St-Petri-Riga-Lettland

Riga: Party, Sightseeing und deftiges Essen in Lettlands Hauptstadt

Ein bisschen verschlafen wirkt Riga beim ersten Blick schon. Doch der Schein trügt, denn die Hauptstadt Lettlands ist alles andere als langweilig. Was dich im hohen Norden erwartet und warum Riga ganz oben auf deiner Liste für Städtetrips stehen sollte, erfährst du in diesem Blogbeitrag.

Die osteuropäischen Städte haben es mir angetan. Nicht nur, weil ich diesen Beitrag über meinen Trip nach Riga aus einem Café in Warschau schreibe. Längst haben mich Städte, wie zum Beispiel Bukarest und Prag, in ihren Bann gezogen.

Mir gefällt es einfach, dieses ganz besondere Flair osteuropäischer Städte. Daher war es an der Zeit, erstmals ins Baltikum aufzubrechen und Riga einen Besuch abzustatten.

Eines vorweg: Die lettische Hauptstadt mit ihren 800.000 Einwohnern ist völlig zurecht längst kein Geheimtipp mehr.

Riga und Lettland kurz und knapp vorgestellt

Lettland ist bereits seit dem Jahr 2004 Mitglied der Europäischen Union. Zehn Jahre später wurde der Euro als offizielle Währung eingeführt und Riga zur europäischen Kulturhauptstadt gewählt.

Tradition und Moderne

Daher kommst du in Riga nicht nur als Feierbiest voll auf deine Kosten, sondern vor allem als Kulturliebhaber. Bedeutende Sehenswürdigkeiten, urige Restaurants und abgefahrene Bars erläufst du bequem zu Fuß, schließlich ist die Größe des Stadtzentrums überschaubar.

Vielleicht ist die Fortbewegung zu Fuß sowieso sicherer, da sich die Letten selbst als furchtbar schlechte Autofahrer bezeichnen. Dass dies der Wahrheit entspricht, kann ich glücklicherweise nicht bestätigen, allerdings las ich diese Behauptung in einer kostenlosen Reisebroschüre, die am Flughafen von Riga auslag. Ehrlich sind sie also auch noch, die (netten) Letten.

Anreise

Die bequemste Möglichkeit, um nach Lettland zu reisen, ist das Flugzeug, auch wenn eine halbtägige Auto- oder Busfahrt durchaus ihren Reiz hat. Für einen Kurztrip von wenigen Tagen aber alles andere als empfehlenswert.

Am Flughafen angekommen ist es schier unmöglich sich zu verlaufen, da seine Größe ebenso überschaubar ist, wie die der Innenstadt. Er liegt ungefähr zehn Kilometer vom Stadtkern entfernt und ist sehr gut mit den öffentlichen Verkehrsmitteln verbunden.

Mit der Buslinie 22 kommst du beispielsweise für 1,15 Euro in die Innenstadt, sofern du dein Ticket direkt im Terminal erwirbst. Im Bus selbst musst du zwei Euro bezahlen.

Ebenfalls zwei Euro kostet der Minibus, der etwas schneller (eine knappe halbe Stunde) ist als sein großer Bruder. Das Taxi ist mit 14 Euro vergleichsweise teuer. Dazu würde ich dir nur raten, wenn du es wirklich eilig hast.

Nachtleben: In Riga steppt der Bär

Die Letten sind trinkfest und schlagen sich gerne die Nacht um die Ohren. Daher sind sie auch stolz darauf, dass sie seit 2012 den Weltrekord für die höchste Promillegrenze halten, die jemals bei einem Menschen gemessen wurde: 8,8 Promille!?!?

Die Abendgestaltung geht aber auch weitaus genüsslicher. Zum Beispiel im Shot Café, Tim Mints, dem Aussie Pub oder dem riesigen Rock Café. Letzteres ist vor allem für sein Karaoke bekannt, auch wenn sich die Veranstalter hier gerne selbst inszenieren.

Bist du alleine unterwegs, dann kann ich dir einen Pub Crawl empfehlen, der unter anderem vom Naughty Squirrel Backpackers Hostel (bei Booking.com buchen) angeboten wird. Falls du dort über deinen Geburtstag eincheckst, dann mache dich auf was gefasst, denn im Hostel ist es Brauch, dass man für jedes Jahr einen Schnaps trinken muss. Ich spreche da aus Erfahrung.

Positiv überrascht war ich von dem überaus guten Bier, das die Letten brauen. Die bekanntesten Marken sind Mežpils, Lacplesis, Aldaris, Uzavas und Valmiermuizas, wobei das 1865 mein persönlicher Favorit ist.

