Südafrika 2010: Statistiken, Fotos und Nachbericht

Seit anderthalb Wochen befinde ich mich wieder auf deutschem Boden und irgendwie kommt mir mein Aufenthalt in Südafrika auch schon wieder so vor, als ob ich mich bereits seit Monaten in Deutschland befinde. Die wunderschönen vergangenen sechs Monate werde ich aber mit Sicherheit nicht vergessen.

Neben dem Arbeiten mit Africaid´s WhizzKids United in den Townships rund um Durban und Rustenburg, dem Leben am Indischen Ozean und einer atemberaubenden Fußball Weltmeisterschaft waren auch die beiden Rucksacktouren entlang der Garden Route sowie in Swasiland und Mosambik absolute Highlights und eine riesen Erfahrung. Die gesamten Blogeinträge über meinen Aufenthalt in einem der schönsten Länder dieser Welt könnt Ihr unter der Rubrik Südafrika 2010 detailliert nachlesen.

Da ich schon immer ein absoluter Fan von Statistiken war, möchte ich Euch diese nicht vorenthalten. Vom 10. April bis zum heutigen Eintrag verirrten sich 1.885 Besucher auf meinem Reiseblog. Diese wiederum griffen 6.230 mal auf diverse Beiträge zu, was einen Schnitt von 3,31 Seitenbesucher pro Leser macht. Die durchschnittliche Besuchszeit meiner Leser war 2:46 Minuten. Statistiken, mit denen ich durchaus zufrieden bin.

Die fünf Beiträge, die den meisten Anklang (= Zugriffe) fanden, waren folgende:

  • Kaká im Nacken bei Portugal gegen Brasilien (106)
  • Die ersten Eindrücke von Durban (40)
  • Ein Wochenende in Durban ohne Meer (40)
  • Argentinien, Einkaufen und Surfen (40)
  • Kleine Kinder, Geburtstag und meine Kochkünste (33)

Selbstverständlich könnte ich jetzt noch jede Menge anderer Statistiken auflisten, allerdings bin ich Euch auch noch zwei Fotoalben (Krüger & Swasiland, Mosambik) schuldig, die Ihr in der Rubrik Fotos findet und welche sicherlich interessanter sind als irgendwelche Zahlen.

Das Kapitel Südafrika ist hiermit endgültig abgeschlossen, zumindest für dieses Jahr. Lassen wir uns also mal überraschen, was der nächste längere Trip sein wird. Für Vorschläge bin ich immer offen.

Der letzte Trip in Afrika steht kurz bevor

Knapp sechs Monate sind nun vergangen seitdem ich Mitte April in Frankfurt in den Flieger gestiegen bin und ich habe seit dieser Zeit soviel erlebt und gelernt, dass man nicht alles in Worte fassen kann. Neben meinem neuen Spitznamen „Schneeebs“, einem Vergleich mit dem Comedian Will Ferrell (oder seit meinem kleinen Surfunfall auch Harry Potter) und dem Fahren auf der linken Straßenseite, hat sich aber auch meine Abneigung gegenüber Käse, Erdnussbutter und Kaffee drastisch geändert.

Natürlich ist man alles in allem auch etwas fauler, oder sagen wir lieber bequemer, geworden. Dies hängt damit zusammen, dass man dank einer Hausfrau so gut wie gar nichts im Haushalt machen muss, beim Tanken nicht mal zum Bezahlen aus dem Auto steigen muss und auch beim Einkaufen die Tüte gepackt bekommt. Einfach herrlich hier in Durban zu leben.

Selbstverständlich musste an meinem letzten Wochenende in KwaZulu-Natal nochmal ordentlich gefeiert werden. Umso besser, dass der Freitag ein Feiertag (Heritage Day) war und somit ein weiterer Tag frei war. Deswegen ging es zusammen mit meinem Chef, einem seiner Freunde, Fabian und mir wie fast immer in unsere Stammkneipe zum Pool spielen.

Dabei blieb es aber nicht, denn wenig später waren Fabian, Marcus und ich auf der Ladefläche eines Pick-ups zu finden. Dazu muss ich sagen, dass in Südafrika zwar Anschnallpflicht herrscht, aber niemand etwas dagegen sagt, wenn Leute während der Fahrt auf der Ladefläche sitzen. Muss man sicher nicht verstehen. Das Ziel war auf jeden Fall „Cool Runnings“, eine lustige jamaikanisch aufgemachte Kneipe in Durbans Innenstadt.

Hier traf man sehr lustige Gestalten, die ausgiebig feierten, ihre Hüften schwangen oder in einem großen Kreis auf afrikanischen Trommeln ihr bestes gaben. Einige Minuten später saßen wir dann selbst mit einer Trommel bewaffnet im Kreis und schlugen wie wild auf die afrikanischen Musikinstrumente. Sicherlich trugen wir auch dazu bei, dass der bis dahin einheitliche Klang etwas außer Takt geriet, aber egal. Spaß hat es trotzdem gemacht.

Nachdem der Feiertag zu Hause verbracht wurde, ging es am Samstag zu den SATMA Awards, die für South African Traditional Music Awards stehen. Hier waren sämtliche nicht-englischsprachige Musiker zu Gast, die in ihrer Sprache ihr bestes gaben und dafür geehrt wurden. Aufgemacht wurde das Ganze wie eine Oscar-Veranstaltung und war mit 220 Rand auch nicht gerade günstig. Dafür durfte ich mir aber traditionelle Musik in den Sprachen Xhosa, Zulu, Afrikaans usw. anhören, was unter kulturell besonders wertvoll einzuordnen ist.

Den stolzen Eintrittspreis rechtfertigte außerdem der Besuch des südafrikanischen Präsidenten Jacob Zuma, der als Ehrengast zur Veranstaltung eingeladen wurde und auch eine Nominierung verlas sowie eine kurze Rede über Südafrika hielt („my culture, my language, one country“). Zudem brachte er seine vier Ehefrauen mit auf die Veranstaltung, von denen ebenfalls jede einen Gewinner preisgab. Seine insgesamt 21 Kinder ließ Zuma jedoch zu Hause, was auf Grund der Anfahrtskosten sicherlich auch das Budget der Veranstalter gesprengt hätte.

