Paraty in Brasilien

Paraty und der Ort, an dem alles begann

Sechs Stunden Busfahrt liegen hinter Sebastian und mir. Just in diesem Moment befinden wir uns in der Funzone am Flughafen in Sao Paulo, in der vor gut einem Monat unsere Rucksacktour begonnen hatte und in wenigen Stunden enden wird. Von WM-Fieber ist hier nichts mehr zu spüren.

An Stelle von Fußball-Videos läuft eine Kochsendung und ein Fußballtrikot trägt außer einem müde wirkenden Argentinier auch keiner mehr. Es scheinen alle etwas müde geworden zu sein oder vielleicht auch nur ein bisschen traurig, weil für viele eine ereignisreiche Zeit in Brasilien zu Ende geht, obwohl mit dem Finale das eigentliche Highlight noch bevorsteht.

Kurz vor dem Heimflug
Kurz vor dem Heimflug zurück nach Deutschland

Um die letzten Tage in vollen Zügen zu genießen, zog es uns für die vergangenen beiden Tage nach Paraty. Eine Stadt mit 38.000 Einwohnern, die auf Grund ihrer historischen Altsstadt regelmäßig als Filmkulisse dient, da die kleinen Kolonialhäuser mit ihren verspielten Ornamenten und bunten Ziergittern regelrecht dazu einlädt.

Beim Durchqueren der Altsstadt ist allerdings oberste Vorsicht geboten, da das von Sklaven gelegte Kopfsteinpflaster in den kleinen Gassen äußerst holprig ist und man des Öfteren ins Stolpern gerät. Bei Flut sind manche Gassen zudem schwer zugänglich, da das Fluten früher die Kanalisation ersetzte. Heutzutage ist Paraty aber überaus sauber und ein wahrer Touristenmagnet, auch wenn die Strände direkt vor Ort nicht unbedingt zum Planschen geeignet sind.

Paraty Wahrzeichen
Eines der Wahrzeichen von Paraty

Abends gingen wir in eine der angesagtesten Restaurants, nämlich dem Paraty 33. Hier ist es üblich Eintritt zu zahlen, der auf der Rechnung vermerkt wird. Was das Essen selbst betraf, so bestellten wir uns mit Käse überbackenes Hühnchenfleisch, das üblicherweise mit Pommes Frites und Reis aufgetischt wird. Die Mengen sind dabei übrigens immer sehr üppig.

Parallel zum Gaumenschmaus schauten wir uns das zweite Halbfinale in aller Ruhe an und drückten den Niederländern die Daumen, was aber nicht so recht klappte. Im Anschluss wollten wir eine weitere Bar aufsuchen, da wir den vorletzten Abend und zugleich letzten Abend mit Unterkunft halbwegs ordentlich feiern wollten.

Paraty 33
Abendessen im Restaurant Paraty 33

Als wir auf der Suche nach einer neuen Bar von heftigem Regen überrascht wurden, stellten wir uns unter und warfen uns mit zwei gegenüber stehenden Personen lautstak Ausgehtipps zu. Dass es sich bei den beiden männlichen Feierbiestern um den Deutschen Ulf und den Brasilianer Philippe handelte, mit denen wir am Vorabend auf Ilha Grande den Deutschlandsieg gefeiert hatten, bemerkten wir erst einige Minuten später.

Mit beiden zogen wir um die Häuser, wobei uns Philippe in die brasilianische Trinkkultur einweihte. Nicht nur, dass wir eine spontane Cachaça-Probe machten. Uns wurde auch gelehrt, dass Männer in Brasilien ihren Caipirinha nicht durch den Strohhalm trinken, da man sonst in höheren Kreisen oftmals als weiblich oder auch homosexuell verschrien wird. Der Trinkhalm sollte lediglich zum Umrühren genutzt werden.

Gegen Ende des Abends ging es für unser Quartett noch auf eine inoffizielle Feier, bei welcher Gringos, also wir weißen Deutschen anfangs nicht unbedingt erwünscht waren. Dies änderte sich nach kurzer Zeit jedoch schlagartig dahingehend, dass wir gar zum Probieren verschiedener Bohnengerichte eingeladen wurden. Ein schönes Gefühl fernab des Tourismus dabei sein zu dürfen.

historische Altstadt Paraty
Die historische Altstadt von Paraty am Abend

Da wir gestern seltsamerweise etwas zu lange geschlafen hatten und das scheinbar vorzügliche Frühstück verpassten, beschlossen wir mittags nach einer ausgiebigen Havaianas-Shoppingtour zum Abschied eines der beliebten Buffet-Restaurants zu besuchen. Dass wir dann abends vor der Busfahrt unser drittes Abschiedsessen während unseres Aufenthaltes in Paraty haben würden, überraschte uns selbst. Wahrscheinlich werden wir uns in wenigen Stunden nochmals zu einem weiteren Abschiedsessen am Flughafen zu Tisch begeben. Man gönnt sich ja sonst nichts.

