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Kurztrip nach Polen: Entdecke Warschau an einem Tag

„Warschau! Was willst du denn in Warschau?“ Seitdem ich ein Faible für Osteuropa habe, werde ich mit Fragen wie diesen immer öfters konfrontiert. Vielleicht sind sich viele aus meinem Bekanntenkreis gar nicht bewusst, wie schön die osteuropäischen Metropolen sind. Eine davon ist eben dieses Warschau. Eine Stadt, die ich dir etwas genauer vorstellen möchte.

Insgesamt fünf Tage verbrachte ich in Warschau. Primär, um einen Einblick in die aufstrebende Start-Up-Hochburg zu bekommen und in aller Ruhe ein paar Aufgaben meines ortsunabhängigen Arbeitslebens als Digitaler Nomade abzuarbeiten. Die Entscheidung fiel auf die polnische Hauptstadt, da mir auf Malta ein paar Polen erzählt haben, wie schön die Stadt an der Weichsel doch ist.

Zum Sightseeing blieb mir leider nicht allzu viel Zeit, doch dank einiger Tipps und Recherchen im Internet war es kein Problem Warschau an einem Tag zu entdecken. Denn so groß Warschau auch ist, so überschaubar ist es an der Anzahl der Sehenswürdigkeiten.

Warschau kurz und knapp vorgestellt

Warschau ist mit 1,7 Millionen Einwohnern die größte Stadt Polens und zugleich das politische und wirtschaftliche Zentrum des Landes. Mit dem Titel Hauptstadt darf sich die Metropole seit dem Jahr 1596 schmücken.

warschau an einem tag

Obwohl Warschau oftmals als „graue Stadt“ bezeichnet wird, hat sie diesen Ruf spätestens seit der Wende im Jahr 1989 nicht mehr verdient. Nicht nur, weil mehr als ein Viertel der 18 Stadtbezirke aus Grünflächen besteht, sondern auch wegen der vielen neuen Wolkenkratzer.

Manch einer vergleicht das Zentrum gar mit dem von New York oder Gotham City. An letzterem ist vor allem der mächtige Kulturpalast Schuld, aber dazu später mehr.

Fakt ist, dass Warschau längst zu einer beliebten Destination für Städtetrips geworden ist. Zum einen wegen der geringen Lebenshaltungskosten und zum anderen wegen dem Flair, das teilweise doch sehr stark dem von Berlin-Mitte ähnelt – natürlich im positiven Sinn.

Die Hotspots von Warschau an einem Tag entdecken

Trotz meiner fünf Tage in Warschau, war meine Zeit für Sightseeing beschränkt. Doch ich wusste vorab, welche Orte ich keineswegs auslassen durfte. Den berühmten Königsweg bin ich zwar nicht abgelaufen, doch diesen möchte ich dir wärmstens ans Herz legen, da du auf dem 10 Kilometer langen Weg vom Königsschloss in der Altstadt bis nach Wilanow viele Highlights auf einmal abgrasen kannst.

Ein paar tolle Fleckchen in Warschau habe ich dennoch begutachtet. Welche sieben Hotspots das sind und wieso du sie dir, auch wenn du nur wenig Zeit hast, keinesfalls entgehen lassen solltest, verrate ich dir im folgenden Abschnitt:

1. Die Altstadt, das Herzstück Warschaus

Das absolute Highlight von Warschau ist die Altstadt, die seit 1980 zum UNESCO Weltkulturerbe gehört. Eigentlich trägt sie den Namen ALTstadt zu Unrecht, da sie noch nicht allzu viele Jahre auf dem Buckel hat. So musste sie zwischen 1946 und 1953 größtenteils neu aufgebaut werden, da sie im Zweiten Weltkrieg nahezu vollkommen zerstört wurde.

Ein besonders beliebter Treffpunkt ist die 1644 errichtete und knapp 25 Meter hohe Sigismundssäule auf dem Schlossplatz. Scheinbar ist es bei den Einheimischen Brauch, sich dort zum ersten Date zu verabreden. Ganz ehrlich: Das Ambiente weiterer Dates kann von da an nur schlechter werden.

Vom Schlossplatz geht es durch enge Gassen vorbei an eindrucksvollen Kirchenbauten und urigen Restaurants weiter zum Marktplatz. Dieser ist umgeben von tollen Bauwerken, während im Zentrum die Warschauer Seejungfer Syrenka steht. Ein weiteres Wahrzeichen der Stadt, das es gleich mehrmals innerhalb der Stadt gibt, unter anderem vor dem Kopernikus Wissenschaftszentrum direkt an der Weichsel.