Am Sonntag ging es dann wie eigentlich jedes meiner vergangenen Wochenenden an den Strand, um einfach nur zu relaxen und Sommer, Sonne und Strand zu genießen. Abends war ich dann wiedermal an der Reihe zu kochen und ich machte meinen Mitbewohnern ein besonderes Geschenk. Nicht das Essen selbst war die besondere Überraschung, sondern vielmehr die Tatsache, dass es keinem von uns danach wirklich gut ging. Mein letztes Essen wird also sicherlich noch eine Weile in Erinnerung bleiben.

Für WhizzKids United gab es dann heute auch wieder Nachschub, denn ein neuer Praktikant aus Amerika, der in Lesotho geboren wurde und eigentlich Waliser ist, kam in Durban an. Meine Aufgabe war deshalb ihm einige Sachen in Durban zu zeigen, was ich natürlich gerne gemachte habe. Frei nach dem Motto „Der Eine kommt, der Andere geht!“

Nach einem Strandspaziergang entdeckte ich an der Windschutzscheibe unseres Bakkies einen weniger schönen Strafzettel in Höhe von 300 Rand (= 32 Euro). Der Grund war, dass ich auf einem Parkplatz für Taxis geparkt hatte, was mich schon ziemlich genervt hat. Da darf man in Südafrika nahezu alles und dann bekommt man einen Strafzettel wegen solch einer mickrigen Sache.

Morgen werde ich dann das letzte Mal an meinem Schreibtisch sitzen, was schon sehr schade ist, aber ich freue mich auch auf meinen kommenden Trip in den Norden. Am Mittwoch fliege ich nach Johannesburg, von wo aus ich mit Thomas per Mietwagen auf Safari in den Krüger Nationalpark gehe, anschließend Swasiland unsicher mache und zum Schluss mit dem Bus oder sonstigen öffentlichen Verkehrsmittel nach Mosambik fahre. Was dort geschieht weiß ich noch nicht, allerdings habe ich mir noch einmal vorgenommen, meine Fähigkeiten auf dem Surfbrett zu testen und seit langem mal wieder tauchen zu gehen.

Das ist dann also mein letzter Eintrag aus Durban. Einen Rückblick auf die Safari und die Rucksacktour in Mosambik gibt es dann wahrscheinlich erst wieder aus Deutschland. „Ich bin dann mal weg!“

Gruß aus Afrika, Daniel.

Amazulu FC, Fußballturniere und der nahende Abschied

Heute in einer Woche werde ich Durban nach einem halben Jahr wieder verlassen und nach Johannesburg fliegen von wo aus ich dann nochmal für neun Tage in meinen abschließenden Urlaub starten werde. Natürlich wird bis dahin noch jede Minute in der zweitgrößten Stadt Südafrikas genossen.

Am vergangenen Wochenende ging es deshalb zum Essenwood Market, der nicht weit von unserem Haus entfernt ist, um die ersten Erinnerungsstücke an meinen Afrika-Trip zu kaufen. Vor allem die tollen Panoramabilder und Holzmasken haben es mir angetan, allerdings werde ich davon kaum etwas mitnehmen können, da mein Rucksack sowieso schon vollgestopft sein wird. Deswegen habe ich mich eher auf die kleineren Sachen beschränkt.

Natürlich wurde das schöne Frühlingswetter im Anschluss, wie fast jedes Wochenende, am Strand mit Rumliegen oder Surfen verbracht. In Sachen Surfen bin ich meist der schlechteste, der sich ins kühle Nass wagt, aber Übung macht den Meister und Wellenreiten ist zum Beispiel im Vergleich zum Snowboarden um einiges schwer. Schließlich bewegt sich nicht nur das Brett, sondern auch noch der Untergrund.

Samstags traf ich mich dann noch mit Fabian und seiner Freundin Gabrielle. Für Fabian war es das letzte Wochenende in Durban, bevor es auch für ihn im Oktober wieder nach Hause geht. Deswegen war es natürlich Pflicht für uns am letzten gemeinsamen Samstag die beiden beliebten Treffpunkte der Stadt „Joe Cool´s“ und „Vacca Matta“ mitzunehmen.

Da Fabian und ich mittlerweile auch im stolzen Besitz jeweils eines Amazulu FC Trikots mit dem tollen Sponsor Spar sind, ließen wir uns das Heimspiel der Kicker im Moses-Mabhida-Stadion natürlich nicht entgehen. Wie auch schon vor zwei Wochen gab es beim Erstligaspiel deutsche Beteiligung, da Rainer Zobel der aktuelle Trainer der Morrokah Swallows ist. Auch der ehemalige Bundesliga-Spieler Thomas Cichon steht bei der Mannschaft unter Vertrag, war aber scheinbar verletzt und deshalb nicht im Kader beim hart umkämpften 2:2-Untentschieden.

In Sachen Praktikum habe ich mit einem unserer World Cup Turniere, die wir regelmäßig für die Kids organisieren, auch mein letztes Projekt für WhizzKids United beendet. Hier hatten wir mit Roger Palmgren unter anderem den aktuellen Sportdirektor von Amazulu FC an Board, was mich als Turnierleiter natürlich sehr freute, auch wenn ich nicht derjenige war, der den Kontakt hergestellt hatte. Er hatte in der Vergangenheit auch die ein oder andere afrikanische Nationalmannschaft trainiert und musste am Ende jede Menge Autogramme geben. Ich übrigens auch, obwohl bei mir noch unklar ist, weswegen ich berühmt bin.