Besonders stolz sind die Einwohner Rigas jedoch auf ihren Riga Black Balsam. Ein Likör aus Kräutern, Blüten, Beeren und Ölen mit einem Alkoholgehalt von 45 Prozent. Eigentlich ziemlich lecker, wenn man ihn nicht, wie zum Beispiel an einem Geburtstag, ständig aufgetischt bekommt.

Das Nachtleben in Riga hat es in sich. Obwohl ich keinerlei schlechte Erfahrung mit der Kriminalität gemacht habe, empfehlen Reiseführer, nicht in bar zu bezahlen und sich von den hübschen Frauen fernzuhalten, die dich in teure Sex-Schuppen lotsen wollen.

Mein Tipp für einen Partyabend in Riga: Einfach drauf loslaufen und eine Kneipentour starten. Die kann nur gut werden, denn es gibt ausreichend Optionen, die Nacht zum Tag zu machen. 

Sightseeing: Das solltest du dir nicht entgehen lassen

Lettland ist zwar noch nicht allzu lange in der EU, doch bei einem Rundgang durch die Stadt wird deutlich, wie sehr es sich versucht, von Russland abzugrenzen und sich an den Westen annähert.

Riga ist eine Stadt zwischen Tradition und Moderne, was du unter anderem an dem Kontrast zwischen maroden Holzhäusern und hochmodernen Gebäuden im Stadtteil Pardaugava erkennst.

Die Stadt hat ihren Reiz, auch wenn du das Zentrum innerhalb kürzester Zeit erkundet hast. Die folgenden Orte und Plätze darfst du dir bei deinem Rundgang beziehungsweise Aufenthalt keinesfalls entgehen lassen:

Altstadt von Riga (Vecriga)

Die Altstadt ist das Herz von Riga. Hier spielt sich das Leben ab und hier boomt der Tourismus. Viele internationale Café-Ketten teilen sich die engen und gepflasterten Gassen mit uralten, dicht aneinander gereihten, bunten Häuschen.

Altstadt Riga

Mehr als zwei bis drei Stunden benötigst du nicht, um die Stadt auf eigene Faust zu erkunden und dir einen guten Überblick zu verschaffen. Ziehe dir beim Rundgang halbwegs festes Schuhwerk an, da auf Grund des Bodenbelags eine große Stolpergefahr besteht.

St. Petrikirche

Die St. Petrikirche ist ein guter Fixpunkt, um dich in der Altstadt zurechtzufinden. Sie ist die höchste Kirche der Stadt und zugleich ein beliebter Aussichtspunkt, von dem du über die Altstadt und den Fluss Daugava blickst.

Das Problem ist nur, dass du für eine gute Sicht neun Euro bezahlen musst, was ziemlich teuer ist. Als Alternative empfehle ich dir die Skybar im Hotel Radisson Blu, die für jeden zugänglich ist. Für einen Cappuccino und einen sehr guten Blick vom bequemen Ledersessel aus zahlst du hier weniger als die Hälfte.

Schwarzhäupterhaus

Im südwestlichen Teil der Stadt in der Nähe der Daugava befindet sich das Schwarzhäupterhaus. Es hat eine ruhmreiche Geschichte vorzuweisen, da es 1334 für die höhere Klasse und Kaufleute errichtet wurde.

Der damals beliebte Treffpunkt für die „Reichen und Schönen“ hat auch heute noch eine große Bedeutung für die Einwohner der Stadt. Was für Rom das Kolosseum ist, ist für Riga das Schwarzhäupterhaus.

Die 3 Brüder

Etwas versteckt im Zentrum der lettischen Hauptstadt liegen Die 3 Brüder. Es handelt sich dabei um drei Häuser, deren Außenfassade unterschiedliche Farben hat.

Während das weiße Haus aus dem 15. Jahrhundert stammt, wurde das gelbe im 16. Jahrhundert erbaut. Im 17. Jahrhundert komplettierte das grüne Haus Die 3 Brüder. Laut Erzählungen wurden alle drei von derselben Familie erbaut.

Neben der Suche der Häuser stellt auch das Fotografieren eine große Herausforderung dar. Zwar grenzen die Bauwerke aneinander, allerdings gibt es kaum Platz um sie im Querformat auf ein Motiv zu bekommen.

Einkaufen auf dem Rigaer Zentralmarkt

In fünf alten, deutschen Zeppelin-Hallen, die direkt hinter dem Bahnhof liegen, findest du den Rigaer Zentralmarkt. Er ist der größte Markt in Europa und es ist nahezu unmöglich sich nicht zu verlaufen.

Zentralmarkt Riga

Tagsüber werden in den Hallen eine Menge regionale Produkte, Obst, Gemüse, Fisch und Blumen zu relativ niedrigen Preisen angeboten. Handeln macht daher keinen Sinn und ist auch nicht erwünscht.