Fleischplatte Choperia
Fleischplatte in der Choperia

Alles in allem waren die vergangenen Wochen einfach nur klasse, was nicht zuletzt an meinen beiden Gefährten Sebastian und André sowie der Gastfreundlichkeit der Brasilianer lag, sondern sicherlich auch am Abschneiden unseres DFB-Teams. Jetzt müssen wir am Samstag nur noch den Pokal holen.

Bei diesem Vorhaben werden uns die Brasilianer vor Ort definitiv unterstützen, wie auch folgender Auszug aus einer Mail, die mich heute Morgen von Pedro aus Rio de Janeiro erreicht hat, verdeutlicht und die Nächstenliebe zwischen Argentiniern und Brasilianern zum besten gibt:

“Yes man!!! I will do a party if you win!!! I hate Argentina!!!“

Ich freue mich auf alle Fälle darauf, das Endspiel mit einigen von Euch in der Heimat schauen zu dürfen. Jetzt ist es aber erstmal an der Zeit einzuchecken. Brasilien, es war wunderbar bei dir. Até breve!

10 Gedanken zu „Paraty und der Ort, an dem alles begann“

  1. Hallo ihr beiden,
    sehr gerne haben wir Euch begleitet und neugierig auf jeden neuen Blog gewartet.
    Durch Euch waren wir doch etwas näher am Geschehen, was sehr interressant und informativ war.
    Wie werdet ihr die nächsten Wochen ohne Caipirina überstehen?????????

    1. @dreistelz: Freut uns natürlich, dass wir Euch die WM etwas näher bringen konnten. Dadurch, dass wir jeweils eine Fleische Zuckerrohrschnaps importieren durften, ist der Bedarf an Caipirinhas zumindest für die nächsten Tage gedeckt. Wie es danach weiter geht, ist uns selbst noch ein Rätsel. 😉

  2. Och schon vorbei – schade 🙁 Hat viel Spaß gemacht deine Berichte zu lesen und mich dabei auch wieder an einiges von meiner Reise zu erinnern. Freu mich schon auf die weiteren Erzählungen. Guten Flug und viel Spaß beim Feiern am Sonntag! Ich flieg am Sa nach Barcelona und bin gespannt, wem die Spanier die Daumen drücken 😀 Lg

    1. @Nette: Die fast 4,5 Wochen gingen tatsächlich ratzfatz vorbei. Es ist gerade auch etwas surreal zu Hause zu sitzen und die Bilder von der WM zu sehen, wo man bis gestern selbst noch live dabei war. Wünsche dir viel Spaß in Barcelona und hoffe, dass du dort gemeinsam mit den Spaniern unseren Titel feiern darfst. Wir tauschen uns demnächst auf alle Fälle mal aus. Ein Treffen in diesem Jahr steht ja sowieso noch an.

      1. Yep machen wir, meld mich sobald ich zurück bin! Gutes Ankommen und es ist bestimmt viel besser den Titel im eigenen Land zu feiern, auch was die Stimmung und das Gefühl betrifft. Ich werde mich morgen vermutlich in einen deutschen Pub begeben mit dem Namen „Devil Kitchen“ – ob das was wird 😀 Bis bald in good old Germany

  3. Das liest sich nach einer sehr spannenden WM-Reise nach Brasilien. Ich bin ja nicht so der Fußball-Fan, aber auch an mir ging das Spektakel nicht vorbei. Ich glaube, wenn ich mitten drin wäre, würde mich die Stimmung auch einfach mitreißen. Tolle Erlebnisse! 🙂

    1. @Andersreisender: War auf alle Fälle eine tolle Erfahrung und ich denke, dass die Stimmung in Brasilien auch einen Nicht-Fußballfan schnell in ihren Bann gezogen hätte. Brasilien selbst ist natürlich auch wunderschön, allerdings braucht man weitaus mehr als einen Monat, um sich die schönsten Orte anzuschauen.

      Viele Grüße aus dem Schwarzwald,
      Daniel.

      1. Stimmt – das Land ist riesig! Da braucht’s viel mehr Zeit zum Entdecken. Ich finde es bei meinen Reisen auch immer schön wenn ich weiß, es gibt im Reiseland noch mehr zu entdecken. Dann freue ich mich auf einen zweiten Besuch. 🙂

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