Insgesamt hatte ich nun also während meiner Zeit mehr als zehn Turniere innerhalb Südafrika mit organisiert, bei denen mehr als 2.000 Kinder insgesamt teilnahmen. Besonders beim letzten Turnier, welches auf dem Fußballplatz unseres Büros stattfand, freute mich natürlich, als mich einige der Kinder mit „Auf Wiedersehen“ verabschiedeten. Vor zwei Wochen hatte ich den Kindern während des Trainings ein paar deutsche, thailändische und japanische Wörter beigebracht, auch wenn ein wirklicher Wortschatz bei den letztgenannten nicht wirklich vorhanden ist. Gemerkt haben es sich die Kids aber trotzdem.

Irgendwie sind die letzten Tage in Durban genauso wie die ersten Tage nach meiner Ankunft, nur dass ich keine sechs Monate Aufenthalt mehr vor mir habe. So war ich auch seit langem wieder einmal mit meinem Chef Marcus in unserer Stammkneipe, um ein bisschen Pool zu spielen. Der Grund dafür war, dass wir zu faul waren zu kochen und uns deshalb entschlossen hatten, ein Schnitzel in der Stammkneipe zu genehmigen. Wie ich das mit dem Schnitzel meine, weiß der ein oder andere sicherlich.

Gruß aus Durban, Daniel.

Eingelebt und schon muss man wieder weg

Seit einer Woche bin ich endlich kein illegaler Einwanderer mehr, denn drei Monate nach der Beantragung habe ich endlich meinen Stempel bekommen, dass ich mich ganz offiziell bis zum 8. Oktober in Südafrika aufhalten darf. Natürlich ist die Verspätung nicht wirklich die Schuld der Behörden, sondern meine eigene, da ich schlichtweg zu faul war, mir den Stempel abzuholen.

Da sich nicht nur mein Aufenthalt in Durban, sondern auch das Praktikum mit WhizzKids United dem Ende entgegen neigt, sind auch die meisten Projekte, mit denen ich zu tun hatte, abgeschlossen. Deswegen bin ich halbwegs vom Marketing- ins Programmteam gewechselt, wo ich die letzten Tage noch als Life Skills Trainer aushelfen werde.

Das bedeutet dann, dass ich sowohl nette als auch freche Kids aus Durban unter meine Obhut nehme, um sie anhand ein paar theoretischer und praktischer Übungen auf die Gefahren von AIDS aufmerksam zu machen. Das ist dann auch mal eine ganz angenehme Abwechslung zur Büroarbeit, auch wenn drei Stunden Training ziemlich anstrengend sein können. Vor allem im Vergleich zu den Kindern aus den Townships merkt man schnell, dass die besser gestellten Schüler aus Durban doch um einiges verwöhnter und schwerer zu beeindrucken zu sind.

 Fußballerisch läuft es auch bei unserer Montagsliga weiterhin sehr gut. Ich kann mich noch an einen meiner ersten Blogeinträge erinnern, in dem ich schrieb, dass die Südafrikaner ziemlich hart zur Sache gehen. Mittlerweile scheine ich mich auch in dieser Sache angepasst zu haben, was ich daran merke, dass mir jede Woche neue weniger schöne Wörter ins Ohr geflüstert werden. Von 13 Mannschaften sind wir mittlerweile Dritter und obwohl es nur noch vier Saisonspiele sind, werde ich die letzten beiden wohl nicht mehr mitnehmen können.

Auch die Streiks in Südafrika sind nach mehreren Wochen so gut wie vorbei und es wird wieder überall fleißig gearbeitet. Besonders lustig sind auch immer die Nachrichtenberichte über die Streiks gewesen, da die Menschenmassen hier nicht laut protestierend auf die Straße gehen, sondern einfach nur singen und tanzen. Es sieht also mehr wie eine Tanzveranstaltung als ein Protestmarsch aus. Trotz dieser fröhlichen Versammlungen mussten aber dennoch viele Menschen ihr Leben lassen, da in einigen Krankenhäusern keine Arbeitskräfte zur Verfügung standen, welche für die Versorgung der Kranken zuständig waren.

Am vergangenen Samstag war ausnahmsweise mal schlechtes Wetter, sodass es Fabian und mich auf einen südafrikanischen Markt verschlug, bevor wir uns im größten Kaufhaus Südafrikas namens „Gateway“ die Zeit vertrieben. Das geht in einem Kaufhaus mit einem Fußballplatz, GoKart-Bahn, Minigolfplatz, Kino und jeder Menge Geschäfte eigentlich auch ganz gut.

Natürlich kam auch das Spitzenspiel der Bundesliga der Bayern gegen Schalke nicht kurz. Das Fernsehen in Südafrika (DSTV) ist schon wirklich unschlagbar. Bei circa 300 Sendern fällt es nicht gerade leicht das passende Programm zu finden und sollte man vor allem in Sachen Fußball mal eine Szene übersehen haben, dann kann man immer noch zurück spulen. Erstaunlich auch wie hoch die Bundesliga hier im Kurs steht, insbesondere die deutschen Spieler. So gibt es mittlerweile sogar eine Werbung, die sich ausschließlich um den Bayern-Jungstar Thomas Müller dreht und mit ihm für die Bundesliga geworben wird. Besonders beliebt bei den Südafrikanern sind auch Schweinsteiger, Klose und Podolski.

Sonntags war das Wetter wieder um einiges besser, was uns dazu veranlasste nach Umdloti zu fahren, einem ungefähr 25 km von Durban entfernten Strand, um dort die Seele etwas baumeln zu lassen, Fußball im Sand zu spielen, sich von den Wellen durchschleudern zu lassen und sich somit ein kostenloses Peeling abzuholen, indem man durch die Wucht der Wellen auf dem Sand entlang geschoben wurde.

In dieser Woche stand dann auch der erste Abschied bevor, denn mein Mitbewohner Stefan ist zum Urlaub machen für zwei Wochen nach Deutschland geflogen. Ihm habe ich mehr oder weniger auch das Praktikum zu verdanken, weswegen ich ihn selbstverständlich auch zum Flughafen gefahren hatte, was ich auf der Rückfahrt anschließend noch mit einem entspannenden Sonnenuntergang am Strand sitzend verbunden hatte. So lässt es sich leben.