Nach der Dämmerung treiben sich hinter den Markthallen seltsame und stark alkoholisierte Gestalten herum, weshalb du die Gegend abends nicht unbedingt aufsuchen solltest. Schaue lieber morgens direkt in den Hallen vorbei und starte mit einem preiswerten und deftigen Frühstück in den Tag.

Geburtskathedrale

Die Geburtskathedrale befindet sich vor dem Radisson Blu, dessen Skybar ich dir bereits als Aussichtsplattform empfohlen habe. Auf Grund ihrer auffällig goldenen Kuppeln ist die orthodoxe Kirche am Rande eines Parks nur schwer zu übersehen.

Es lohnt sich die Kathedrale von innen zu begutachten. Achte aber darauf, dass du als Mann die Kopfbedeckung abziehst und als Frau eine Kopfbedeckung aufziehst. Tust du dies nicht, dauert es nicht lange, bis dich einer der Gläubigen darauf hinweisen wird.

Freiheitsdenkmal

In einem wunderschönen Park im Zentrum Rigas steht – unübersehbar – das Freiheitsdenkmal. Es steht als Symbol für die Unabhängigkeit nach der Besetzung der Russen und wurde in den Jahren 1931 bis 1935 errichtet.

Freiheitsdenkmal-Lettland

In Gedenken an die Freiheitskämpfer werden vor dem Denkmal, das mit Spenden aus der lettischen Bevölkerung finanziert wurde, regelmäßig Blumenkränze niedergelegt. Das Freiheitsdenkmal ist ein Symbol, das große Bedeutung für die Letten hat, denn sie sind sehr stolz auf ihre Unabhängigkeit.

Stadtteil Pardaugava

Allzu viele Touristen verirren sich nicht in den Stadtteil Pardaugava, der auf der anderen Seite der Daugava liegt. Komisch, denn Pardaugava versprüht einen ganz besonderen Charme.

So findest du im Kalnciems-Viertel zum Beispiel alte Holzhäuser und einige Meter weiter futuristische Bürogebäude wie die erst 2014 fertiggestellte Nationalbibliothek. Ein Stadtteil, in dem der Kontrast zwischen Tradition und Moderne ganz besonders deutlich wird.

Falls du lecker Essen gehen willst, dann nimm einen Happen im Restaurant Fazenda zu dir. Die Speisen sind zwar eher westlich, aber dafür extrem lecker. Hinzu kommt ein ebenso uriges wie hippes Ambiente.

Folkklubs Ala Pagrabs

Geht es um kulinarische Highlights, dann kommst du um das Ala nicht herum. In einem riesigen Gewölbekeller mitten der Altstadt findest du lettische Spezialitäten und eine riesige Auswahl an Bieren aus der Region.

restaurant-ala-riga

Nicht selten kehren die Gäste mit einer gehörigen Knoblauchfahne an die Oberfläche zurück, was nicht zuletzt am leckeren Knoblauchbrot liegt. Eine Portion reicht locker für zwei bis drei Personen.

Das Restaurant ist absoluter Kult, weshalb es trotz der Größe nicht leicht ist, einen Platz zu finden. Spät abends mutiert das Ala zu einer Bar mit Live-Musik. Ein Fleckchen, das du keineswegs bei deinem Besuch in Riga auslassen darfst.

Riga macht Lust auf mehr vom Baltikum

Leider reichte meine Zeit nicht aus, um das gesamte Baltikum auszukundschaften. Riga hat mir mit seinen freundlichen Einwohnern, den urigen Restaurants, dem großartigen Nachtleben und dem osteuropäischen Flair jedoch gezeigt, dass ich wiederkommen muss – und zwar für eine längere Zeit.

Schuld an meiner Begeisterung für Riga hat unter anderem auch Jurmala. Ein Ort mit kilometerlangen Sandstränden, die feiner sind, als an all den Traumständen, an denen ich bisher war. Doch darüber werde ich mich in einem gesonderten Beitrag näher auslassen.

Vielleicht konnte ich dir Lust auf einen Trip nach Riga machen. Oder hast du die Stadt selbst schon unsicher gemacht? Dann gib mir gerne Feedback, welche Eindrücke du von der Hauptstadt Lettlands gesammelt hast.

DuMont direkt Reiseführer Riga: Mit großem Cityplan
  • Jochen Könnecke
  • DUMONT REISEVERLAG
  • Auflage Nr. 1 (02.01.2017)
  • Taschenbuch: 120 Seiten

4 Gedanken zu „Riga: Party, Sightseeing und deftiges Essen in Lettlands Hauptstadt“

    1. Hallo „der Woj“,

      das freut mich sehr. Vielleicht trifft man sich ja demnächst mal in einer anderen osteuropäischen Stadt.

      Gruß, Daniel.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.