Mosambik – Armut, Korruption und Traumstrände

Wie die meisten Tage verbrachten wir auch den vergangenen Samstagmorgen in einem Fortbewegungsmittel, diesmal einem Minibus, der uns von Nelspruit nach Maputo, Mosambiks Hauptstadt, befördern sollte.

Der Kleinbus inklusive Anhänger hatte nicht nur 15 Leute an Board, sondern fuhr auch noch mit 120 km/h im Schnitt, was Thomas und mir nicht gerade das sicherste Gefühl gab. Dennoch brachte uns unser Fahrer nach zweistündigem Aufenthalt an der Grenze an unser Ziel, auch wenn in Mosambik der ein oder andere Polizist bestochen werden musste, um uns weiterfahren zu lassen.

Maputo selbst sah beim ersten Anblick nicht sehr schön aus. Alte heruntergekommene Häuser, jede Menge Menschen sowie Stress und Chaos überall. Selbst in dem wohl reichsten Ort des Landes deutete sich bereits an, dass Mosambik zu einem der ärmsten Länder dieser Welt zählt.

Im Vorhinein hatte ich auch gelesen, dass man sich von der Polizei fernhalten sollte, da sie die Bad Guys sind und nur allzu gerne Touristen auf offener Straße abzocken. Auch Gepäck wird desöfteren durchsucht und wenn den Herren etwas gefällt, dann wird es meist nicht mehr an den eigentlichen Eigentümer ausgehändigt. Fußballtrikots scheinen hier besonders beliebt zu sein.

Beim ersten Gang zum Abendessen pfiff auch gleich ein Polizist nach uns und gab Zeichen, zu ihm über die Straße zu kommen. Er frage nach unseren Pässen, die wir aufgrund sinnvoller Vorabinformationen auch brav dabei hatten. Hätten wir sie nicht bei uns gehabt, dann wären wir eventuell kurzfristig im Gefängnis gelandet oder hätten einen hohen Betrag zahlen müssen. Manchmal werden Pässe, falls vorhanden, auch einfach behalten und müssen zurück gekauft werden. Schon ein gutes Druckmittel, da man ohne Pass im Ausland mehr als aufgeschmissen ist. Wir hatten aber Glück – diesmal zumindest!

Sonntags ging es dann ins knapp 600 Kilometer entfernte Praia de Tofo (Tofo Beach). Die Fahrt selbst war schon ein Erlebnis an sich, denn acht Stunden in einem vollgequetschten Kleinbus zu sitzen mit nur einer Pinkelpause waren nicht ohne. Zudem stillte meine kräftige Sitznachbarin ab und an ihr schreiendes Baby, was mich schon etwas peinlich berührte.

Die neue Woche begann schließlich mit einer Ozean-Safari, genauer gesagt einer Schnorcheltour, bei der es darum ging, so viele Walhaie wie nur möglich zu sichten. Dies sind die größten Fische und können bis zu 20 Meter lang werden. Insgesamt sahen wir fünf der Ungetüme und schwammen bis zu einem Meter neben ihnen. Es war einfach unbeschreiblich die Haie von so nah zu beobachten. Randnotiz: Zwei von acht Teilnehmer mussten sich aufgrund der rasanten Bootsfahrt und des Wellenganges auch übergeben. Ich war nicht dabei.

Um auch nachmittags aktiv zu bleiben, schnappte ich mir zusammen mit einem Israeli jeweils ein Surfboard, um den heißen Frühlingstag im wunderschönen Mosambik gebührend abzuschließen. So gute Wellen wie in Durban gibt es in Praia de Tofo aber leider doch nicht.

Obwohl ich mir eigentlich vorgenommen hatte, nach mehr als zwei Jahren Abstinenz wieder einmal tauchen zu gehen, änderte ich meine Pläne, da mich das Schnorcheln mit den Walhaien am Vortag vollends befriedigt hatte. Stattdessen stand ein langer Strandlauf, die Besichtigung eines mosambikanischen Marktes und Faulenzen am Praia de Tofo auf dem Programm.

Abgerundet wurde der Tag erneut mit einer Surfeinheit, wobei ich einen der schönsten Momente meines Lebens genoss. Die guten Wellen des Indischen Ozeans blieben erneut aus, sodass ich die meiste Zeit auf dem Brett im offenen Meer saß und mir Gedanken über die vergangenen sechs Monate machte, was irgendwie wunderschön war, denn mit meiner Afrika-Tour hatte ich mir ein Lebensziel erfüllt und auch erfolgreich abgeschlossen. In Gedanken versunken konnte ich außerdem einen traumhaften Sonnenuntergang mit Blick auf den endlosen Strand Mosambiks genießen, bevor ich vor Einbruch der Dunkelheit wieder zurück zum Ufer paddelte und das vorerst letzte Mal mit dem Surfboard unterm Arm am Strand entlang lief. Sehr intensive Momente…

In Tofo Beach selbst haben Thomas und ich auch einige Deutsche kennen gelernt. Zwei davon waren Aussteiger, die vor einigen Jahren unabhängig voneinander nach Mosambik übergesiedelt sind – Mucki (Unternehmer) und Gudrun (InternetCafe-Besitzerin). Ein durchgehendes Lächeln auf den Lippen und eine untypisch deutsche Ausgeglichenheit bestätigten mir, dass ihnen die frühere portugiesische Kolonie mehr als gut tut.

Selber Busfahrer und Bus, aber keine stillende Mutter neben mir. Die achtstündige Fahrt zurück nach Maputo begann diesmal bereits um vier Uhr morgens, endete allerdings frühzeitig, sodass Thomas und ich nochmals durch die Stadt schlendern konnten. Die Menschen in Mosambik sind unheimlich nett und suchen Gespräche mit Touristen, auch wenn diese aufgrund fehlender Portugiesischkenntnisse alles andere als leicht waren.

Die Bösen sind aber weiterhin die Polizisten, die uns auf dem Weg vom Abendessen zurück zum Hostel stoppten, Pässe kontrollierten und uns um Geld für Essen fragten. Thomas hatte zwar Brot dabei, doch dieses lehnten die Beamten ab, da ihnen Geld lieber wäre. So kam es, dass wir nicht weitergehen durften, bevor ihr ihnen 100 Meticais (ca. 2 Euro) in die Hände drückten.

Mosambik wird mir als ein Land in Erinnerung bleiben, das genauso schön wie arm ist und in welchem Korruption ganz oben steht, was dazu führt, dass das Land noch eine ganze Weile nicht funktionieren wird. Leider habe ich wegen fehlender Zeit nur die reicheren Gegenden besuchen können, allerdings würde ich gerne nochmals zurück kommen, um mir das wahre Mosambik anzuschauen, fernab des Mainstreams und öffentlichem Nahverkehr.

Tja, und ich bin mittlerweile wieder in Deutschland angekommen. Ein erlebnisreiches halbes Jahr in Südafrika ist wie im Flug vergangen. Symptomatisch für meinen Aufenthalt war auch, dass ich kurz vor meinem Abflug noch die südafrikanische Nationalmannschaft am Flughafen in Johannesburg beim Einchecken getroffen habe. Ein faszinierendes Land mit tollen Leuten. Ich komme wieder, irgendwann.