Ich werde mich die nächsten Tage dann mal weiter meinen Planungen für Mosambik widmen, die letzten beiden Wochenenden hier in Durban genießen und mich so langsam wieder auf Deutschland vorbereiten, schließlich heißt es in drei Wochen: „Welcome on board of Qatar Airines!“

Alltag in der südafrikanischen Metropole Durban

Mit dem 1. September bricht in Südafrika auch der Frühling an. Das bedeutet, dass es nur noch wenige Wochen bis zum Beginn der heißen schwülen Monate und somit auch der Regenzeit dauert. Für mich ist es auch das erste Mal, dass ich innerhalb eines Jahres meinen zweiten Frühling erlebe. Was für ein tolles Wortspiel.

Zusammen mit meinem Mitarbeiter und dem ehemaligen Fußballprofi Paul machte ich mich vergangenen Mittwoch um sechs Uhr morgens wieder einmal auf zum Surfen. Der Sonnenaufgang, das milde Wetter und der Salzgeruch haben schon etwas Besonderes. Auch die Wellen sind früh morgens meist besser als am Nachmittag, weshalb sich viele Durbaner vor der Arbeit noch schnell in den Indischen Ozean werfen, um ihr tägliches Sportprogramm abzurufen.

Ich hatte diesmal das ältere Board von Paul, was ihm aufgrund seiner Körpergröße und seines Könnens zu groß und mir definitiv zu klein ist. Hinzu kamen die Wellen, die laut Internet gute zwei Meter maßen und auch eine ordentliche Wucht hatten. Die Pros sah man ab und an unter den gebrochen Wellen hindurch surfen, während ich erneut fix und fertig in Richtung offenes Meer hinaus paddelte, um meinen nächsten Versuch zu starten.

An diesem Tag blieb ich auch absolut erfolglos und schaffte es bei meinen insgesamt drei genommenen und bisher größten Wellen nicht wirklich aufzustehen, da mir das Board einfach zu schnell war. Bei meiner letzten Welle und einem ordentlichen „Waschgang“ klopfte mein Surfbrett auch kurz mal an meiner Stirn an, was einen kleinen Riss an der Stirn zur Folge hatte und mir zumindest kurzfristig den Spitznamen Harry Potter verschaffte.

Das Wochenende bestand zu einem Teil aus Arbeit, da wir von WhizzKids United einen Stand auf einer Messe hatten, der natürlich betreut werden musste und wir dadurch ein paar Spenden generieren und Sponsoren finden wollten, was uns eigentlich auch ganz gut gelang. Ein wirklicher Fan von Messen werde ich allerdings wohl nie werden.

Den Samstag hatte ich mir aber dennoch frei genommen, da es mein wöchentlicher Strand-Abhäng-Tag war. Natürlich lieh ich mir zusammen mit Thomas auch wieder Surfboards aus. Diesmal: Kleine Wellen + großes Surfboard+ keine gebrochenen Wellen = Läuft!!!

Als wir die knapp fünf Kilometer quer durch die Innenstadt zurück nach Hause liefen, wobei man übrigens meist der einzige Weiße weit und breit ist, stoppten wir noch an einem Laden, um uns in der hintersten Ecke ein Bunny Chow zu gönnen, was auf Grund der Schärfe durch den gesamten Körper brannte. Aber so soll es ja auch sein.

Zum Ausklang des Abends ging es noch ins nahe von unserem Haus gelegene Jack Rabbits, um unser Teilzeit-Heimatland aus Südafrika beim Fußball zu unterstützen. Natürlich gewannen sie auch gegen die Fußballmacht aus Niger und machten aus zehn hochkarätigen Torchancen immerhin zwei Tore, was für südafrikanische Verhältnisse fast schon überragend ist.

Sonntags ging es erneut auf die Messe zum Arbeiten, bevor Fabian wegen seines gestrigen Geburtstags zum Braai einlud. Da ich der Grillmeister war, versaute ich auch gleich ein komplettes Huhn, der Rest war aber absolute Spitze und natürlich musste auch wieder alles so scharf wie möglich sein. Nach dem Essen packte Fabian das Kinderspiel Looping Louie aus. Dass man dies auch in Erwachsenenform spielen kann, weiß sicherlich der ein oder andere. Ich sag dazu nur, dass ich nicht allzu erfolgreich war und nach einigen Runden sowie einem darauffolgenden Besuch in einer Billard-Kneipe froh war zu Hause zu sein.

Wie jeden Montag waren wieder die „Rollers“ im Vordergrund, denn ein Spiel unserer wöchentlichen Fußballliga stand auf dem Programm, welches wir auch souverän gewannen. An meinen kaputten Fußballschuhen erkennt man mittlerweile auch, dass sich meine Zeit in Südafrika in viel zu schnellen Schritten dem Ende entgegen neigt.

In drei Wochen werde ich Durban verlassen, um anschließend meinen letzten Trip zu machen, der mich hoffentlich mit zwei weiteren Deutschen nach Mosambik führt. Dies hängt allerdings davon ab, ob die momentanen Aufstände aufgrund einer Preiserhöhung der Nahrungsmittel bis dahin nachlassen oder nicht. Warten wir mal ab, was passiert.

Gruß aus dem Süden, Daniel.

60 Meter freier Fall, gebrochene Finnen und Amazulu

Seit meinem Trip mit Matthias und Monique vor drei Wochen habe ich es oft bereut, dass ich mir damals den Bungee Jumping Sprung von der Bloukrans Bridge nicht zugetraut hatte. Schließlich wollte ich während meines Südafrika-Trips auch mal etwas Ungewöhnliches machen, aber die 216 Meter waren mir dann doch zu krass.

Eine Nummer kleiner als der Sprung von der 216 Meter hohen Bloukrans Bridge gibt es auch hier in Durban. Und zwar wird das Moses-Mabhida-Stadion, das eine Gesamthöhe von 104 Metern hat, als eine Art neues Funsportzentrum genutzt, da man sich von einer Plattform auf dem Stadionbogen direkt in die Tiefe stürzen kann.