Leider ist die Altstadt alles andere als ein Geheimtipp, weshalb das Touristenaufkommen hier sehr groß ist. An lästigen Segway-Touren, penetranten Verkäufern, amerikanischen Franchise-Unternehmen und planlos rumstehenden Gruppen kommst du daher nicht vorbei. Setze dich am besten in ein Café und genieße in aller Ruhe das wilde Treiben in der bunten Altstadt.

2. Das riesige und doch unscheinbare Warschauer Königsschloss

Am Rande der Altstadt befindet sich das Warschauer Königsschloss, das auf Grund seines Aussehens nicht unbedingt den Namen Schloss verdient, auf Grund seiner imposanten Größe und Präsenz allerdings schon. Vom Weichselufer aus hast du den besten Blick auf das riesige Bauwerk und seinen Park.

Sofern du ein Fan der polnischen Malerei bist, solltest du in das Schloss gehen. Dort erwarten dich einige Räumlichkeiten, die längst als Museum genutzt werden und voll von zahlreichen Gemälden sind.

Das Königsschloss ist, wie bereits erwähnt, der ideale Ausgangspunkt für einen Fußmarsch entlang des zehn Kilometer langen Königswegs über den Lazienki-Park bis nach Wilanow.

3. Der über der Stadt thronende Kulturpalast

Das Stadtbild Warschaus ist von einem ganz besonderen Gebäude geprägt, dem Kulturpalast, der zwischen 1952 und 1955 im Stil des sozialistischen Klassizismus errichtet wurde. Mit seinen 237 Metern blickt das höchste Gebäude über die gesamte Stadt und ist von nahezu überall zu sehen, sofern es nicht von einem der umliegenden Wolkenkratzer verdeckt wird.

Das riesige Monument war einst ein Geschenk von Stalin, weshalb es für viele Polen auch heute noch als Zeichen der Unterdrückung gilt. Anders als Stalins Geschenk in Riga wird der Kulturpalast in Polen sinnvoll genutzt und beheimatet unter anderem Kinos und Theater, die den faden (geschichtlichen) Beigeschmack in den Hintergrund rücken.

Auch eine Aussichtsplattform gibt es auf dem Kulturpalast, die meist jedoch ziemlich gut besucht ist und für lange Warteschlangen verantwortlich ist. Im gegenüberliegenden Marriott Hotel gibt es von der Skybar einen ähnlich guten Blick sowie leckere Getränke, die dir die Aussicht über Warschau versüßen.

4. Der Lazienki-Park, das Zuhause zahmer Eichhörnchen

Bevor ich den Lazienki-Park betrat, war ich überrascht, wie viele Eichhörnchen mich auf dem Weg dorthin begleiteten – und vor allem, wie zahm diese waren. Doch sie sollten nicht das Highlight werden, sondern vielmehr der Palast auf dem Wasser sowie das anliegende Theater.

Lazienki-Park

Der Palast auf dem Wasser trägt seinen Namen, weil er einst auf einer Insel errichtet wurde. Noch immer ist er, zumindest größtenteils, von Wasser umgeben und bietet aus größerer Entfernung ein perfektes Fotomotiv. Nicht allzu weit entfernt befindet sich, etwas versteckt, ein Theater. Das Besondere daran ist, dass die Bühne mitten auf dem Wasser steht, während sich die Sitzplätze in Anlehnung an die griechische Antike auf dem Festland befinden.

Übrigens scheint der Palast auf dem Wasser ein beliebter Ort bei Lehrern zu sein, die ihre etwas gelangweilten Schüler hierherschleppen. Für diese nicht ganz so spektakulär, ist der Lazienki-Park ein Muss für deine Tour durch Warschau an einem Tag.

5. Die hochmodernen Fußballtempel

Als Fußballfan ist es mir ein großes Bedürfnis, mir berühmte Fußballstadien anzuschauen. Daher kam ich bei meinem Spaziergang durch Warschau nicht am Nationalstadion, dem Narodowy, sowie der Heimspielstätte von Legia Warschau vorbei.

Das Nationalstadion wurde für die Fußball-Europameisterschaft 2012 erbaut. Mittlerweile ist das 58.000 Zuschauer fassende Stadion die Heimat der polnischen Fußball- und Rugbynationalmannschaft. Auch bekannte Bands und Musiker, wie zum Beispiel Coldplay, Depeche Mode und Robbie Williams, treten hier in aller Regelmäßigkeit auf.

