Der Taman Negara ist nicht nur das grüne Herz Malaysias, sondern auch der älteste Wald der Welt. Insgesamt gibt es vier Eingänge zum beeindruckenden Nationalpark, wobei wir den Zugang über Merapoh wählten. Was dich dort erwartet und warum das Städtchen Gua Musang der ideale Ausgangspunkt für deine Touren ist, erfährst du in diesem Beitrag.

Nationalpark Taman Negara

Nach den Cameron Highlands stand mit dem Taman Negara das nächste große Highlight für uns auf dem Programm. Groß ist sicherlich untertrieben, denn mit mehr als 4.300 Quadratmetern hat der Taman Negara die zweifache Fläche von Luxemburg und ist einfach nur riesig.

Die Fahrt in die Nähe des nördlichen Eingangs des Taman Negara steigerte unsere Erwartungen auf den Dschungel, denn die Strecke von Brinchang nach Gua Musang war einfach nur ein Traum. Über die 118 Kilometer lange Straße vollzog sich eine wunderschöne Bergkulisse. Das Beste daran war, dass wir die breiten Straßen für uns ganz alleine hatten und die Blicke getrost nach links und rechts schweifen lassen konnten.

Gua Musang als Ausgangspunkt für den Taman Negara

Als Basis für unsere Taman Negara-Tour suchten wir uns das Städtchen Gua Musang aus. Ein sehr unscheinbarer und wenig beachteter Ort, der einst lediglich durch eine Eisenbahnverbindung mit der Außenwelt verbunden war. Die berühmte Dschungelstrecke von Gemans nach Kota Bharu ist es nämlich, die sich auch heute noch an großer Beliebtheit erfreut und zumindest einige Touristen nach Gua Musang lockt.

Gua Musang

Gua Musang bedeutet übersetzt Fuchshöhle und ist von wunderschönen Kalksteinformationen umgeben. Für Kletterfreaks sind diese ein wahres Paradies. Der Otto-Normal-Tourist darf sich hingegen auf eine kleine Altstadt und einen idyllisch gelegenen Bahnhof freuen. Gleichgesinnte triffst du in Gua Musang aber nur selten an.

Landwirtschaftlich scheint das Städtchen am Rande des Taman Negara vor allem von der Holzindustrie zu profitieren. Dies zeigt sich nicht nur an den vielen mit Holz beladenen Mercedes-Trucks von anno dazumal, sondern an den zahlreich gerodeten Flächen im näheren Umkreis.

Vielleicht ist die Holzindustrie auch ein Indiz dafür, dass Gua Musang aktuell einen Aufschwung erlebt, was an all den kleinen Geschäften zu erkennen ist, die sich in den Stadtteilen aneinander reihen. Aktuell gibt es in der Stadt selbst aber nicht allzu viel zu bewundern, außer den Food Court, der sich etwas abseits auf dem Weg Richtung Merapoh befindet.

Merapoh, das nördliche Tor zum Nationalpark

Der näheste Eingang von Gua Musang zum Taman Negara liegt mit dem Dorf Merapoh circa 25 Kilometer entfernt. Kein Katzensprung, allerdings gibt es dazwischen kaum etwas Sehenswertes oder einen Ort, an dem du dein Nachtlager aufschlagen kannst. Gua Musang ist daher der ideale Ort, um eine Tour durch den Taman Negara zu starten und trotzdem einen Hauch von Zivilisation zu genießen.

eisenbahnschiene

Von Merapoh sind es weitere sieben Kilometer auf einer kleinen Straße entlang von Palmenalleen bis zum Eingang des Nationalparks. Dort musst du dich registrieren lassen, sofern du den Taman Negara auf eigene Faust erkunden willst oder eine geführte Tour buchen. Diese solltest du jedoch einen Tag zuvor anmelden, da sonst höchstwahrscheinlich kein Guide mehr verfügbar ist.

Wir haben insgesamt zwei Touren gemacht, auf die ich im Folgenden kurz eingehen möchte:

1. Dschungelwanderung auf eigene Faust

In der Nähe des Eingangs zum Taman Negara bei Merapoh gibt es zwei Rundgänge. Einen circa 500 Meter langen Rundweg und einen, der ungefähr 1,5 Kilometer lang ist. Rundweg ist vielleicht das falsche Wort, denn die Pfade führen über Stock und Stein sowie durch jede Menge Matsch. Auch die Beschilderung, um sich nicht zu verlaufen, lässt etwas zu Wünschen übrig.