Da ich und meine deutschen Wochenendfreunde schon länger von dieser Aktivität wussten, beschlossen wir uns abends in der Dunkelheit ebenfalls von der Plattform zu stürzen, auch wenn mein Chef in der Nacht zuvor geträumt hatte, wir würden alle drauf gehen.

Auf dem Stadion gibt es allerdings nicht die Möglichkeit einen normalen Bungee-Sprung zu machen, sondern sich den Adrenalinrausch in Form einen Swings, also einer 220 Meter weiten Riesenschaukel, zu holen. Bevor man jedoch wirklich schaukelt und über das Spielfeld schwebt, steht einem erst einmal ein 60 Meter freier Fall bevor, was auch ganz ordentlich ist.

Von der gesamten Prozedur war sicherlich der Aufstieg am Bogen entlang am Schlimmsten, da mit jeder einzelnen Treppenstufe der Adrenalinspiegel enorm stieg und einem bewusste wurde, wie hoch man eigentlich über der Stadt war. Ich hatte als erster von uns die Ehre zu springen und war deshalb auch gleich auf der Plattform wieder zu finden. Der Blick von knapp 100 Meter in die Tiefe auf die beleuchteten Sitze und das Spielfeld waren einfach grandios, aber genießen konnte ich den Anblick nicht wirklich, noch nicht.

„3—2—1—Ahhhhhh!“ Der Absprung war einfach nur krass und der freie Fall unbeschreiblich. Im Anschluss flog man über das komplette Spielfeld und hatte alle 70.000 Sitzplätze um sich herum.Mit dem Seil wurde man schließlich wieder nach oben gezogen. Als man dann über das Stadiondach hinaus war, konnte man das erste Mal wirklich die Aussicht genießen. Die Skyline und das sonstige Lichtermeer sahen einfach unbeschreiblich aus.

Während ich wenig später wieder entsichert wurde hatte ich im Gegensatz zu meinen drei Nachfolgern ein tierisches Grinsen auf dem Gesicht. Ich war schließlich schon durch und im Nachhinein kann ich nur betonen, das es absolut spitze war. Die anderen drei schlugen sich trotz teilweise enormer Höhenangst mindestens genauso wacker und so konnten wir uns im Nachhinein bei einem kühlen Bier über unsere Erfahrungen austauschen. Und wer weiß, vielleicht wird die Bloukrans Bridge doch noch irgendwann bezwungen, aber zumindest nicht in diesem Jahr.

Der Samstag stand dann mal wieder ganz im Zeichen des Surfens. Mit meinem Surf-Buddy Thomas und seiner Studienkollegin aus der Heimat machte ich mich an den Strand, um die Wellen so gut es ging zu reiten oder zumindest zu versuchen, mehr Zeit auf dem Brett zu verbringen als von den Wellen durchgewaschen zu werden.

Irgendwie hatte ich in Sachen Ausrüstung aber nicht so viel Glück, da ich innerhalb von vier Stunden zwei Finnen des Surfboards brach. Wie ich das geschafft habe weiß ich selbst nicht, aber immerhin gab mir der Surfboard-Verleiher Rabatt auf die im Wasser verschollenen Finnen. Im Nachhinein war es eine gute Entscheidung mir kein eigenes Board zu kaufen, da ich sonst schon einiges mehr hätte zahlen müssen.

Am Sonntag ging es erneut zum Moses-Mabhida-Stadion, denn der erste Spieltag der südafrikanischen Fußballliga stand bevor und natürlich mussten wir unsere Heimmannschaft Amazulu FC tatkräftig unterstützen. Von den knapp 70.000 Sitzplätzen waren aber schätzungsweise nur 5.000 besetzt, sodass auf der Gegengerade und den beiden Fankurven keine Menschenseele zu sehen war.

Dennoch hatte das Derby gegen Maritzburg um den deutschen Trainer Ernst Middendorp hohen Unterhaltungswert, da von enormen Torwartfehlern bis hin zu einer Halbzeitshow mit einem Feuerspucker alles geboten wurde. Auch der Eintritt, der vor der Saison ligaweit verdoppelt wurde, ist im Vergleich zu Deutschland immer noch extrem günstig, denn Männer müssen nicht mehr als 40 Rand (4,50 Euro) und Frauen lediglich 10 Rand (= 1,20 Euro) bezahlen. Der 3:2-Heimsieg inklusive fast schon vermisster Vuvuzela-Klänge war das Geld auf alle Fälle wert.

Gruß aus dem Süden, Daniel.

Hier nochmal eine Promo-Video von Big Rush, die den Stadion-Swing anbieten:

[youtube http://www.youtube.com/watch?v=oXXTmdY1KX4&fs=1&hl=de_DE&rel=0]

Rugby, Wasser, Bunny Chow und gestohlenes Klopapier

Wenn man schon mal am Meer wohnt und sich von der Arbeitswoche erholen möchte, dann ist natürlich klar, dass man auch sein Wochenende dort verbringt, um Sonne aufzutanken, das Rauschen des Meeres zu genießen und sich von der ein oder anderen Welle erschlagen lässt. So auch diesmal wieder.

Obwohl die Wellen beim Surfen nicht allzu gut waren und durch den Wind viel zu dicht aneinander folgten, schnappten Fabian, dessen Bruder Achim, Thomas und ich uns ein paar Boards, um das Beste aus einem Wintertag in Durban zu machen. Die beiden Schwaben-Brüder stellten sich bei ihrer ersten Surfsession trotz schlechter Bedingungen ziemlich talentiert an und waren sogar ein paar Mal auf dem Brett anstatt darunter zu finden. Auch die Weißen Haie, die seit einigen Wochen aufgrund abgebauter Netze freien Zugang zum Strand haben, blieben weiterhin draußen auf dem offenen Meer, was uns natürlich freute.