Etwas kleiner ist die Pepsi Arena mit gut 30.000 Sitzplätzen. Hier trägt der elfmalige polnische Meister Legia Warschau seine Heimspiele aus. Das Stadion ist nicht ganz so beeindruckend wie das Nationalstadion auf der anderen Seite der Weichsel, aber ebenfalls absolut sehenswert. Am besten natürlich, wenn ein Ligaspiel stattfindet, was bei meinem Besuch leider nicht der Fall war.

6. Riesige Einkaufszentren laden zum Shoppen ein

Die ehemals „graue Stadt“ hat sich zu einer fortschrittlichen Metropole gemausert. Daher gibt es, frei nach westlichem Vorbild, einige riesige Einkaufszentren. Insbesondere das Zlote Tarasy Einkaufszentrum zwischen dem Hauptbahnhof und dem Kulturpalast, das durch eine grandiose Glasdachkonstruktion hervorsticht, ähnelt auf Grund seiner vielen Gänge und Ebenen fast schon einem Labyrinth.

Wenn du ein Shopping-Fan bist, kommst du hier garantiert voll auf deine Kosten, auch wenn sich die Geschäfte nicht von denen abheben, die wir auch in Deutschland haben.

Gleiches gilt für die Blue City Mall, die sich etwas außerhalb am Bahnhof Zachodnia befindet. In der Nähe davon hatte ich meine Homebase. Daher machte ich es mir einige Male im Einkaufszentrum gemütlich, um ein bisschen zu arbeiten und das freie WLAN sowie die angenehmen Sitzmöglichkeiten zu genießen.

Schlendere also unbedingt einmal durch eine der beiden Einkaufszentren. Polnisches Flair erlebst du dort nicht, weshalb du eher auf lokale Shops, Cafés und Restaurants zurückgreifen solltest.

7. Szczesliwice, der Park mit der Skipiste

In der Nähe der Blue City Mall befand sich nicht nur meine empfehlenswerte Unterkunft (bei Booking.com buchen), sondern auch der Szczesliwice-Park. Dieser ist mit tollen Grünflächen, kleinen Seen und abwechslungsreichen Wegen versehen, weshalb ich dort nur allzu gerne meine (fast) täglichen Laufrunden drehte.

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Doch ins Staunen brachte mich ein ganz anderes Bauwerk inmitten des Parks: Ein Skilift!

Im Winter ist es also möglich, den Park auf Ski unsicher zu machen. Durchaus kurios, denn im Sommer sieht die Piste eher aus wie ein Fremdkörper auf der Anhöhe des idyllischen Stadtparks, der prädestiniert für Feierabendläufe, Spaziergänge und Beine hochlegen ist – und manchmal eben auch zum Skifahren.

Was du in Warschau nicht verpassen solltest

Mit dem Nationalmuseum, dem Fryderyk Chopin Museum, dem Wissenschaftszentrum Kopernikus und den mit Streetart verzierten Hausfassaden hat Warschau noch einiges mehr zu bieten. Auch in Sachen Nightlife, denn Warschau ist mit einer großen Auswahl an Clubs eine wahre Partymetropole, auch wenn ich die Vielfalt an Feierlichkeiten ausnahmsweise außen vor ließ.

Stattdessen ließ ich mir einige kulinarische Highlights nicht nehmen. Solltest du Vegetarier sein, wirst du in Warschau an deine Grenzen stoßen. Falls nicht, dann solltest du unbedingt ein paar der folgenden Gerichte versuchen, für welche die deftige polnische Küche bekannt ist:

Pierogi (= Teigtaschen mit unterschiedlichen Füllungen), Sernik (= Käsekuchen), Borschtsch (= Suppe, die mit roter Beete zubereitet wird), Zurek (= saure Mehlsuppe).

Es gibt noch eine ganze Menge weiterer Highlights zu entdecken. Falls du noch Warschau-Jungfrau bist, dann schreibe dir die polnische Hauptstadt definitiv auf deine „Must-Visit“-Liste.

Mit dem Flugzeug, der Bahn oder dem Bus sind die Anbindungen ist Polens Hauptstadt sehr gut erreichbar. Ein weiteres Plus einer beeindruckenden Stadt.

Viva Warszawa: Polen für Fortgeschrittene
  • Steffen Möller
  • Piper Taschenbuch
  • Taschenbuch: 304 Seiten

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