Empfehlen möchte ich dir die kurzen Trekking-Touren dennoch, da du dabei einen ersten Eindruck über die Baum- und Pflanzenwelt des Dschungels bekommst. Was die Tierwelt betrifft, so haben wir außer einem Wildschwein, einem Eichhörnchen und verschiedenen Vögeln nichts weiter entdecken können. Der Unterhaltungsfaktor war dennoch ziemlich hoch.

Tipp: Lange Hose und festes Schuhwerk sind für die Halbtagestouren ebenso wichtig wie eine gewisse Grundfitness und eine Flasche Wasser, da du mit einer hohen Luftfeuchtigkeit zu kämpfen haben wirst.

2. Tagestour durch den Taman Negara

Für den zweiten Tag buchten wir uns einen Guide namens Harry. Dieser war nicht nur unheimlich lustig und bestens mit dem Dschungel vertraut. Er überraschte uns auch sehr mit seiner Ausdauer, die er wohl eher von seinen Marathonläufen als seinem Frönen nach Nikotin erlang hat.

Trekking Tour

Die Tour von 9 Uhr morgens bis 14 Uhr, bei denen eine Wanderung zu einem Wasserfall, der Besuch einer Fischfarm und eine Aussichtsplattform inbegriffen waren, kostete uns zusammen 250 Ringgit. Davon gingen 150 Ringgit an unseren Guide sowie 100 Ringgit an den Fahrer unseres Pickups.

Wanderung zum Wasserfall Terjun Kelam

Vom Eingang in Merapoh ging es auf der Ladefläche zum Startpunkt des Wasserfall-Trails. Alleine die Fahrt bis dorthin war das reinste Abenteuer, da die steilen Auf- und Abstiege mit einer Achterbahnfahrt in Zeitlupe gleichzusetzen waren.

Wasserfall Taman Negara

Angekommen am Beginn des Trails schlugen wir uns einen kleinen Pfad entlang durch Gestrüpp bis wir über Wurzeln und steile Abgänge zu einem Bachlauf kamen. Von dort ging es den Bach entlang über glitschige Steine bis zum Terjun Kelam, dessen Anblick jeden Schritt der zwei Kilometer langen Strecke, für die wir eine gute Stunde benötigten, Wert war.

Ein Wasserfall, der völlig unberührt inmitten des Dschungels liegt und keinerlei Gebrauchsspuren in Form von Müll oder Raststätten aufweist. Die pure Natur, die ich unbedingt mit einem Sprung ins kühle Nass genießen musste. Nach dem anstrengenden Marsch die pure Genugtuung.

Fischzucht auf natürliche Weise im Santuari Ikan Kelah

Nachdem wir vom Wasserfall zurückkehrten und uns – zumindest teilweise – von den anhänglichen Blutegeln getrennt hatten, fuhren wir mit Harry weiter zum Santuari Ikan Kelah. Dabei handelt es sich um eine natürliche Fischzucht irgendwo im Taman Negara, in der die unfassbar teuren Fische empurau und ikan kelah gezüchtet werden. Sie bringen den Züchtern teilsweise bis zu 300 Euro pro Fisch ein.

Santuari Ikan Kelah

Unser Pickup-Fahrer, der den Spitznamen „Father of Fish“ trägt, zeigte uns stolz, wie man die noch lebenden Delikatessen mit der Hand fängt. Allerdings ohne Erfolg, schließlich glitten uns die Fische immer wieder durch die Hände. Vielleicht lag es aber auch daran, dass wir gar keine Fische fangen wollten, die Einladung zum Erlernen des Handwerks aber auch nur ungern ausschlagen wollten.

Richtig gut waren wir dagegen im Schwimmen im klaren und sauberen Dschungelfluss in der Nähe der Zucht. Das sorgte nicht nur für Abkühlung, sondern brachte unseren Körper wieder auf die richtige Betriebstemperatur für die letzte Station unserer Tour durch den ältesten Urwald der Welt.

Aussichtsplattform mit Blick auf den Gunung Tahan

Nach einer erneuten Achterbahnfahrt in Zeitlupe sollte es mal wieder hoch hinaus gehen, denn auf Grund der großen Walddichte war uns ein Blick über den Taman Negara bis dahin erspart geblieben. Daher führte uns Harry auf eine Aussichtsplattform auf den Gunung Tahan, um diesem Problemchen Abhilfe zu schaffen.