Nach unserem Strandmittag ging es in ein Restaurant, wo wir zum Abendessen die Spezialität Durban´s, nämlich Bunny Chow, aßen. Wenn ich wieder zurück in Deutschland bin, dann werde ich sicherlich mal zu einem Bunny Chow Abend einladen, obwohl ich mir ziemlich sicher bin, dass ich die „milde“ Schärfe nicht ganz so gut hinbekomme wie die südafrikanischen Inder. Vielleicht sollte ich mir deswegen eine Packung des schärfsten Curry-Pulvers mitnehmen, welches hier auf deutsch übersetzt „Schwiegermutter“ heißt.

Bevor der Abend mit einer kurzen Zockerrunde im Suncoast Casino abgeschlossen wurde, ging es aber erst noch zum heimischen Rugbyteam ins Absa Stadium, wo wir einen ungefährdeten 27:16-Sieg der Durban Sharks gegen den Tabellenführer Western Province sahen. Wenigstens hier im Stadion, das so steil gebaut ist, dass es in Deutschland mit Sicherheit verboten wäre dort Spiele auszutragen, beißen die Haie kräftig zu.

Ich bin auch immer wieder überrascht, dass sich beim Rugby kaum jemand verletzt, denn ich habe selten eine so körperbetonte Sportart gesehen, bei der die Spieler meist nicht einmal Schutzausrüstung tragen. Ok, ein Spieler wurde bewegungslos vom Platz getragen.

Anstatt am Sonntag zu relaxen ging es in die uShaka Marine World, einem Vergnügungspark mit jeder Menge Wasserrutschen, von denen wir selbstverständlich keine ausließen. Ganz im Gegenteil, es wurde solange gerutscht bis wir fast nicht mehr in der Lage waren die Treppen hochzusteigen. Ein ereignisreiches und auch sehr lustiges Wochenende für die Buben aus Deutschland.

Montags ging es wie jede Woche zum Fußball spielen, doch seit dem Weggang einiger Mitspieler kommen die „Rollers“ nicht mehr richtig in Fahrt, weswegen wir nach einem bomben Saisonstart mit 19:10 bereits die dritte Niederlage in Folge hinnehmen mussten. Wird also Zeit, das sich was dreht.

Die Arbeit besteht weiterhin ausschließlich aus Büroarbeit, was aber nicht weiter schlimm ist, da das Wetter in Durban zur Zeit durchaus wechselhaft ist, was bedeutet, dass ich mich morgens desöfteren entscheiden muss, ob ich denn nicht sogar auf die lange Jeans ausweiche.

Einziges Highlight, was allerdings nicht gerade positiv ist, war, dass gestern bereits zum vierten Mal in diesem Jahr bei uns im Büro eingebrochen wurde. Außer unserem neugekauften zweilagigem Klopapier und einem Stepper, den wir nach ein paar Stunden wieder bekommen hatten, wurde aber nichts gestohlen. Irgendwie wird bei jedem meiner Praktika eingebrochen. Auch während meines ersten Praxissemesters in Berlin wurde zweimal eingebrochen. Scheint wohl an mir zu liegen.

Gruß in die Heimat,
Daniel.

Südafrika mal von einer anderen Seite

Bisher waren sicherlich 99 Prozent meiner Blogeinträge äußerst positiv, was ja auch so sein sollte. Diesmal möchte ich Euch mal ein bisschen darüber berichten, was während meines Aufenthaltes geschah und ich Euch eigentlich verschweigen wollte. Das Ganze habe ich in drei Geschichten aufgeteilt, die sich auch tatsächlich so ereignet haben.

Grund für den heute etwas weniger schönen Beitrag ist auch, dass in Südafrika momentan heftig gestreikt wird und auch noch lange kein Ende in Sicht ist. Im Gegenteil: Neben vielen Lehrern, die bereits seit einer guten Woche eine Pause einlegen, werden in nächster Zukunft eventuell auch noch Polizisten, Ärzte und sonstige Mitarbeiter aus dem Öffentlichen Dienst hinzukommen, was ein absolutes Chaos in Südafrika bedeuten würde. Der Grund für die Streiks ist, wie sollte es auch anders sein, das gute alte Einkommen, das vielen Leuten wieder mal viel zu niedrig ist.

(Während ich diesen Artikel schreibe, ist auch plötzlich der Strom ausgefallen. Vielleicht haben sich soeben auch die Herren der Energiekonzerne dazu entschlossen, ihre Arbeit für eine gewisse Dauer auf Eis zu legen.)

—–

1. Mordanschlag auf Taxibus

Nicht lange nach meiner Ankunft im April ereignete sich im Township Umlazi, in der wir auch mit WhizzKids United arbeiten ein sehr schlimmes Ereignis. Um mehr Geld zu bekommen, riefen sämtliche Taxibus-Betreiber einen Streik aus, der an einem Montag den kompletten Verkehr lahm legen sollte und somit den ein oder anderen Arbeitgeber aufgrund fehlender Arbeitskräfte zur Verzweiflung bringen sollte.

Einige Leute versuchten selbstverständlich zur Arbeit zu kommen und überredeten einen Taxibus-Fahrer dazu, die vier willigen Berufstätigen zum Arbeitsplatz zu fahren. Die anderen streikenden Taxifahrer bekamen natürlich mit, dass sich jemand der Abmachung, einen Tag lang nicht zu fahren, wiedersetzte. Deshalb stoppten sie das Taxi und erschossen neben dem Fahrer auch die vier Mitfahrer, die sich lediglich auf den Weg zur Arbeit machen wollten.

An manchen Stellen dieser Erde herrscht also doch noch Selbstjustiz. Diese Geschichte wurde mir von einem unserer Trainer aus dem Township Umlazi erzählt.

—–

2. Höllische Nachbarn

Im Vorhinein muss ich sagen, dass die Weltmeisterschaft in Südafrika nicht sicherer hätte sein können und kaum schlimme Gewalttaten ausgeübt wurden. Als wir jedoch eines Morgens an die Arbeit fuhren, hörten wir in unserem Lieblingssender East Coast Radio, dass einem Bewohner Durbans die WM doch etwas zu Kopf gestiegen ist.

