlich wollte ich während meines Südafrika-Trips auch mal etwas Ungewöhnliches machen, aber die 216 Meter waren mir dann doch zu krass.

Eine Nummer kleiner als der Sprung von der 216 Meter hohen Bloukrans Bridge gibt es auch hier in Durban. Und zwar wird das Moses-Mabhida-Stadion, das eine Gesamthöhe von 104 Metern hat, als eine Art neues Funsportzentrum genutzt, da man sich von einer Plattform auf dem Stadionbogen direkt in die Tiefe stürzen kann.

Da ich und meine deutschen Wochenendfreunde schon länger von dieser Aktivität wussten, beschlossen wir uns abends in der Dunkelheit ebenfalls von der Plattform zu stürzen, auch wenn mein Chef in der Nacht zuvor geträumt hatte, wir würden alle drauf gehen.

Auf dem Stadion gibt es allerdings nicht die Möglichkeit einen normalen Bungee-Sprung zu machen, sondern sich den Adrenalinrausch in Form einen Swings, also einer 220 Meter weiten Riesenschaukel, zu holen. Bevor man jedoch wirklich schaukelt und über das Spielfeld schwebt, steht einem erst einmal ein 60 Meter freier Fall bevor, was auch ganz ordentlich ist.

Von der gesamten Prozedur war sicherlich der Aufstieg am Bogen entlang am Schlimmsten, da mit jeder einzelnen Treppenstufe der Adrenalinspiegel enorm stieg und einem bewusste wurde, wie hoch man eigentlich über der Stadt war. Ich hatte als erster von uns die Ehre zu springen und war deshalb auch gleich auf der Plattform wieder zu finden. Der Blick von knapp 100 Meter in die Tiefe auf die beleuchteten Sitze und das Spielfeld waren einfach grandios, aber genießen konnte ich den Anblick nicht wirklich, noch nicht.

„3—2—1—Ahhhhhh!“ Der Absprung war einfach nur krass und der freie Fall unbeschreiblich. Im Anschluss flog man über das komplette Spielfeld und hatte alle 70.000 Sitzplätze um sich herum.Mit dem Seil wurde man schließlich wieder nach oben gezogen. Als man dann über das Stadiondach hinaus war, konnte man das erste Mal wirklich die Aussicht genießen. Die Skyline und das sonstige Lichtermeer sahen einfach unbeschreiblich aus.

Während ich wenig später wieder entsichert wurde hatte ich im Gegensatz zu meinen drei Nachfolgern ein tierisches Grinsen auf dem Gesicht. Ich war schließlich schon durch und im Nachhinein kann ich nur betonen, das es absolut spitze war. Die anderen drei schlugen sich trotz teilweise enormer Höhenangst mindestens genauso wacker und so konnten wir uns im Nachhinein bei einem kühlen Bier über unsere Erfahrungen austauschen. Und wer weiß, vielleicht wird die Bloukrans Bridge doch noch irgendwann bezwungen, aber zumindest nicht in diesem Jahr.

Der Samstag stand dann mal wieder ganz im Zeichen des Surfens. Mit meinem Surf-Buddy Thomas und seiner Studienkollegin aus der Heimat machte ich mich an den Strand, um die Wellen so gut es ging zu reiten oder zumindest zu versuchen, mehr Zeit auf dem Brett zu verbringen als von den Wellen durchgewaschen zu werden.

Irgendwie hatte ich in Sachen Ausrüstung aber nicht so viel Glück, da ich innerhalb von vier Stunden zwei Finnen des Surfboards brach. Wie ich das geschafft habe weiß ich selbst nicht, aber immerhin gab mir der Surfboard-Verleiher Rabatt auf die im Wasser verschollenen Finnen. Im Nachhinein war es eine gute Entscheidung mir kein eigenes Board zu kaufen, da ich sonst schon einiges mehr hätte zahlen müssen.

Am Sonntag ging es erneut zum Moses-Mabhida-Stadion, denn der erste Spieltag der südafrikanischen Fußballliga stand bevor und natürlich mussten wir unsere Heimmannschaft Amazulu FC tatkräftig unterstützen. Von den knapp 70.000 Sitzplätzen waren aber schätzungsweise nur 5.000 besetzt, sodass auf der Gegengerade und den beiden Fankurven keine Menschenseele zu sehen war.

Dennoch hatte das Derby gegen Maritzburg um den deutschen Trainer Ernst Middendorp hohen Unterhaltungswert, da von enormen Torwartfehlern bis hin zu einer Halbzeitshow mit einem Feuerspucker alles geboten wurde. Auch der Eintritt, der vor der Saison ligaweit verdoppelt wurde, ist im Vergleich zu Deutschland immer noch extrem günstig, denn Männer müssen nicht mehr als 40 Rand (4,50 Euro) und Frauen lediglich 10 Rand (= 1,20 Euro) bezahlen. Der 3:2-Heimsieg inklusive fast schon vermisster Vuvuzela-Klänge war das Geld auf alle Fälle wert.

Gruß aus dem Süden, Daniel.

Hier nochmal eine Promo-Video von Big Rush, die den Stadion-Swing anbieten:

[youtube http://www.youtube.com/watch?v=oXXTmdY1KX4&fs=1&hl=de_DE&rel=0]

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