Gunung Tahan

Der Gunung Tahan ist mit 2.187 Meter die höchste Erhebung der malaysischen Halbinsel. Der Berg der Leiden trägt seinen Namen nicht umsonst. Schließlich bedarf es einer gehörigen Portion Ausdauer, den Gipfel zu erklimmen, weshalb dies nur bei mehrtägigen Trekking-Touren gelingt. Der Weg auf den Gipfel des Gunung Tanah gilt gar als der härteste in ganz Südostasien.

Auch wenn die Rucksacktour auf den höchsten Punkt der westlichen Seite sicherlich sehr reizvoll gewesen wäre, begnügten wir uns mit der Ansicht aus der Ferne und zollten dem Berg durchaus unseren Respekt. Als Abschluss für unsere Tagestour vom Taman Negara hätten wir uns wohl kaum einen schöneren Blick über den Dschungel vorstellen können.

Was du sonst noch über den Taman Negara wissen solltest

Ein paar Fakten zum Taman Negara, dessen Name aus dem Malaiischen übersetzt ganz unspektakulär Nationalpark bedeutet, habe ich noch für dich. Kein Wunder, denn bei den beiden Touren haben wir eine ganze Menge an neuer Informationen mitnehmen dürfen.

Eisenbahnschiene

So ist der Wald im Taman Negara mehr als 130 Millionen Jahre alt und, wie nun schon einige Male erwähnt, das älteste Waldgebiet unseres Planeten. Der Grund für die prächtige Entwicklung liegt darin, dass das gesamte Gebiet dank seiner Lage und den beständigen, klimatischen Bedingungen von der Eiszeit verschont wurde. Auch Vulkane gab es keine, was sich positiv auf die Evolution auswirkte.

Wenn du viele große Tiere entdecken willst, dann wirst du diese im Taman Negara wohl kaum finden. Es gibt sie zwar, sie machen sich aber doch sehr rar. So gibt es zum Beispiel Elefanten, Leoparden, Panther, Tapire, Wildschweine und Affen. Letztere werden teilweise noch heute vom ansässigen Bergvolk, das längst mit Motorrollern durch den Dschungel saust, verspeist.

Auch der Tiger regierte einst im Taman Negara. Laut unserem Guide gibt es jedoch nur noch ein Exemplar davon, das bisher nur sehr wenige Menschen zu Gesicht bekommen haben. Ein prächtiges Tier, dem der Untergang im malaysischen Dschungel vorbestimmt ist.

Alles andere als vom Aussterben bedroht ist dagegen die Pflanzenwelt, schließlich gibt es im gesamten Nationalpark mehr als 8.000 verschiedene Pflanzenarten. Auch an jeder Menge Schmetterlinge darfst du dich bei einem Besuch im Taman Negara erfreuen, denn davon gibt es über 1.000 verschiedene.

Dschungeltour ohne große Erwartungen

Der Taman Negara ist mit seinen über 4.300 Quadratmetern einfach zu groß, um ihn in ein paar Tagen zu erforschen. Bei einer Rucksacktour durch Malaysia sollte er aber definitiv auf deiner „Must See“-Liste stehen. Nicht nur, weil es der älteste Wald dieses Planeten ist und eine Menge Abwechslung bietet. Alleine schon die Luft und die Klänge der Natur, die du aufsaugen wirst, sind einen Besuch wert.

Erwarte nicht zu viel von deinem Trip in den beliebten Nationalpark. Du wirst schließlich mitten im Dschungel sein und nur selten über eine großartige Sicht verfügen, in der du traumhafte Panoramablicke genießt. Auch die Tierwelt wird sich bis auf ein paar Schweine, Affen und Eichhörnchen eher bedeckt halten.

Vielleicht hast du Lust darauf die mehrtägige Trekking-Tour zum Gunung Tahan anzugehen, um so überprüfen, ob sie wirklich so hart ist. Den besten Einblick über den Taman Negara bekommst du dabei ganz sicher. Oder hast du diese Tortur bereits hinter dir? Dann verrate mir, wie du sie gefunden hast, denn genau diese ist es, die ich gerne selbst gemacht hätte, wären wir zeitlich nicht so eingeschränkt gewesen.

„Malaysia

Taman Negara: Auf Entdeckungstour durch den ältesten Wald der Welt

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