Da dessen Nachbar wohl zu sehr in seine Vuvuzela verliebt war und sie desöfteren benutzte, riss der besagten Person der Geduldsfaden. Als einziges Mittel, um das Getröte zu stoppen, zückte er eine Pistole (oder Gewehr) und erschoss seinen auf der Vuvuzela blasenden Nachbarn.

Manchmal hilft es auch miteinander zu reden, aber das hätte man dem Mörder vielleicht im Vorhinein nochmal sagen sollen.

—–

3. Frisch verheiratetes Ehepaar umgebracht

Die wohl tragischste Geschichte spielte sich in den Drakensbergen ab, welche sämtliche WhizzKids-Mitarbeiter fast am eigenen Leib mitbekommen hätten, denn wenige Stunden nach der Abreise von unserem dreitägigen Teambuilding-Trip in der White Mountain Lodge spielte sich in eben dieser Ferienanlage ein furchtbares Ereignis ab.

Ein indisches Paar, das nach seiner Trauung zu den Kurzflitterwochen in die Drakensberge aufbrach, überlebte nicht einmal die erste Nacht und wurde am Morgen nach der Ankunft unbekleidet und tot aufgefunden. Der Pathologe diagnostizierte neben vielen blauen Flecken und Rippenbrüchen auch eine Fleischwunde im Gesicht sowie geschwollene Lippen beim Bräutigam, was ganz klar auf Einwirkung von Gewalt zurück zu führen ist. Die tatsächliche Todesursache der beiden war jedoch die Einatmung von Gas, die durch Unbekannte hervorgerufen wurde.

Anscheinend war dies nicht der erste mysteriöse Mord, der wenige Stunden nach unserer Abfahrt in der White Mountain Lodge stattfand. Wer wirklich hinter der Tat steckt, ist mir nicht bekannt, aber ich bin froh, dass wir bereits einen Tag früher abgereist sind.

—–

Bei mir ist aber sonst alles bestens und trotz genannter Vorfälle bin ich der Meinung, dass Südafrika ein überaus sicheres Land ist, sofern man gewisse Regeln befolgt. In Durban ist weiterhin alles super und ich freue mich auf ein erneutes Wochenende mit Sommer, Sonne, Surfen, Rugby, und und und. Erst einmal werde ich mir aber das in wenigen Minuten beginnende erste Bundesligaspiel der Bayern anschauen mit Kommentaren vom Experten Sean Dundee.

(Die Herren der Energiekonzerne scheinen übrigens doch nicht zu streiken, da ich nach einer Stunde wieder auf Strom zurück greifen kann. Glück gehabt.)

Besuch beim Deutschen Bierfest in Durban

Nach unserem zehntägigen Roadtrip war für mich wieder Arbeitsalltag angesagt. Nachdem Weggang einiger unserer Mitarbeiter war es nicht nur bei uns im Office äußerst ruhig, sondern vor allem im Volunteers House, da unser Kanadier Tom ebenfalls für gute zwei Wochen in die Heimat flog. Das Haus war neben meinem Chef, der in einem separaten Anbau wohnt also fest in deutscher Hand.

Da durch den Auszug von Oli, Brian und Danielle einige Zimmer frei waren, zog ich in der vergangenen Woche von meiner kleinen Kammer in ein weitaus größeres Zimmer, in dem ich nun auch einen eigenen Schreibtisch habe. Sozusagen Luxus pur, den ich mir für meine letzten sechs Wochen in Durban natürlich noch gönnen werde.

An der Arbeit werden wir seit anderthalb Wochen auch von einer aus dem Township Lamontville stammenden Mitarbeiterin in Zulu unterrichtet. Obwohl ich eigentlich noch immer dabei bin mein Englisch zu verbessern, kommt nun auch noch Zulu dazu, was schon etwas tückisch ist. Vor allem die Aussprache einiger Wörter mit den ziemlich schwierigen Klack-/Zungenschnalz-Geräuschen ist wahnsinnig schwer zu lernen. Macht aber auf alle Fälle jede Menge Spaß.

Deutsch ging es dann am Wochenende zu, da ich mich nach einem schönen Surfnachmittag am North Beach mit Fabian und Thomas zum Deutschen Bierfest in Durban verabredete, das am Samstagabend stattfand und von der Deutschen Schule Durban organisiert wurde. Hier versammelten sich jede Menge Landsmänner, die sich in Durban niedergelassen hatten oder eben wie ich nur für eine gewisse Zeit in der zweitgrößten Stadt Südafrikas leben.

Obwohl der Eintrittspreis stolze 20 Euro kostete, ließen wir uns das Spektakel im extra aufgestelleten Bierzelt natürlich nicht entgehen, zumal es neben einem Freibier auch noch ein deftiges Essen zur Auswahl gab. Man konnte zwischen einem halben Hähnchen und Eisbein entscheiden. Zusätzlich dazu gab es Kartoffelsalat und Sauerkraut. Als Nachspeise wurde zudem Biehnenstich (mit h) angeboten. Unschlagbar waren jedoch die Dekorationen im gesamten Bierzelt, da zum einen das komplette Zelt mit Deutschland-Fahnen geschmückt war und quer über sämtliche Tische Brezel und Rettiche verteilt waren. Leider fehlte nur noch Ballermann-Musik von Mickie Krause und Wolfgang Petry.

Eine gelungene Veranstaltung, die fast schon ein bisschen Heimatgefühle aufgerufen hatte, allerdings bestand der große Unterschied zu deutschen Bierzeltparties darin, dass kaum einer stur auf seinem Platz sitzen blieb und ein Bier nach dem anderen trank. Die meisten südafrikanischen Deutschen schwingten ihr Tanzbein und fegten wie wild über die Tanzfläche. Zu später Stunden waren dann auch wir dort zu finden.

Positiv sind uns auch die vielen Jägermeister-Promotion-Girls aufgefallen, die aufgrund ihres Aussehens scheinbar viele verschiedene Castingrunden durchlaufen müssen, bis sie ihren Job bekommen. Tolle Sache und aufgrund der guten Werbung blieben wir auch nicht vom Kaltgetränk aus Wolfenbüttel verschont.

Roadtrip mit Besuch aus der Heimat – Teil 3

Den ersten Teil unseres letzten Tages auf der Garden Route verbrachten wir im Tsitsikamma Nationalpark, der eine insgesamt 82 Kilometer lange Küste zwischen Plettenberg Bay und Humansdorp unter Schutz stellt.

Wir begaben uns an die Anfänge dieses Küstenstreifens, wo wir eine knapp sieben Kilometer lange Wandertour machten, mit dem Ziel, einen hochgepriesenen Wasserfall anzuschauen. Dieser erschien uns bei der Ankunft allerdings doch nicht ganz so spektakulär wie angekündigt.

Dafür war der Weg dorthin aber ein einziges Abenteuer, denn anstatt eines Wanderpfades mussten wir von einem Riesenstein auf den anderen springen oder gar klettern. Einige Meter neben uns prallten zudem meterhohe Wellen an die Felsküste, was sehr beeindruckend war und wir dadurch einige sehr gute Schnappschüsse machen konnten.

Unser letzter Stopp auf der äußerst abwechslungsreichen Garden Route war der Ort Knysna, der laut unserem Reiseführer als sehr schwulenfreundlich gilt und bekannt für eine wunderschöne Bucht ist, die auch viele Buchcover oder Kalenderblätter über Südafrika ziert. Am höchsten Punkt des Ortes machten wir unsere Mittagspause und genossen dabei die herrliche Aussicht, die einerseits die Stadt inklusive Lagune zeigte und zur anderen Seite das gewaltige Ausmaß des Indischen Ozeans.

Die nächste Station unseres Roadtrips war schließlich für zwei Nächte die Straußenhochburg Oudtshoorn im Halbwüstenplateau der Little Karoo, die von mächtigen Bergen umgeben ist. Im großen Backpackers Paradise, scheinbar dem einzigen Hostel in der verschlafenen Stadt, lernten wir beim Billard spielen und am Lagerfeuer einige Reisende kennen, mit denen wir auch gleich das ein andere 0,66 Liter große Bier tranken und unsere bisherigen Südafrika-Erfahrungen austauschten.

Am Samstagmorgen ging es dann für uns drei Rhöner zur Cango Wildlife Ranch, einer Art überteuertem Zoo mit Tieren, die teilweise gar nicht in Südafrika leben. Ein wenig enttäuscht vom Wildpark standen als nächstes die Cango Caves auf dem Programm, wo wir uns in den Untergrund begeben wollten, um die 700 Meter lange Tropfsteinhöhle zu bewundern. Auf Grund des großen Touristenaufkommens nahmen wir an der geführten Tour aber gar nicht erst Teil und steuerten zielgerichtet auf den Swartberg-Pass zu.

Der Swartberg-Pass ist 1.600 Meter hoch und gilt als der spektakulärste Pass in Südafrika. Die circa 25 Kilometer lange Straße, die eigentlich eine steile Schotterstraße mit enormen Schlaglöchern ist, führt unter anderem an verschiedenen Protea- und Watsoniaarten vorbei. Vom Gipfel kann man über die kahle Great Karoo schauen und die tollen Straßen, die bei der Abfahrt vor einem liegen. Der Swartberg-Pass wird bei Backpackern oftmals ausgelassen, sollte meiner Meinung nach aber auf alle Fälle überquert werden. Wir waren enorm beeindruckt von den riesigen Felswänden.

Um am Sonntag frühzeitig in Kapstadt zu sein, machten wir uns bereits um acht Uhr auf den Weg in die knapp 450 Kilometer entfernte Metropole. Die Route 62, die einen Teil unseres Weges in Anspruch nahm, führte über verschiedene Bergpässe der Halbwüste Karoo und vorbei an Ronnie´s Sexshop, der mitten im Niemandsland lag und mit einer Deutschlandflagge geschmückt war.

In Kapstadt angekommen bot ich meinen beiden Mitreisenden erst einmal eine kostenlose Stadtrundfahrt mit unserem Tata (= Auto) an. Unter anderem fuhren wir an der noblen Waterfront, den Stränden Camps Bay und Clifton Beach und natürlich an der Kabelstation am Fuße des Tafelbergs vorbei. Nach einer kurzen Pause, in der wir den grandiosen Blick auf die Stadt genossen, beendeten wir unsere kurze Sightseeing-Tour und checkten im Penthouse-Hostel ein, in dem ich mich schon während meinem Klassentreffen am Kap niedergelassen hatte.

Dass unser Backpackers direkt auf der Partymeile der Long Street lag, war also kein Zufall und die Voraussetzungen für einen guten Abschluss unserer zehntägigen Tour waren somit gegeben. Nach einigen Kurzbesuchen in diversen Lokalen beendeten wir unseren Abend schließlich im „The Dubliners“, einer irischen Bar, bei der Livemusik vom Allerfeinsten angeboten wurde und fleißig mitgewippt und geschunkelt wurde. Ein perfekter letzter Abend in meiner Traumstadt Kapstadt.

Es gibt ein Sprichwort, das sagt „It´s not about the places you go, it´s about the people you meet”. Das bedeutet, dass es nicht unbedingt auf den Ort ankommt, an dem man sich aufhält, sondern viel mehr darauf mit wem man dort ist. Bei mir waren beide Komponenten gegeben, was heißen soll, dass der Roadtrip mit Matthias und Monique einfach absolute top war. Gerne wieder.

Vielen Dank hierbei an die beiden, die noch eine weitere Woche in Kapstadt verbringen werden, für zehn lustige und wahnsinnig unkomplizierte Tage im wohl abwechslungsreichsten Land unserer Erde.